Gießener Anzeiger
Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Messen
Nr. 222
Dienstag den 23. September
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Gießen, den 19. September 1873.
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toiertcljätirig 1 fl. 12 fr. rJt Brrngerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig
1 fi. 29 fr.
Der König muß sich zum Haupt der Italiener machen, er muß in alle Civil- und Militärposten selbst seiner Residenz sogar Revolutionäre berufen. Er kannte keine andere Wahl für Sardinien, als entweder von Oesterreich sich
doch war ein Gelingen nur möglich, wenn Sardinien sein Staatswesen von Grund aus reformirte, dem Stabilitätsprincip Oesterreichs das der freiesten Volksentwickelung entgegensetzte und ganz Italien zum klaren Brwußtsein brachte, daß der neue Krieg kein sardinischer, sondern ein italienischer, kein Cabinets- krieg, sondern ein Nationalitätskrieg, daß das Jnteresie des Hauses Savoyens und Italiens eins und dasselbe sei. Erst Cavour schlug diese Richtung in der Politik ein; ohne einen Mann wie Cavour wäre das Ziel unerreichbar gewe
sen. Für die Unabhängigkeit unb Größe Italiens begeistert, besaß er ungemeinen Scharfsinn, die feinsten Pläne zu entwerfeu, auf mehrere Jahre hinaus
jene eine Stärkung besonders insofern erfährt, als von ihr Alles, was etwa an die alte heilige Allianz erinnern könnte, jetzt vollends abgestreift wird. Die
In dem Budget des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen pro 1873 ist ein Betrag von 50 fl. vorgesehen für Untersuchung der Gemeindeobst- baumschnlen und Baumstücke und Ertheilung der nöthigeu Anleitung für Verbesserungen, womit, wie in früheren Jahren, der im pomologischen Institut zu Reutlingen ausgebildete Baumwärter Jacob Rinn X. von Heuchelheim beauftragt werden soll.
Indem ich die Herren Bürgermeister hierauf aufmerksam mache, ersuche ich diejenigen derselben, welche eine solche Untersuchung und Anleitung für ihre Gemeinde wünschen, ihre deßfallsigen Anmeldungen innerhalb 14 Tagen an mich gelangen zu lassen.
Dieselben können nut bei der Post oder den Landpostboten abonniren. — Damit wir nun in den Stand gesetzt sind, die Auflage des Blattes bestimmen zu können, ersuchen wir Alle, welche'auf den Gießener Anzeiger abonniren wollen, dies sofort bei der ihnen zunächst gelegenen Postanstalt oder den Landpostboten zu thun, da wir uns sonst nicht verbindlich machen können, vollständige Exemplare zu liefern.
Die Redaction.
Derselbe erscheint täglich, mit Ausnahme Sonntags, und kostet für die Abonnenten in der Stadt Gießen vierteljährlich fl. 12 fr., frei ins Hans geliefert.
Den seitherigen Abonnenten in der Stadt Gießen werden wir, wenn vorher keine ausdrückliche Abbestellung erfolgt, das Blatt auch IV. Quartal 1873 zusenden und den Abonnementsbetrag durch Quittung erheben lassen.
Diejenigen, welche den Anzeiger Abends bei der Expedition abholen lassen, erhalten denselben zu 1 fl. pro Quarta!.
Für alle außerhalb Gießen wohnenden Abonnenten beträgt der vierteljährige Abonnementspreis 1 fl. 29 fr. incl. Postaufschlags.
mächtig; beim gauz Italien stand hinter ihm. Nicht zum ersten Male hegte es Vergrößerungs- und Nationalitätspläne. Schon im Anfang dieses Jahrhunderts vertheidigten die sardinischen Staatsmänner in London und Petersburg den Satz von der Nothwendigkeit des Ausschlusses Oesterreichs aus Oberitalien und der Errichtung eines starken norditalienischen Königreichs. Der sardinische Gesandte am russischen Hofe, Josef de Maistro, schrieb schon 1814: „Es giebt für das Haus Savoyen kein höheres Interesse — und dasselbe hat gauz Italien — als daß Oesterreich anf der Halbinsel nicht eine Handbreit Landes besitze.
Einführung oder die Besiegelung der Einführung des liberalen Elementes in die Allianz, jetzt eine Quadrupel-Allianz, fällt mit dem Triumphe der Reaction in Frankreich zusammen. Galt noch vor einem Jahre die Demonstration dreier Herrscher dem republikanischen Frankreich, so erinnert jetzt nichts mehr an die vormärzliche Zeit, in der die Autokratie der östlichen Herrscher und der Con stitutionalismus des westlichen Europas sich einander gegenüberstanden. Das Haus Savoyen, von welchem König Victor Emanuel ein Abkömmling ist, und das Haus Hohenzollern bieten viele Analogien. Sie sind beide durch das Ver- hängniß von Jahrhunderten instinctmäßig auf Ausdehnung ihrer Macht, aus 1 friedliche oder kriegerische Eroberungen hingewiesen. Victor Emanuel und Kaiser Wilhelm, Cavour und Bismarck stellen sich in sehr augenscheinliche Parallele, der Sturz der österreichischen Herrschaft, hier in Italien, dort in Deutschland, die daraus basirte Einheit beider Reiche, darin gipfelt die Analogie.
Erscheint tätlich, et:i Ausnahme Sonntag-.
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ziehung eines freiheitlich vorwärts strebenden, wenn auch iuuerlich schwer kämpfenden Staates in die Allianz des Ostens Europas.
Unter den trostlosen Zuständen einer rachsüchtigen Reaction und gehaßten
Fremdherrschaft bildete die sardinische Negierung stets eine Oase. König Victor die Wege vorzubereiten, und was die Mittel betraf, so war er zu sehr Jta-
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Und doch fehlt der Contrast nicht. D.er eine Monarch ist auf dem
Schlachtfelde so unglücklich gewesen, als der andere nur auf einer langen!verschlingen zu lassen, oder Oesterreich aus Italien hinauszujagen und sich an
Reihe großer Siege sein Werk aufgerichtet hat. Wenn in einer in diesen^seine Stelle zu setzen. Wenn die Erreichung dieses Zieles zuerst mißlang, so
Tagen in Berlin abgehaltenen Wahlversammlung der Abgeordnete Löwe von chatte es seinen Grund darin, daß Sardinien mit dem nämlichen Regiernngs-
den Erfolgen des Absolutismus in den Jahren 1866 und 1870 sprechen koiurte.^princip, welches Oesterreich hatte, dieses bewältigen zu können wähnte. Und so har man in Sardinien immer gesucht, durch moralische Mittel, durch den" Liberalismus die Lösung der nationalen Frage vorzubereiten. Wir versuchen, ihm auf diesem Wege erst zu folgen, nachdem wer auf dem Schlachtfelde Sieger gewesen. Sind der Negierung Victor Emanuelas Demüthigungen nicht erspart geblieben, Demüthigungen, wie sie immer der Beschenkte gegenüber dem Geber empfindet, so leidet doch darunter nicht die große Bedeutung der Herein-
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23lCfPt @nt<inutl in Berlin. Emanuel hatte ein Herz für Italiens Größe und seine Politik war der öster-
— In Berlin haben die drei mächtigen Herrscher im Osten Europas sich reichischen schnurstracks entgegeugesetzt. Er führte die Verfassung im sreiheit- vor einem Jahre die Hände geschüttelt und Frankreich hat den avis au leetonv lichen Sinne fort, nahm alle flüchtigen Patrioten Italiens in seinem Staate wohl verstanden. Die jetzigen Besuche des Königs Victor Emanuel in Wiewaus und brach vollständig mit den ultramontanen Ideen, unbekümmert um das und Berlin führen in die Drei-Kaiser-Allianz ein Element hinein, durch welches Grollen Roms und seiner Bischöfe. Seine Negierung, von Cavour mit Einsicht und Kühnheit geleitet, galt als der Hort aller liberalen Bestrebungen, seine Dynastie, obgleich aus dem französischen Savoyen abstammend, durch hundertjährige Einbürgerung als die einzige nationale auf der ganzen Halbinsel. Obgleich ein Staat von kaum 5 Millionen Einwohnern, war Sardinien doch
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Der Director des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen, v. Röder.
Gekannt m a ch u n g.
Wir bringen zur öffentlichen Kenntniß, daß Seine Königliche Hoheit der Großherzog Friedberg wieder verlassen habe und nach Darmstadt znrückge- kehrt sind- Vorstellungen an Aller höchstdenseiben sind daher nach Darmstadt zu richten.
Gießen, am 19. September 1873. Großherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Röder.


