Ausgabe 
15.7.1873
 
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unter großer Betheiligung das Uhland-Denkmal enthüllt worden. Die Auffüh­rung des Festgesanges unter Faißr's Direction muß als sehr gelungen bezeichnet

Gießen, 14. Juli. In derMain-Ztg." wird fortwährend gegen die Universität und die Stadt Gießen gehetzt. Da nennt man den Protest der Gießener Professoren ein .Gekeife", schreibt, daß die Herrennur deshalb so laut bellten, weil man sie an der empfindlichsten Stelle getroffen habe", und bergl. mehr. Urkomisch ist es aber, wie unser M^tz, ohne dessen specielle Genehmigung bekanntlich keine Sylbe in der Main-Zeitung gedruckt wer­den darf, den Abgeordneten von Gießen, Professor Oncken, jetzt harau-. guirt. Er schreibt oder läßt schreiben:

Die Abstimmung der zweiten Kammer in der Universitätsfrage ent­hält einen entschiedenen Sieg des Finanzausschusses. Nur Gegner der jetzi­gen Negierung und des Reiches, resp. des Fortschritts, bildeten mit Pro­fessor Oncken, welcher sich in dieser Gesellschaft gewiß unbehaglich fühlte, die Minderheit."

Nun, wir unsererseits glauben, daß Herr Oncken als Mann von Ehre sich in der Gesellschaft der Herren Büchner, Buff, Dumont, Goldmann, Edinger, Oechsuer und von Rabenau Wohler fühlen wird, als in der Gesellschaft gewisser Märtyrer der hessischen Freiheit, bei denen sich dasGeschäft bis jetzt gut rentirt hat.

Des Pudels Kern steckt im Schlußsatz eines Artikels in Nr. 160 der Main-Zeitung:

Wir wünschen, daß der Abgeordnete Oncken nun sein Wort ein­lösen und die Gießener Lehrkörperschaften zum Ruhehalten bewegen möge." Man fürchtete nämlich die weitere öffentliche Besprechung dieser Angele­genheit und namentlich unser vortrefflicher A u g u st hat alle Ursache, vor schar­fen Federn auf der Hut zu fein. Das hätte Herr Metz aber bedenken sollen, ehe er feinen berühmten Finanzbericht schrieb, ehe die Leidenschaft mit seinem Verstände durchging.

Darmstadt, 11. Juli. Durch Allerhöchstes Decret vom 2. l. Mts. ist der Stc.'0trichter des Stadtgerichts Gießen, Carl Theodor Muhl, aus sein Nachsuchen, in Anerkennung seiner, mehr als fünfzigjährigen, mit Eifer und Treue geleisteten Dienste, unter Verleihung des Charakters als Geheimer Jnstizrath in den Ruhestand versetzt worden.

Darmstadt, 12. Juli. DieDarmst. Ztg." meldet die zu Jugen­heim stattgehabte Verlobung der Großfürstin Marie Alexandrowna von Ruß­land (geb. den 5. Oetober 1853, Tochter des Kaisers Alexander II.) mit dem Prinzen Alfred von Großbritannien (geb. den 6. August 1844 Herzog von Edinburgh.)

Berlin, 16. Juli. Der Handelsminister hat nunmehr den Beginn deö Berlin-Coblenzer Bahnbaues (an verschiedenen Punkten zugleich) angeordnet.

München, 14. Juli. Die Schwurgerichtsverhandlung gegen Adele Spitzeder und Genossen begann heute Vormittag 8 Uhr. Vor und in dem Justizgebäude waren mehrfache Militär- und Polizeimaßregeln zur Erhaltung der Ordnung getroffen. Der Andrang des Publikums ist bisher nicht bedeu­tend. Vorsitzender des Gerichtshofs ist Appellrath Müller, die Staatsanwalt­schaft vertritt Staatsanwalt Barsch. Die Verlesung der Anklageschrift dauerte zwei Stunden. Die Angeklagten Spitzeder und Ehring waren in schwarzer Kleidung und beantworteten die Personalfrazen deutlich. Von der Staatsan­waltschaft wie von den Vertheidigern wurden je vier Geschworene abgelehnt. Wegen der längeren Dauer der Verhandlungen sind zwei Ergänzungsgeschwo- rcne beigezogen.

Tübingen, 14. Juli. 12 Uhr. Soeben ist beim schönsten Wetter

! Straßburg, 14. Juli. Der Bezirksrath hat die Bezirkstagstags- Uw letzteres'wählen des Oberförsters von Bodnngen in Lützelstein und des Friedensrichters

was ich nicht zu behaupten wage, so hätte er sein Ziel, die Mittel zum Fort­bestand des Polytechnikums von den Ständen verwilligt zu sehen, ohne Aus­fälle gegen die Stadt und die Universität Gießen erreichen können. Man beschuldigt Oberhcffeu und speciell uns Gießener ganz mit Unrecht des Local- patriotismns, viel eher läßt sich dies von Darmstadt sagen. Ich erkläre hier­mit für mich und für den Abgeordneten der Stadt Gießen, daß wir ohne alles Vorurtheil an die Prüfung der Frage des Fortbestandes des Polytechnikums herantreten werden; glaubt die Regierung an deffen Lebensfähigkeit und werden uns in dieser Kammer keine überzeugende Beweise vom Gegentheil vorgetragen, so werden wir die erforderlichen Mittel zur ferneren Unterhaltung des Insti­tuts ohne Bedenken verwilligen, denn wir gehen davon aus, daß die Interessen der Residenz in vielen Beziehungen auch diejenigen des Landes sind und daß mit dem Gedeihen der Residenz dasjenige des gesammten Landes in einem ^wissen untrennbaren Zusammenhang steht. Auf der anderen Seite aber Ver­th eidigen wir unser Recht, das Recht der Stadt und Universität Gie­ßen. _ Eine Anstalt, die schon 250 Jahre blüht und immer an demselben Orte gewesen ist, die läßt man nicht fallen zu Gunsten einer Anstalt, die erst vor fünf Jahren in's Leben gerufen wurde und die erst noch den Beweis führte muß, daß sie auf die Dauer existiren kann."

Ich eile zum Schlüsse; ich sehe, daß noch Viele sich zum Wort gemel­det haben und will die Debatte nicht zur Ungebühr verlängern. Ich habe Ihnen nur noch die Resolution mitzutheilen, welche ich im Verein mit den Abgeordneten Edinger und Goldmann Ihnen zur Annahme vorschlage."

Der Finanzausschuß hat heute Morgen durch seinen Berichterstatter erklären lassen, daß der Ausschußbericht falsch verstanden worden sei, daß es keineswegs in der. Absicht gelegen habe, die Lehrkörperschaft der Universität Gießen in ihrem jetzigen Bestände anzugreifen. Wohlan! Wir glauben an die Aufrichtigkeit der Erklärung des Finanzausschusses; aber wir nehmen die Herren beim Worte! Wir sagen darum:die Kammer soll beschließen, daß sie mit Bezug auf jene Erklärung des Finanzaus­schusses zur Tagesordnung übergeht."

Lassen Sie also den Worten des Finanzausschusses auch die That folgen!"

wenn man den Herrn Metz angreist! Ich denke, man versteht mich und ich kann zur Sache übergehen."

Wenn man nur den Herrn Berichterstatter gehört hat, so muß man glauben, Gießen stecke voller Reactionäre und sei von Abderiten bewohnt; Springproeessioneu fänden in seinen Straßen statt, an denen sich Hoch und Niedrig, Katholiken, Protestanten und Juden betheiliglen; wenn Nachts die Studenten Laternen einwürfen, so geschehe es unter Absingung des Liedes: Gott erhalte Franz den Kaiser," und wenn die Bürger gar wählten, so schlügen sie zwar einen erschrecklichen Scandal, es vereinigten sich aber endlich alle Parteien auf von Rabenau und Heß, von denen der eine nach Berlin, der andere nach Darmstadt geschickt wurde! Meine Herren, wenn solche Dinge auf einer Volksversammlung zur Errichtung eines Wahlsiegs oder sonstigen Zwecks gesagt werden, so läßt man sich das schon gefallen; allein ein ernsthaf­ter Mann, wie der verehrte Herr Berichterstatter, sollte sich doch billig hüten, vor die Landesvertretung mit derartigen Anschuldigungen gegen die Bewohner einer Stadt zu treten, die er gar nicht kennt, die er gerade so wenig kennt, wie die Verhältnisse der Landesuniversität."

Die Bewohner von Gießen sind national und liberal gesinnt, nationaler und liberaler wie fast alle anderen Städte unseres Landes, und die politische Bewegung in derselben ist eine ernste und tiefgehende."

Gießen ist national. Seit 1848 erkannte man dort als das zu erstre- bendeZiel der deutschen Patrioten den innigen Anschluß an Preußen, den Ausbau des deutschen Staates unter günstiger Führung, selbstoerstanden mit Wahrung der berechtigten Selbstständigkeit unseres Landes und unbeschadet der Treue zu unse­rem Regentenhause. Und an diesem Gedanken haben wir festgehalten, trotz aller Wandlungen der Politik und freudig begrüßten wir die Gründung des deutschen Reiches. Ol meine Herren, ich versichere Sie, und ich bitte ge­nau auf meine Worte zu achten, ich lege jedes derselben in die Wagschale, man weiß es von hier bis hinauf nach Berlin in den maßgebenden Kreisen sehr wohl, auf wen man sich eher verlassen kann, auf alte, bewährte Freunde, die auch in trüber Zeit fest zur preußischen lind damit zur d e u t s ch e it S a ch e gestanden haben, oder auf zweifelhafte Freunde und bloße Anbeter des Erfolgs! Ich denke, wir haben uns damit über die Stellung von Gießen zur nationalen Frage endgültig aus- einandergesetzt und ersuche Sie im Interesse unseres Landes, im Interesse eines einträchtigen Zusammenwirkens aller Mitglieder dieser Kammer dringend, von nun an auf diesen Punkt nicht mehr zurückzukommen."

Gießen ist aber auch liberal. Ich gestehe aufrichtig, daß wir mit der Fortschrittspartei unseres Landes vielfache Berührungspunkte haben; wir erkennen die großen Verdienste, welche sich diese Partei für die politische Ge­staltung des Landes erworben hat, an, wir anerkennen auch die Opfer, welche theilweise die Männer gebracht haben, die sich in schwerer Zeit an die Spitze der politischen Bewegung unseres engeren Vaterlandes stellten und die neue Aera vorbreiteten. Allein, meine Herren, was uns trennte, ist hauptsächlich das, daß wir auf dem Boden der Reichsverfassung stehend uns gegen den Ein­heitsstaat stemmen und daß wir zu stolz sind, uns unter die Herr­sch a f t einzelner Führer zu beugen!"

Die politische Bewegung in Gießen ist endlich eine ernste nnd tief­gehende und vorzugsweise ist es die Landesuniversität, von welcher der Anstoß zu jener Bewegung ausgeht. Aber wir lieben es nicht, unsere Thätig- keit an die große Glocke zu hängen, wir verschmähen es, von jeder Versamm­lung, jeder Rede in den Zeitungen Reclame zu machen. Ich erinnere Sie zum Beweise meiner Behauptung an die Juristen tage, die vor 1866 in Gießen mehrere Jahre hindurch stattgefunden, an denen Männer aus allen Thei- len unseres Landes, aus Kurhessen, Nassau und Preußen Antheil nahmen, und auf denen neben der Wissenschaft auch der deutsche Gedanke gehegt und gepflegt wurde! Wie, meine Herren, eine Stadt, in der Männer, wie Hille- brandt und Sold an wirkten, sollte politisch versnmpft sein? Glauben Sie doch Beschuldigungen nicht, seien Sie vielmehr versichert, daß der Geist jener Männer noch bis auf den heutigen Tag unter den Bürgern meiner Vaterstadt fortlebt! "

Was die Land es Universität selbst angeht, so bleibt mir nach dem, was Herr Oncken gestern in diesem Saale gesprochen hat, wenig zu sagen übrig. Unser Finanzausschuß läßt uns durch seinen Berichterstatter erklären: wir haben ja mit der größten Liberalität alle Anforderungen der Regierung für die Universität verwilligt, was will man denn noch für weitere Beweise, daß uns das Interesse dieser Anstalt am Herzen liegt?" Ja wohl, meine Herren vom Finanzausschüsse, Sie beantragen die Bewilligung; aber was Sie mit der einen Hand geben, das nehmen Sie wieder mit der andern, ja fogar, Sie nehmen es nicht blos, sondern, indem Sie die Ehre dieser Körper­schaft angreifen, schädigen Sie, natürlich unabsichtlich die Anstalt unmit- tdbar, Sie schneiden ihr geradezu den Lebensnerv ab. Wer mag von auswärts noch seine Söhne nad) Gießen schicken, wenn im Lande selbst fcie Lehrkörperschaft unserer Hochschule in foldjer Weise beurlheilt wird, wie im Ausschußberichte? Und daß man auswärts wirklich die Verhältnisse unserer Hochschule in falschem Lichte zu betrachten anfängt, davon mir ein Beispiel. Spei einer der jüngsten Berufungen nach Gießen sagte man dem betreffenden Herrn.Gehen Sie um Gotteswillen nicht nack) Gießen, nicht in ein Land, das von Parteien zerrissen und in dem Niemand vor den Angriffen der Presse muy v pc)cr i|t, selbst nicht der stille Gelehrte, der mir seiner Wissenschaft lebt." werden. Der Professor Köstlin, von der hiesigen Universität, bezeichnete in enen' tvCclt Er die Grenzen unseres Landes hinaus wirken seiner Festrede meisterhaft die Stellung Uhland's zur deutschen Literatur als s.ne ^^"lolglmgen, die man gegen unsere Hochschule erhoben hat und Volksmann und Dichter. Dr. Elben aus Stuttgart sprach den Dank und die da sollteder Senat ftch nicht erheben, nicht nachdrücklich protestiren dürfen?" Huldigung der deutschen Sänger aus.

. ein ro ther ^»aden zieht fick) durch den ganzen Ausschußberichti

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ugen c Landes zu heben, wird erstere heruntergesetzt. Wenn das Thomas in Weiler annnllirt, da die gültigen französischen Gesetze die Wahl

gestatten Sie mir nur eine persönliche Bemerkung. Der Herr Berichterstatterswirklich die Absicht des verehrten Herrn Berichterstatters aewesen sein sollte Metz hat and) gestern wieder, wie schon so oft, seine eigene Person in den ... ........ 7. V. . '

Vordergrund gestellt, er hat sich mit dem Glorienschein des politischen Mär- tyrerthums umgeben und indem er an seine Brust schlug, mit Pathos ausge- rufen: wer immer in Hessen Karriere machen will, der greift den Abgeordneten Metz an! Meine Herren, ich lasse es ganz dahin gestellt, wie es unter dem verflossenen Ministerium gehalten wurde, für die Gegenwart ist aber die Aeußerung des verehrten Herrn Berichterstatters ganz entschieden nicht berechtigt: denn jetzt macht man in Hessen nicht mehr Carriere,