Ausgabe 
17.7.1873
 
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lungcn der fünften Milliarde vollständig leisten zu können.

zogen sie ab, so von Schwagers Brauerei, so von einer Brauerei in der Fried- Lergergasse, wo theils mit heißem Bierdampf, theils mit glühenden Stangen chnen entgegengetreten wurde; in Sachsenhausen wurde der Krawall sofort durch energische Maßregeln der Bürger unterdrückt. Unter den Angeklagten sind die meisten Burschen zwischen 1822 Jahren, die Aussicht auf Herrschaft dieses Jungdeutschland, welches die Commune hochleben läßt und die rothe Fahne "entfaltet, ist recht erfreulich. Mit Ausnahme eines Einzigen erklären sich sämmtliche Angeklagte fürnichtschuldig"; den Muth, ihre Schandthaten einzugestehen, hat diese Horde nicht. Rohe Zerstörung, Gewalt gegen machen und Personen, welche Widerstand nicht leisten, das ist ihr Element; Feigheit ist gewöhnlich mit solchem zweifelhaften Muthe verbunden. (M- Ztg.)

Berlin, 15. Juli. Die Wiedereinsetzung Dr. Sydow's in sein Pfarr­amt an der neuen Kirche zu Berlin ist ihm, der feit einigen Wochen zu einer Badekur in Töplitz weilte, durch folgendes Anschreiben des königl. (Konsistoriums der Provinz Brandenburg kund gemacht worden:

Berlin, 8. Juli 1873.

Nachdem der evangelische Oberkirchenrath in der wider Ew- Hochwürden schwebenden Disciplinar-Untersuchung auf den von Ihnen eingelegten Recurs unter dem 25. v. Mts. Beschluß gefaßt hat, übersenden wir Ihnen in vim pnblicationis die für Sie bestimmte Ausfertigung des Resoluts. In Folge dieser Entscheidung fällt nunmehr die gegen Sie verfügte Amtssuspension hin weg. Wir veranlassen Ew. Hochwürden daher, baldigst hierher zurückzukehren und die Geschäfte Ihres Amtes wieder zu übernehmen. Von Ihrem erfolgten Eintreffen wollen Ew. Hochwürden unverweilt sowohl uns als dem General Superintendenten Dr. Brückner, dem letzteren zum Zweck der Ihnen nach Maß gäbe des Resoluts zu machenden Eröffnungen, Anzeige erstatten. An den Pre­diger Dr. Sydow Hochwürden Hierselbst. Königl. Consistorium der Provinz Brandenburg. Hegel.

Dr. Sydow ist mittlerweile hierher zurückgekehrt.

Berlin, 16. Juli. DieProv.-Corresp." bestätigt, daß der Aufent halt des Kaisers in Ems bis zum 25. d. Mts. dauern wird. Dann folgen kurze Besuche in Coblenz, Wiesbaden und Homburg. Anfangs August wird die Reise nach Gastein angetreten und in der letzten Woche des August ein Besuch des kaiserlichen Hofes und der Weltausstellung erfolgen.

Wiesbaden, 16. Juli. Das Kloster, zugleich Wallfahris-Ort, 23onv Hofen, wurde gestern Seitens der Regierung geschlossen und die dortige Nie­derlassung der Redemptoristen aufgelöst.

München, 16. Juli. In der heutigen Sitzung des Schwurgerichts verlas der Präsident ein dem Vorstande des Gemeinde-Collegiums, Guggen- heimer, zugekommenes anonymes Schreiben, in welchem Arbeiter, welche das Schreiben verfaßt haben sollen, drohen, daß, wenn der Spitzeder - Proceß nicht gut ausgehe, d. h. sie (die Schreiber) das ihnen gestohlene Geld nicht wieder erhalten, sie die Häuser Guggenheimer's und der anderen Gemeinde- Bevollmächtigten mit Petroleum in Brand stecken und Ersteren erschießen werden.

OtciCieiL

3?pm, 15. Juli. Der heilige Vater versucht augenblicklich seine Un­fehlbarkeit an dem earlistischen Mordbrenner Santa Cruz, der nebenbei auch die Stelle eines Paters bekleidet. An den edlen Priester der Religion der Liebe sind Ermahnungen ergangen, zur Menschlichkeit zurückzukehren, welche der Gewohnheits-Mordbrenner natürlich in den Wind geschlagen hat; dafür hat der Papst beschloffen, den Pater seiner geistlichen Würde für verlustig zu er­klären. Feinde des heiligen Vaters behaupten nun, daß er (Pius IX.) ein menschliches Regen gegen die Blut- und Schandthaten des Santa Cruz ge­fühlt. Ein Hinweis auf den blutigen Inquisitor von Saragossa, Pater von Arbues, der seiner Zeit heilig gesprochen wurde, genügt, um den heiligen Vater gegen diesen unbegründeten Verdacht zu schützen. Der alleinige Grund der Maßregeln gegen Santa Cruz beruht darin, daß augenblicklich der Vatican nicht mehr mit Don Carlos, sondern zur Abwechselung mit Isabella Revolu­tion gegen die bestehende Regierung in Spanien zu machen entschlossen ist.

Spinnen.

Perpignan, 14. Juli. Meldungen von der spanischen Grenze zufolge Ijoj in Barcelona eine anticarlistische Manifestation stattgefunden. Gerüchtweise verlautet, die Internationalen hätten sich der Stadt und des Hafens Cartha- gena bemächtigt. Die Cortes haben der Regierung ein Vertrauensvotum ertheilt.

Perpignan, 15. Juli. Die Carlisten haben Berga eingenommen; die Besatzung von 500 Mann wurde kriegsgefangen.

Barcelona, 14. Juli. Die hiesigen Internationalisten riefen die Ar- beiter zu einer Manifestation auf dem Platz von Catalonien zusammen, woselbst sie dieselben aufforderten, das Vorgehen ihrer Gesinnungsgenossen in Alcoy nachzuahmen und die Kirchen und Mairien zu verbrennen. Die Arbeiter pfiffen jedoch die Internationalisten aus. Beträchtliche Truppen-Mengen hielten die Ordnung aufrecht. Neue Manifestationen werden morgen erwartet.

Dänemark.

Kopenhagen, 15. Juli. Von gutunterrichteter Seite verlautet, daß Prinz Arthur von England hier ciiitrcffen werde, um sich um die Hand der Prinzessin Thyra zu bewerben. Das schwedische Nordpol - Expeditionsschiff Gladau", welches seit dem 16. September 1872 im Eise eingefroren war, ist demMalmoe Dagblad" zufolge am 12. Juli in Tromsoe eingetroffen.

JlußfanÖ.

Petersburg, 15. Juli Die Verlobung der Großfürstin Marie Alexan- drowna mit dem Prinzen Alfred von Großbritannien ist nun auch vom amt** lichen Regierungs-Anzeiger bekannt gemacht worden.

Alle Stadttheile haben sie heimgesucht und haben eine Zeitlang die geehrte>der Staatsschatz nur noch 60 Millionen Wechsel, um die rückständigen Iah- Stadt Frankfurt terrorisirt. Ueberall, wo Muth und Kraft sich entgegenstellte, langen der fünften Milliarde vollständig leisten zu können.

iMteiTeidj.

Wien, 14. Juli Die Versammlung der Buchdruckereibesitzer, auf wel­cher fast alle größeren Druckereien Oesterreichs, Deutschlands und der Schweiz vertreten waren, genehmigte eine Resolution wegen Einführung des Minimal­tarifs in Deutschland, Oesterreich und der Schweiz auf Grund einer zwischen Prinzipalen und Gehülfen zu treffenden Vereinbarung, ferner wegen Her­stellung eines innigen Anschlusses der Buchdruckereibesitzer-Vereine an einander.

Schmelz.

Bern, 15. Juli. Der Nationalrath hat heute nach langer Debatte sämmtliche, namentlich unter clcricaler Beeinflussung im October und December v. I. im Canton Tessin stattgehabten Nationalrathswahlen cassirt. Der Ständerath hat mit 26 gegen 14 Stimmen den Recurs der Solothurner Pastoral - (Konferenz gegen das Gesetz über die Wiederwahl der Geistlichen ab­gewiesen.

Frankreich.

Paris, 14. Juli. Der Schah soll schon am nächsten Freitag oder Samstag Paris verlassen.

Der Graf von Paris wurde ans dcm Trocadero dem Schah vorgestellt, der ihn sehr freundlich empfing und ihn entlud, sich neben ihn zu setzen, was jedoch nicht geschah.

Laut Univers hatte der päpstliche Nuncius eine lange Unterredung mit dem persischen Minister des Aenßern. Es soll sich um Concessionen für katholische Missionen gehandelt haben.

Trochu hat eine Petition an die Versammlung gerichtet, um eine Untersuchung über die Handlungen der Regierung der nationalen Vertheidigung zu verlangen.

Paris, 14. Juli. Dem Vernehmen nach wird der Schah von Persien am 18. oder 19. von hier abreisen nnd zunächst nach Lyon gehen. Ob der­selbe uach Wien gehen wird, ist noch ungewiß. Gestern fand zu Ehren des Schah's eine Illumination statt.

Paris, 14. Juli. Die Regierung hat den Präfecten von Nancy be­nachrichtigt, daß Feste in dieser Stadt bei Gelegenheit der Räumung aus Rück­sichten der allgemeinen Sicherheit nicht gestattet werden sollen. Diese Maß­regel wurde natürlich deshalb ergriffen, weil der Gemeinderath Herrn Thiers zu den Festen geladen und den Antrag, Mac Mahon ebenfalls einzuladen, v.rworfen hatte.

Heute wohnte der Schah einem Wettrennen in Longchamps an Mac Mahon und Gemahlin, sowie Broglie waren mit dem Schah in der Ehren­tribüne. Das Wettrennen war um halb 6 Uhr beendet. Eine ungeheure Menschenmenge hatte sich eingefnnden, aber nirgends wurden Rufe laut. Um 9 Uhr Abends fand ein Nachtfest statt Man schätzt die Zahl der vom Aus­lände und aus den Provinzen nach Paris gekommenen Besucher ans eine! halbe Million. . !

Paris, 15. Juli. Einer Meldung derAgence Havas" zuf lge bedarf

flmettäa.

New-Uork. Während sonst in den Vereinigten Staaten vollständige Ruhe herrscht, fährt die Agitation gegen die Chinesen in (Kalifornien, nament­lich in San Francisco, fort, die Gemüther am stillen Ocean in Aufregung zu erhalten. Die Gesetze des Staates Californien wären vollkommen genügend, um der Chinesischen Einwanderung einen Theil ihres gefährlichen Charakters zu nehmen, wenn manche der Vorschriften nicht todter Buchstabe geblieben wären und theilweise noch bleiben. Das Gold der reichen Chinesischen Com­pagnien hat dazu beigetragen, viele der gegen sie erlassenen Gesetze wirkungs­los zu machen. Bei der Aufregung, welche sich der Bevölkerung San Fran­ciscos Über diese Frage feit einiger Zeit bemächtigt hat, gehört ein blutiger Ausgang nicht zu den Unwahrscheinlichkeiten. Mit ruhiger ^Überlegung wird aber auf keiner Seite vorgegangen. Eine Ordonnanz des Stadtraths, allen Chinesen, welche wegen Irgend eines Vergehens gefänglich eingezogen würden, die Zöpfe abznfchneiden, wurde vom Major mit dem Veto belegt, dagegen beschlossen, von den zahlreichen männlichen Chinesischen Waschfrauen eine Licens von 15 Doll, zu erheben.

Ncw-Nvrk, 15. Juli. Ein spanisches Kriegsschiff ankert vor Kingston auf Jamaica in der Absicht, sich des cubauischeu FahrzeugsVirginis" zu bemächtigen. Letzteres hat in Folge dessen den Schutz der englischen Behör­den angerufen.

Lokal-Notiz.

Gtesicn, 17. Juli. An Stelle des verstorbenen Professors der Philosophie, Dr. Schilling, ist der bisherige Privatdoccnt und Oberlehrer in Berlin, Dr. Bratuscheck, berufen worden. Derselbe befindet sich bereits an Ort und Stelle und wird im nächsten Semester seine Thatigkeit beginnen.

B e r m i s ctz r e s.

Mainz, 14. Juli. In einem hiesigen Hotel stieg vorgestern eine von Paris kommende verheirathete Dame ab, um am nächsten Tage wieder abzureisen und ihre in Frankfurt a. M. wohnenden Verwandten zu besuchen. Als die Dame am Morgen erwachte und später, nachdem sie sich einigemal in den Garten resp. Hof begeben hatte, zur Abreise rüsten wollte, merkte sie zu ihrem größten Schrecken, daß während ihrer Abwesenheit ihr werthvoller Schmuck gestohlen worden war. Die Dame verfügte sich dieserhalb sofort zur Polizei, wo sie den Hausknecht des Hotels als den muthmaßlichen Dieb bezeichnete. Tie Organe unserer Sicherheit begaben sich sofort in das Hotel. Der Hausknecht wurde inquirirt, läugnete aber ganz entschieden, daß er im Besitz des abhanden gekommenen Sännuckes sei. Nachdem man bei dem Hausknecht zu keinem Resultat kommen konnte, verfügte sich die Polizei in das Zimmer der Dame, um hier nähere Recherchen anzustellen. Der Polizeicommissär war, als er das Zimmer der Dame betre­ten hatte, nicht wenig überrascht, als er wahrnalnn, daß dasselbe 2 Betten enthielt.Madame," sagte der Lommissarius,Sie sagten mir ja, Sie seien ohne ihren Gemahl von Paris wcgge- reist, und ich finde es sonderbar, daß Hie ein Zimmer mit zwei Betten benutzen." DieDame war sichtlich erschrocken und deutlich konnte man das Bewußtsetn ihrer Schuld an der Stirne erken­nen, aber auch nur einen Moment und gefaßter sagte sie dem Kommissär:ein Herr, der sich meiner auf der Reise annahm und mir seinen Schutz angedeihen ließ, hat hier übernachtet, aber ich schwöre Ihnen, daß-----" Der Kommissär wußte genug, er winkte der Dame

mit der Hand, um sie wahrscheinlich nicht zum Meineid zu verleiten.Wie hieß der Herr?" frug nun der Kommissär in barschem Tone, Denn das war ganz am Platze, nachdem sich die Frau selbst ihr Sittenzeugniß ausgestellt hatte.Ich weiß cs nicht, nach dem Namen hatte ich ihn nicht gebeten," erwiderte die Frau. Der Polizeieommissär inquirirte nun weiter und aus