Ausgabe 
18.2.1873
 
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Preis vierteljährig 1 fl- l2 kr. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig 1 fl. 29 kr.

Erscheint täglich, mit Aus­nahme Sonntags.

Expedition: Canzleiberg, Ltt. B. Nr. 1.

Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kielen.

Nr. /41. Dienstag den 18. Februar 1873.

Der Negierungs - Commissär: Gros, Kreisassessor.

findenden Wahl eingeladen.

Gießen, den 12. Februar 1873.

Wahl der Mitglieder des Gemeinderaths zu Gießen. Einladung zu einer außerordentlichen Ersatzwahl.

Da die am 29. und 30. November und 2. December v. I. dahier abgehaltene außerordentliche Gemeinderaths-Ersatz-Wahl nicht bestätigt worden inzwischen auch ein weiteres Mitglied aus dem Gemeinderath ausgeschieden ist, so wird Termin zu einer ai'.derweiten Wahl, wie folgt, anberaumt:

1. für die Wähler der MI. Abtheilung,

zu welchen diejenigen Stimmberechtigten gehören, deren monatlicher Steuerbetrag im Jahre 1870, bezw. 1872 nicht über 4 st. 13%, kr. betrug und in welcher ein Mitglied an Stelle des verstorbenen Herrn Friedrich Berg zu wählen ist, auf

Freitag de» 21. und Samstag den 22. 1. Mts , jedesmal Vormittags von 8 bis 12 und Nachmittags von 2 brs 3 Uhr;

2. für die Wähler der II. Abtheilung, in welcher diejenige« Stimmberechtigten wählen, deren monatlicher Steuerbelrag im Jahre 1870, bezw. 1872 auf mindestens 4 fl. 13i/a kr. und höchstens 9 fl. kr. sich belaufen hat und in welcher drei Mitglieder an Stelle der verstorbenen Herren Karl Löb er und Georg Ebel und des ausgetretenen

Derrn Louis Petri zu wählen sind, auf

Dienstag den 28. l. Mts., Vormittags von 8 bis 12 und Nachmittags von 2 brs 8 Uhr;

3. für die Wähler der I. Abtheilung, zu welcher diejenigen Stimmberechtigten gehören, deren monatlicher Sleuerbetrag im Jahre 1870, bezw. 1872 mehr als 9 fl. 38*/* kr. betrug und in welcher das ausgetretene Mitglied Herr Benedict Rosenberg zu ersetzen ist, auf

Donnerstag den 27. l. Mts., Vormittags von 8 bis 12 Uhr.

Die ausgetretenen Mitglieder können wieder gewählt werden.

Hinsichtlich der Srimmberechtigung in der einen oder der anderen Abteilung sind für Diejenigen, welche bereits bei der letzten ordentlichen Ersatzwahl im Jahre 1870 stimmberechtigt waren, die monatlichen Steuerzahlungen des Jahres 1870, für die erst später stimmberechtigt, insbesondere einkommensteuerpflichtig Gewordenen die Steuerzahlungen desJahres!872entscheidend.

Sämmtliche Stimmberechtigte werden nach Art. 26 des Gesetzes vom 8. Januar 1852 zur Theilnahme an dieser aus hiesigem Rathhause statt-

Pstiti scher T h e i l.

.....

Deutschland.

Darmstadt, 14. Febr. Durch Entschließung vom 21. September 1872 haben die neu redigirten Statuten der laudwirthschaftlichen Vereine des Groß- herzogthums die Allerhöchste Bestätigung erhalten. Nach §. 17 derselben besteht die erweiterte Centralflelle für die Landwirthschaft und die landwirthschaftlichen Vereine nunmehr:

1) aus dem Präsidenten und dem Generalsekretär der landwirthschaftltchen Vereine des Großherzogthums;

2) aus den Präsidenten der landwirthschaftlichen Provinzialvereine und resp. deren Stellvertretern, wobei für den Fall der Verhinderung des Vicepräfidenten des ProvinzialveriiuS von Starkenburg von dem Provinzialausschuß dieses Ver­eins der Großh. Oberforstrath, Herr Bose zu Darmstadt, als dessen Stellver­treter drsignirt woroen ist;

3) aus folgenden, von des Großherzogs Königl. Hoheit auf Vorschlag des Ministeriums des Innern auf die Dauer von drei Jahren berufenen Mitgliedern: Sr. Durchlaucht dem Herrn Fürsten zu Nfenburg und Büdingen zu Büdingen, dem Großh. Professor an der Landes^visersität, Herrn Dr. Thacr, zu Gießen, dem Herrn Gottfried Jordan zu Darmstadt, dem Gymnasiallehrer Herrn Dr. Glaser zu Worms;

4) aus folgenden, von den Ausschüssen der Provinztalverelne auf die Dauer von drei Jahren gewählten Mitgliedern: dem Domänenpächtcr Herrn A. Berg- sträßer auf Hof-Havna bei Wotfskehlen; dem Kreisrath Herrn Küchler zu Die- bürg; dem Gutsbesitzer Herrn Earl v. Willich zu Darmstadt; dem Kretsaffeffor Herrn Haas zu Friedberg; dem Rentamtmaus Herrn Lindeck zu Friedberg; dem Ka«,«ver ath Herrn Weber zu Laubach; de« Gutspächter Herrn A. Dettweiler zu Wintersheim; dem Gutsbesitzer Herrn Jean Möll-nger zu Pfeddersheim; dem Gutsbesitzer Herrn George I. zu Büdesheim bei Bingen.

Darmstadt, 16. Febr. Abg. Dernburg hat im Namen des zweite» Aus- schusses über die neue laudstäudifche Geschäfts - Ordnung Bericht erstattet. Die Ausschuß-Anträge gehen beinahe überall auf Annahme des Gesetzes; es werden nur wenige Abänderungen, die zum Theil nur formeller Natur sind, beantragt. Seitens des Abg. Dumont ,st ein Antrag eingelaufen auf Aufhebung der OberMedicinal-Direction und Einführung einer neuen Medicinal-Ordnung. Der Antragsteller will für die Ausübung der liberalen und wissenschaftlichen Plofesfion der Arrue die Aufhebung der bestehenden rein bureaukratischen Verfassung und die eigene Eontrole der Aerzte durch aus ihrer Mitte selbst gewählte Organe, die, in den einzelnen Provinzen verteilt vnv durch eine nicht ständige Crntral- behörke zusammengehalten, dle allgemeine GesundheltSpflege wahren und die DtS-

^ciplinar-Verhältnisse handhaben sollen. Seitens dcS Finanzministeriums wird vorgeschlagen, die früher zu militärischen Zwecken verwendeten Immobilien zu Friedberg, die in Folge der Verlegung der Garnison entbehrlich geworden sind, zu veräußern oder zu verpachten, die dazu gehörige Burg-Kaserne und den sog. Feldwebelsbau aber wegen ihres Zusammenhangs mit dem Großherzogl. Schlosse dem Großherzogl. Familien-Eigenthum, zusammen gegen 17,000 fi., zu über­lassen , welche Summe aus dem sog. Acqulsitions-FondS in die Staatskasse abzu­führen sei.

Berlin, 15. Febr. Zu der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses waren nicht nur die Tribünen schon sehr früh gedrängt voll, vielmehr vielfach auch die Corridors, und die Hausdiener hatten die größte Mühe, den Zudraog neuer Menschenmassen abzuwehren. Schon vor Beginn der Debatte führte man in ein­zelnen Gruppen des Hauses eine lebhafte Unterhaltung, bis um halb 12 Uhr die Glocke des Präsidenten die Sitzung eröffnete. In eiostündiger Rede leitete Lasker Die Verhandlung ein, in der er seine Freude aussprach, daß in der Botschaft so ganz dieselbe Anschauung herrsche und dieselben Ziele gcstelll »erden, die auch er und das Hans, die das ganze Volk bei dieser Angelegenheit im Auge habe. Lasker berührte dann einige Bürgschaften, die hinsichtlich der Geschäftsbehandlung der Commission zu stellen seien, um den gemeinsamen Zweck der StaatSregierung und des Landes ficherzustellen. Die Antwort des Minister - Präsidenten auf Las- ker's Rede und vollends die zweite, noch entschiedenere Erklärung desselben nach der von Neuem auf noch eingreifendere Zugeständnisse dringenden Rede Lowe's machte einen sehr günstigen Eindruck >m Hanse, so daß schließlich Lasker mit ausdrücklicher Anerkennung der vom Minister - Präsidenten gegebenen Garanlieen seinen Antrag zurückzog, und danach die königl. Botschaft vom ganzen Hause (gegen die Stimmen Eberty's und Kerst's) also fast einstimmig adoptirt, d. h. die Betheiligung des Hauses an der königl. Commission mit zwei seiner Mitglieder beschloffen wurde. Aus dem von Lasker heute nur flüchtig berührte», ihm zuge- gangenen weitern Anklage-Material las er einen eigenen Brief Wagener's vor, in welchem derselbe die zweimal officio- und osficiell bestrittene Behauptung, daß er drei und nicht blos zwei Concesstonen erhalten habe, ausdrücklich anerkennt. Ferner habe er das gedruckte Formular eines Reverses zur Hand (auch dies^ ver­liest der Redner), in welchem das Consortium Wagener-Oder-Schuster die Zeich­ner auf Actün der Pommer'schen Ccntralbahn von der Zahlung der geze chncten Beiträge entbindet, woraus sich der schwere Vorwurf der Botspiegelung falscher Thatsachen ergibt. Gegen den Handeleminister stelle sich freilich heraus, daß der­selbe seit Jahren sein gewichtiges Amt ohne Kenntniß der Thatsachen und ohne Beherrschung des Materials verwaltet und dadurch zur Herbeiführung der gegen- wärtigen Zustäude selbst mitgewirkt habe, "übrigens wird auch von ofsiciöser