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Berlin, 17 März. DieNorddeutsche AllgeDeine" bestätigt es, daß Sonnabenv Nachmittag 5 Uhr der aus 6 Artikeln best.hende Räuwunqsvertrag vom Fürsten Bismarck und dem französischen Botschafter de Gontaut-Biron un- terzeichaet worden ist. Nach demselben ist laut Artikel 1 mit dem 5. September 1873 die Kriegsentschädigung bezahlt. Laut Artikel 3 findet die Räumung in »erhalb 4 Wochen vom 5. Juli an statt. Besetzt bleiben Berbun mit einem Rayon von 3 Kilometern und freier Militärstraße noch Metz, sowie Couflane vnd Etat« al- Etappeuplätze. Diese Orte werden 14 Tage nach dem 5. Scp tember geräumt.

Berlin, 18. März. Das Abgeordnetenhaus hat heute in zweiter Dero« thuug sämmtliche Paragraphen der Grsrtzvorlage über die Recht-grenzrn zum Ge­brauche kirchlicher Strafmittel, unter Ablehnung aller Amendement- in der (Som wission-fitzvng angenommen. Der Kaiser hat, wie dieNordd. Allg. Ztg." vernimmt, dieser Tage eine Verordnung vollzogen, welche die katholische Feld- probstet aufhebt und die Ordnung der katholischen Militärseelsorge in früherer Weise wieder herstellt.

Potsdam, 17. März. Der Feldmarschall Wränget ist von einem Krank, heit-ansalle betroffen, doch ist sein Befinden noch nicht zu äußersten Besorgnissen Aulaß gebend; die linke Seite ist zwar vollständig gelähmt, aber da- Bewußt- sein ist noch ungetrübt.

Breslau, 16. März. In einer von 6<n hiesigen finkenden Buchdrucker- Gehülsen im Bern» mit den Social-Demokraten auf heute Vormittag ,m Schieß- verdersaal zusammknberufenen Versammlung wurden, nachdem mehrere Redner, größtenthe ls social-demokratische Parteiführer, aufgetreten waren, von den A» wesenden (etwa 1OOO Personen) folgende Resolutionen angenommen: Die Heu- tige Versammlung erklärt, die von den deutschen Buckdrucker-Gehülfen vertretene Sache ist die gemeinsame Angelegenheit aller Arbriterkreise; darum müssen ßch alle Arbeiter Breslaus verpflichtet fühlen, mit der größten Entschiedenheit und Opferwilligkeit für die außer Arbeit befindlichen Buchdrucker einzutreten. Die heutige Versammlung beauftragt deshalb den Aueschuß der Buchvrucker-Gehülfen. sich durch Mitglieder der Gewerkschaften zu verstärken und in allen Arbeitsstätten Breslaus eine thatkräfiige Unterstützung zu organisiren. Die zweite R so ution erklärt das Vorgehen der Buchdruck^reibesitzer gegen die Gehülsen für durchaus ungerecht und für eine gröbliche Verletzung der Menschenrechte; sie spricht sich dahin aus, die Gchülfen mit allen zu G bote stehenden Mitteln zu unterstützen, die Uebergriffe der Prinzipale energisch zurückzuweisen und die heutigen Beschlüsse in Arbeitskreisen zu verbreiten.

Straßburg, 17. März. Der bischöfliche General-Vicar Rapp, geheimer Gründer und Leiter de- hiefigm Central Comil^s, eines V.reinS zur L-itung dir politischen Wahlen, hat den Befehl erhalten, Elsaß Lothringen binnen 48 Stun den zu verlassen. Gestern ist eine Deputation von Notabel» deä HanoetsstaN' de- nach Berlin abgereist, um bet dem Reichskanzler gegen die Erhöhung der Tabaksteuer vorstellig zu werden. Die Regierung hat der Haneelekammei anheimgrstellt, Maßregeln vorzuschlagen, wie in einzelnen Fällen die Härten der Guldentarifirung zu mildern wären. Die Regierung ist gewillt, den augenblick lichen Guldenvorrath de- Lande- durch Vermittlung der VerwaltungScaffen ron- vertiren zu lassen, wofern eine Garantie gegen die Möglichkeit gefunden werben kann, daß eine solche Maßregel nicht neue Bestände heranziehe. Wer die letzte Zeit vor dem Erlasse dieser Verfügung Zahlungen in Gulden von Verwaltungtz- caffen empfangen hat, kann dieselben umtauschen. Da- Kriegsgericht gegen dm verfaffer der mehrerwähnten Schmähschrift, Advocat Laporte, hat feine Sitzungen begonnen. Der Antrag de- Staat-anwalt- lautet aus 15 Monate Zuchthaus. Die Sitzungen werden heute Abend sorigesktzt.

Straßburg, 17. März. Da- Kriegsgericht hat dm Advocat,n Laport. der vorbereitenden Handlungen zum Hochverrath für überführt erachtet und ihn nach den §§ 81 und 86 de- Strafgesetzbuches zu 15 Monaten Festungshaft verurtheilt.

Schweiz.

Basel, 17. März. DenBaseler Nachr." zufolge wild in dem Berner Regierungsrathe morgen die Abberufung sämmilicher 97 Priester, welche ren Prc- test gegen die Absetzung Lachst'- unterzeichnet haben, beantragt werden. $n DelSberg im Iura sollen ernstliche Unruhen bevorflehen.

Frankreich.

Paris, 16. März. In später Abendstunde versandte der Minister des Innern gestern folgende inhaltsschwere Note, die auch heute imJournal o^ciell" erscheint:

Ein Vertrag über die Räumung de- französischen Landesgebiete-, die Frucht langer Unterhandlungen, ist heute, den 15. Mär», und zwar soeben um 5 Uhr Abend-, in Berlin unterzeichnet worden. Die Regierung hätte gewünscht, daß die Nationalversammlung zuerst von diesem erfreulichen Eeeigniß Kenniniß erhai- ten hätte; das war aber unmöglich, weil die Depesche, welche man voa Berlin erwartete, erst um 7 Uhr in Versailles eintraf.

Jedermann weiß, daß die Regierung mit unverhoffter Raschheit die finan­ziellen Verbindlichkeiten einlösen konnte, welche sie au- Vorsicht für einen entfern­teren Zeitpunkt eingegangen war. Von den drei Milliarden, welche an Deutsch­land zu zahlen blieben, ist eine schon im letzten Herbst gänzlich berichtigt worben. Die zweite, welche schon zu einem bedeutenden Theile erledigt ist, wird zwischen dem 1. und 5. Mai vollständig abgetragen sein. Die dritte und letzte Milliarde (die fünfte der ganzen Kriegsentschädigung) wird an den deutschen Staatsschatz in vier gleichen Raten am 5. Juni, am 5. Juli, am 5. August und am 5. Sep­tember d. I au-gezahlt werden.

Hiergegen hat sich Seine Majestät der deutsche Kaiser, König von Preu­ßen, verpflichtet, am 1. Juli b. I. die vier Departement-, Vogesen, Ard nneu, Meuse und Meurthe-et-Mos«lle, sowie die Festung und do- Arrondissement Belfort, zu räumen. Diese Räumung soll n cht mehr als vier Wochen in Anspruch n h- wen. Al- Pfand für die zwei l>tz en noch übrigen Zahlungen soll dann nur die Festung Verdon mit ihrem Umkreise bis zum 5. September besetzt dl.iben und dann binnen 14 Tagen von di'sem Datum ab geräumt werben.

Die- sind die lange verhandelten Bebingungen des neuen Vertrage-, welche, trotz schmerzlicher Erinnerungen, wie w.r nicht zweifeln, den Patriotismus aller guten Bürger erfreuen werden.

Sobald die diplomatischen Instrumente ihre beglaubigte Form erhalten habt» werden, sollen sie der Genehmigung der Natioualvttsamwluug unterbreitet

werben, damit dann in kürzester Frist die Ratification de- Präfidenten der Re­publik gegen jene de- deutschen Kaiser- ou-getaufcht werden kann.

England.

London. In England halt die Ministerkrise an. Ihrer Britischen Maj«- stät alleroetreveste Opposition kann noch immer nicht auf den Ministersesseln Ruhe finden. E- sind nämlich keine Tories auizutreibea, die Gladstone'- Nachfolge zu werden Lust verlpü-ten. Am Ende sieht England vor der konstitutionelle» Monstrosität, daß Gladstone fein eigener Nachfolger wird. Au- dieser schwierigen Lage wurde nur die Auflösung des Unterhaufe« zu helfen vermögen, lieber den Stand der Dinge schreibt dieTimes":Heer Gladstone hat am Donnerstag r.fignirt, aber wir glauben, daß om Montag den beiden Häusern de- Parkawent« mitgethe'lt werden wird, daß er wieder iu's Amt getreten ist. Herr Di-raeU bat es achtungsvoll obgelehnt, ein Ministerium zu bilden, und die Königin wird, wie wir G.und zur Annahme haben, nach gehörigem con^itntionellen Verfahren Herrn Gladstone wiederum zur R grerung berufen. E- ist kerne Gelegenheit, uni ce mag fast gesagt werden, ft ine Möglichkeit vorhanden, irgend einem dritten Staatsmann die Leitung der Staat^geschafce zu übertragen. Herr Gladstone und Di-raeli müssen jeder als der Führer seiner Partei anerkannt werden. Wenn e- Herr Disraelt unzweckmäßig findet, ein konservatives Ministerium zu bilden, f» kann kein zweiter Ehef die Aufgab: übern*fomen. Wenn ein liberales Cavin« wieder geschaffen werden soll, so muß Herr Gladstone die Aufgabe übernehme». Herr DiSraelt hat weise und wohl gehandelt, indem er Ihrer Majestät E4aub- niß nackfuchte, die Premierschaft abzu'ehneu. Es kann nicht behauptet werden, daß er sich unter irgend einer confiitutionrllcn Verpflichtung befand, die ihm au- qebobne Rolle anzunehmen. Die Majorität, durch welche die Niederlage (Glad- stoncs) herbeigeführt wurde, war nicht eine von H rrn DiSraeli orqanisirte oder ihm Lchnrtr'ue schuld,ude Majorität und die Abtrünnigkeit der Ultromontanea von Herrn Gladstone am Mit woch Morgen iuvolvirt feine permanente oder zu­verlässige Addition für Herrn DiSraelt'« Reihen. Er difiadet sich in einer Mi« noritä?, die versch eben von 70 bis 90 geschätzt wird, and die- ist an sich selber ein so'gkricktiger Einwand g^gen eine Übernahme der Regierung seinerseits, au«, genommen Behufs einer sofort gen Auslösung, zu deren Rechkfertigung nichts vor­handen ist. Der Appell an das Land kann n cht lange hinausgeschoben to.roen. Er wird zeitig genug kommen zeitiger als vielleicht manchen Gemürhern an­genehm fein w rd ober das nothwenoige Werk der Session muß erst vollendet werden- ehe derselbe als praktisch erachtet werden kann."

London, 17. März. Gladstone hat nach seiner am Sonnabend stattge­habten B rafung zur Königin keinen einzigen seiner (SoÜc^en g.sprochen. H<ute kehrt fr vom Lande zurück und bürfre er eine weitere kurze Vertagung de- Par­laments beantragen. Die Gerüchte, daß er persönlich abzubanken wünschte, oourrn fort, koch hoffen feine Parteigenossen, daß er in seinem Amte bleiben uni e st komm nbes Jahr bas Parlament auflösen werbe, was ihm nach der Amtsableh­nung Dtsraeli's frerstehe.

London, 18. März. 11,000 Arbeiter nahmen gestern im Kohlenwerke Dowlats dte Arbeit wieder auf. Sie erklärten sich mit der Reduktion des Loh­nes für die erste Woche einverstanden. Für die zweite Woche e,halten sie den ölten Lohn. Alsdann ist eine allwöchentliche Lohnerhöhung nach gemeinsamer Vereinbarung festzusetzen. Die Arbeitseinstellung ist nunmehr völlig belndigt.

Amerika.

Washington, 18. März. Der Senat bestätigte das bisherige Cabinet, in welchem athr on Stelle Boutw<ll'S R>charbson Schohsecretär wurde. Aus Lan- rencebury ^Kentucky) und Elysia (Ohio) werden bebeut nde Fernrebrünste gemel­det und wi'd der Brandschaden im Ganzen auf eine halbe Mlll.on Doll, ange- giben. Das Maschinen - Pe sonal der Missouri-Bahn strikt, htnbert die Fahr- i n und beschädigt das Material. Zum Schutze der Bahn find Truppe» verlanat.

Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde.

Sttzung vom 5. März 1873.

Herr Professor Zöp pritz hielt einen Vortrog über den Zusammenhang zwischen Sternschn/ppen und Kometen. Der Gegeustand zerfällt naturgemäß in 2 Theile. eine» rein assroN()M scheu und einen mehr physikalischen. 5)it namentlich von H. A. Newton «ad Schiaparelli gelöte Aufgabe der Astronomie bestand darin, aus der Häussgkeit des iLrscheineaS per Sternschnuppen und dessen täglicher und jährlicher Variation, sowie aus dem periodssche« Auftreten verstärlter Schauer, endlich aus der Radiation, d. h. dem AuSgehen sehr zahlreicher Sternschnuppen von bestimmten Punkten des Himmels lRadiantev) daö Verhältn>ß der (öeschwia- digkeit der Sternschnuppen ;> derjenige» der Erde in ihrer Bahn und die Lage der Sterajchnup- pendahnen zur (Sfhptif abzuleiten. (S<5 ergab sich, daß die Sternschnuppen im Weltraum Bahne» von denise>ben Eharakter (b. h. von verselben Gestalt und Lage) und mit derselben Geschwindiß' f.it besire ben, wie die Kometen, und von mehreren der bekannteren Swwärme zeigte sich sogar, daß ihre Bahnen mit denjenigen von wohlbekannten Kometen genau zusammenfielen.

Da die Gestalt der Wege, die vou den Sternschnuppe», uns sichtbar, in der Atmosphäre zurückgelegt werben, ih^e G üh- und ÄrplosionSeisvetnungen, sowie die Beschaffenheit ihrer biSweile» als Nieteoriten zur Grdoberstäche gelangten Bruchstücke ten ziemlich sicheren Schluß gestatten, daß dieselben feste Körper sind, so muß ein Sternst-nuppenschwarm au- einer ungeheuren Anzahl sol­cher fester Massen bestehen, welche in beträchtlicher Dicke längs der ganzen Bahn oder wenigste»k aus einem sehr langen Stück derselben vertheilt sind und bei denjenigen Schwärmen, welche i« mehrjährigen Perioden besonders glänzend wiedererschetnen (wie z. B. der 1866 so glänzrud aufgetretene Novemberschwarm mit der Periode von 33'/« Jahren) die ganze Bahnellipse umzie, hen, und um di« Sonne einen ellptischro Ring von veränderlicher, an einem Punkte «in Mari- mum erreichender Dichte bilden. D e Möglichkeit der Entstehung solcher Ringe aus einer mehr localisirtrn Anhäufung der Massen, sowie der physisch« Zusammenhang deS uns als Komet sichtba­ren Körpers mit den in derselben Bahn kreisenden Sternschnuppen bildet dre zweite. Mehr physi­kalische Frage d,S Problems.

Die Umwandlung einer ans di'Screteo Theilchen bestehenden oder continuirlichen Masse t» eine länge der Bahn hin sich ouSdrhn »de ist, wenn die mittlere Dichtigkeit der G.sammtmaffe umtr einer g,wissen allerdmgS sehr niedrigen Grenze blecht, eine noihwendige Folge der größere» Anziehung der Sonne auf die ihr näheren Masseideile, wodurch diese eine größere UnlaufSge- schwi'chigkeit um die Sonne annehmen, als der Schwerpunkt der ganzen Masse, während di« entferntesten sich langsamer als d es« bewegen. Diese mittler« Dicht,, welche die Astronomie de» Kom.trn zumeist, liegt auSnahm-loS unteihald pntt Grenze; ihre Masse ist deßhald einer fslche» Ausbreitung jedenfalls unterwo>fen. Die nah-liegenbe Vermuthung, daß die den Schwerpunkt uno das DichtlMoximum enthaltende Gegend deS Schwarms es sei, welche un< als Kometenkopf sichtbar werde, ist durch die Beobachtung d,S reichen Schauers in der Nacht vom 27. zum 28. 'November vor. Zahc und die darauf begründete W ederauffindung des mit dem Schwarm gleich« Bahn d.schrechendenBiela'scheuKom,ten der Gewißheit sehr nah« gebracht. Das Licht, ro-ld),8 un» b t Kopf eines Kometen zusendet, gebt jedoch nicht von den in ihm enthaltenen St.rnschnuppe»maf> sen aus, sondern seine Analyse durch das Spektroskop und Polariskop lehrt, daß der Komet sei»« Leuchikia't gluh.nden od r elektrisch leuchte, den Rasmussen, wahrscheinlich Kohlenwasserstoffe», »er« da' kt; während die in ihm enthaltenen festen Massen, welche nur restektiiteS Sonnenlicht auesend«» können, uns unsichtbar bleiben, sofern sie nicht, wenn di« Erve ihren Schwarm dvrchschoeidet, i«