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„Bien Public" stellt indessen entschieden in Abrede, daß der srühere Präsident an der Angelegenheit des Pascallschen Rundschreibens irgendwie beteiligt sei. Er habe erst aus dem von den Abendblättern veröffentlichten Sitzungsbericht Kenntniß von dem Circular erhalten.
Von Seiten der Opposition wird nicht nur die innere Politik der Regierung unausgesetzt angegriffen, sondern es wird auch mit Nachdruck darauf hingewiesen, daß Frankreichs Stellung zum Auslande durch die gegenwärtige Regierung compromittirt werde. „Bien Public" schreibt darüber:
Einer der hauptsächlichsten Vorwürfe, welche man der Negierung des Herrn Thiers machte, war, daß sie unfähig sei, Allianzen zu schaffen. Die Regierung vom 24. Mai trifft diesen Vorwurf nicht; die Allianz zwischen Deutschland und Italien ist eine unvermeidliche, wo nicht schon vollendete Thatsache.
Wir wollen die Wichtigkeit dieses Ereignisses nicht weiter betonen. Vorderhand glauben wir dürfte es keine Folge haben; ungeheure Folgen aber kann es haben, wenn es sich um die päpstliche Lruccession handeln wird. Die vorsichtige und zugleich aufrichtige Haltung des Herrn Thiers flößte Vertrauen ein. Wir finb weit davon entfernt, die gegenwärtige Regierung anzuklagen; dieselbe hat erklärt — nnd wir zweifeln nicht, daß sie Wort halten wird — daß sie, was ihre äußere Politik betrifft, in die Fußstapfen ihres Vorgängers treten werde. Allein ihr Ursprung, ihre Meinungen, ihre religiösen Ueberzeu- gungen sind bekannt, und trotz aller Klugheit und Zurückhaltung mußten dieselben das Mißtrauen der mißtrauischsten Regierung von Europa wachrufen.
Von dem Zwiespalt, der im Lager der Coalition, besonders zwischen den Bonapartisten und Orleanisten besteht, haben wir schon einige Proben mitge- theilt. Neuerdings richtet die orleanistische „Affemblöe nationale" einen directen Angriff gegen den Prinzen Napolen. Sie schreibt:
Trotz der dringenden Vorstellungen der Notabilitäten der bonapartistischen Partei verlängert der Prinz Napoleon seinen Aufenthalt in Paris und empfäng! viele Besuche. Wenn dieselben einen Charakter annehmen sollten, welcher geeignet wäre, die Aufmerksamkeit der Negierung auf sich zu ziehen, so glauben wir zu wissen, daß der Marschall-Präsident keinen Anstand nehmen würde, bei der Kammer die nöthigen Vollmachten nachzusuchen, um den Prinzen Napoleon zu zwingen, daß er das französische Gebiet wieder verlasse.
Allerdings ist die Gegenwart des Prinzen mich den Führern der imperialistischen Partei sehr unbequem und sie bemühen sich, ihn fortzuschaffen, seine Ausweisung würden sie sich aber doch schwerlich gefallen lassen. Uebrigens soll der Prinz in der That die Absicht haben, in einigen Tagen abzureisen. Die Nachricht von seiner bereits erfolgten Ankunft in London wird dagegen dementirt.
Deulfdjlanö.
Darmstadt, 18. Juni. Aus Anlaß des Regierungs-Jubiläums haben des Großherzogs König!. Hoheit einer großen Anzahl von zu Freiheitsstrafen verurtheilten Personen die erkannten Strafen ganz oder theilwelse in Gnaden zu erlassen geruht.
Darmstadt, 18. Juni. Bei dem gestern Vormittag im Großherzoglichen Residenzschlosse stattgehabten Empfang der Chefs der am Großherzvg- lichen Hofe accreditirten Gesandtschaften hielt der Doyen des diplomatischen Corps, der Königlich Preußische außerordentliche Gesandte nnd bevollmächtigte Minister, Geheimer Legationsrath von Wentzel, nachstehende Ansprache, welche von Sr. Königl. Hoheit dem Großherzog dankend erwiedert wurde:
„Eure Königliche Hoheit wollen dem diplomatischen Corps, dessen Organ ich bei der heutigen feierlichen Veranlassung zu sein die Ehre habe, gestatten, Allerhöchstdemselben zu der 25jährigen Regierungs-Feier seine ehrfurchtsvollsten Glückwünsche auszudrücken.
Wir schätzen uns glücklich, Zeugen des freudigen Wetteifers zu sein, in welchem die Liebe und Dankbarkeit des Hessischen Volks seine treuen Wünsche und Huldigungen einem Fürsten darbringt, der in dem Glück und Gedeihen des seiner Fürsorge anvertrauten Landes stets das höchste Ziel seines Strebens und Wirkens erblickt hat.
Möge Gottes Gnade auch ferner über Eure Königliche Hoheit walten und mögen Ihnen in Kraft und Stärke noch viele glückliche Jahre einer glücklichen Regierung beschiedcn sein."
Berlin, 18. Juni. Die „Provinzial Correspondcnz" bespricht die unter Leitung des Reichstags-Präsidiums mit Zuziehung des Präsidenten des Reichskanzler-Amtes zu Anfang dieses Monats stattgehabte vertrauliche Verständigung von Deputirten aus den einzelnen Fractionen über die Vorlagen und Arbeiten, welche noch hurchbcrathen oder zurückgestellt werden sollten, wobei in Betreff der Regierlingsvorlagen vor Allem der Verzicht auf die Vorberathnng des Reichsmilitärgesetzes, in Betreff der im Reichstage angeregten Fragen auch die Nichtfortberathung des Preßgesetzes in Aussicht genommen worden sei. Der Reichskanzler habe bei dem Kaiser die Zustimmung zu dieser Vereinbarung befürworten können. Je schwerer der Verzicht auf die definitive Feststellung des Reichsmilitärgesetzes empfunden wurde, desto mehr Gewicht mußte der Reichskanzler auf die Bürgschaft legen, welche er bezüglich des gesummten Geschäftsganges des Reichstages auf Grund der vertraulichen Verhandlungen übernehmen zu dürfen geglaubt hatte. In der Wiederaufnahme der Preßgesetz- berathung erblickte der Reichskanzler einen Bruch des vertraulichen Einverständnisses. Dies berührte um so empfindlicher, als damit zugleich unverdiente Vorwürfe wegen Lässigkeit des Bundesrathes verbünde»» »raren und der Begriff sich in Formen kleidete, welche einen schroffen Gegensatz zwischen den Bestrebungen der Regierung und der Reichsvcrtret»»ng bezüglich des Volkswohls und der Volksrechte geltend zu machen schienen. Der Artikel schließt: Je mehr die Reichsregiernng und der Neichskauzler sich persönlich bewußt ist, des deutschen Volkes Wohl und Gedeihen in seiner Gesammtheit, auch die allseitige Entwick- lung der Volksrechte vor Augen zu habe»», um so weniger durfte er die Grundauffassungen UDj) Bestrcbungei» der Negierung in dieser Beziehung in falsches Licht stelle»» lassen. Vor aller» Dinge»» kam es dein Reichskanzler darauf an, die Grundlage eines fruchtbringenden Zusammenwirkens zwischen dem Reichstage und der Reichsregiernng zu betonen, wie sie durch das seitherige beiderseitige Vertraue»» sich immer fester gestaltet hatte nnd sich trotz der augenblickliche»» Irrung gewiß auch weiterhii» bewähren wird. — Dasselbe Blatt wiederholt, der Kaiser werde bei» Besuch in Wie»» im Laufe des August nachholen und fügt
hinzu, der Kaiser hoffe zu Anfang September in Berlin wieder einzutreffen, da am 29. die feierliche Enthüllung des Sieges-Denkmals auf dem Königsplatz stattfinden solle. — Die „Prov.-Corr." bezeichnet das Gerücht, wonach der Fürst von Rumäniei» die Absicht habe, abzudanken, als jeder Begründung entbehrend.
Berlin, 19 Juni. Reichstag. Der Gesetz-Entwurf, betreffend die Reichshaushalts-Controle pro 1873, wird in dritter Lesung unverändert genehmigt. Der Gesetz-Entwurf über die Regelung des Ncichshaushalts-Etats pro 1873 passirt die zweite Lesung. Staatsminister Delbrück erklärt sich dabei mit der vom Berichterstatter Lasker beantragte»» Behandlnugsforn» der Ausgabe»» als Zusätze zum Nachtragsetats pro 1873 einverstanden. Der Gesetzentwurf über die Verwaltung des Reichsinvalidenfonds in de»» Jahre»» lb73 und 1 74 wird in zweiter Verathung unverändert genehmigt, desgleichen in zweiter Berathnng der Gesetzentwurf über den Antheil des Norddeutschen Bundes an der französischen Kriegsentschädigung. Eine Aeußeruug des Berichterstatters über Mittheilungen des Buudescommissärs an die Commission betreffs der Wehrfähigkeit der Armee wird beifällig aufgei»ommen. Die in der Vorlage enthaltenen Geldanforderungen werden, nach längerer Debatte über eine wünschenswerthe Gleichstellung aller Stände in der Armee, unverkürzt bewilligt. Nächste Sitzung morgen.
Malmedy, 15. Juni. Gestern wurde vom Landrath bei» hiesigen Lazaristen eröffnet, sie hätten sich voi» diesem Augenblicke an den Verfügungei» des Buncesrathes gemäß von alle»» geistliche»» Verrichtungen, wie Messelesen, Beicht» hören, Predige»» zu enthalten, könnten jedoch bis zum 1. Novbr. hier bleiben.
iMcneidj.
Wien, 17. Juni. Vor einigen Woche»» bereits hielt es die englische Negierung für ihre Pflicht, Angesichts der Bestaudlosigkeit der Ministerie»» in Konstantinopel dem Sultai» durch Lord Elliot sanfte Vorstellungen zugehe»» und ihn auf die üblen Folge»» aufmerksam machen zu lassen, die derartige Zustände für den Staat und die Autorität der Negierung nach sich ziehen müssen. Den Cabinetten von Wien, Berlin, Paris, Petersburg und Rom wurde Mittheilung von den in dieser Richtung geschehenen Schritten mit dem Ersuchen gemacht, sich diese»» freundschaftlichen Vorstellungen in» Interesse der Aufrechterhaltung der Türkei anzuschließen. Diesen thatsächliche»» Vorgang versuchte man nun neuerdings mehrfach dahin zu verdrehen, daß man die ergriffene Initiative als von Oesterreich-Ungarn gemeinsam mit Rußland ausgegangen hinstellte. In Wirklichkeit aber haben die Regierungen in Petersburg, Wien und Berlin es sich zum Gesetz genracht, in keiner Weise störend oder erhaltend ferner in den Entwicklungs- oder besser in bei» innern Zersetzungsproceß der Türkei einzugreifen, und für Oesterreich ist diese Politik eben die der „neuen Aera" in Bezug auf die orieutalische Frage.
Schweiz.
Bern, 19. Juni. Die Berner Regierung hat ein von 22 Gemeinde- raths-Vorständen der Amtsbezirke Delsberg und Minister eingereichtes Gesuch i»m Zurücknahme der gegen die katholische»» Pfarrer getroffene»» Maßnahmen einstimmig abgewiesen.
JraiUiieidj.
Paris, 18. Juni. Der „Agence Havas" zufolge ist Ranc nach London gereist, um sich einem etwaigen Präventivfall zu entziehen. Das radicale Blatt „Petit Lyonnais" zu Lyon" ist suspendirt worden.
Paris, 19. Juni. Nach Berichten aus Lyon ist die Frohnleichnams- procession ohne alle Störung vorübergegange»». Die Geistlichkeit hatte den größte»» Pomp entfaltet. Der Präfect und die ganze Beamtenwelt betheiligte»» sich an derselben. Seit 1870 war es die erste Procession, welche auf der Straße stattfinde»» durfte; dieselbe ist ungesetzlich, da es protestantische und jüdische Gemeinde»» ii» Lyon giebt. Der neue Präfect von Lyon, Ducros, scheint es aber mit der Gesetzlichkeit nicht so genau zu nehmen und hat jetzt angeord- net, daß die Begräbnisse von Personen, welche ohne de»» Beistund der Geistlichkeit nach ihrer letzten Ruhestätte gebracht werden, schon vor 7 Uhr Morgens stattfinde»» müssen. Außerdem muß er und der Central Polizei-Commissär, wen»» ein Civilbegräbniß stattfinde»» soll, 24 Stunde»» vorher davoi» in Kennt- niß gesetzt werde»». Der Präfect hat diese Maßregel ergriffen, um bei» Ultramontanen ber Stabt zu Wille»» zu sein. Auf irgend ein Gesetz kon»»te er seine Verordnung nicht. stützen, da der Staat im Gegenthcil das Civilbegräbniß allem gesetzlich anerkennen darf. Und dock wagen die Minister zu sagen, daß sie nicht clerical seien.
J (allen.
Nom, 15. Juni. Wie befindet sich der Papst? Das ist eine Frage, die Manche»» interessirt, aber vo»» denjenigen, die etwas darüber verrathen könnten, mit der äußersten Zurückhaltung behandelt wird. Andere, die sich nur den Anschein geben, etwas zu wissen, stutzen die Nachrichten nach gewisse»» wirkliche»» oder eingebildete»» Interesse»» zurecht. Allzu gute Vorstellungei» wird man sich von dem Befinde»» des Papstes nicht zu mache»» haben. Es bedeutet gar nicht viel, wem» es zum Beispiel heißt, daß Papst Pius IX. am Pfingstsonntag die Messe gelese»» hat. Als Papst kann er sich erlauben, was allerdings keinem Priester oder Bischof ziistehen würde, auf seinem Armstuhl sitzend zu celebrirei», intern er sich nur bei den beide»» wichtigsten Momenten einen Augenblick von seine»» geheimen Kammerdienern anfrichten läßt. Sei»» Befinden hat sich, im Vergleiche mit feinem Zustande im April und Mai, allerdings wesentlich gebessert. Aber wem» die Gefahr einer raschen Auflösung etwas in bei» Hintergrunb getreten ist, so finb doch noch arge Gebresten zurückgeblieben. De»» Gebra»»ch des rechte»» Beines hat Pius ganz verloren und das linke bewegt er nur noch mit großer Mühe, so daß er die wenige»» Schritte, die er täglich macht, nur mit Hülfe eines Stockes und einer Krücke zu Stande bringt. Er bemerkte dieser Tage »"»ber seinen eigenen Zustand scherzend, daß ihm solche Stützen noch immer lieber seien, als biejenigen, bereu sich die Revolution bediene.
Nom, 18. Juni. Die Königin Isabella traf mit Töchtern und Gefolge heute hier ein und wurde auf dem Bahnhofe von zwei Prälaten begrüßt. Dieselbe begab sich alsbald nach dem Vatican, wo ein feierlicher Empfang statt- fand. — Voce della Verita" veröffentlicht die Rede, welche der Papst bei dem Empfang des Cardinals-Collegiums gehalten hat. Da»»ach wiederholte der Papst die Proteste gegen das Klostergesetz nnd bestätigte die »über die „Usur-
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