Gießen am 20. Januar 1873.
Betr effe nd: Die LusfAhnrng des Gesetze» vom 22 November 1872, wegen bei Semeindeautzgabm, hier die Wahl der 8a tretet der Zo.ensen
Dos Großherzogliche K r e i s a m t Gieße«
an die Großhrr^oglichrn jöürgmnrill freien des Kreise».
Wir setzen Sie davon in Kenntniß daß die Grcßherzoglichen Oberförster bi- auf Wettere- bevollmächtigt sind, bei der rubncinen Wabl al- Vertreter de- Großherzoglichen Domanialfiscus sich zu betheiligen.
v. Röder.
Politischer Theil.
Ueber die Persönlichkeit Napoleons III.
Wenn liier in der Geschichte eine Rolle gespielt hat and diese mit feinem Lode sich abschließt, so tritt nicht mit Unrecht die Krüge auf, wie kam diese Persönlichkeit zn dieser Rolle und wie »er sie selber angelegt ? Es ist nicht genug, für unsere Phantasie nur die Rolle und den Eharakter geschildert und beurthetlt zu sehen; wir fragen nach seiner Persönlichkeit, nach seinem Umgänge, nach seinem Derhältniß zu den beinigen, um da« Bild im Guten oder im Vosen zu vervollständigen.
So erinnere ich mich, daß Heinrich Laden kurz nach den Freiheitskriegen bet der veurthrilung Napoleon'- , den vir Deutsche damals natürlich nicht mit günstigen Ingen ansahen, für ihn ansuhrte, daß er selbst in seinem Unglück uneigennützige und aufrichtige Anhänglichkeit gefunden. „Er muß also doch nichi so ganz schlecht gewesen sein/ sagte der Historiker.
Wir erwiedern dem geistreichen und liebenswürdigen tRaun : Die Freunde solcher Männer, welche unter den griechischen Begriff der Tyrannen sollen, thei- len die Ansichten derselben und find Freunde unter einander, weil sie gleich ge- stnut find in der Feindschaft gegen den Staat und sich einander Alles nachsehen, wodurch die Herrschaft gegen Recht und Gewissen erlangt und behauptet wird. Cs ist nicht wahr, daß nur die Guten Freundschaft halten. Wurde nicht dem Gouverneur Eyre ein Ehrendank gestiftet, und hat er nicht unzählige Anhänger und Bewunderer 7 und er ist no h lange nicht, was die beiden Bonaparte's find. Die Opfer seiner „Charakterfestigkeit" belaufe* sich nicht einmal in die Tausende Die Kreunve solcher Leute haben ihre Moral für sich, sie können Prediger, gute Familienvater, ehrliche Haushalter fein; aber sie Haden die Schwache, den Governor Eyre, den Emperor Napoleon und den Expräfidenten Jefferson Davis
an hinein klopfe waren gut entwickelt, eben aber war der klopf flach. 6eilt Oberlippe war lang und stand etwas vor über eine» Munde, ter nicht irohlge- bildet war. Das Kinn war ganz besonders schwach gezeichnet. Dennoch rar der Ausdruck seines Gefichte- im Ganzen angenehm und feine Stimme und feil Lächeln merkwürdig gewinnend.*
„Die Natur hatte ihm eint Maske gegeben, die man nicht leicht durch, schauen konnte und Spuren von Aufregung wurden (eilen auf feinem Gesichte bemerkbar ; aber seine nächste Umgebung fand, daß 1868 und 1869 sein Gesicht eine dauernde Blaffe angenommen und fast bleifarbig geworden war. Er wurde in beständiger Angst erhalten, und wußte nie, wenn er sich Abends uiederlegte, ob er nicht, ehe der Morgen tagte, in den Händen eines wüthenben Volkshaufens sich befinden werde. Auch seine klrankheit, deren Unheilbarkeit ihm bekamt war, wirkte auf seine Gemüthsverfaffung. Und als das Glück sich gegen ihn wandte, leistete er dem Hebet kaum noch Widerstand. Ja Metz waren seine physische Schwäche und seine geistige Beängstigung so furchibar, daß er in eine Erstarrung versank, aus der er sich kaum ausschütteln ließ; und im weiteren Verlauf des Feldzuges, der zu Sedan tutete, handelte er wie ein Träumender. Erst nach der Eatfchei- dmg und in seiner Gefangenschaft auf Wilhrlmshöhe wurde er wieder Herr sei. ner Gedanken."
„Das Gesängniß war er ja gewohnt und ertrug es leicht; er wurde viel mittheilender, al« er gewesen."
„In Ehislehuist hat er sich dann noch bequemer und ruhiger eingerichtet, die Familie um sich versammelt, treue Diener und Freunde bei sich gesehen und in den von ihm umersiützten Zeitungen in Frankreich noch immer feinen Kaiser- titel gelesen; und es scheint, er würde bei ditsem Leben corpulent geworden feil, hätte nicht die klrankheit ihn übireältigt."
zu bewundern, und sind für diese armen Opfer der Ereignisse sogar sentimental. Auch ist es nicht zu verwunden, daß solche Freundschaft von den Herren teranneu, besonders im Unglück, warm erwiedert wird, |c warmer, je in- verdientr.
Die Engländer sind Euriositäteujäger, sie lasen sich solche Erilirte, wie den Emperor, nicht entgehen, und dabei haben fie ein beneidenswerthes Talent der Schilderung. Diel und den Vorbehalt des Urtheils über den Politiker oder öffentlichen Eharakter finden wir in „der Skizze Napoleon'« HI von Einem, der ihn gekannt hat" in der „Daily News", aus der wir das Folgende mittheilen: „Schwerlich," sagt der Engländer, „hat irgend ein potentant, den die Geschichte nennt, mehr vertraute Freunde gehabt, als der verstorbene Kaiser der Franzosen; und was man auch von seinen Eigenschaften als Regenten denken mag, sein Tod hat viele betrübt, — gute und grscheidte Leute und noch mehr, die man weder gut noch gescheidt nennen wird."
„Kein Arzt hätte ihm ein längeres Leben prophezeiheu können, als er genoß Er war nie stark und nie gesund. Kein Staatsmann würde aber auch gewünscht haben, daß die Fehler sein.s Goudernements noch einmal ausgetischl worden waren. Sein Regiment war niemals ein aufgeklärtes, unparteiisches und gerechtes. Er lieferte den Beweis, wäre derselbe nicht schon so ost geliefert worden, d H eil beliebter Privatmann noch lange nicht zum Diktator taugt."
Darum, wollen wir htizusügen, war auch gar nicht der Diktator, sondern der zum Dynast,u erweiterte Familienvater sein Ideal und, was schon Paul Louis Goutier von dem alten Napoleon sagte, als der Kaiser werden wollte, bas gilt auch von dem dritten Napoleon: „Ar hatte den schlechten Geschmack, nichts weiter, als ein Ko-ig werden zu wollen."
Wenn man übrigen» die große Masse der Engländer über den verstorbenen rq'uminn will, so ist ihre Meinung: „Ein Politiker war er freilich nicht, aber für die Franzosen war er gut genug!"
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der zweiten Kammer
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ebenso sehr unter de» Einfluß der Ka senn.'
Mangel unserer hesfischen Strasprozeßordnuug
„«r lebte mäßig, aber er hatte das nicht immer gethan; und jahrelang getroffen werten soll. Es folgen darauf die
war seine Gesundheit so angegriffen, daß er ohne den empfindlichsten Schmerz dieselben gaben zur Debatte keinen Anlaß
nicht 1" Pferde Esstu konnte.- «ahlprüsang «eurer derspäteter Wableu für
„Er hatte Anfälle ton tiefster Niedergeschlagenheit, und seine Theiluahm- Herren Peniger, Uwiger, Schenk, Sch,um,
loßgfeit entsprang, wenigstens thkilweis«, an einer anbrüchigen Lebenslrafi." Stephan II und Matthy für ailtia erklärt un
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und war bene sich sonst
etwa« Neues und erwies,
als er aufwärts stieg, nach deff«n Tode verlor er die Sicherheit. Wenn feint Entschlüsse undurchdringlich waren, fo kam das nur daher, daß er feiten einen plan hatte. Er gewahrte sein vertrauen nicht leichtfertig, wenn er es aber ihat, sv gab er es ganz Den Herzog von Morny wollte rr sogar zu seinem Wd Afolder erklären . »tun «r nhn. Ruh#. ">■ »»» f.ku. 3..» - - -
unv erbittet Auskunft, ob Abhilfe Berichte über die Wahl-rüfungei,
„Er hatte nichts von der rauhen, fast rohen Ungeduld der Bonaparte's in feinem Wesen, eher das Langsame und Starre eines Hollanders.
®nitfd)lanbe
NuS dem Großherzoglhum Hessea, 20. Jan.
Abgeordneter George 3 Anfrage gestellt: 1) auf
dem Vortrage so willig und aufmerksam zu folgen, als ob er ihm und Interessantes wart; und antwortete jedesmal liebenswürdig wein'« möglich war, eine Freundlichkeit."
„Eben so vergaß er nie einen Dienst, den man ihm geleistet reit, Dienste von einer Eiaffe entfchloffener Abenteuer auzunehmeu, Nicht leicht bei Höfen und Regierungen Zulaß verschaffen können.
Darmstadt, 20. Jan. In der heutigen Sitzung ter Kammer wurden zuerst die neu eingelreteaen Abgeordneten Heß u-v Dernburg beringt und verlas der präfivent darauf die Antwort, welche 6. k. H. der Großherzog auf d.e Adresse des Abgeordnetenhauses ertheilt hatte. E« wurden darauf einige neue Qarhgm ter Regierung eingebricht, unter denen wir die Regulirnng der Wetterauer Flüßchen und eine Mehrforderung für den kandesgewerbevereiu besoader« hervorh brn. Ferner kam eine größere Reihe von Anträgen zur Cerlefnng, die wir vorstehend mitgetheilt haben. Abgeordneter Stüber interpelirt das Ministerium, in welchem Stadium sich dir Eiaitpeozepordnung für da« deutsche Ruch befinde und welche Stellung die Regierung zu den desf^llfigen Bestimmungen der Reich«,er-
„verschlagen, belesen und ein Kenner des Weltlaus-, wie er war, gab er nie Anstoß durch Anmaßung und Selbstlob und besaß die seltenste und einnehmendste Kunst des Umgang«, er verstand zuzuhören. Er überredete nicht, er bewog die Leute durch seine Theilnahme und Ungezwungenheit zum Reden. Er disputirte nie. von seinen Ideen und Ansichten sagte er gar nichts, und schien
_ _ . . glrichmäßigere Vertheilung
Sporteln und Stempelabgaben; 2) auf Revision des Imrnod.lienkatasters, da Waldungen zn niedrig, Weinberge zu hoch besteuert seien. Zugleich wird die Regierung ersucht, die Grunkstever nach hrntig-n Werthorrhaltniffen einer Revision zu unterwerfen, welche sich feit 50 Jahren wesentlich verändert habe; 3) einen Antrag aus Einführung einiger Fächer am Seminar für den landwirth- schaftlichen Unterricht. Weiter sind Anträge eingebracht worben von den Abgeordneten Dumont und Oechsnrr auf Errichtung einer höheren Handelsschule in Mainz; Wadsack und Ellenberger auf Errichtung einer Lsnkes-Ereditanstalt (Erneuerung des vom Abgeordneten Kraft im Landtag grstellten Antrags); Wad- ,ack, Buchner und Stephan auf Ermäßigung der Grundsteuer; Möllinger auf ■ nfbebung des Gesetzes vom 14. August 1867, die Aufbringung der Kosten für ta« zur Erbauung von Eisenbahnen erforderliche Gelände; Edinger auf Erbauung eines Landvammes von der bayerischen Schlenße bis zum hohen Land ,m k eb- srauenstift zu Worms.
dringlich, darauf die Wahlen der Theodalb, kiß, H,b^chk, Becker, Stephan II unk Matthy für giftig erklärt und diese Herren beeidigt. Es folgte tarauf Vie Ergänzung d « Ausschuffrs für die Gesetzgebung, und wurde von 46
man sagt, das ganze kumpengefindel Europa'« erkannte in ihm feinen Führer und Ehef."
„Im Staatsleben hat man ihn oft der Treulosigkeit angeklagt; im Privatleben hielt er ehrlich Wort, brach nie ein Abkommen und ließ nie einen Anspruch unberücksichtigt. Er war ein guter Ehemann, zärtlicher Vater, freigebiger ver wantter, nachsichtiger Herr und treuer Freund; ja er war ein guter Katholik und tapfer."
„Man hielt ihn lange für einfältig. Sein niedergeschlagener Blick, seine Schweigsamkeit, feine Ausschweifungen in der Jugend, Alles führte zu einer solchen Annahme. Sie waren irrig, aber nicht ohne Grund; und bis zuletzt ist es zweifelhaft geblieben, ob er wirklich an feinen Schicksalen einen selbsttätigen Theil genommen. Sein bekannter Bruder, der Herzog von Morny, führte ihn,
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ein scharfer Ausdruck, aber im gewissen Sinne ein vollkommen wahrer, wenn
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