Ausgabe 
15.5.1873
 
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Anzeige- und Amtsblatt für den Areis Hiessen

Nuferen

Donnerstag den 15. Mai

1878.

Nr 11«.

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Wesen der Kirche gar nicht. Wollte man aber wirklich von einer gewissen Beern- Frage der Rechteverbindlichkeit der sog. .

trächli^unfl der Freiheit der Kirche sprechen, so wäre das, was Preußen jchOLandtagen einer eingehenden Untersuchung unterzogen, die zu dem Resultat

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Erscheint täglich, mtt Aus­nahme Sonntags.

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erst zu seiner Sicherheit thut, immer nur noch ein Schatten gegen das, waS katholische Staaten selber früher und bis heute der Kirche geboten haben. Man denke an den Anfang unseres Jahrhunderts. Die Staatsgewalt in Oesterreich hatte sich längst, schon in der Zeit der Ferdinande nach dem Muster der spa­nischen, von der Kirchengewalt emancipirt, dieselbe nur noch als Mittel zu ihren Zwecken gebraucht.

Die kirchenseindlichen Acte Joseph's II. wurden von der späteren Regie­rung nicht durchaus aunullirt, das Wesentliche davon blieb und der sog. josephi- uische Geist war in ganz Oesterreich vorherrschend. Die Wahl der Bischöfe hing ganz vom Kaiser ab. Der Clerus wurde im Gehorsam und Interesse des Staats herangebildet. In Frankreich war schon vor der Revolution die Kirche als sog. gallicanische gegen den Einfluß Roms gänzlich abgesperrt und aus- chließlich unter die Gewalt des Königs gestellt worden. In der Revolution wurde die Kirche förmlich ausgerottet und durch Napoleon nur insoweit und in be*i Formen wieder hergestellt, wie es seiner Politik zusagte. In Spanien hatte die Staatsgewalt schon seit Philipp II. die Kirche unterjocht, wenn gleich in der Form der bigottesten Anhänglichkeit an die Kirche. Durch die letzten großen Kriege aber war die spanische Kirche schrecklich zerrüttet und verarmt. In Portugal herrschte englischer Einfluß, in Bayern das kirchenfeindliche Sys­

tem Montgelas.

Ja, damals, und in den katholischen Staaten, war vielleicht einiger Grund zu klagen. Was geschieht denn heute in Preußen dagegen? Was ist es, das uns in die Zeiten der römischen Kaiser vor Constantin, in die Zeiten der hungrigen Löwen und der Scheiterhaufen zurückwerfen soll? Wir haben es schon gesagt: Die Priester sollen sich etwas allgemeine oder nationale Bil­dung aneignen, ihre Disciplinargewalt soll nicht an Ehre und Vermögen stra­fen, und dem gemaßregelten Priester soll unter Umständen eine Berufung an den Staat freistehen. Darauf reduciren sich die Jura circa sacra, die einst in katholischen Staaten die Kirche ringsum von der Staatsgewalt ganz anders umstrickt und gefesselt sein ließen, als jetzt in Preußen die neuen Gesetze wollen. Nur das Nothdürftigste geschieht, nur das, was die Nothwehr des Staates gebieterisch erheischt, und die Bischöfe stoßen ein Wehgeschrei aus sie sprechen von Löwen und Scheiterhaufen. Glücklicherweise sind selbst Tausend Thaler noch lauge kein Scheiterhaufen, und wenn die neuen Gesetze erst einmal ihren vollen Ernst gezeigt haben, werden vermuthlich die Herren sich erst ge­hörig besinnen, ehe sie es auf den modernen Scheiterhaufen eine kleine oder große Geld- oder Freiheitsstrafe ankommen lassen, vermuthlich sich länger besinnen, als Ignatius uud Polykarpus, ehe diese ein wirkliches Mar­tyrium erlitten. Heut zu Tage ist das Martyrium billiger und schreckt am

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Grausame Verfolgung.

Die Kirche ist in die Zeit der Verfolgung unter den römischen Kaisern zurückgeschleudert. So ungefähr sagen die Fuldaer. Wir sind neugierig, ob Herr v. Ketteler für Löwen oder für den Scheiterhaufen bestimmt ist. Als Kaiser Trajan nach Antiochia kam, ließ er den Hirten der christlichen Gemeinde daselbst, den Bischof Ignatius, vor sich bringen. Trajan fuhr ihn hart än und schalt ihn einen vom bösen Geiste Besessenen, da er unermüdlich seine Be­fehle verletze und auch Andere mit in's Verderben fortrisse. Als der alte ehr­würdige Manu bekannte, daß es nur einen Gott gäbe und daß die lotter der Heiden böse Geister waren, ließ ihn der Kaiser in Fesseln legen und nach Rom zum Tode abführen. Hier wurde er öffentlich in der Rennbahn unter dem Jubel des heidnischen Pöbels zwei hungrigen Löwen vorgeworfen und gierig von ihnen verschlungen. Unter der Negierung des Markus Aurelius im Jahre 167 starb Polykarpus, der Bischof von Smyrna, den Märtyrertod Auf Verlangen des Volkes wurde der ehrwürdige Greis herbeigeholt und auf gefordert, Christus zu verfluchen. Als Polykarpus mit ruhiger Würde sich weigerte, schrie die tobende Menge:In's Feuer, in's Feuer mit ihm!" und thürmte in stürmischer Hast einen Scheiterhaufen empor. Freudig und mit einem Dankgebet bestieg ihn der Greis. Allein die Flamme berührte seinen Leib nicht, sie wölbte sich um ihn gleich einem vorn Winde geschwellten Segel, so daß endlich der Henkersknecht hinaufsteigen und ihm den Dolch in's Herz

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Darmstadt, 13. Mai. Eine Anzahl oberhessischer, aus dem Lande wirkender Volkbschullehrer ist bei der zweiten Kammer dahin vorstellig gewor­den, zu veranlassen, daß ihre Bezüge mit den Lehrerbesoldungen der Städte in größeren Einklang gebracht werden. In der Motivirung wird geltend gemacht, daß die Preise der Lebensbedürfnisse auf dem Lande dieselbe Höhe, wie in den Städten, wo die Ausbildung der Kinder aber nicht so viel koste, erreicht haben, auch der Beruf des seine Schuldigkeit erfüllenden ländlichen Lehrers andererseits mehr Kraftanstreugnug als der des städtischen erfordere. Die Berichte des Finanzausschusses zweiter Kammer über das Staatsbudget werden nunmehr in rascher Reihenfolge im Druck erscheinen An der Spitzt der Einleitung steht der Satz: . in der Anstellung möglichst weniger, aber dann auch gut besoldeter Staatsbeamten das Endziel des Strebens sehen zu müssen, welches nicht aus- schlicßt, vielmehr gerade ermöglicht, für dem Gesammtwohl wahrhaft segens­reiche Zwecke die nöthigen Mittel reichlich zu beschaffen." Hiernach wiid die ,fixen Etats" gleichwie auf vorderen

stoßen mußte. ;

Das sind Geschichten, die uns aus der Zeit vor Constantin, dem ersten christlichen römischen Kaiser, gerade zufällig eiufallen. Es gibt ja noch viele grauen- . haftere Martyrien, welche die Christen in dell ersten Jahrhunderten erlitten i haben, und die nicht blos von Einzelnen, sondern von Massen erduldet worden 1 sind. Mit dieser Zeit vergleichen die eben in Fulda versammelt gewesenen Bischöfe die heutige Zeit. Dieselben Gräuel erneuern sich, wir haben wieder, sagen sie indirect, einen Kaiser nach dem Beispiel von Decins und Galerius. Unsere Bischöfe, auf ihren reichen Sitzen, mit ihren fetten Pfründen, sie, die da herrlich leben in der Welt, behaupten, sie würden wie ihr Vorgänger Igna­tius von Löwen zerrissen, ober wie Polykarpus verbrannt. Merkt man das dem Herrn v. Ketteler an? Oder den anderen Unterzeichnern des letzten Hir­tenbriefes ? Ja, aber sie sagen's, blos weil künftig die Geistlichen etwas mehr lernen sollen, als bisher, weil Leib, Vermögen, Freiheit und bürgerliche Ehre der Staatsbürger nicht Gegenstand priesterlicher Zuchtmittel sein sollen und der Ungehorsam gegen solche, im Interesse des confessionellen Friedens und der Eintracht zwischen den Staatsbürgern getroffenen Bestimmungen vielleicht ein­mal einige Hundert Thaler Geld- oder einige Monate Freiheitsstrafe nach sich ziehen könnte. Das nennen die Bischöfe: auf dem Scheiterhaufen verbrannt oder von Löwen verspeist werden. Das nennen sie: um des Glaubens willen verfolgt werden. Das nennen sie eine Erneuerung des Anspruchs des Smyrna'- schen Pöbels, Christum zu verfluchen, oder des Vorwurfs, den der Kaiser dem Bischof Ignatius machte, er sei vom bösen Geiste besessen.

Nichts beweist mehr, auf welcher Seite die Verfechtung einer schlechten Sache ist, als die Uebertreibungen, zu denen die Ultramontanen seit drei Mo­naten in ihrem Kampfe gegen die Sicherheitsmaßregelu deö Staates bis zum letzten Tage durch ihre unnatürliche Hitze sich haben fortreißen lassen, und welche auch in dem letzten Schreiben ihrer Seelenhirten wieder hervortreten.Seit Constantin ist so etwas nicht tage trafen", fräs sagen dieselben Leute, die sonst die Phrase im Munde zu führen pflegen: Die Kirche habe sich schon in schwe­reren Nöthen befunden und sei doch siegreich daraus hervorgegaugen. Was ist nun wahr? Daß heute die Kirche verfolgt ist wie nie außer unter den römischen Kaisern vor Constantin oder daß sie schon oft schwerere Noth, als die heutige ausgestanden hat? Die Ultramontanen reden immer gerade so, wie es ihnen paßt. Wir sagen: Die jetzigen Gesetzentwürfe berühren das

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R°i, 1 >>ladk» Islands- Pector. '

Gießen, am 13. Mai 1873.

Betreffend: Zurückstellung unabkömmlicher Beamten im Falle einer Mobilmachung.

Die Großhcrzogliche .MiS-Schul-Commisswu Gießcn

an die Schulvorstande des Kreises.

Unter Bezugnahme aus unsere Ausschreiben vom 21. December 1871 und 16. April 1872 machen wir Sie darauf aufmerksam, daß Reclamationen bis zum 20. l. M. bei uns eingereicht sein müssen, wenn sie Berücksichtigung finden sollen.

In Verhinderimg des Kreisraths:

Spamer, Kreisasseffor.

991,454. 57

362,959. 13

604,414. 10 065,087. -

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