Ausgabe 
21.5.1873
 
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Im allerhöchsten Auftrage Sr.

verstorbenen Freiherrn v. Liebig zum Vorstand der Königlichen Akademieen der

Nouher in Courier-

Grundsätze über die Emission von snndirtem und unfundirtem Papiergeld" un terllellt ist. schleunigst ein Gesetz über das Papiergeld vorzulegen. Der Prä­sident Delbrück theilr daraus mit, daß die preußische Negierung bereits nut einem derartigen Gesetz beschäftigt sei, worauf der Antrag einstimmig ange-

Pariö, 16. Mai. Herr Tbicrs dürfte vielleicht gut daran thun, die Flinten putzen und die Säbel schleifen zu lassen. Es schunt mehr und mehr, daß die Monarchisten sich nicht auf Proclamaiion der definitiven Republik cin- lassen werden, und die Republikaner dürfen dieser Versammlung unter keinen

mehr als je ohne Untergrund, sein Cabim t wackelt und dürfte wohl bald nach Zusammentritt der Nationalversammlung modificirt werden müsien. Die Monar­chisten sind der Ansicht, daß der Mohr Thiers' seine Schuldigkeit gethan hat und gehen kann, wenn die Milliarden bezahlt sind. Zum Ersatz für Herrn

Wissenschaften ernannt worden.

München, 17. Mai. In den Rahmen der Beförderung altkatholischer Sommitaten würde auch die Ernennung des Stiftsprobstes Döllinger als Nach­folger seines Freundes v. Liebig an der Spitze der Akademie der Wissenschaften passen. Allein cs war eigentlich selbstverständlich, daß aus dem Kreise der hie­sigen Gelehrten nur auf den berühmten Kirchenhistoriker die königliche Wahl fallen werde, die übrigens ein neuer Beweis ist, daß die fast kindliche Anhäng­lichkeit, welche der König seinem Lehrer zollt, durchaus ungetrübt geblieben ist. Begreiflicher Weise verfolgt man in den altkatholischen Kreisen der Hauptstadt ,rie des Landes mit großer Spannung die Nachrichten über den Gesundheits­zustand des Papstes. Daslebensgefährliche' Alter, mit dem verstorbenen Frei­burger Erzbischof zu reden, in welchem der Nachfolger Petri sich befindet, scheint im Erlöschen zu sein, und was daun oder wer dann? ist eine auch die deutsche Reformbewegung tief berühreude Frage. Wie das möglichst schroffe Auftreten der Bischöfe dem Altkatholicismus den meisten Vorschub geleistet har, so würde ein Papst von milder Praxis dem Ausbau der Reform hinderlicher sein, als ein ausgesprochener Jesuitenfreund. Allein die Dinge sind jetzt schon so weit gediehen, daß jene Befürchtung grundlos ist. Mit den Vorbereitungen der kirch­lichen Organisation des Altkatholicismus ist man allerorten lebhaft beschäftigt. D'c fränkische Gemeinde hat, wie schon früher gemeldet wurde, nach Erledi­gung des Hirschberger Zwischenfalles, in der Person Haßler's den eben so er­wünschten als geeigneten Vertreter des geistlichen Amtes erhalten, und wenn die Bischofsangelegenhcit ihren Abschluß gefüllten hat, wird die Macht des Herkommens sich zu Gunsten der Reform thätig erweisen, und besonders wird solcher Abschluß auf die Stellung wirken, welche die Staatsregierungen zur Bewegung cinnehmen können und müssen.

ßclkircidj.

Wien, 16. Mai. Das Bankhaus M. Reitzes stellt der Kreditanstalt, der Nieder-Oesterreichischen Escompte - Bank und dem Giro'Kaffenverein sein ganzes actives Vermögen inclusive des Grundbesitzes behufs Befriedigung seiner Gläubiger zur Verfügung, wird aber diese freiwillige Vermögenszuweisung zu­rückziehen, wenn auch nur ein Executions-Verkauf von Börsen-Effecten oder nur eine gerichtliche Klage stattfinden sollte. Insolvent wurde die Vankcommandit- 1 Gesellschaft Reichenberg, deren Geschäftsführer verschwunden ist, die Bücher werden polizeilich mit Beschlag belegt. Die Wiener Börsenverkehrsbank wird ' liquidiren. Depeschen aus Triest melden die Insolvenz des Bankhauses

nommen tou^ndamentalitoen Kreisen ist heute vielfach des 18. Mai 1848 gedacht worden, an welchem Tag- die Uebersiedelung der deutschen 9 a tonal Versammlung aus dem Römer in die Paulsürche zu Frankfurt a. M- stattfand. Bei Gelegenheit dieser Rückerinnerung möchten wir darauf Hinwegen,daß am 24. d. Mts. 25 Jahre vergangen sind, seitdem der Reichstags-Pragdent Di- Simson als Schriftführer in den Vorstand der National-Versammlung eintrat; am 3. October wurde er zum Vice. Präsidenten, am 18. December 1848 an Heinrich v. Gagern's Stelle zum ersten Präsidenten der Nattonal-Ver,ammlung aewählt. 1850 war Simson Präsident des Volkshauses tn,@vfnrt1860» uut 61 Präsident des preußischen Abgeordnetenhauses, und feit 1867 Präsident dev conMtuirenden, des ordentlichen Norddeutschen Reichstages m allen Sessionen, des Zollparlaments und des Deutschen Reichstages. In diesen Ämtern ge­hörte er der Deputation an, welche Friedrich Wilhelm IV. am 3. April 184 die Erwählung zum Deutschen Kaiser zu verkünden Hatte, funkte er als Sprecher des Landtages bei der Königskronung am 18. October 1861 zu Kö­nigsberg, überbrachte er die Adreffe des Reichstages an den L-chirmherrn des Norddeutschen Bundes in die Hohenzollernbnrg, stand er an der Spitze der Deputation des Norddeutschen Reichstages, welche im Decernber 1870 den König Wilhelm zu Versailles als Deutschen Kaiser begrüßte. Mochte seine bewährte Kraft dem Reichstage noch lange erhalten bleiben.

Berlin, 19. Mai. Die Deutsche Commission für die Wiener Welt' ausstellung erläßt folgende Bekanntmachung: Um dem Deutschen Publikum, welches die Weltausstellung besucht, im Bereiche der Deutschen Ausstellung emen bequemen Sammelplatz zu bieten, ist in einem der beiden die Rotunde des Jn- dustriepalastes begrenzenden Deutschen Höfe ein eigenes Versammlungshaus errichtet worden. Es bietet sich dort Gelegenheit zum Schreiben und zum Nie- derlegen von Briefen und Nachrichten. Unter der Bezeichnung:Wien, Welt- ausftellungspalast, Deutsches Verjammlungshaus" können Briefe dorthin gerich­tet werden, deren Aushändigung an die Adressaten die Deutsche Commission besorgt. Um den Besuchern der Ausstellung das gegenseitige Auffinden zu erleichtern, wird ein Bilch aufgelegt, welches zum Einschreiben der Wohnung bestimmt ist. Zeitungen aus den verschiedenen Deutschen Staaten liegen täglich in dem Hauptsaale des Hauses aus. Zur Entgegenuahme von Briefen und Mittheilungen, sowie zur Aushändigung der eingelaufinen Briefe ist dort cm Aufseher stationirt. Die Benutzllng des Hauses ist allen Denjenigen freigestellt, die durch das Bureau der Deutschen Commission eine Karte zum Ausstellungs-

Weißenfcld Nachfolger.

Wien, 16 Mai Der Finanzminister hat die landesfürstlichen Com- missäre sämmtlicher Actien - Gesellschaften angewiesen, schleunig die Rohbilanz der ihrer Ueberwachung unterstellten Institute aufzustellen, damit hierdurch ein Einblick in die Lage geschaffen und ersichtlich werde, ob sich für die eine oder andere Gesellschaft die Nothwendigkeit ergebe, zu liquidiren oder sich zu fusioniren.

DVien, 17. Mai. Der Börsenschwindel und die Art und Weise, wie das Cabmet Auersperg sich demselben gegenüber benimmt, wird bei den näch­sten Wahlen eine Rolle spielen. Den Clericalen und Feudalen konnte keine b.sscre Waffe gegen die Liberalen geboten werden, als diese, obgleich es kein Geheimniß ist, daß auch feudal und ultramontan gesinnte Herren geschwindelt haben. Bei dieser Gelegenheit zeigt sich einmal recht schlageiid, wie schlimm die öffentliche Meinung berathcn ist, wenn ein halb Dutzend der größten und verbreitetsten Blätter wie in Wien in den Händen von Spcculantengesellschaften ist, und wenn von den Herausgebern bis hinunter zu den Zeitungsträgern Alles in's Zeug" geht, um von den Millionen zu profitiren, dieauf der Straße liegen."

Wien, 18. Mai. Der Ankunft des Königs der Belgier wird in der Zeit vom 21. bis 23. Mai entgegengesehen.

Der Fürst von Montenegro hat aus Verwendung des Ministers des Aeußeren, Grafen Andre.ssy, den nach Oesterreich-Ungarn emigrirten Montene­grinern die freie und straflose Rückkehr in ihre Heimath zugestanden.

öchmeiz.

Bern, 19. Mai. Der Bundesrath erklärte, daß der Protest der Walli­ser Regierung gegen die Versteigerung der Ligne d'Jtalie unzulässig sei, und daß er seinen Beschluß fcsthalte.

«franru'eidj.

platze erhalten haben.

Berlin, 20. Mai, Mittags. Soeben wurde der preußnche Landtag durch den Minister-Präsidenten geschlossen. Die von demselben verlesene Thron­rede lautet:Erlauchte, edle und geehrte Herren von beiden Hausern des Land­tags ! Mit dem von Sr. Maj. dem Kaiser und Könige befohlenen Lchlusse des Landtags der Monarchie erreicht die gegenwärtige Session ihr Eure. Wir können auf dieselbe mit großer Genugthuung blicken. Reich an mühsamer Arbeit, aber auch an werthvollen Resultaten aus säst allen Gebieten der Gesetz­gebung, nimmt sie einen hervorragenden Platz in der Reihe der Sessionen des preußischen Landtages ein. Die Reform der inneren Verwaltung, feit Jahren erstrebt, aber durch tiefgehende Meinungskämpfe aufgehalten, ist in ihrem ersten und grundlegenden Theile zum Abschlüsse gelangt. Schon jetzt scheint sich die Erwartung zu erfüllen, daß bei der Ausführung derselben die zuvor streitenden Kräfte gemeinsam und patriotisch Hand anlegen werden, um das Werk segen- brinqend für das Land zu gestalten. Nicht minder lebhafte Kämpfe haben die Verathung der wichtigen Gesetze begleitet, durch welche die Beziehungen des Staats zu den großen Kirchengemeinschaften klarer und fester als bisher gere­gelt worden sind. Die Regierung Sr. Majestät beharrt in dem festen Ver­trauen, daß diese Gesetze den wählen Frieden unter den Aiigehörigen der ver­schiedenen Bekenntnisse fördern und die Kirche dahin führen weiden, dem lauteren Dienste des göttlichen Wortes allein ihre Kräfte zu weihen. Dank der glück­lichen Finanzlage des Staates und der Bereitwilligkeit der Häuser des Land­tags ist durch den Staatshaushalts-Etat den Bedürfnissen der Bevölkerung und der Verwaltung nach allen Seiten hin reichere Befriedigung als seither gewährt worden. Die Gesetze über die Umgestaltung der Classensteuer, die anderweitc Regelung der Erbschaftssteuer und die Aushebung oder Ermäß gung gewisser Stempelabgaben werden, neben einer beträchtlichen Erle-chteiimg liamentlich der weniger bemittelten Bevölkerungsschichtln, eine gerechtereVertheilung der Steuer­last sichern. Durch die erhebliche Verbesserung der Staatebeamicii gewinnt die ersprießliche Entwickeliing des Staatswesens eine erneute Bürgschaft. Die von Ihnen der Staatsregierung ertheilte Ermächtigung zur Ausführung einer unv , - -- r - - - - - r

fassenden Erweiterung des Eisenbahnnetzes wird dem im erfreulichen Aufichwunge Umständen den Charakter einer constituirenden zug. stehen. Herr Thiers schwebt begriffenen Verkehrsleben und der VertheidigungSsähigkeit des Landes in allen ---------k ,,nb bnrffp VtinM nrtA

feinen Tbeilen zu Statten kommen. Meine Herren! Die gegenwärtige Ses­sion ist voraussichtlich die letzte einer Legislaturperiode, welche inmitten einer denkwürdigen, für Preußen und Deutschland hochbedeutiingsvollen Zeit begann,

w-nn nur bürvcrlich-n Gültigkeit der Ehe die Ausnahme einer Heirathsurkunde Wohls und Gedeihens unseres Vaterlandes.

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bl8 Mai Die Vorarbeiten bezüglich des Gesetzes über das Dresden, 19. Mai. Der König von Sachsen ist gestern Abend nach

. «oitlckreiten beariffen. Der bezügliche, an dieser Stelle Leipzig und heute früh von dort zum Gebrauche einer Kur nach Ems gereist.

S e B Württembergs ging ledigl.ch dahin, dn> Bestimmungen deo Während seiner etwa vierwöchentlichen Abwesenheit ist der Kronprinz zum mitgeryenre u i 8 » » b. . ber Reichsgcsetzgebungdie Stellvertreter des Kömgs ernaunt worden.

Ordnung ^des Maß^, ^Nünz- H»d Gewichts - Systenis, nebst Feststellnng der München, 16. Mai. Stiftsprobst Dr. Dollingerist an Stelle des Krönung vkv , 5 -7 .....fnuStri-Ptn sunniprnHb IIn hprftorbenen Treiberin v. Liebiq Aum Vorstand der Königlichen Akademieen der

oeukwUrvigen, sur iprcnpeii unv ^eniiepiauv 9ia)otucmiiiuiDuuuv>. v,öu,ui, 1111 v ivm 1 -«-> =

und welcher es Vorbehalten war, die reichen Erfolge und Früchte jener Epoche Thiers wird wieder einmal ein Triumvirat uamhast gemacht: Mac Mabon auch für die besonderen Aufgaben der preußischen Monarchie zu verwerthen. Daru Buffet. Das riecht doch etwas zu Douapartistisch, die anderen Monar- Weiui die Arbeiter dieser Legislatur auf allen Gebieten der Gesetzgebung einen chisten fanden dabei zu lecht weg. Deshalb hat das französische Staats­erfolgreichen Verlauf gehabt haben, so ist dies vor Allem dem Geist des ver-.l Panorama noch ein anderes Guckloch, Leg timisten und Bouapartisteu in süßer trauensvollen Zusammenwirkens zwischen Staatsregierung und Lantesvertretung Umarmung Heinrich V., König von H^aickreich, auf seinen Armen als Adoptiv- zu danken, welche durch die erhebenden Ereignisse jener gewaltigen Zeit mächtig Dauphin den Ritter ohne Furcht und Gradel, Prinz Lulu. Nouher in Courier- belebt und gestärkt woiden ist. Je erfreulicher die Früchte sind, welche das stiefeln, um gen Chislehurst zu eilen und daselbst Napoleon IV. allerunterthä Walten dieses Geistes in der nunmehr beendigten Legislaturperiode gebracht^nigst zu fragen, ob er mit diiser Staudeserniedrigung zufrieden ist. Das sind hat, desto berechtigter ist die Hoffnung, daß das preußische Volk bei deu bevor-!Alles Nebelbilder, die vor dem deutlich ausgesprochenen Willen der französischen stehenden Wahlen der künftigen Landesvertretung sich von d mselbcn patriotischen Nation m ihre Atome zerflüß n werden.

Sinne leiten lassen werde, von dem Sinne fester und vertrauensvoller Gemein ! Paris, 17. Mai. Die Republique Fran^aise, die sich in der letzten schäft mit der Negierung Sr Majestät zur allseitigen Förderung des wahren Zeit bemüht, einen Bund zwischen den deutschen und französischen Arbeitern zu