das hiesige bischöfliche Ordinariat aus Veranlassung der gegen den Decan Faust zu Hadamar wegen Anmaßung eines Amtes eingeleiteten Untersuchung den Competenzconflict erhoben. Zur Orientirung wird bemerkt, daß der Hausknecht des Pfarrers Schmalz zu Lahr „saufen" soll, daß dieses hausknechtttche Laster beim Bischof zur Anzeige gebracht, dessen Zorn hervorries. Es ward von hochwürdiger Seite die Einleitung einer Disctplinar-Untersuchung gegen den Pfarrer Schmalz zu Lahr tocgen Haltens eines saufenden Hausknechts beschlossen und Decan Faust zu Hadamar beauftragt, die Kirchenvorsteher von Lahr eidlich über obiges Verbrechen zu vernehmen, welchen Auftrag Herr Faust in feierlichster Weise und mit großem Umstand vollzog. Das will aber selbst den Kirchen-Vorstehern von Lahr nicht einleuchten, daß ein Pfarrer Zeugeneide abnimmt; sie sprechen darüber ihr Bedenken aus, die Sache kommt dem Bezirksgendarmen zu Gehör, dieser bringt es, um mit dem „Nass. Boten" zu reden, „zu einem Bericht" und der Staatsanwalt leitet eine Untersuchung gegen Decait Faust u. Eons, wegen Anmaßung eines Amtes (des Richteramtes) ein. Diese Sache wird an hoher hochwürdiger stelle unangenehm, sehr unangenehm, und man sucht sie durch Erhebung eines Competenzconflicts aus der Welt zu schaffen.
Stuttgart, 12. Mai. Dem „Schwab. Merkur" wird aus Karlsruhe -geschrieben, daß es gelungen sei, Prof. v. Treitschke der Heidelberger Hochschule zu erhalten.
Straßburg, 11. Mai. In aller Stille hat sich in dem ersten Vierteljahr des laufenden Jahres die Straßburger Bevölkerung um rund 4000 Seelen vermehrt. Die Ziffer der Geburten ist allerdings keine so große, der Zuzug vomLande diesseits und jenseits des Rheines bringt dieses überraschende Resultat hervor. Hier nur ein Wort über bie politischen Folgen, die sich ver- muthlich daran knüpfen werden. Wir können rechnen, daß diese starke Vermehrung und Veränderung keine einmalige Erscheinung ist, denn von je Her- Hat sich die Straßburger Bevölkerung in raschem Wechsel ergänzt. Man lese nur die Namen alter Familien und frage, wie viele davon noch im städtischen Patriziate vorhanden sind, mau lese nur die Nanren von bäuerlichen Familien und vergleiche, wie viel davon und seit wie langer Zeit sie in die Stadt eingezogen sind, um zu dem Schluß zu kommen, daß die Straßburger Bürgerschaft — am meisten natürlich in den unteren Ständen — in sehr schneller Veränderung begriffen ist. Die meisten der jetzt angesehenen Geschlechter sitzen seit verhältnißmaßig kurzer Zeit in der Stadt, der zuletzt vielgenannte Name Lauth z. B- ist, wenn wir recht unterrichtet finb, seit 130 Jahren etwa in ber Stabt vertreten, die Vorfahren der Familie sind aus den Rheinlanden eingewaudert. Selbst wenn wir keinen so starken Zuwachs wie den oben erwähnten für die Folgezeit in Ansatz bringen, so kann man doch auf die Fortdauer der Veränderung und Vermehrung rechnen und demgemäß auf eine Wählerschaft, die schon in verhältnißmäßig kurzer Zeit frei sein wird von den verbissenen Traditionen der jetzigen Parteigänger. Wir erwarten dieses Resultat in wenigen Jahren. Die nächste Zeit wird allerdings hier in der Stadt vermuthlich ohne Gemeinde wählen verlaufen. Mit dem Monat Mai läuft die Frist der zweimonatlichen Suspension des Gemeinderaths ab, und Alles läßt darauf schließen, daß die Negierung von dem gesetzlich ihr zustehenden Rechte Gebrauch macht, alsdann einen Bürgermeister aus fünf Jahre Maximalzeit zu ernennen Die Person lichkeit für den schwierigen Posten ist gefunden, denn Jedermann läßt der ruhigen Eiwrgie des Polizei-Directors Back Gerechtigkeit widerfahren.
■OcftciTcidj.
Wien, 10. Mai. Ein großer Theil der Börse hatte sich der Hoffnung hingegeben, daß mit den HO Insolvenzen, welche vorgestern so enorme Execn- tionsverkäufe veranlaßt hatten, das Schlimmste überstanden wäre und das Geschäft allmählig wieder in regelmäßige Bahnen cinlenken, allmählig wieder ein mehr normaler Zustand eintreten würde. Die Börse glaubte sich zu dieser Annahme durch den Umstand berechtigt, daß in den Wechselstuben das Capital, wie seither fast noch nie, die niedrigen Course zu Anlagen in vielen so sehr entwertheten Bank- und Industrie-Effecten benutzte, daß auch das Ausland vielfach Kaufordres schickte, dasselbe überhaupt der hiesigen Deroute eine verhält- nlßmäßig sehr feste Haltung zeigte. Als aber gestern das erste und bestaccre- ditirte Börsencomptoir von Adolf Petschek, das noch am Tage zuvor 3 Millionen Differenzen gezahlt, sich zahlungsunfähig erklärte, als ferner ein bebeuieu- der, seither als mehrfacher Millionär betrachteter Speculanr Elias als insolvent uotificirt wurde, da sank auch noch der letzte Rest von Muth, da brach die Börse kraft- und rathlos zusammen. Die Börse fühlte, daß sie nicht weiter könne, daß sie an die Grenze des Möglichen angelangt sei und rief verzweiflungsvoll nach Hilfe und Rettung. Der L>ecretair der Börsenkammer verordnete sofort eine Sistirung aller Geschäfte und Zahlungen. Berathungen und Sitzungen, die gehalten wurden, Deputationen an die ersten Banken, an den Finanzminister waren erfolglos, die Direktion der Creditanstalt war nicht zu finden, der Finanzminister nicht zu sprechen. Die Aufregung stieg von Minute zu Minute. Man erfuhr, daß A. Petschek für einen Vorschuß voll 300,000 fl der Creditanstalt als Unterpfand zwei schuldenfreie Ringstraßenhäuser von mehr als dreifachem Werthe vergeblich angeboten, daß Bank-Verein und National Bank jede Hilfsleistung, daß Rothschild einer jungen Bank gegen Depot von doppeltem Werthe 100,000 fl. verweigert und sein Vertreter diese Weigerung mit für die hiesigen Banken sehr verletzenden Bemerkungen begleitet, daß Baron Schey eine Belehnung eines Postens von ihm emittirter Werthe selbst zur Hälfte des Courswerthes refüstrt habe unb bergleichen mehr — was Wunder, baß sich ber Unwille ber Börse gegen bie Vertreter bieser Banken unb Firmen wenbete unb als nun gar noch bie Diener ber Banken mit zahlreichen Differenz- unb Zuschußnoten erschienen, um biese einzuziehen, ba stieg die Wuth auf's Höchste unb selbst die eiligste Flucht ber von bcii Verwünschungen unb Flüchen ber Coulisse Betroffenen vermochte sie nicht vollständig vor thätlicheu Insulten zu schützen, bie vorzugsweise gegen bie anwesenden jüngeren Sprossen ber obengenannten freiherrlicheil Firmen gerichtet waren. Die erwähnten Bankdiener suchten ebenfalls mit ihren unbezahlten Rechnungen das Weite und selbst einige Börsenräthe sollen, als sic von den tumultuarischen Scenen im Börsensaale hörten, es vorgezogen haben, den Sitzungssaal schleunigst durch eine Hinterthür zn verlassen, um möglichen Eventualitäten aus dem Wege zu gehen und wer weiß, zu welchen Ausschreitungen es noch gekommen wäre, wenn nicht der Regierungscommissär den Böisensaal hätte Humen lassen. Aehnliche Auftritte hat die Wiener Börse noch nicht, auch wohl noch keine andere Börse seither erlebt; es ist dies ein schreckliches Bild, daß die Kehrseite der Medaille, welche
den Triumph der großen Hausse- und der Gründungscpoche feierte, uns zeigt, eine schreckliche Folge der excentrischen Orgien, welche Gründungs- und Spiel- wuth gegen alle Gesetze der Volkswirthschaft, gegen alle Regeln der Vernnnft, allen Warnungen der Organe der Presse zum Hohn beging. Tausende von Existenzen sind vernichtet; heute beneidet Niemand mehr die über Nacht „spielend" erworbenen Reichthümer, die Millionär-Proletarier sind wieder auf ihr früheres Nichts hinabgesunken und sitzen weinend auf den Trümmern ihrer verlorenen, nur so kurze Zeit besessenen Vermögen. Es ist zu hoffen, daß die Börsenkrisis, welche fast alle Kreise der Gesellschaft vernichtend getroffen, zu einer Handelskrisis nicht führen tverde, wenigstens haben das Aerar und die Nationalbank vorzugsweise nach dieser Richtung hin ausreichende Unterstützung zngesagt und man weiß ja, wie oft nur die Furcht eine Krisis herbeiführt und schon das Bewußtsein vorhandener Hilfe, schon eine rein moralische Unterstützung genügt, eine schon drohende Krisis zu bannen.
Wien, 13. Mai. Nachdem das bis zum Donnerstag eingeräumte Zah- lungsmoratorium behufs frühzeitiger Unterscheidung Solventer von Insolventen auf heute abgekürzt worden, damit der regelmäßige Verkehr sich wieder anbahne, herrschte heute auf der Börse große Aufregung. Verschiedene Redner besteigen die Börsen-Tribüne und werden theils mir Acclamation, theils mit Zischen empfangen. Augenblicklich macht ein geachteter Coulissier den Vorschlag, vorläufig weder Differenzen zu zahlen, noch Effecten zu übernehmen, bis eine Universal-Regulirung eingetreten sei. Hierauf erfolgt allgemeine Zustimmung. Die Suspendirung der Bankacte gilt als sicher.
P^sth, 13. Mai. Der Finanzminister erklärte im Unterhause, zu der von der cisleithanischen Regierung verlangten Suspension der Bankacte seine Einwilligung gegeben zu haben.
Schweiz.
Bern, 10. Mai. Nach dem neuesten Bericht über den Fortgang der Arbeiten am Gottharbtunnel bei Göschenen machen bie mechanischen Bohrungen burch bie allmähliche Einübung ber Arbeiter in richtiger Führung ber Maschinen unb ber Wahl ber Bohrstellen unb Sprengladungen seit einigen Tagen größere Fortschritte Während im Lanfe April etwa 1 Meter täglich erzielt wurde, rückt man jetzt täglich um 1,50 bis 2 Meter vor, unb trotzbem, baß der bei Göschenen zu durchbrechende Gaisgranir zum härtesten Material des Gottharbdurchstichs gehört, hofft mau bald auf ein noch schnelleres Vorschreiten. Am 4. Mui betrug die Stollentiese bei Göschenen 124 Meter, bei Airolo 180, also im Ganzen 304. Im April wurde der Fortschritt bei Airolo durch starke Infiltrationen gehemmt. — Wie man dem B. I. schreibt, liegt die Genfer Internationale in den letzten Zügen. Seit dem Erscheinen der Commune- flüchtlinge verzehrte sie sich in erbitterten inneren Kämpfen, so daß eine Gruppe nach ber anberen sich ablöste, auch mancher Einzelne sich bavon überzeugte, daß die geträumte Verbesserung socialer Zustände in dieser Gesellschaft mit durchaus untauglichen Mitteln und auf unfruchtbarem Felde gesucht werde. So sank Blatt um Blatt, Zweig um Zweig vom nie gesunden Stamme. Jetzt stehen die Dinge so, daß die Unterhaltnngsgelder nicht mehr hinreichen, um die Miethe im Temple unique zu bezahlen. Der Eigenthümer, ein Herr Dr. Baumgartner, hat wohl seiner Zeit zn Gunsten seiner Miethsleute ein paar Maneranschläge gemacht und eine Broschüre geschrieben, aber schließlich findet- er auch wieder, daß in Geldsachen die Gcmüthlichkeit aushöre. Dieser Tage hat er die Miethe gekündet und die Letzten der Mohikaner werden demnächst ausziehen. y
Juuntlceid).
Paris, 12. Mai. So weit Nachrichten über die gestern in Frankreich vollzogenen Nachwahlen zur Nationalversammluug vorliegen, haben die Radikalen wieder den Sieg davongetragen. Unter den Gewählten befinden sich Ranc, Guyot, Perrin, Rigaud und Lesguillon, in einem Departement hat ein Bona- partist den Vogel abgeschossen. — Der Französische Cassationshof hat unter Vorsitz des berühmten Rechtsgelehrten Faustin Hölie weittragenden Rechtsspruch erlassen, welcher der Versailler Rechten viel Aergerniß bereiten wird. Er hat ein Urtheil des Obergerichtes von Amiens, gegen welches die Staatsbehörde Berufung eingelegt hatte, bestätigt. Dieses Urtheil hatte nämlich die Unterzeichner einer Petition freigesprochen, worin die constituirende Gewalt der gegenwärtigen Nationalversammlung geläugnet worden war. Nach dem Ausspruch des Cassationshofes enthält eine solche Leugnung keinen Angriff gegen die Rechte und die Autorität der Versammlung.
Italien.
Rom, 11. Mai. Wegen des Verbots eines Meetings, welches die vollständige Aufhebung der religiösen Körperschaften verlangen wollte, fanden Demonstrationen statt. Die Demonstranten wurden durch die bewaffnete Macht verhindert, gegen den Qnirinal zu ziehen.
Rom, 12 Mai. Hebei* das gegenwärtige Befinden des Papstes lauten die Berichte beinahe hoffnungslos. Pius IX darf keine Deputation mehr empfangen, keine Audienzen mehr geben, für ihn ist absolute Ruhe und Zurückgezogenheit Lebensbedingung, er darf das Bett nicht mehr verlassen; wenn auch Se. Heiligkeit über diese Tyrannei scherzt, so fügt er sich aus Körperschwäche den Anordnungen. Ein Privattelegramm vom gestrigen Tage meldet, daß der Eintritt in den Vatikan Niemand mehr gestattet ist, weil — höchst wichtige Cardinalberathungen stattfinden.
Spanien.
Madrid, 12. Mai. Das jetzt fast vollständig bekannte Wahl-Resultat des ersten Tages weist die Wahl von 308 Föderalisten, 15 Radicalen, 6 Con- ftitutinetten, 3 Alphonsisten, 2 Jndepedenten, 1 Unionisten und 1 Unitarier auf. Das Gesammtergebniß der Wahlen wird voraussichtlich dasselbe Partei- verhältniß zeigen.
Madrid, 13. Mai. Gestern wurde Hierselbst eine carlistische Verschwörung entdeckt. Die vorgenommenen Haussuchungen führten zur Verhaftung von drei der Theilnahme an der Verschwörung verdächtigen Personen. — Sagasta hat gestern Abend Madrid verlassen. — Die Wahlen werden in aller Ordnung fortgesetzt. Man rechnet, daß die Opposition 30 bis 40 Deputirte zählen wird.
I
1
Obeck'
Le 2335) 8 db unbL" giibt««“’ ■ bach ander und
Gießen, i
Die Prä, 1) für die J ff. 33.
23-
für Hin-ul 2) für die a. via $Ulb Bamberg, Salzburg münden od- fl. So • 63 b. via Fulda Wien, Sal oder umgek fl. 81 , 6<
Gießen, i:
c
Z
Freit
Beuern nac
1) Maur
2) Zimm
3) Schre
4) Maur
5) Zimm
6) W
7) Schrc
8) Maur
9) Weiß!
10) Stein zur li
11) Desgl
12) Plant
13) Pflch
14) (frbar
15) Mhrl
16) Chans
17) Planii
18) Chans'
19) Wall
20) Reich
Beuern,1
q c
Götti
Gvth<
II
n Ham!
1049) “• Eiti unb
«ipfel
,M) D ? "uter m Hand jü t *}■ pachtet Q(1


