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Ltt. B. Nr. 1.

Mnzeige- und Mmisölait für den Kreis Kiessen.

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Gießen, am 17. Juli 1873.

Verreisend: Die Schrift des Großherzoglichen Mmisterialsecretärs vr. Zimmermann über die Sonderrechte /

der Provinzen Starkenburg und Oberhessen des Großherzogthums Hes en.

Das er o HI)c r>ü gl i d)t Rrrisaml Girfti»

an die Großherzoglichen Bürgermeistereien.

Indem wir Sie auf obige neuerdings im Selbstverlag des Verfassers erschienene Schrift aufmerksam machen, empfehlen ton Ihnen deren Anschaffung

zum Dienstgebrauch.

v. Röder.

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politischer The > l.

danken ist. Wer noch daran zweifeln will, dem braucht man nur zu bemerken, daß der gegenwärtige Bundesrath oder Ausschuß der Internationalen für Spa­nien gerade in Alcoy seinen Sitz hat. Dieser Ausschuß befindet sich allerdings ' im Streit mit der Mehrzahl des großen internationalen Verbandes, er hat die : Beschlüsse des bekannten Kongresses im Haag vom September 1872 nicht an­erkannt und erkennt deshalb auch nicht den von jenem Congreß gewählten Generalrath an, welcher augenblicklich in Ncw-Aork residirt. Weshalb er ge- I rade seinen Sitz in dieser Stadt Alcoy genommen hat, ist leicht zu begreifen, 1 denn unter den vielen Tausenden der dortigen Arbeiter konnte er auf eine zahl- reiche Anhängerschaft und nicht minder auf zahlreiche Elemente auf seine Um­sturzplane rechnen. Ueberdies waren auch die Rundschreiben, welche zuerst an: die Fabrikanten gerichtet worden waren und die geforderte Lohnerhöhung ein- ' seitig festsetzen wollten, mit dem Stempel der Internationalen versehen. Der eigentliche Anführer der Aufständischen war Severino Albarracin, ihm zur Seite standen ein Weber Segui, ein Arbeiter Namens Fambuena und ein gewisser Francisco Tornas aus Palma. Dieser Albarracin ist ein charakteristischer Umstand für viele der Volksaufwiegler, welche die Flut der Republik au die Oberfläche gewirbelt hat ein junger Mensch von kaum mehr als zwanzig Jahren, gebürtig aus Valencia, wo er, eifrig im Studium, Schullehrer wurde, sich zuerst einem republikanischen Club anschloß und dann sich als eins der emsigsten Mitglieder der Internationalen hervorthat, so daß er zum besoldeten Schriftführer des spanischen Bundesrathes derselben in Alcoy ernannt wurde. Als solcher wohnte er dem Congresse der Internationalen in Cordoba an.

Es ist kein Zweifel möglich, daß die Internationale sich auf den Kampf gegen das Capital gerüstet hatte und jedenfalls den Aufstand in erster Linie veranlaßt hat. Die Agenten, welche am Montag den 7. Juli Abends aus Valencia zu den Verschwörern in Alcoy stießen, um den allgemeinen Strike in's Werk zu setzen, beriefen eine Arbeiter-Versammlung in den Stiercircus, wo bei Fackelschein aufreizende Reden gehalten wurden. Eine großartige Kraftan- strengung sei nöthig, um den Arbeitern in Valencia Muth einzuflößen und die unterdrückten Brüder zu retten. Das war der Refrain der Reden. Die Sache verhielt sich nämlich so, daß in Valencia die Internationale keine rechten Fort­schritte machell konnte, daß die Strikes gescheitert waren und der Verband daher glaubte, durch eine Aufjehen erregende That die in Valencia erlittene

Niederlage gut zu machen.

Am folgenden Morgen erschienen in aller Frühe Gruppen bewaffneter Ar­beiter in den Straßen und insbesondere an den Ausgängen dcr Stadt, um die Arbeiter, welche sich nach den meist außerhalb gelegenen Fabriken begeben woll­ten , zur Umkehr zu deoingen. Auch gingen sie zu den Webern in der Stadt und forderten sie auf, die Arbeit einzustellen. Viele Arbeiter weigerten sich zwar, zu gehorchen, indem sie erklärten, sie seien zufrieden mit dem Lohne. Doch wagten sie vor den Drohungen der Aufwiegler am anderen Tage nicht, zur Arbeit zurückzukehren. Zu bemerken ist auch, daß am Tage vor dem be­waffneten Kampfe mehrerer Karren in den Straßen der Stadt gesehen wurden, welche jeder mit sechs roth angestrichenen Fässern Petroleum beladen waren; während zu gleicher Zeit wahrgenommen wurde, daß man Brandraketen zusam­menschleppte ; wohl ein vollgültiger Beweis, daß man sich mit bösen Absichten trug. Die von vornherein angezweifelte Behauptung, daß der Bürgermeister Albors auf die vor dem Rathhanse versammelten Meuterer geschossen und solcher Maßen den Kampf hervorgernfen habe, stellt sich nunmehr als ganz und gar- falsch heraus. Die Aufwiegler trifft allein die Schuld an den Schreckens scenen, zu deren Schauplatz nun die Stadt gemacht wurde und deren weiteren Verlauf wir schon btschrieben haben. Zu erwähnen wäre noch, daß die Auf­ständischen am Donnerstag noch eine Brandschatzung von 25,000 Duros von den Fabrikanten und Hausbesitzern verlangten, welche Forderung sie Tags

Die äußerliche Ruhe ist nun zwar in der Stadt wieder hergestellt, aber alle besitzenden Classen schweben noch in großer Besorgniß, denn der General Velarde hat mit seinen Truppen die Stadt verlaffen, und da es an Gensd'ar- merie und Polizei durchaus fehlt, so befürchtet man neue Ausschreitungen. Viele Familien sind ausgewandert, die Nachfrage nach Fahrgelegenheit wurde so stark, daß für einen elenden Karren, um nur aus der Stadt heraus zu kommen, bis zu 1000 Realen geboten wurden. Zugleich hat sich auch der Gouverneur von Alicante und der aus Valencia hingeschickte Untersuchungs­richter wieder entfernt. Letzterer berief sich den Gerichtsbehörden gegenüber auf die Unmöglichkeit, seinen Auftrag unter einer Bevölkerung zu erfüllen, die theils von Schrecken, theils von Rachegefühlen erfüllt und in der kein einziger Hüter der öffentlichen Ordnung zurückgeblieben sei. Es scheint auch, daß bis jetzt keiner der Uebelthäter, die sich an den Gräueln mit eigener Hand betheiligt, verhaftet worden ist, und es wird wohl gehen wie in so vielen anderen Fällen in Spanien, daß die Strafe den Verbrecher nicht erreicht. Der Richter selbst wird froh sein, daß er mit heiler Haut aus der Stadt entkommen ist.

An den Aufstand von Alcoy hat sich der Zeit nach sofort die Empörung in der Hafenstadt Cartagena augereiht. Wenn ersterer von der Internationalen eingeleitet wurde, so ist letztere das Werk der in den Cortes unterlegenen äußersten Linken, der Unversöhnlichen, welchen selbst der weit nach links vor­geschrittene, jetzt gestürzte Minister-Präsident Pi y Margall nicht purpurfarbig genug schimmerte. Es war am Samstag den 12. Juli, als die rothen Re­publikaner in Cartagena den Beschluß faßten, die Autorität der Regierung zu Madrid abzuschütteln, den selbstständigen Staat Murcia zu proclamiren und

einen Wohlfahrts-Ausschuß einzusetzen.

Der Abgeordnete Antonio Galvez aus Murcia und Poveda, sein College von der Linken, kamen nach Cartagena, um sich au die Spitze der Bewegung zu stellen. Zugleich mit ihnen traf der Gouverneur der Provinz, Herr Altadill, dort ein, der zum allgemeinen Erstaunen zu den Vorgängen nicht nur sein Auge schloß, sondern den Gemeinderath sogar aufforderte, abzudanken, um einem Streite vorzubeugen. Galvez wurde zumGeneral-Commandanten der Streitmächte zu Wasser und zti Lande" ernannt. Der General-Gouverneur legte sich zu Bett und sagte, er sei krank, worauf der Platzmajor, den die Aufrührer gewonnen hatten, den Befehl übernahm; der General-Capitän der Flotte begab sich mit seiner Familie in's Arsenal und ertyeilte auf die Auffor­derung, sein Amt einem abgedankten Marine-Capitän zu übergeben, die Antwort, daß er zuerst die Ermächtigung von Seiten des Marine-Ministers einholen werde. Darauf richtete der Wohlfahrts-Ausschuß oder in seinem Namen der General-Commandant" Galvez au die Officiere des Platzes und der Flotte die Aufforderung, ihm den Eintritt zum Arsenal zu eröffnen und ihm die Waffen der anwesenden Land- und Seetruppen, etwa 300 Mann, auszuliefern, wo nicht, würde er sie mit Gewalt nehmen. Telegraphisch benachrichtigt, kam an demselben Abend der Marine-Minister Aurich von Madrid und begab sich auf einem Umwege um die Stadt zu der FregatteVictoria." Was an Bord ge­schah, weiß man noch nicht; den anderen Morgen aber in aller Frühe ließ sich der Minister zu der FregatteAlmania" hinrudern, und als auf die Frage Werda" die Antwort hieß:der Marine-Minister", entstand eine große Ver­wirrung auf dem Schiffe; ja, als er an Bord erschien, wurde ein Revolver auf ihn abgefeuert. Zum Gluck ging der Schuß vorbei. Vor dem Lärm ge­lang es ihm nicht einmal, zu Worte zu kommen; er verließ die Fregatte und ging in's Arsenal, wo er Appell zu blasen befahl. Er hielt eine Anrede au die Truppen und erwartete deren Zuruf, aber kaltes Schweigen war die Antwort. Ein Officier wiederholte, was der Minister gesagt; wiederum tiefes Schweigen. Angesichts der offenbar rebellischen Haltung zog der Minister sich zurück, hielt eine kurze Zwiesprache mit dem General-Capitän und machte sich aus dem

darauf um die Hälfte herabminderten. Doch auch diese Summe vermochten sie

Zu den Aufständen in Alcoy und Cartagena. i {$t emMreiben, da alle vermögenden Leute geflohen waren oder sich versteckt Es ist bekannt, daß der entsetzliche Aufruhr in Alcoy, dessen Verlauf an hielten, so daß die Räuber denn Besseres waren sie nicht sich nut etwa dieser Stelle schon ausführlich geschildert worden, der Internationalen zu ver- 1000 Duros an baarem Gelde begnügen mußten. ---

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