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Dr. Thomson, Decan von Chester, spricht seine und des Bischofs von Winchester besten Wünsche für die Bewegung aus, wofür Bischof Neinkens dankt. Den nächsten Congreß bestimmt das Kölner und Münchener Comitö. Schulte's Schlußwort constatirt die vollste Uebereinstimmung, welche in allem Wesentlichen geherrscht, seit Jahrhunderten hätten nicht mehr in solcher Harmonie Bischof, Clerus und Laien eine gemeinsame Angelegenheit berathen; er fordert auf, sich vertrauensvoll und liebevoll um den Bischof zu schaaren. Ein begeistertes dreimaliges Hoch auf den Bischof Neinkens erfolgt. Schulte dankt für die Theilnahme anderer Confessionen und besonders der Utrechter Kirche für die Conjccration. Die Versammlung erhebt sich zu Ehren des verstorbenen Erzbischofs Loos. Auf Wülfing's Antrag erfolgt dann ein begeistertes Hoch auf den Präsidenten. Der Bischof von Maryland bittet den Rev. Chauncy Langdon aus Florenz, dem Bischof Neinkens in Ausdrücken wärmster Liebe und Hochachtung seine Glückwünsche zur Erhebung zum Bischof darzubringen, und schließt wörtlich: „Möchte ich es erleben, Seite an Seite mit ihm in einem Concil von Brüdern zu sitzen, das da versammelt wäre zu arbeiten und zu beten und lieblichen Nath mit einander zu pflegen für die Errichtung eines gemeinsamen Haushalts!" Als die Gegenwart des Bischofs von Albany bei dem Congresse noch fraglich war, schrieb der Vorsitzende Bischof der amerikanischen Kirche an den Bischof von Maryland, daß das Interesse an den Gegenständen und Zielen dieser Berathungen sich bedeutend vermehrt und verbreitet habe und schließt: „Nie sind so viele Gebete zum Himmel gesandt worden wie jetzt, daß es ihr (der Versammlung) gelingen möge, die Zeit zu beschleunigen, da unter allen Nachfolgern Christi ein Herr, ein Glaube und eine Taufe sein wird."
12. September 107 Todesfälle in Folge der Cholera vorgekommen. Die me- dicinischen Blätter sprechen sich über den Charakter der Epidemie sehr beruhigend aus.
Paris, 15. September. Die Beerdigung von Nancys Bruder ist trotz zahlreicher Begleitung und einer republikanischen Rede ruhig abgelausen. — Es werden Anstrengungen zur Wiedervereinigung der Monarchisten von den Parteiführern gemacht.
Verdun, 13. September. Heute Morgen um 73/4 Uhr hielt General v. Manteuffel auf der Place la Roche über die versammelte deutsche Garnison Revue ab. Die Musikbande spielte die deutsche National-Hymne und die Truppen zogen durch die Porte Chaussee ab. Um 7 Uhr hatten französische Gendarmen die Wachtposten besetzt. Um 8!/a Uhr war Alles beendet; überall herrschte Begeisterung. Die Stadt war beflaggt. Man rief: Es lebe Thiers! Es lebe die Republik! Die französischen Truppen kamen um 12 Uhr an. Der Oberst erhielt einen Blumenstrauß von kleinen Mädchen in dreifarbigem Costüme. Die Truppen marschirten über das Glacis nach der Citadelle, ohne durch die Stadt zu kommen; sie sind consignirt. Heute Abend findet eine Illumination statt. Der Moniteur erklärt es für falsch, daß Schwierigkeiten wegen Regulirung der Rechnungen sich zwischen Manteuffel und Saint-Vaillier erhoben gehabt hätten. Im Gegentheil habe Manteuffel die im Voraus bezahlten Gelder, welche für den Unterhalt der deutschen Truppen vom 17. bis zum 20. September bestimmt waren, zurückerstattet, da die Occupation nur bis zum 16. dauert.
Otoficn.
Frankreich.
Paris, 13. September. Der Herzog von Rianzares, der Gemahl der Königin Christine von Spanien, ist gestern Morgen auf seiner Villa in Ste. Adresse gestorben. Die Königin machte sich, wie bewußt, mit ihm bekannt, als sie noch Regentin von Spanien und er Sergeant in der königlichen Garde war; Christine heirathete ihn, nachdem sie ihn zum Herzog und Granden Spaniens erhoben hatte. Rianzares, dessen ganzes Verdienst in seiner Figur bestand, hatte mit der Königin mehrere Töchter, von denen die eine mit dem Fürsten Czartoryski, der heute die Tochter des Herzogs v. Nemours zur Frau hat, verheirathet war, aber kurze Zeit darauf starb. Er hinterläßt kein bedeutendes Vermögen, da er den größten Theil dessen, was ihm die Königin zugewiesen, in gewagten Speculationen verlor. Alle Mitglieder der spanischen Bourbonenfamilie, darunter auch die Königin Isabella mit ihrem Sohne Don Alfonso, haben sich nach Ste. Adresse begeben, um der Leichenfeier beizuwohnen.
Der Times wird aus Verdun berichtet: „Ein unerwarteter Vorfall erregte am 10. d. M. einige Aufregung. Gegen 11 Uhr, als man glaubte, die Finanzfrage sei endgültig erledigt, erklärten die Deutschen plötzlich, cs komme ihnen noch eine Million für die Besorgung des Postverkehrs zu. Auf die Frage nach der genauen Aufstellung über diese Forderung wurde erklärt, die Sache sei ganz genau verrechnet worden, und wenn die Summe nicht bezahlt werde, solle die Occupation verlängert werden. Es wurde sofort nach Versailles berichtet, und auf Anweisung der französischen Regierung zahlte der Steuereinnehmer in Verdun am 11. die Summe aus. Die Aufregung scheint einigermaßen im Zunehmen. Die Einwohner von Verdun sind aufgebracht darüber, daß das Datum der Räumung in geheimnißvolles Dunkel gehüllt wird. Das Geheimniß ist ein so vollständiges, daß am 10. der Bischof von Verdun aus Nancy eintraf, weil er glaubte, die deutschen Truppen seien ausgerückt." Das Dunkel über das Datum der Räumung ist inzwischen gelichtet. In wie fern die Mittheilung sonst thatsächlich richtig ist, bleibt abzuwarten.
Paris, 13. September. Einem Schreiben der „Presse" aus Verdun vom 12. entnehmen wir Folgendes: „Im Augenblicke befindet sich hier nur noch ein Infanterie-Regiment nebst einer Schwadron Ulanen, welche morgen früh um 8 Uhr abmarschiren werden. Die sehr patriotische Bevölkerung erwartet mit Ungeduld den Abmarsch; sie zollt jedoch alle Anerkennung der strengen Disciplin der Deutschen und dem Gerechtigkeitsgefühle des Generals v. Manteuffel, der bis zum letzten Augenblicke Frankreich eine ihm von seinen Landsleuten so sehr vorgeworfene Sympathie bewies. Sie wissen, daß nach dem Artikel 6 des Verduner Capitulations-Vertrages das Kriegsgeräth an Frankreich zurückkommt. Die Prüfung desselben ergab, daß dasselbe 182,000 Fr. weniger werth war, als am Tage der Uebergabe. General Manteuffel erhob keine Schwierigkeiten und die Summe wurde sofort bezahlt. Eine andere aber nicht osficielle Unterhandlung findet gegenwärtig hier noch statt. Dieselbe wird mit deutschen Juden geführt, welche das ganze Kriegsgeräth kaufen wollen, das nicht mehr zu gebrauchen ist. Diesem Umstande verdankt es Verdun, in diesem Augenblicke die erstaunenswertheste Ansammlung deutscher Juden zu besitzen. Keiner unserer Wucherer kommt diesem Typus gleich. Der deutsche Jude treibt jedes ehrliche oder nicht ehrliche Handwerk. Er spionirt, verkauft ausgestopfte Elephanten, Juwelen und reist in's Ausland. Er handelt mit Bordeauxweinen, indischen Shawls, Uhren und Tabak. Altes Eisen oder Diamanten, Alles ist ihm gut; er kauft alte Kanonen, Kugeln und Gewehre unb verachtet sogar nicht zerbrochene Flaschen und Gläser. Er borgt einen Lhaler aus und findet im Nothfalle Millionen. Bis die der französischen Negierung gemachten Vorschläge angenommen oder verworfen worden sind, macht er Geschäfte mit den deutschen Soldaten. Voll Nachsicht für Schwächen wie Plünderung und Diebstahl, treibt er nie seine Neugierde so weit, um sich nach dem Ursprünge der Gegenstände zu erkundigen, die er ankaufen will. Nicht das geringste Erstaunen würde es bei ihm erregen, wenn ein Artillerist ein Piano oder ein Ulan ihm eine Wärmpfanne anbieten würde; wenn er es wohlfeil haben kann, so bleibt er vollständig stumm. Voll Gefälligkeit für die Ofsiciere, dient dieser Sohn Israels denselben als Vermittler; er kauft und bezahlt nöthigenfalls für sie, natürlich berechnet er gute Zinsen. Man behauptet hier, daß das Geschäft betreffs des Kriegsgeräthes sehr bedeutend sei und es sich um mehrere Millionen handle. Man fügt hinzu, daß der Kriegs-Minister nächsten Sonntag hierherkommen soll, um zu bestimmen, ob die Operation stattfinden soll oder nicht." Ich übersetze diese Schilderung nur, um zu zeigen, wie bis zur Fratze Alles von den französischen Blättern benutzt wird, um die Ueberlegenheit des französischen Typus herauszustreichen.
Paris, 13. September. Nach amtlichen Berichten sind vom 5. bis
Rom, 15. September. Der König wird auf der Rückreise dieselbe Route wie auf der Hinreise einhalten. Während der Abwesenheit des Königs wird keine Regentschaft eingesetzt werden. Minister-Präsident Minghetti schließt sich in Padua dem königl. Train an.
Spanien.
Madrid, 15. September. Wie aus zuverlässiger Quelle gemeldet wird, haben die vereinigten Colonnen der Generale Santa Pau und Loma, in der Stärke von 10,000 Mann und 14 Geschützen, eine 14,000 Mann und 9 Geschütze starke, unter Befehl Don Carlos' stehende Carlisten-Abtheilung nahe bei Tolosa angegriffen und unter großen Verlusten in die Flucht geschlagen. Die Carlisten sollen auch ihre Fahne verloren haben. Nähere Details fehlen noch.
Lokal-Notiz.
Gießen, 16. September. Am verflossenen Sonntag Abend kamen zwei Bauersleute mit dem 7-Uhr-Zuge der Oberhesi. Bahn hier an. Beide von Wieseck, hatten ihre Familie bei sich, darunter zwei Mädchen im Alter von 8 bis 9 Jahren. In der Nähe des Hotel Kühne schrie auf einmal das eine der Mädchen laut auf. Der Vater desselben wurde in Folge dessen, aufmerksam und sah wie ein Mann von dem Mädchen wegsprang, welcher in grenzenloser Frechheit auf offener belebter Straße ein Attentat auf dasselbe verüben wollte. Der Vater sprang hinzu und zog dem Burschen eine über, während sein Begleiter denselben am Rockzipfel festzuhalten suchte. Doch der keusche Joseph brauchte Gewalt und riß sich mit Verlust des einen Rockzipfels los und verschwand in der Dunkelheit. Es scheinen auch hierorts sich immer schönere Zustände heranzubilven.
Börsenberichte.
Frankfurt a. M., 15. September. Die heutige Börse bot, da sich fast sämmtliche Transactionen um die Medioliquidation drehten, wenig bcmerkenswerthe Momente. Anfangs fest, verstaute die Tendenz etwas auf niedrigere Berliner Course. Creditactien bewegten sich von 241—381,2- Der, bei Börseneröffnung noch vorhandene Deport für Creditactien von ca. 24 fr., verwandelte sich nach kurzer Zeit in einen Report von ca. 30 Kreuzer. Staatsbahn blieben 352%, Lombarden 179%. Gelv zeigte sich heute etwas flüssiger und war zu 41/2—5% Proc. für Prolongationen zu haben. Das Geschäft in anderen Effecten war wenig belebt, doch zeigten sich einzelne Bahnenwerthe besser, als seither gefragt. Eiisabeth 1 fl. besser. Von Prioritäten Braunau-Straßwalchener und Fünfkirchen-Barcser matter. Von Banken Deutsche Effectenbank 1/4 Proc., Deutsche Vereinsbank % Proc., Württ. Vereinsbank 3 Proc., Darmstädter 1 fl., Oesterr. Nationalbank 5 fl. besser. Letztere in gutem Begehr. Staatsfonds, namentlich Oesterr. Renten still. Naab-Grazer Loose matter. 1860er Loose gefragt und höher. Von Wechseln Wien gesucht.
Borseilnachrichten. 15 September 1873.
Preuss. 4%°/0 Oblig. 104% Frankf. 372% Oblig. 87% Nass. 41/2% Obi. 963 4 Kurhess. 4°/° „ 97 % Gr. Hess. 50/0 Obi. 101% n » 40/, „ 99%
71 71 3‘/2°/0 »
Bayer. 5% „ —
„ 4i/a% 1jährige —
,, 40 o 1jährige 96%
Würtemb. 41/2% Obi. 100% Baden 4%0/0 ObL c. E. L. 1001/4 Oesterr. Silberrente 65% „ Papierrente 61%
Spanier, neues t. 3% 17% Amerik. Bonds 1881r 101 „ „ 1882r 97%
n „ 1885r 99%
„ „ 1887r 100
Actien«
Frankf. Bank 148%
Frankf. Vereins-Kasse 110% Darmst. Bankact. 409 Rheinische Hyp.-Bank 99 Wien Bankactien 1010
Oest. Creditact. 241% Galizien 119
Aclien.
5% östr. F. St. E. B. 353% Lombard. Bahn 180 Ludwigsh. Bexbach 188 Maxbahn 132
Bayer. Ostbahn 117 Rhein-Nahebahn-Act. — Hess. Ludwigsb.-Act. 149% Oberhessen „ 74
Prioritäten« 3O/o östr. Stsb. Prior. 60% 3°/o östr s. Lombard 49% 3% Livomeser 33% 5% Toscaner 52% 5% Elisabeth.-Prior. 86% do. II. Emiss. —
Anteilen sloose, Darmstädter fl. 50Loose 212% n n 25 n —
Kurh. 40 Thlr. Loose — Nassau 25 fl. 46 Braunschweiger 22% 3° g Oldenburg, ä 40Thlr. 38 4% bayr. Präm.-Anl. 112% 4% badische Loose 110% Badische fl. 35 Loose 67 Oestr. fl. 250 v. 1854 91% 1858r Prioritätsloose 200 1860r Loose 91% 1864r „ 145___________
Wechsel.
Amsterdam
k.. S. 98%
Augsburg
k. S. 100
Berlin
k. S 104%
Bremen
k. S. 105%
Brüssel
k. S. 92%
Hamburg
k. S. 105%
Leipzig
k. S. 105
London
k. S. 118%
Lyon
k. S. —
Paris
k. S. 92%
Wien
k. S. 1041/2
ditto
m. S. —
ditto
I. S. 104%
Disconto 4
0/0
Goldsorten.
fl. kr.
Pr. Friedrdor 9 58—59 Pistolen . . 9 39—41 n doppelte 9 36—38
Holl. fl. 10 St. 9 52—54 Ducaten . . 5 34—36 20 Frankenet. 9 21—22 Engi. Sover. 11 47—49 Russ. Imper. 9 40—42 Dollar in Gold 2 24%—25%
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