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schiffbar seien. Diese Ausführung war, was wenigstens die Lahn angeht, |i nicht zutreffend, dennoch stimmten die Abgg. Buff und von Rabenau mit: den Rheinhessen für Wegfall des Brückengeldes.

Darmstadt, 17. Juli Die Kammer genehmigte die Herabsetzung der Weinsteuer für 1874 auf 7/io des gegenwärtigen Betrags.

Berlin, 16. Juli Die oberste Reichspostbehörde hat soeben einen Erlaß den Beamten zukommen lasten, der bei diesen einige Verwunderung Her­vorrufen wird und folgenden Wortlaut hat:Durch die bereits eingeleitete Beförderung einer größeren Anzahl von Postpractikanteu zu Postsecretären wer­den vom 1. August ab sämmtliche Postsecretärstellen besetzt. Die Besetzung der vacanteu höheren Dienststelle,» ist vor Kurzem ebenfalls erfolgt. Ferner ist ein großer Theil der Beamten vom 1. April ab mit Gehaltszulagen bedacht wor­den. Hierdurch werden die betreffenden Besoldnngsfonds für dieses Jahr vor­aussichtlich vollständig erschöpft. Es wird daher nicht thunlich sein, am Schluffe dieses Jahres aus ersparten Gehaltsbeträgen extraordinäre Remunerationen und einmalige Besoldungszuschüsse in dem Maße zu bewilligen, wie solches in den letzten Jahren hat geschehen können. Das Generalpostamt hält sich für ver­pflichtet, die Herren Beamten und Unterbeamten der Reichspostverwaltung schon jetzt hierauf aufmerksam zu machen, daß diejenigen, welche Gehaltszulagen oder Wohnungszuschüste meist für einen längeren zurückgelegten Zeitraum erhalten haben, thunlist auf eine Ersparniß jetzt Bedacht nehmen."

Köln, 16. Juli. Heute Morgen wurde das erste Blatt derKölner Bolks-Ztg." wegen eines Leitartikels, überschriebenDie Stellung des Fürsten Bismarck III." polizeilich mit Beschlag belegt. Ein großer Theil der Auflage weit über 2000 Exemplare war noch nicht ausgegeben, wurde also ab­gefaßt. Der Artikel, der eine Charakteristik Bismarck's als Staatsmann, vom katholischen Standpunkte aus aufgesaßt, enthielt, war mit F bezeichnet. Die Lazaristen haben heute ihr Kloster und die Stadt verlassen, um sich vor­läufig nach Frankreich zu begeben. Gestern passirte Prinz Lulu Napoleon, von Arcnenberg kommend, unsere Stadt und fuhr ohne weiteren Aufenthalt nach London.

Frankfurt, 15. Juli. Die Assisen - Verhandlungen gegen die beim Bierkrawall Hauptbetheiligten haben gestern begonnen und werden voraussicht­lich länger als eine Woche andauern. Bis jetzt ist der Gerichtshof noch mit Entgegennahme der Zeugenaussagen beschäftigt; dieselben bestätigen int Wesent­lichen alles Dasjenige, was durch den Anklageact bereits constatirt ist. Eine jämmerlich aussehende Schaar bilden im Allgemeinen die Angeklagten, wie sie so dicht auf einem Haufen zusammengepreßt im Sitzungssaale sitzen. Meist bartlose pinge Burschen, mit durch die Gefäugnißlust gebleichter Gesichtsfarbe und verkommenen Zügen, machen sie den Eindruck einer zwar verwilderten und rohen, auf die Dauer aber doch nur wenig gefährlichen Rotte. Einige unter den Gefangenen sind indeß doch von anderm Schrot und Korn; so namentlich der baumlange Sackträger Kropp, eine kräftige muskulöse Figur von schlimmem Gesichtsausdruck. Kropp, 35 Jahre alt, ist Derjenige, welcher noch Abends spät in der Stelzengasse mit einer Pistole nach einer Patrouille schoß und dann auf der Flucht von einem Polizeilieutenant mit dem Säbel zusammengehauen wurde. Auch Israel aus Oberrad, der communistische Schreiner, macht in seiner verhältnißmäßig gewählten Toilette, mit Vatermördern, blau und weißer Halsbinde, Sammtkragen am Rock u. s. w. wenigstens einen intelligenteren Eindruck, als seine Spießgesellen. Israel, 23 Jahre alt, war wie erinnerlich Derjenige, welcher am Nachmittag des 21. April die erste Bande im Bleich­garten orgamsirte und dieselbe dann zum Sturm auf die verschiedenen Braue­reien im Ostende der Stadt führte. Er sieht etwa aus, wie die Redner dritten und vierten Ranges, wie man sie in social-demokratischen Versammlungen zu Gesicht bekommt.

Aus Baden, 16. Juli. DemSchwäb. Merk." schreibt man von Mannheim über den Eindruck, welchen die Rede Hecker's in Stuttgart und Baden heroorgebracht hat, Folgendes:

Die Rede, welche Friedrich Hecker am Feste der Unabhängigkeitserklä­rung in Stuttgart gehalten hat, wird hier, die Demokraten selbstverständlich ausgenommen, sehr ungünstig beurtheilt und ohne Zweifel wird dies auch ander­wärts der Fall sein, auch anderwärts wird man die Kränkung empfinden, die Hecker, der deutsche Mann, dem deutschen Nationalgefühl zugefügt hat! Daß Hecker in seiner Rede die große Republik und ihre Institutionen feiern werde, das hat natürlich Niemand anders erwarten können und dagegen ist nichts zu sagen; was man darin aber auch zu erwarten berechtigt war und nicht findet, ist Unparteilichkeit. Er hat über seiner Bewunderung des glorreichen Seces- sionskrieges ganz vergessen, daß sein ursprüngliches Vaterland in einem eben­falls glorreichen Kriege sich die Güter erkämpft hat, nach denen es ein halbes Jahrhundert gerungen; oder er hat sich dieses glorreichen deutschen Krieges vielmehr nur erinnert, um einen bösen Seitenblick auf die Dekorationen und Dotationen zu werfen, mit denen Deutschland die Tapferkeit und Hingebung seiner Krieger und ihrer Führer belohnt hat. Warum, wenn ihm dies so anstößig ist, hat Hecker nicht den Muth gehabt, in seiner Apotheose der trans­atlantischen Republik auch die furchtbaren Schäden zu erwähnen, die diesem Staatswesen, die Corruption, die Bestechlichkeit, das in großen Verwaltungen förmlich organifirte Spitzbubensystem? Jedenfalls ist auch für die Phrase, in welcher Hecker uns die Aussicht eröffnet, über kurz oder lang uns in den küh­len Schatten tauchen zu können, den der große Baum der Republik wirft, der Augenblick schlecht gewählt; die schwarze Republik in Frankreich, die verunglück­ten Experimente des Herrn Castelar in Spanien, sind wahrlich nicht geeignet, uns Geschmack an dem gerühmten Baumschatten beizubringen, wir werden cs vollziehen, uns von der mächtigen und belebten Sonne des deutschen Reichs bescheinen zu lassen. Uebrigens beschuldigen wir Hecker keineswegs, die Schä den der Union nicht zu kennen, er kennt sie so gut wie Jeder, der von Ame­rika kommt und Gelegenheit hat, sich über die dortigen Zustände zu äußern; das beweist eine Bemerkung, die er einem seiner hiesigen guten Freunde gele gentlich einer darauf bezüglichen Unterredung gemacht hat:Ich war ehrlich und habe es deshalb zu nichts bringen können." Kein Mensch zweifelt an der Ehrlichkeit Hecker's; waren aber alle Generale, die nach dem Secessionskrieg, ohne Dekoration und Dotation erhalten zu haben, zu ihrem Pfluge znrückkehr- ten, auch so ehrlich? Wenn nicht, warum denn dieser böse Seitenblick?"

Altbreisach > 14. Juli. Die feierliche Eröffnung der Nheinbrücke bei Markolc heim fand gestern in Gegenwart des Ober Präsidenten v. Möller und des Staatsministers Dr. Jolly aus Karlsruhe statt. Der Feierlichkeit wohnte

eine zahlreiche Menschenmenge ans den benachbarten Ortschaften beider Rhein ufer bei. Bei dem darauf stattfindenden Festmahle im Stadthause zu Mar- kolsheirn brachte der Staatsmimster Dr. Jolly den Trinkspruch auf den Kaiser, Ober-Präsioent v. Möller den auf den Groß Herzog von Baden aus. Beide Trinksprüche wurden mit großer Begeisterung aufgenommen.

efrankreicQ.

Paris, 15. Juli. Der Minister des Innern hat einen Erlaß an die Präfecten gerichtet, worin er die strenge Beobachtung des Gesetzes von 1814 über die Sonntagsfeier verlangt. Das Versprechen des Ministers, dieses Ge setz streng ausführen zu lassen, war der Grund, weßhalb die Clericaleu ihr Sonntagsgesetz von der Tagesordnung zurückgezogen haben.

Die Schließung der republikanischen Vereine wiederholt sich an ver­schiedenen Orten. In Nantes wurde dem Blatte Bon Citoyen der Straßen verkauf entzogen.

Der Strike in Rouen ist fast gänzlich beendet.

Paris, 15. Juli. Aus Verdun meldet man die Ankunft eines Ba­taillons des 64. deutschen Regiments, welche am 9. erfolgte. Die Regiments- Manöver haben am 11. begonnen, worauf die Brigade - Manöver und die der größeren Truppenabtheiluiigen stattfiuden werden. Sie sollen am 30. Juli be­endet (ein. Die Pontonniers des 3. Corps verließen am 10. Verdun und be­gaben sich nach dem einige Kilometer von dort gelegenen Dorfe Bras, wo sie eine Brücke über die Meuse schlugen, damit die drei deutschen Compagnieen, die auf dem linken Ufer liegen, sich auf die Wiesen des rechten begeben können, um Manöver auszuführen. General v. Manteuffel wird erst in den ersten Tagen des Monats August in Verdun eintreffen. Auf dem Platze St. Paul ist eine große Baracke für 14 Pferde gebaut worden. Die erste Schwadron des 11. Ulanen-Negiments wird am 26. Juli in Verdun erwartet und theil- weife in der Kaserne St. Nicolas untergebracht. Die 6. Compagnie des 3. Artillerie-Regiments sie kommt von M6ziöres wird in der Militär­schule einquartiert.

Versailles, 16. Juli. Die Nationalversammlung fuhr heute in der zweiten Berathnng über das Armee-Reorganisationsgesetz fort. Gegenüber Ca- stellane und Raudot, welche ausführten, daß das Gesetz größere Ausgaben verursachen werde, als vorgesehen seien, erklärte der Kriegsminister : Die Armee werde allerdings Opfer erheischen. Dies sei eine Frage des Patriotismus. Er werde nicht mehr Ersparungen machen, als möglich seien.Wir sind nicht von kriegerischem Geiste beseelt, sondern verfolgen eine Politik des Friedens. Wir wollen Niemanden angreifen, aber wir können nicht unbewaffnet bleiben Angesichts des bewaffneten Europa. Wir müssen die Mittel haben, ohne Schwierigkeit von dem Friedensfuß zum Kriegsfuß überzugehen." Nach einer Debatte über die verschiedenen Reserve-Systeme werden die Artikel 6, 7 und 8 angenommen, die Abstimmung über Artikel 9 wird vertagt. Artikel 10 des Commissions-Entwurfes, welcher bestimmt, daß jede Aenderung der Ausrüstung und Uniform durch ein besonderes Gesetz geregelt werben soll, wird von dem Kriegsminister bekämpft: Solche Aenderungen seien lediglich Sache des Regle­ments. Der Berichterstatter, General Chareton, hält den Artikel aufrecht, in­dem er denselben als das einzige Mittel bezeichnet, gewisse Mißbräuche zu un­terdrücken. Gavardie und Audiffret-Pasquier sprechen für den Artikel. Des- jardins beantragt Zurückverweisung an die Commission. Zur Abstimmung ge­bracht, wird dieser Antrag jedoch mit 315 gegen 302 Stimmen verworfen. Nachdem Maille und Baragnon hierauf Amendements zu dem Artikel gestellt, wird die Fortsetzung der Discussion auf morgen verschoben

Versailles, 17. Juli. Der Schah von Persien hat seine Abreise bis Sonnabend verschoben, an welchem Tage er bis Dijon geht und dort Über­nachtet. Von dort ans begibt er sich in Begleitung des schweizerischen Ge­sandten Dr. Kern nach Genf, woselbst er zwei Tage zu bleiben gedenkt Der Präsident der Schweizer Republik wird ihn in Genf empfangen. Heute wird der Schah der Sitzung der Nationalversammlung beiwohnen Fernere Tele­gramme bestätigen, daß Don Carlos nach Spanien gegangen ist. MarquiS Banneville und ©ontaut Biron sind hier angekommen.

Bayonne, 16. Juli. Don Carlos begab sich gestern Abend nach Spanien und erließ eine Proklamation an die carlistischen Freiwilligen, worin er sagt, daß er dem Rufe des sterbenden Spaniens folge, um unter GotteS Bestände für das Vaterland und Gott zu kämpfen. In Zugarramurdi, wo Don Carlos mit Valdespina und Lizzarraga sich aufhält, herrscht große Zuversicht

ytafien.

Rom, 13. Juli. Der Papst ist in Folge der eingetretenen Hitze und der vielen Audienzen, die er in letzter Zeit zu geben hatte, in einen Zustand völliger Erschlaffung gefallen und hat deßhalb seine täglichen Spaziergänge in den Gärten des Vaticans aufgeben müssen. Das Consistoriiim, das heute stattfinden sollte, ist abermals auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Der Papst will den Ausgang der Processe abwarten, welche man in verschiedenen Ländern gegen katholische Bischöfe und treue Diener des Papstes und der Kirche eingeleitet hat Außerdem soll sich der Papst zur Ernennung mehrerer Cardi- näle entschloffen haben, welche im Consistorium bekannt gemacht werden sollen. Man bezeichnet als Canvidaten den Erzbischof Manning und einen österreichi­schen und mehrere amerikanische Bischöfe. Die Nuova Roma meint, der neue Aufschub sei eine Folge des eben so unerwarteten, wie langen Besuches gewesen, den Herr v Corcelles dem Papste vorgestern gemacht. Corcelles habe im Auftrage Mac Mahon's dem Papste vorgestellt, daß er dem Feuer der Zwie­tracht zwischen Liberalen und Ultramontanen, welches in Frankreich unter der Asche glimmt und jeden Tag zum Alles verheerenden Brande auszubrechen droht, keinen neuen Zündstoff mehr zutragen möge, und daß er Italien und Deutschland mit mehr Rücksicht behandeln solle. Die beiden Mächte hätten alle Ursache, über das Gebühren der französischen Ultramontanen und Reactio- näre unzufrieden zu sein, sowie auch über die unvermeidliche Toleranz, welche er als Präsident der französischen Republik Angesichts der vielen feindseligen Demonstrationen gegen Regierungen, mit welchen er freundschaftliche Beziehun­gen unterhalte, beobachten müsse. Diese Vorstellungen des französischen Gesand­ten sollen den beabsichtigten Eindruck auf das Gemüth des Papstes nicht ver­fehlt und ihn überzeugt haben, daß er unter diesen Umständen die Sprache nicht führen dürfe, welche er im Consistorium anzustimmen beabsichtigt hatte.