die Schulbildung, wie dies bei der letzten Rekrutenaushebung festgestellt, den
in welcher Weise die in Metz vorhandenen Lebensmittel ver-
Paris, 11. October. Rouher spricht in einem Brief an den Deputir- ten Eschasseriaux aus, er anerkenne die Dringlichkeit, alle zur Partei gehörigen Deputirtcn zu einer Versammlung zu berufen und einen Appell an das Volk zu erlassen. Er schlage hierzu den 15. October vor. Man müsse, sagt Rouher weiter, die Werke unserer Väter, sowie der modernen Gesellschaft, vertheidigen, die gegenwärtigen der Rechten könnten nur auf zweideutige Abmachungen hinauslaufen. Frankreich wolle eine demokratische Nation bleiben, die projectirte Monarchie sei aber die Negierung der Demokratie. Diese Monarchie scheint ihren Versuch, zu sieben, nur damit in Scene setzen zu wollen, daß sie das allgemeine Stimmrecht zerstört. Rouher schließt: Um den öffentlichen Frieden wieder zu erlangen und ebenso eine lange Sicherheit, müsse man gerade das Volk befragen, welche Negierung ihm genehm sei. — Der „Franyais" versichert, daß die Führer der Majorität für alle Eventualitäten einig seien und das Resultat der gegenwärtig bei Chambord versuchten Schritte abwarten wollen. Jedenfalls müsse die Angelegenheit bald entschieden werden. — „Union" sagt, daß der National - Versammlung allein das Recht der Entscheidung zustehe. Graf Chambord dürfte weder direct noch indirect in die Berathung eingreifen.
Trianon, 11. Oct. Die Lesung eines zur Rechtfertigung Bazaine's verfaßten Berichts wird bestimmt erwartet. Die heutige Sitzung wurde um
zweiten und das confessiouelle Württemberg den ersten Rang ein. Der neue Schulentwurf, der deshalb gar kein Bedürfniß, sei so elastisch, daß er allen liberalen Parteien dienen kann. Er wollte eigentlich für die Ablehnung des Entwurfs stimmen, aber, da verschiedene verbessernde Amendements vorliegen, werde er an der Discussion theilnehmen. Der Entwurf entspreche nicht den Rechten der Familie, der Kirche, auch nicht dem Wohl des Staates, der Entwurf widerspreche der Freiheit und majorisire in einer unerträglichen Weise die Minorität. Moufang vertheidigt sodann die Bescheidenheit der Gegner des neueren Schulgesetzes und protestirt in energischer Weise gegen die von Worms ausgegangene Adresse, daß die katholische Schule das Volk entsittliche, verdumme und entnationalisirte. Die Sittlichkeit beruht auf dem Glauben, wie der Mensch glaubt, so lebt er.
Graf Görtz. Es sei keine leichte Aufgabe, über die heutige Frage zu debattiren, aber diese Aufgabe sei ihm leicht gemacht durch die vortreffliche Rede Dr. Moufang's, der ihm aus dem Herzen gesprochen und dem er seinen Dank ausspreche. Wie er auch die schönen und gediegenen Worte des Ministerpräsidenten mit Vergnügen gehört, so komme es doch hier nicht an auf Personen, sondern auf den Sinn und Geist des Gesetzes. Der Erlaß des Gesetzes sei nicht indirect, sondern aufgedrungen von einer Partei, deren Gründe formell er achte, aber denen er diametral entgegenstehe. In den seither bestehenden Verhältnissen habe confessioneller Friede geherrscht, er stimme eigeut- lich gegen das Gesetz, aber er hoffe, daß durch Annahme der gestellten Amendements dem Bösen des Gesetzes die Spitze abgebrochen und das Gute beibehalten werde.
Geh. Justizrath Wafferschlebeu. Der Entwurf eines neuen Schulgesetzes sei gerechtfertigt und geboten. Die Volksschule unserer Zeit müsse Staatsanstalt sein. Die konfessionelle Schule gewähre in der gegenwärtigen Zeit nicht mehr die Garantie, daß das Ziel der Schule vollständig erreicht werde. Der moderne Staat sei confessionslos, er gestattet alle religiöse Ueberzeuguug, wenn sie nicht mit der rechtlichen Ordnung des Staates im Widerspruch sich befindet. In Beziehung auf den Religionsunterricht ist die Schule confessionell und hat die Kirche durch den Geistlichen allen Einfluß, aber die andern Unterrichtsfächer bilden einen neutralen Boden. Der Drang unserer geschichtlichen Entwickelung führe zu einer Trennung von Kirche und Schule, er habe mit Freuden den vermittelnden Standpunkt des Gesetzes begrüßt, den man im Jntereffe der Kirche annehmen solle.
Wernher von Nierstein spricht in ähnlichem Sinne, ebenso Frhr. v. Schenck (Excellenz.)
Graf Solms-Laubach behauptet, daß mau mit dem Gesetz die römisch- katholische Kirche schlagen wolle, aber man schieße dabei weit über das Ziel hinaus und treffe auch die evangelische Kirche. Ein Hauptmittel, die römisch" Kirche zu bekämpfen, sei der evangelische Geist, diesen solle mau stärken, freilich in Folge der neuen Kirchenverfaffung unserer Landeskirche werde dieser Geist nicht gestärkt.
Ministerpräsident Hofmann rechtfertigt die Verlesung des in Bensheim erschienenen Flugblattes, es sollte dadurch der Beweis geliefert werden, daß die Agitation gegen das Schulgesetz im Volke auf ungerechtfertigte Weise gemacht worden sei. Derselbe Gedankengang, welcher im Flugblatt sich finde, wäre auch in der Adresse der katholischen Geistlichkeit, in welcher sich folgende Stelle finde: „ein fast gleicher Geist habe die französische Revolution gezeugt, wo ein Danton erklärte, „die Kinder sind erst Eigenthum des Staates."
Nach einer kurzen Bemerkung des Grafen v. Görtz erklärte Graf Erbach- Fürstenau, daß nicht blos katholische, sondern auch viele evangelische Christen ob des neuen Schulgesetzes in ihrem Herzen und Gefühle tief besorgt und bekümmert gewesen. Wenn wir ein Volksschulgesetz beriethen, so sei es auch erlaubt, vom Volke zu reden. Zum Volke gehört auch der Bauernstand und wer, wie er, unter den Bauern so zu sagen aufgewachsen, in ihre Häuser gekommen, mit ihnen Freud' und Leid getheilt, der habe gesehen, daß in diesem Theile wahres Volk eine Freude über das Volksschulgesetz nicht vorhanden, das Volk wolle gar nicht eine Trennung der Kirche und Schule durchgeführt haben. Die Worte des Ministers seien geeignet, die Gemüther darüber zu beruhigen. Er babe mit ernster Stimmung der heutigen Sitzung entgegeugesehen, aber darüber sei er sich klar gewesen, was gelten soll, „ob der Geist der Kirche oder der Geist der Zeit."
Der § 1 und 2, 3 über die Aufgabe der Volksschule wurde ohne Debatte angenommen, dagegen § 4 und 5 über Einführung der Communalschulen in lebhafter Debatte verhandelt.
Ministerialdirector v. Starck vertheidigt den Entwurf, nach welchem die Volksschule in Zukunft gemeinsame Schule werden solle; neun Zehntel unserer Schulen würden dabei ihren Charakter nicht verlieren, sondern mir den Namen wechseln. Die römische Kirche arbeite mit allen Mitteln, mit aller Consequeuz durch katholische Gesellenvereiue, katholische Casino, Bruderschaften, Sparkassen auf Trennung des Volkes. Der Staat habe hiergegen die Pflicht und das Interesse, daß das Bewußtsein der Zusammengehörigkeit gepflegt werde; das Bewußtsein, Glieder einer Nation zu sein, müsse erhalten werden.
Graf Isenburg-Birstein (Präsident verschiedener Casinos) sucht das katholische Vereinswesen zu vertheidigen, eine Aufgabe, die er besser dem Herrn Moufang überlassen hätte.
Dr. Moufang sieht in der Umwandlung der Schule die Verletzung eines Reiches, das durch alle staatliche Verträge garantirt sei. Sodann citirt Mon- fang, für Beibehaltung der Confessionsschulen, die Aussprüche von Zitrel, Curtman und Güstow. Wenn man freilich nach den Grundsätzen, daß durch, , _ ,v._ .................. ...
fcie Communalschule vor Allem der nationale Geist gepflegt werden solle, hau-!ll Uhr eröffnet und der Bericht des Generals Rivivre weiter verlesen. Der- deln wolle, so müsse man auch eine Nationalreligion einführen. selbe untersucht, in welcher Weise die in Metz vorhandenen Lebensmittel ver-
Graf Görtz hatte gewünscht, daß bei dem zwischen der katholischen Kirche^wendet wurden, bespricht die von Bazaine zur unmittelbaren Versorgung der und der modernen Welt entbrannte Kampf, Hessen darin ein Bild des Friedens Armee getroffenen Maßnahmen und erörtert die vom General Coffiniöre als gezeigt habe. Eine Schulreligion, wie es projectirt, zu schaffen, sei ein Un-^ Commandanten von Metz bis zum 26. October, an welchem Tage derselbe ding, das man physiologisch nicht erklären könne, dadurch werde das Verhält- das Commando an Bazaine abtrat, zur Versorgung der Stadt angeordneten
dienen können. Die katholische Geistlichkeit habe keinerlei Agitation in's Werkmiß zwischen Lehrer und Geistliche, zwischen Kirche und Schule gestört und der gesetzt, der Entwurf sei keineswegs gelungen und kein Bedürfniß dafür noth-, gefährlichen Zeit zugesteuert, die in dem Lehrer den Vertreter der modernen wendig. Dies Bedürfniß existire nur bei solchen Leuten, die immer in deu^Jdee und in dem Pfarrer den Vertreter des Rückschritts erblickt
Blättern von Schulen reden, aber nie um die Schulen sich bekümmern,, selbst^ Wernher beantragt, daß bei der Umwandlung von Confessionsschulen in
an der Visitation nicht einmal theilnehmen. Hessen nehme in Beziehung auf; Communalschulen und umgekehrt, drei Viertel Gemeindealieder >ur Abstimmung vnio fcot hpr Tphtpn ^p^inispniinä^pbnn.1 Sph Erscheinen müssen. $ $
Graf Solms-Laubach stimmt mit Wernher darin überein und glaubt, daß der christliche Geist in Deutschland nie untergeht und daß trotz des neuen Gesetzes, das alte Wort sich bewahre: pahna sub pondere crescat.
Nachdem noch Ministerpräsident Hofmann. Freiherr von Dalwigk und von Schenck gesprochen, wurde zur Abstimmung geschritten, der § 4 und 5 in bei’ Fassung der 2. ^rtaudekammer mit 16 gegen 10 stimmen abgelehnt und somit ein für das Gesetz höchst verhängnißvoller Beschluß gefaßt.
Für den Entwurf stimmte Prinz Alexander, v. Schenck, Wernher, Fürst v. Büdingen, Dornseiff. Wafferschlebeu, Krug, Möusch, Heil, v. Stark, dagegen Graf Erbach-Fürstenau, Laubach, Görtz, v. Riedesel, Moufang, v. Dalwigk, Fürst Löwenstein, Isenburg-Birstein, Lautern, Geheim Rath Schmitt, v. Wam- bold, Lautern. Solms-Assenheim, Graf Schönherg, Isenburg-Wächtersbach, Prinz Solms-Lich. — Sapienti sat.
A)armftdbt, 12. Oct. Eine Auflösung des Landtags ist vorerst nicht zu erwarten, da man ^wahrscheinlich vorziehen wird, die weitere Abwicklung der Angelegenheit des Schulgesetzes auf dem Geschäftsgänge. Recom- municationen rc. abzuwarten und unterdessen einige dringende Angelegenheiten, 8- B- die Theaterbau-Frage, welche nicht mehr länger aufgeschoben werden kann, regeln wird. Durch die Auflösung des Landtags und die Neuwahlen würde diese Angelegenheit eine abermalige Verzögerung erleiden.
-OefleiTeidj.
Wien, 9. Oct. Das „Vaterland" bringt heute den dritten Leitartikel: „Neichssacristan Bismarck," worin es unter einer Reihe anderer gemeiner Ausfälle heißt: „Einstmals diente die Armee zum Schutze der Unterthanen, der Beamtenstand zur geregelten Ordnung der Geschäfte, die Polizei zur Sicherung des Lebens und Eigeuthums, die Criminalgerichte zur Bestrafung der Verbrecher, der Fiscus zur Förderung des Staatshaushalts und die Schulen für den christlichen Unterricht. Heutigen Tages wird dieser ganze Apparat fast einzig gegen die Katholiken verwerthet, um ihr Gewissen zu knechten und die Aeußerungen ihres Glaubens zu unterdrücken. Die heidnischen Kaiser, selbst Nero und Diocletian, waren in ihren Forderungen den Christen gegenüber genügsamer als der Neichssacristan Bismarck." Sodann bringt das „Vaterland" an der Spitze seiner „politischen Uebersicht" nachstehende Mitthcilung: „Wir erhalten folgende Zuschrift: „Herr Redacteur? Es wird Ihnen bereits bekannt sein, daß der Polizei-Präsident Herr v. Madai vorigen Samstag hier angekommen ist und seitdem fortwährend vertrauliche Conferenzen mit dem Herrn Bürgermeister Dr. Felder und dem Polizei-Präsidenten Marx hält. Es handelt sich dabei nicht bloß um — jedenfalls ganz unnöthige — Sicherheits- Maßregeln, sondern vorzüglich um Jnscenirung eines so populär erscheinenden Empfanges, wie er dem König von Italien zu Theil wurde. Herr v. Madai soll im Auftrage des Fürsten Bismarck erklärt haben, daß dafür keine Unkosten zu groß sein würden. Wien, 8. October 1873." Wir bemerken hierzu, daß Herr v. Madai eine derartige Erklärung unmöglich den beiden genannten amtlichen Personen gegenüber abgegeben haben kann." Die Stelle, „daß dafür keine Unkosten zu groß sein würden." und in dem Zusatze, „amtlichen" Personen ist gesperrt gedruckt, damit der Pöbel, wenn er etwa gar zu dumm sein sollte, mit der Nase auf diese Insinuation gestoßen werde. Solcher niedriger Agitationsmittel bedient sich ein Blatt, das für die Kirche und moralische Ordnung einzustehen behauptet. Welche sittliche Verwilderung muß in Kreisen herrschen, wo solche Mittel gut geheißen und mit Orden belohnt werden.
8chweiz.
Genf, 13. Oct. Bei den gestrigen kirchlichen Wahlen wiesen die Listen der liberalen Katholiken 1261 Stimmberechtigte auf. Von diesen wurden Pater Hyacinth, Canonicus Hurtault und Abb6 Chavard zu Pfarrern, sowie neun Parochialräthe mit zwischen 1250 :und 1256 Stimmen schwankenden Majoritäten erwählt. Die Ultramontanen enthielten sich der Abstimmung.
/rankreich.


