tze« erst jetzt complet gewordenen Hanfes »öthtg seien, stimmt er für den vor« schlag des Präsidenten, die nächste Sitzung erst am Mittwoch zu halte», (ioinger hält diesen Grund nicht für stichhaltig und empfiehlt Beschlennignng der Arbeiten. Herr *. Rabenau wünscht dem Lande Diäten zn erspare« und daher baldigste Wahl der Ansschüsse, Ergänzungen, da ja wohl die „rechte Seite des Hauses", welche die Mehrheit habe, bereit« über die Herren, die sie wählen wolle, schlüssig geworden sei. Der Präsident erläntert die unbedingte Rothwendigkeit der Kammer- berusuog, worauf Herr r. Rabenau nochmals mit einigen Worte» rrplicirt. Die Sdstimmu«- ergab, daß die gratze Mehrheit der Kammer sich dafür erklärte, daß die nächste Sitzung am 22. ftatifinden soll.
Berlill, 20. Ian. Heute fand im Abgeordnetenhaus« bei dicht gefüllten Zuhörerränmr» die erste verathung de- Gesetzentwürfe- über kirchliche Dtscipli- oargewalt and über die Errichtung eine« Gericht-Hose- für kirchliche Angele-en- Heiken statt. Els Redner waren für, acht gegen die Vorlage eingeschrieben, unter letzteren Freihr. v. Gerlach, welcher, nachdem Vbg. Holtz, dem Vbg. Jung (Kolo) entgegnend, für die Vorlage gesprochen hatte, da« Wort ergriff. Diesem folgte »bg. Wivdthorst (Dortmund) zur Entgegnung und für die Vorlage; so- dann wurde die Geaeral-Discvssiou geschloffen und die Vorlage der am Freitage beschlossenen Eiuundzvauziger - Commission überwiesen. Sodann folgte die erste Lesung de« Grsetzrntwurfe« über die Grenze, de« Rechte« zum Gebrauche kirchlicher Straszuchtmittel. Sieben Redner waren für und ebenso viele gegen diese Vorlage eingeschri be». Rach einer anverth^lbstundigen Rede Reichensperger'« vertagte sich du« Hau« auf morgen. Unter den Eisgänge» des hrutigen Tage« an ha« Han« befindet sich eine Gesetzesvorlage über die Vctheiligung von Beamten an Erwerb-geuossen chasten.
Berlill, 20. Ian. Der geschäft-führend« Au-schuß de« deutschen Prote- ftantenverein« hat au Dr. Sydo» in Berliu folgende Acreffe gerichtet:
„Hochverehrter Herr Dotier I Seit Jahren mit Ihnen durch d esilben Ge-
Local-Notiz.
Gießen, 21. Januar. Bekanntlich gibt eS unter den arbeitsscheuen bubjeeten nicht Wenige, die — besonder« zur Winterszeit — gerne auf lange Dauer in einer Strafanstalt sitzen mochten, weil sie dort bessere Kost, gute« Lager, reine Wäsche, Heizung x. erhalten. Diese Menschen sind über die jetzt erkannt werdenden geringe» Strafen sehr ungehalten. Hier eintet Beispiele:
Dor einigen Tagen hat die Polizei einen kräftigen, wegen Betteln« und Diebstahl« oft bestraften Burschen von hier wegen wiederholten Diebstahl« in « Gefängniß gebracht, wo vor Allein ihm da« Haar geschoren und seine mit Ungeziefer übersäetrn Kleider in den Mist vergaben werden mußten. Al« er frisch eingekleibet war, rief er feinem nebenan sitzenden Freunde zu: „so, jetzt ist mir'« wieder wohl! schon längst wollte ich auf längere Zeit herein, aber e« ging nicht mit Betteln, denn dafür bekam ich nur ein paar Tage, darum habe ich wieder Diebstähle begangen!"
Sin andere« arbeitsscheues Subjeet au« dem benachbarten preußischen Kreise Marburg bettelte vor Kurzem in Gießen und erhielt einen Tag Haft Ueber die geringe Strafe ent- rüstet, äußerte er bei seiner Sntlaffung gegen die Polizei: „weil ich wegen Betteln« In Marburg nur kurze Strafen erhielt, ging ick herüber in’« Hessendarmstädtische, denn da gab e« sonst lange Strafen. Aber auch hier erhielt ich nur einen Tag. Man kann doch nirgend« mehr sein Recht finden!"
Sin Wiesecker, der seit 2 Jahren oft wegen Betteln« bestraft und auf dem Poltzei- Dureau gefragt wurde: ob er junger, kräftiger Mann sich nicht schäme, zu betteln, während er al« Cigarrenmacher täglich einen Thaler verdienen könne? — antwortete: „für einen THaler arbeiten wir nicht mehr; wir müssen weit mehr haben, denn auch wir wollen feinen RüdeSheimer Wein trinken und auf rothem Sammt-Sopha sitzen, wie die Herren Fabrikanten!"
Vorige Woche wurde ein hier wohnender Cigarrcnmacher aus dem Kreise AlSfeld wegen wiederholten Bettelns verhaftet, der so geschickt ist, daß er wöchentlich 12 fl. verdienen könnte. Aber er geht lieber müßig, bettelt and schläft heimlich in fremden Gebäuden
Aus diesen Thmsachen können die hiesigen Einwohner schließen, n-en sie fortwährend unterstützen und wie nöthig es sei, arbeitsfähige Bettler beharrlich abzuweisen.
Gießen, 22. Januar. Die Kindesmörderin wurde gestern Nachmittag %5 Uhr von Frankfurt hier eingebracht. Dem Vernehmen nach soll dieselbe gestanden haben, daß sie da« Kind erst erstickt und hernach in's Wasser geworfen habe. Sine ungeheure Menschenmaffe wogte bis in den späten Abend vor dem Polizeigebäude, und war es der Umsicht der Polizei zu verdanken, daß das Volk nicht Lynchjustiz ausübte.
finnnngen und Bestrebungen treu verbünde», können mir unc »icht versage«, den Gefühle» unserer Theiln-hme o» ver schwere» Kränkung und Verfolgung, die in letzter Zeit auf der Höhe eines reichgesegneteu Bkrusslede»« Sie betroffen hat, einen An-druck zu geben. Daß Sie seit Monaten für die maßvolle, von tiefem sittlichem Ernste getragene Kundgebung einer Überzeugung, welche Ihr großer Lehrer Schleiervacher al- eine sollbirechtigte erklärt hatte, von Ihrer vorgesetzten kirchliche« vehörde zur Bersntwortnng gezogen worden waren, war eine m dem Lande, in welcheru Da« Ätsche Volk den Hort freien protestantisches Geiste« erkennt , unerhörte Erschein« g. Allein an die Möglichkeit einer verurtheilung, einer Ami-entsetzung konnte Niemand glauben. U»g«ben vo» einer i« inniger An hänglichleit um Sie gescharrten Gemeinde, hoch geehrt von Männern und Frauen, die Sie in einer glauben-verwirrten Zeil zn Christ»- geführt und im Glaube« an ihm befestigt halten, ergraut i» D.ensie der Kirche, der Sie von Jugend auf Ihre ganze Kraft gewidmet, geehrt von Ihrem Könige, geachtet von Ihren Mitbürgern, mild im Urtheile, rein im Wandel, da« ächte Bild eine« Hirten, wie die christliche Gemeinde gegenvärtig ihn bedarf, glaubten wir Sie gegen «in Verfahren gesichert, wie e« in Ihrer nenlich vom Consistoriurn der Provinz Brandenburg beschlossenen Amtsentsetzung vorliegt. Roch halte« wir die Ausführung de« Beschlüsse« für unmöglich. Preußen, durch wunderbare Waffeuersolze an die Spitze Deutschland- gestellt, kann seine mächtigste Waffe, d.e Freiheit de« Geistes, vor der seine Feinde am meisten zitter», nicht mit eigener Hand zerbreche». Aber die bloße Thatsache, daß ein solcher Beschluß gefaßt werde« könnte, ruft Schmerz und Entrüstung hervor. Rar eine Stimme de- Unwillen« hallt unter allen deutschen Stämmen wieder. Jetzt erst erkcnnk« wir recht, wie weit da- protestantische Kirchenthum von dem protestantischen Geiste abgeirrt ist, und welche Anstrengungen unser Volk zu machen hat, um die protestantische Kirche aa Haupt und Gliedern zu erneuern. Sie, hochverehrter Herr Doctor, sind un« seit Jahren in diesem Kampfe für die höchsten Güter unsere- religiösen Leben« torau^- gangeu. Sie haben »icht nur gegen den Irrthum gestritten, sondern auch ar Tempel ver Wahrheit gebaut. Sie habe« nicht nur mit der Fackel der Kritik in da« Dunkel der Vergangenheit geleuchtet, Sie habe» auch das gegenwärtige Geschlecht mit dem heilige« Feuer der Religion ersärmt. Mit diesem An«druck unserer Theilnahme sprechen wir Ihnen im Namen von rausenve« hierfür unseren Dunk au«. Das Urtseil über I-re Richter überlassen wir der Nachwelt. Sir tragen Ihre» Lohn in Ihrem eigenen Herzen und i« de« Bewußtsein, daß der Tag nicht ferne ist, a» lern die Saat, die Sie au-gestreut haben, fröhlich aufgehen wird."
England.
London, 18. Jan. Die „Time-" enthält eine kurze Mittheilung, wilche dazu angethan iß, von den vonapariisten al« Stütze ihrer Hoffnungrn au-ge- deutet zu werde» : „Se. König!. Hoheit der Herzog von Cambridge begab sich am Donnerstag Morgen nach Chislehurst, wo er eine Unterredsng mit der Kai- seri» und de» kaiserlichen Prinzen halte." Der Oberbefehlshaber der englischen Armee eine Unterredung mit ^Napoleon IV." 1 Da« mutz doch et» Ohreuschmauß für Rouher und Genossen sein. Nicht al« ob diese dumm genug wären, in dew B-suche mehr al- eilt Höflichkeit zu sehen; aber bei der unwiscidtn MtLge in Frankreich lätzt sich ver Hinwei- auf die militärische Eigenschaft de« Herzog- vielleicht mit gutem Erfolge verwerthen, um Veu bonapartistischen Hoffnungen einen neuen Anstoß zu geben. — Wie man vernimmt, ruht Ver verstorbene Kaiser, Dank der Aufmerksamkeit seine- früheren Serretar« Eugene Delessert, nicht in fremder Erve. Herr Delessert hat eine große Krße srauzöfischer Erde, und zwar vo« der Stelle de« Tmleriellflarteu-, di« Loui« Napoleon zuletzt betreten hatte, nach Chi-lehurst gebracht, und diese Erd« wurde in da- Grab gelegt, in welche» der weiland Beherrlchcr der Franzosen jetzt nht.
Italien.
Rom, 16. Jan. Der Papst NttküidrU -Ui drux ertcheikrn Audienz, daß man nach wiederholten N-ch'orschungen gestern Abend in der Kirche der belüge« Apostel dl« Gebeine der beiden Apostel Philipp«- und J-eobu- aufgesu». den zu baden glaubt«. Die Nachricht de- „Mrssager Ve Paris", daß der fran- -öfische Gesandte Fournier bei ferner Regierung ungefragt habe, ob er der Trauer- feirrUchkeit zu Ehren des Kaisers Napoleon beiwohne» durfte, entbehrt der Begründung. Weder da« diplomatische Corps, noch überhaupt Persoue» in ainb Ilchen öffentlichen Stellungen haben Einladungen zur Theilnahme en der Trauer- seierlichkeit erhalten.
Börsenberichte.
Frankfurt a. M., 20. Januar. Die Herabsetzung des Disconto'ö der preußischen Dank (Lombard von 6 auf 5*/», Wechsel von 5 auf 4*/2 Proecnt) sowie der anhaltend flüssige Geldstand in Berlin wie hier (4 Proc.) und befriedigende auswärtige bourse versetzte die Börse heute bei ihrer Eröffnung in eine freundliche Stimmung. Bei unverkennbarer Neigung der Spcculation, eine steigende Bewegung zum Durchbruch zu bringen, gingen Speculationspapterc gegen gestern um ca. 1—2 fl. in die Höhe, welche Avance sie jcdock», als Berlin in Folge ungünstiger Nachrichten aus London über die centralassatische Frage (vier war eine Privatdepesche über die darauf dazüglichen Mittheckungen des „Observers" cntbaltend, cingetroffen), mattere Coursc sandte, nicht behaupten konnte. Staatsbahn gingen von 359'/z auf 358, Lredttactien von 355</4 auf 354%, Lombarden von 201% auf 2001 4 zurück. In Bahnen und Banken war es im Gegensatz zu den Speculationseffccten verhältnißmaßig still' Buschtiehrader 1, Galizier ’/•, Ungarisch- Galizische 2 fl. matter. Elbthal, Nordwest, Vorarlberger offerirt. Von den Aktien der neuen unausgebauten österreichischen Bahnen, welche keine Dividende geben, scheint neuerdings sehr viel Material an den Markt gebracht zu werden. Elisabeth-Prioritäten zweiter Emission besser zu 82. Don russischen Bahnen Rybinsk erste Emission niedriger. Von Banken Deutsche Effectcn- und Wechselbank in langsamer, aber stetiger Steigerung zu 131 Vt, um % Proc. höher. Alte Meininger Vj, Vereinsbank 1, Württembergischc Vereinsbank 3, Rheinische Hypothekenbank 3, Gcwerbcbank Schuster 2' 4 Proc. besser. Darmstadter gefragt. Provinzialdisconto matter. Deutsche Hypothekenbank 2% Proc. niedriger. Deutsche Staatspapiere fest. 5procent. Bayern % Proc. besser. 4%procent. Bayern zu 100 notirt. Loospapicre beliebt, besonders Raab- Grazer, welche zu 86% umgingen. Amerikanische Staatsfonds fest. Von Prioritäten Osweg- Midland % Proc. matter. Rochford 2'/,, Peninsular 1, Stockton 2 Proc. besser. Von Devisen Wien besser, Amsterdam matter.
Nachschrift 2% Uhr. Staatsbahn 356. Credttactien 352%. Provinzialdtskonto offerirt.
Frauksurl a. M., 21. Januar. Die Börse stand auch heute wieder trotz der günstig wirkenden Herabsetzung des Disconto's der Frankfurter Bank auf 4 Proecnt unter dem Einfluß der centralasiatischcn Frage. Anfangs fest, hauptsächlich für Speculationspapicre, erfuhren Course eine Abschwächung, als mattere Berliner Course eintrafen. Die Tendmz gestaltete sich jedoch wieder zu einer festen, nachdem eine Depesche aus London das Scheitern der Schuwaloff'schen Mission dementirt und die Nachricht gebracht hatte, daß Earl Granville von der Aufrichtigkeit der russischen Erklärungen überzeugt sei. Berlin sandte nach Notiz sehr feste Notirungen. Man ist übrigens dort mit der Herabsetzung des Bankdisconto's um % Proc. nicht zufrieden und hält sich das Privatpublikum mit Kapitalanlagen noch immer von der Börse fern, während doch nur dessen Betheiligung an der Spekulation eine auf gesunder Basis beruhende Geschäftsthätig- keit und Hausse herbeiführcn kann. Staatsbahn schlossen mit 356% um 1 fl. niedriger wie gestern, Credttactien blieben mit 353% um ca. % fl- gegen ihre gestrige Notiz zurück. Lombarden fest zu 201%. Für Bahnen und Banken herrschte keine besonders günstige Stimmung vor und war das Gesck'äft darin äußerst still. Fast sämmtliche österreichische Bahnen waren heute um % fl. niedriger. Vorarlberger stark offerirt. Don Prioritäten zweite Emission Elisabeth für Kapitalanlagen gesucht. Braunau-Straßwallner Stehen 175%. Prioritäten 79. Rjask-Wiasma 88. Bayerische Ostbahn zu 131 gefragt. Don Banken holten Vereinsbank ihre gestrige Einbuße wieder ein und schlossen zu 133%, gegen gestern Abend um % Proc. höher. Baubank und Wechslerbank besser. Darmstädter 5 fl. matter. Alte Meininger auf Berliner Notiz niedriger. Oesterreichtsche Nationalbank wurde zu 1047 ex Dividende gehandelt. Silber- rente und Spanier matter. Amerikanische Staatsfonds und Prioritäten still. Deutsche Effecten- bank fest zu 130%. Von Devisen Wien besser.
göraennichrichteR
21. Janair 1873.
PreuM. 4%<% Ohllg. 103% Franlrf. 3%o/q Obi 87% N»m. 4%% Obi. 100 Kirh^a. 4% , 91 Gr. Hw. 5% Obi. 103
. , *% , 983/,
, » 3%°/o » -
Bayer. 5% , 102%
m 4%% Ijlhrige 100
, 4% 1jährige 92%
Wtirtemb. 4%% ObL 100
Baden 4%% Obi. o. E. L. 99%
Oesterr. bilberrcnte 65J , „ Papierrente 61% ßpanier. neae*t. 8% 26% Amerlk. Bond» 1881r 99%
, , 1883r 963/,
, . 1885r 98
Ä 1887r 98%
A eilen.
Flink/. Bank 140%
Fiankf. Verelna-K^»^ 149%
LHanri. BankAot. 469%
Wien B*nk& itlen 1045
Oe»L Ore-i-tant. 354
Geilzien 245%
Aetieüi.
5% Ö6H. F. 8t. E. B. 357
Loa. bard. Bahn 201
Lndwigtln-Bexbaeh 195% Max bahn 143%
Bay«'. Ostbahn 131 ithe.'.-Nalebahn-Aot. — FLe*. Lndwiftb.-Act. 175
Obetheaaei , 76___
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