gen und stiegen mit ihren Waffen in die Straßen hinab, wo sie mit den Rothen
Madrid, 21. Juli. Der Ministerrath hat energische Maßregeln zur
Staube. Er wird keinen angenehmen Bericht nach Madrid zurückgebrachts erklären. Die Ereignisse von 1870 haben uns bewiesen, daß unser militärisches haben. Die Seesoldaten und Matrosen brachen noch selbigen Tages ihr Schwei-j System zur Vertheidigung des Landes nichts taugte. Wir müssen daher ein
Brüderschaft schloffen.
Der berüchtigte General Contreras, welcher inzwischen den Befehl über die meuterischen Truppen übernommen hatte — es scheint, daß auch die Aufrührer jeden Tag eine neue Spitze haben müssen, gerade so, wie die Regierung in Madrid —, muß den Truppen dennoch nicht ganz trauen, denn er hat ihnen ihre gute Waffen abgenommen, um sic den Freiwilligen seiner Partei zuzustellen, deren elende Schießprügel zum Austausch den Soldaten überliefert wurden. Ein Brief aus Cartagena macht die beiläufige Bemerkung: „Wohl unterrichtete Leute glauben, daß die Negierung bei diesen Vorgängen die Hand im Spiele hat"; eine Anklage, welche sich offenbar gegen den Minister-Präsidenten Pi y Margall zuspitzt, der ja auch in den Cortes des Verraths beschuldigt wurde.
Noch sind keine Nachrichten über die Niederwerfung des Aufstandes eingetroffen und die Aufgabe wird schwer genug sein. Ueber die Zustände in Cartagena schreibt ein Augenzeuge: „Die Bevölkerung flieht aus der Stadt, als ob oie Cholera wüthete. Fast alle Läden sind geschlossen unb in den Zügen der zurückgebliebenen Einwohner malt sich Trauer und Schrecken " Jedoch hat der Aufstand vorläufig mehr einen politischen, als einen socialen Charakter, und es stehe zu hoffen, daß die Ereignisse von Alcoy sich in Cartagena nicht wiederholen.
chung aufgestellt wird.
Madrid, 21 Juli. In der heutigen Cortes-Sitzung wurde der Anrag gestellt, daß der Regierung wegen des Beschlusses, die insurgirteu Kriegs- tschiffe für Piraten zu erklären, ein Tadelsvotum ertheilt werde. Der Antrag
neues System suchen, welches Frankreich erlauben würde, in zwei Jahren so gut wie in zehn sich gegen eine Invasion zu vertheidigen, ohne daß die Last der militärischen Organisation für das Land zu schwer wäre. Je weniger diese Organisation für jeden anderen Krieg als die Vertheidigung des Landes anwendbar wäre, desto mehr hätte man Ursache, sich zu beglückwünschen; denn es wäre dies die beste Bürgschaft dafür, daß die Regierung, was immer sie sein mag, keinen Krieg erklären werde." — General Trochu lebt bekanntlich in großer Zurückgezogenheit zu Tours und es bekümmert sich kein Mensch um ihn. Das mag den tapfern General bitter verdrossen haben. Nicht blos Schriftsteller, sondern auch Kriegsmänner empfinden das Bedürfuiß, von sich reden zu machen. So erging es dem guten General Trochu, und um dies tiefgefühlte Bedürfniß zu befriedigen, setzte er sich hin und verfaßte eine Petition an die National-Versammlung. „In der Zurückgezogenheit, in der ich mich befinde," sagt er am Eingänge derselben, „halte ich es für eine Pflicht des Anstandes, zu schweigen." Diese Begründung seines öffentlichen Auftretens ist jedenfalls eigeuthümlich; logischerweise müßte man dem General sagen, es sei unanständig von ihm, daß er rede. Aber er liegt mit der Geschichte in Streit; er findet, daß ihm in den der National-Versammlung vorgelegten Berichten von Sainl- Warc-Girardin, Chaper und de Rainneville (Berichten der Untersuchungs- Commijsion über die Negierung des 4. September 1870) bitter Unrecht geschehen. Er verlangt eine nochmalige Prüfung dieser Berichte und die baldige Vorlage der beiden noch ausständigen, deren einer ebenfalls von Chaper, der andere von Graf Daru verfaßt wird. Was Trochu eigentlich will, muß mau bei der sehr unklaren Schreibweise des Generals eigentlich nur errathen. Er verlangt von der Nationalversammlung seine militärische Rehabilitation; sie soll wahrscheinlich erklären, daß er ein vortrefflicher General sei und die Deutschen sicher zurückgeschlagen hätte, wenn Gottes Beistand nicht ausgeblieben wäre. Mit dieser Begründung würde wenigstens sowohl der General selbst, als auch die fromme Mehrheit von Versailles zufrielengestellt.
IMeiTeidj.
Wien, 22. Juli. Der König von Württemberg ist heute Vormittag von hier abgereist. Der Kaiser von Oesterreich begleitete ihn zum Bahnhof, wo sich beide Monarchen herzlich verabschiedeten.
Jranlueid).
Paris. Als warnendes Beispiel wird mit Recht auf diejenigen Stim men Französischer Blätter aufmerksam gemacht, welche mit unverbesserlichem Chauvinismus die Revanche predigen. Es ist nicht mehr wie billig, daß man auch diejenigen Stimmen registrirt, welche für den Frieden sprechen. So ent hält „Avenir national“ folgenden verständigen Artikel: „Jeder Französische
Deutsch land.
Darmstadt, 21. Juli. Die zweite Kammer erledigte heute das Finanzgesetz für die Finanzperiode 1873 — 75. Der Abg. Buff hatte zur Schluß berathung den Antrag gestellt, für die Finanzperiode auch die Actiengesellschaften und juristische Personen zur Einkommensteuer zuzuziehen und begründet denselben damit, daß die Mehreinnahmen durch die Kriegsgelder möglicherweise leicht aufgehoben werben könnten durch extraordinäre Nachforderungen, wie den Bau eines Theaters, Polytechnikums, Kunstmuseums rc. Man müsse das Budget nicht nach einmaligen außerordentlichen Überschüssen, sondern nach normalen Verhältnissen regeln. Er motivirt diesen Antrag in längerer Rede, in der er gewisse Erleichterungen, z. B. für die Volksbankeu, insofern diese bloö für gewisse gewinnbringende Geschäfte besteuert werden sollen, eintreten lassen will, wird aber von dem Finanzminister bekämpft, welcher einen solchen Antrag am Schlüsse der Finanzgesetzdebatte für unzulässig hält. Dernburg glaubt, daß man im Augenblicke die Tragweite eines derartigen Antrages nicht übersehen könnte, Improvisationen eines derartigen Gesetzes seien sehr bedenklicher Natnr. Gerade sie bedürften reiflichster Ueberlcgnng und sei hier unbedingt eine vor hergehende Ausschußberathung erforderlich. Dumont hält den Antrag Buff nicht allein für zulässig, sondern man habe ihn ja gewissermaßen auf die heu- tige Verhandlung vom Ausschüsse aus hingewiesen. Mit dem Antragsteller gehe gewiß auch das ganze Land mit Ausschluß der Dividendenbesitzer. Eine Doppelbesteuerung finde hier nicht statt, also falle auch der Einwand, daß die Reichsgesetzgcbung eine solche Steuer nicht zulasse. Gegenüber der Thatsache, daß unser Budget mit einem Deficit schließe, hätten wir alle Veranlassung, alle Mittel zu ergreifen, dieses Deficit zu decken, namentlich Geschäften und Personen gegenüber, welche ohne große Anstrengung im Genüsse großer Einnah men stünden. Nachdem sodann Buff nochmals für seinen Antrag gesprochen, der Finanzminister doch eine Doppelbesteuerung als möglich erachten muß, Schröder nur aus formellen Gründen den Antrag abgelehut wissen will, betont Büchner, daß es ja gerade auf dem Programm der Fortschrittspartei stehe, auch die Actiengesellschaften zur Einkommensteuer zuzuziehen und stellt den Antrag, den Antrag des Abg Buff an deu Ausschuß zurückzuverweiseu. Der Berichterstatter Metz muß zugcben, daß der Antrag allerdings formell zulässig sei, hält ihn aber nicht für zweckdienlich, namentlich, da er nicht Lust habe, nach den Erklärungen des Finanzministcrs, das Finanzgesetz zu gefährden durch Annahme eir.es Antrages, dessen Motive ihm auch nicht klar seien, über den man gewiß auch nach einmaligem Anhören nicht sofort uitheileu könne. Die Kammer lehnt bei der Abstimmung den Antrag Buff ab, gegen die Stimmen von Dumont, Buff, Frank, Wolz und Oncken. Verschiedene Abgeordnete erklären ausdrücklich, daß sie mir aus formellen Gründen gegen den Antrag gestimmt. Buff, den Metz in seinem Berichterstatterschlußwort persönlich darauguirt hatte, erklärt, daß er allerdings nach der Geschäftsordnung nun auf ein weiteres Wort verzichten müsse, sonst würde es ihm nicht an Muth gefehlt haben, dem Abg. Metz die richtige Antwort zu geben.
Morgen beginnen die Berathnngen über den Volksschulgesctzentwurs, die jedenfalls längere Zeit in Anspruch nehmen werden, da die Anschauungen sehr gethciller Natur sind und viele Redner in die Schranke treten werden.
CurS, 22. Juli. Die Kaiserin Augusta ist heute zum Besuch des Kaisers eingetroffen. Für Freitag sind der Kronprinz und die Kronprinzessin von Sachsen angemeldet.
Paris, 18. Juli. Die Ferien-Commission hat sich gegen den Zusammentritt der Kammer nach der vollzogenen Räumung und für den Wiederbeginn der Session am 5. November ausgesprochen.
— In Toul ist mit der Wegschaffung des deutschen Kriegsgeräthes begonnen worden. Das rechte Ceutrum hat heute über die Interpellation von Montag berathen; da die Verhandlungen sehr stürmisch waren, so wurde beschlossen, kein Protokoll zu veröffentlichen. Die clericalen Tendenzen der Regierung wurden scharf getadelt und darauf hingewiesen, wie lächerlich Frankreich sich dadurch mache, daß es osficiell erkläre, daß Wallfahrten nach Paray-le- Monial und der Bau einer Kirche auf dem Montmatre eS retten würden.
— Auch der Luueviller Gemeinderath hat Herrn Thiers zu deu Besreiungs- fcften eingeladen. „Bien Public" sagt, Thiers habe in Betreff der Einladung aus Nancy erklärt, er wisse noch nicht, ob seine Gesundheit und die Verhältnisse ihm die Annahme gestatten würden.
PariS, 20. Juli. Bekanntlich will die Negierung keine Befreiungsfeste, weil Thiers der Held derselben sein würde. Die Negierung wurde darin bestärkt durch die begeisterte Aufnahme, die Thiers am letzten Freitag in Valen- ciemns gesunden hat.
— Alle Bischöfe Frankreichs veröffentlichen Hirtenbriefe, um die Gläubigen aufzufordern, während des Wallfahrts-Monats sich höchst zahlreich an den heiligen Stätten einzufinden
Der Präfect von Marseille hat deu republikanischen Club-Salon geschlossen , weil dort ein Lied gegen Bazaine gesungen worden war.
Versailles, 21. Juli. In der heutigen Sitzung der Nationalversammlung ergreift zuerst Jules Favre das Wort und sagt: Das Land wolle wissen, wohin es durch die Regierung geführt werde; es beschuldige dieselbe, daß sie die Republikaner von der Verwaltung ausschließe. Er frage die Negierung, welche Ansichten sie rücksichtlich der legitünistischen, orleanistischen und bonapar- tistischen Prätendenten hege. Zur Beantwortung nimmt der Ministerpräsident Herzog v. Broglie daS Wort: Jules Favre habe nicht eine einzige ernste Thatsache vorgcbracht; er (Broglie) erwidere lediglich, die Negierung komme dem Programm vom 24. Mai nach, diesem Programme, welches deu Waffenstillstand der Parteien, die Achtung vor der Versammlung und die Vorbehaltung der Negierungsform bedeute. Bevor man eine endgültige Form errichte, müsse man eine solide Grundlage Herstellen. Halten wir an btm Programm fest, welchem jeder ehrliche Mann bcistimmcn kann: die Vereinigung der gesetzlichen und conservativen Kräfte. Schließlich wird eine von der Rechten eingebrachte Tagesordnung, welche das Vertrauen der Versammlung in die Politik der Regierung auospricht, mit 400 gegen 270 Stimmen angenommen.
Spanien.
Madrid. Der Telegraph berichtet von fortwährenden nicht unerheblichen Fortschritten der Carlistischen Insurgenten. Die illegitime Regierung wird bald dieselbe Macht besitzen als die vom Volke eingesetzte. Seitdem der republikanischen ein neuer Feind unter republikanischem Banner durch Hetzereien und Agitationen der Internationale entstanden ist, wird 'die Lage der wechselnden Ministerien in Madrid immer bedenklicher. Wenn Spanien sich absolut nicht mehr selbst helfen kann, so wird sich die civilisirte Welt früher oder spä ter die Frage stellen müssen: „Jnterveniren oder nicht?" Der katholische Priester Santa Cruz, der sein geistliches Gewerbe zeitweilig mit Brennen, Sengen und Morden vertauscht halte, hat nun die Kutte wieder augezogen und befindet sich auf dem Wege nach Rom, um daselbst die ihm sichere Verzeihung des heiligen Vater einzuholen und eventuell sich ü| einer Nische in irgend einer katholischen Kirche die Stelle auszubediugen, wo er nach erfolgter Heiligspre
Bürger hat die Pflicht, es laut zu sagen, damit die Welt es wisse, daß wir den Krieg nicht wollen, ihn durchaus nicht wieder anfangen wollen, und daß wir keine andere Absicht haben, als uns in unserem Lande zu vertheidigen. wurde indcß mit 110 gegen 90 Stimmen verworfen. — Alicante hat sich als Man sagt wohl: Seht, was uns geschehen ist, weil wir nicht hinlänglich ge unabhängiger Canton erklärt. In Cartagena soll eine Fregatte unter dem rüstet waren, wir wurden geschlagen. Daraus ist zu antworten, daß es ein!Commando eines der Internationalen angehörigen Engländers Namens Brice Mittel von trivialer Einfachheit gab, um schlecht, oder wohl selbst gar nicht'stehen, gerüstet, nicht geschlagen zu werden, nämlich ganz einfach, keinen Krieg zu


