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Konstanz, 9. Febr. Die heute ftattgehabte. Altkatholiken. Versammlung war von mehr als 2000 Personell von uah unD fern besucht. Eröffnet wurde die Versammlung durch de« Comite-Dorstand Rector Laible, auf dessen Vorschlag Landtags - Abgeordneter, Kreisgerichtsrath Schmidt, -um Präsidenten gewählt wurde. Professor Friedrich sprach über das Zustandekommen des Infallibrlitäts- Dogma's, Professor Michelis über die Berechtigung des Widerstandes dagegen und de» Aufbau der Gemeinden. Beide Redner wurden mit Beifall empfangen und die Borträge oft durch stürmisches Bravo unterbrochen. Die Versammlung constatirte durch Händeaufheben ihr Tinverständniß und brachte den Rednern ein dreifaches Hoch. Keinerlei Störung kam vor. Die Versammlung währte von 2 bi« 5 Uhr.

Konstanz, 11. Febr. Bei der gestrigen Abstimmung votirtru 653 Perso­nen gegen das UnfehlbarkeitSdogma und zwar fallen hiervon auf die Spitalpfarrel 168, auf die Gtrphanspfarre 195, auf die Münsterpfarrei 290 Personen. Für das Dogma wurden 2 Stimmen abgegeben, wovon eine sich al« ungült-g er­wies. Die Regierung soll uw Ueberweisung zweier Kirchen angegangen werden.

Frankreich.

Paris, 9. Febr. Der Beschluß, welchen die Dreißiger-Commission gestern faßte, bildet heute da« TageSspräch, und man sieht mit Spannung dem weiteren Verlauf der Ereignisse entgegen. Die Stimmung der Royalisten in der Kammer tst eine erbitterte; zumal da man nach den großen Concessionen des Herrn Thiers den Streit für beschwichtigt hielt. Im präfidentschaftlichen Palais herrscht gleich, falls Mißstimmung, doch wird Thiers seinen Weg wohl klarer vor fich sehen, als die Commission; doch läßt man es nicht so sehr merken. Thier«' Leiborga» drückt sich folgendermaßen aas:Die letzte Sitzung der Dreißiger - Commission hat nicht den versöhnlichen Hoffnungen der Regierung entsprochen. Die allge- «eine Erwartung wurde getäuscht; im letzten Augenblick verwarf die Commission in Folge einer plötzliche« Sinnesänderung, welche nach den vorhergegangenen Erklärungen nicht zu erwarten gewesen war, die vermittelnden Vorschläge vno kam auf ihren Ausgangspunkt zurück. Cs wäre thöricht, die Wichtigkeit dieses bevauern-serthen Beschlusses zu verheimlichen. Mit Unrecht aber würde die öffentliche Meinung ihm einen beunruhigenden Ernst beilegen. Auf keiner Seite herrscht eine gereizte Stimmung und Niemand will Leidenschaft in die Debatte dringen oder die versöhnlichen Mittel zurückweisen, welche die Uebcrlegung an die Hand geben könnte. Die Hauptunbequemlichkeit ist die, daß man die Lösung von dec Versammlung verlangen muß. Ls ein Verzug; doch Angesicht« der Weisheit und Mäßigung der Kammer kann der Ausgang nicht zweiselhaft erschei- neu. Dor Beginn der öffentlichen Verhandlung wird sich die Lage vielleicht schon gebessert haben. Einige derer, welche gestern gegen den Dufaure'schea Antrag stimmten, fühle« schon die Verantwortlichkeit, welche sie auf fich genommen. Wir glauben zu wissen, daß Anstrengungen gemacht werden, um die Tragweite der gestrigen Abstimmung adzuschwächcn. Was uns betrifft, so werden wir allen versöhnlichen Dersuchen da« Wort reden, indem wir sicher sind, daß die Ver­sammlung diese zarte Frage zu einer den Interessen des Landes entsprechende« Lösung führen und fich nicht den Wünschen derjenigen Mitglieder anbequemen wird, welche fich auf alle mögliche Weise bemühen, die Unsicherheit der Gegen­wart und die Ungewißheit der Zukunft aufrecht zu erhalten."

Spanien.

Madrid. DieEpoca" veröffentlicht einen Auszug aus einem Briefe des Herzogs von Montpenstec an die Königin Christina, worin er dieser seinen Bruch mit den Alsonfiste« anzeigr, und seinen Enschluß mit dem Zw.st begründet, wel- cher zwischen der Königin Isabella und ihrem Gemahl Franz von Assisi herrscht, em Zwist, der seiner Meinung nach zum großen Theile an der September-Revo- lution Schuld sei und der Sache des Don Alfons im höchsten Grabe morali­schen Schaden bringe. DieEpoca" läßt darauf den Brief der Königin Chri­stina an ihre Tochter Isabella folgen, in dem fie derselben das «schreiben des Herzogs übersendet und sie ermahnt, sich mit diesem in's Einvernehmen zu setzen. Endlich veröffentlicht vaS Blatt ein Schreiben der Königin Isabella, wodurch sie erklärt, die Aufkündigung des Herzogs anzuneymea und jede Verbindung mit ihm abzubrechen. Sie schiebt demselben zugleich die Schuld für ihren Fall zu, und fügt hinzu, daß fie nach wie vor allein mir ihrem Sohne in der Fülle ihrer königlichen Rechte bleibe und fich vorbehalte, ihre Sache und die Zukunft der Dynastie in die Hände des ersten zu legen, der ihre Fahne mit hinreichende» Kräften und Hilfsmitteln in Spanien erheben würde. Eine neue förderali- stifche Fraktion ist in der Bildung begriffen, welche unter der Leitung von Pt p Margall, Castelar und Figuera«, die Mitte zwischen den zahmen Republikanern und den unversöhnlichen einnehmen soll. Im Congreß kündigte Becerra an, daß er einen Gesetzentwurf zu Gunsten der Lehrfreiheit vorlegen aerbe.

Madrid, 10. Febr. DieCorrespondencia" glaubt, Laß die S tzungen dci Cortes auf 3 Tage werden suspendirt werden; wenn dec König auf seiner Ab­sicht, abzudanken, beharrte, würde den Cortes eine auf die Abdankung bezügliche Vorlage gemacht werden. DieCorrespondencia" glaubt, daß die Cortes hier- auf durch eine achtungsvoll ablehnende Botschaft antworten werden. Wenn der König gleichwohl aus seinem Vorhaben bestände, würden die Cortes ein dem An­lässe entsprechendes Specialgesetz erlassen und eine Regentschaft einsetzen. Gerücht­weise verlautet, daß der Entschluß des Königs durch Meinungsverschiedenheiten herbeigeführt worden wäre, welche sich zwischen ihm und dem Ministerium bezüg­lich der Angelegenheiten der Artillerie-Osficlere erhoben hätten.

Madrid, 11. Febr. Zorilla antwortete in der CorleS - Sitzung auf eine Anfrage Figmra's, daß die Lage eine schwierige sei. Der König habe am Sonn­abend seine Absicht, abzudanken, erklärt und bleibe auf de,selben trotz aller Br- mühungrn bestehen; er habe schließlich eine Frist von 24 Stunden verlangt und bemerkt, daß die Cortes ein Votum nicht eher Hervorrufen könnten, als bis die Abdankung als offictcll zu betrachten fei. Der König fordere die Republikaner auf, nichts zu überstürzen.

England.

Loudon, 8. Febr. Die Kohlenarbeiter in Südwales Haden zu einem be- Nächtlichen Theile die Arbeit wieder ausgenommen, nachdem das System der Doppelfchicht von ihnen angenommen worden ist und steht eine vollständige Been­digung de« Strikes in Kürze zu trwarten. Unweit Dunbar fand ein Zusam­menstoß zweier Eisenbahnzüge statt, bei welchem 9 Personen getövtet wurden.

Loudon, 10. Febr. Die Direktion der beiden transatlantischen Kabelge- seüschaften zeigt an, daß vom 1. Mai t. I. ab der Betrag der Telegraphiege­bühren für je ein Wort von 4 auf 3 Sh. herabgesetzt wird.

Amerika.

Newyork, 9. Febr. Der Präsident hat fich an den General Sheridan ge- Wender, um dessen Rath wegen Einnahme einer günstigeren militärischen Position > in der Nähe der Salzseestadt einzuholen; auch sind mehrere Truppenabtheilungen angewiesen worben, sich zum Abmarsch nach Urah bereit zu halten. Die Zei- tungsorgane Brigham Joung'ö predigen Muth und Standhaftigkeit und sind der Ansicht, daß, wenn nothwenbig, auch ein neues Martyrium ertragen werden müsse.

(Eingesandt.)

(21 u l a.)

3n No. 18 drS ,,Gießener Anzeigers" vom Mittwoch brn 22. Januar d. I. befindet fich ein Artikel mit »er Ueberfchrist (Eingesandt"), i« welche» ein Projekt bezüglich de« Platze« einer neu zu erbauende» Aula vorgeschlagen wird, da« den Einwohnern Gießen«, wegen seiner leichten und praktischen Ausführung zur Beachtung und sorgfältigen Prüfung ans« Wärmste empfohlen zu werde» verdient.

Folgende unparteiisch gehaltene Gründe und «in Blick auf den Plan von Gießen welcher dabei am weiften in Betracht kommt, möge am Beste» sür die Richtigkeit deS Project«, die Aula auf den vorgeschlagenen Platz zu bauen, sowie für den Werth die Aula durch Aufschluß dreier neuer Straßen mit dem Herzen der Stadt »u Verbinde», spreche».

Die neue Aula würde somit auf die Wiese», welche dem botanische» Garte» gegenüber jenseits der Schoor liegen zu stehe» komme», hierdurch eine luftige gesunde Lage mit prachtvoller Fernstcht in das Buseckrr Thal erhalten, mit der Stadt eng verbunden bleiben, und nicht toi« vorgeschlagen in der neuen Anlage einen beschränkten Platz ohne jede Aussicht erhalten.

Die Fortführung der Brandgasse fowie der Schloßzaffr nach der neuen Aula würde ein« Zierde der Stadt und mit geringen Mittel» herzustellen fein, indem zur Weiterführung der Brand gaffe nach der neue» Aula nur die Entfernung eine« Theile de« Rentamtsgebäude« hinreu chen würde.

Die Weiterführnnz der Schloßgaffe nach der neuen Aula würde auch mit geringen Kosten |u bewerkstelligen sein, da nur ein breit gewölbter Bogen, im vorderen Theil de« unteren Stocks de« von dem KreiSamt, dem Stadtgericht und der Polizeiverwaltung benutzten Kanzleigebäude« aufjusühren fein würde, gleich dem Biaduct am Neustädter Thore, mitten mit einem Bogen für Fuhrwerk und zu beiden kleine für Fußgänger. Die Hintere Seite des KanzleigebäudrS nach dem botanischen Garten ist offen.

Diese Art Straße» miteinander zu verbinde», findet nie» in anderen Städten dutzend­weise.

Wenn man dann noch die Sonnenstraße durch den botanischen Garte» weiter führt, so würde man au« allen Theilen der Stadt vermittelst dreier schönen graben Straßen nach der neuen Aula gelangen können und von da wieder zurück i» da« Herz der Stadt.

Ferner wär« dann zu empfehlen, daß das EntdindungSinstttut in die Nähe der neuen Aula verlegt würde, da e« schon der unmittelbaren Nähe der Kaserne in sittenpolizeilicher Hinsicht geboten erscheinen dürfte, und diese« um so mehr mit Leichtigkeit auszuführen wäre, weil dann diese« Gebäude zum Militärlazareth verwendet werden könnte, auch der Staat nicht nöthig hätte, ei» neues Lazareth zu bauen, in erster Linie aber schon deßwegen, weil wegen der Reinigung der Wäsche eine« solche» Institut« rc. die Wieseck als fließende« Wasser, dem zu viele» Zeiten im Jahr nicht fließende» Schoorgraben gegenüber den Vorzug erhalten müßtc.

Durch Verwirklichung diese« Project« wurden drei neue im Quadrat angelegte Straßen eröffnet und Baulustigen Gelegenheit geboten, mit sicherer Rentabilität zu bauen, weil wegen der Nähe der Caserne, dcS UniverfitätSgebäude«, des UniverfitätSgerichteS und de« Hof- und Stadt­gericht«, Wohnungen für Officiere, Professoren, Studirende, Gerichtsbeamt« )c. ec. stet« gesucht sein würden, und außerdem die Parterrerüume zu Geschäftsanlagen fich sicher rentiren würden und dann i» diesen neue» Straßen, welche mit dem Herzen der Stadt ganz eng verbünd;» wäre», ein reger Geschäftsverkehr sich bilden würde, und für da« Wohl der Stadt uud der Gerwerbtrei« benden ungleich besser gesorgt wäre, a!S wen» da- neue UniverfitätSgebäude auf den projrctirte» Platz in der neuen Anlage gestellt wurde.

Nimmt man nun den Stadtplan zur Hand, und unterwirft da« vorgefchlagene Project einer gründlichen Prüfung, so wird man zugeftehrn, daß der Vorschlag in allen seinen Theile» ohne große Schwierigkeiten und Kosten auözuführen, für die Stadt am vortheilhaftesten, für di« Universität am zweckmäßigsten und für die Stadtkasse am billigsten fich darbieten dürfte.

Die Musikalische Welt. Monatshefte ausgewählter Compo- sitionen unserer Zeit. Herausgegeben von Franz Abt & Clemens Schultze. Braunschweig, Henry Litolsf'ö Verlag. Februarheft, 1873.

Wiederum ein kostbares Schatzkästlein deutscher Kunst und Poesie erschließt sich in diesen vier Lieferungen, welche uns der Februar der ^Musikalischen Welt^ gebracht. Die reinste Lyrik für Herz und Seele, untermischt mit den Klängen epischer Liefe, spricht zu uns aus der

Ausgabe A, Clavierftücke, aus der sehnsuchtsvollen MelodieIn blauer Ferne" von A. Jungmann, aus dem lieblichenBlau Veilchen" von F. Behr, aus derRöoerie" von I. Arnoud und der Novellette im Balladentone" von C. Jos. Brambach, zu denen sich der reizendeWalzer^ von Cl. Schultze und das brillanteSalonstück" von G. A-Osborne als ein harmonische« Echo aus der Gesellschaft zugesellt- Daneben bringen aus

Ausgabe B und C, Lieder für hohe, resp. tiefe Stimme, einen duftigen Strauß von frisch erblühten Blumen des Herzens und der Liebe und führen uns vom ersten schüchternenBlumengruß" (C- Jos. Brambach) undFrühlings­lied" (F- Dupont) an, zu den seligen Gefilden derLiebesinsel" (I. B- Rongs) und bis zum jubelndenMein ist sie, mein!" (D- Krug.) Der sprglose Wunsch für die GeliebteMein Engel hüte dein" von O- Standke und das sinnigeBächleins Ab­schied" von W. Zizold, machen den Schluß; In Ausgabe C finden wir außerdem noch zwei für tiefe Stimme componirte Lieder, nämlichRuhelos" von C- E- Partsch (für Alt) undVerichlietz' dich nur" von A- Schulz (für Baß).

In Ausgabe D endlich finden sich einige der ebenerwähnten Nummern für Klavier und für Gesang in bester gemischter Auswahl wieder. Der Inhalt sämmtlicher Lieferungen aber zeichnet sich durch die Leichtigkeit und Faßlichkeit der Form noch ganz besonders aus, so daß er den Ansprüchen jeden Grades von Fertigkeit nach beiden Richtungen hin voll­ständig entspricht. . --------------- ''JSL'J.! ... " I»

Börsenberichte.

Frankfurt a. M., n. Februar. Wen» auch heute die Stimmung dec Börse mehrFestig. feit wie gestern zeigte, so war dach bezüglich de« Bekehr« noch keine wesentliche Aenderung ein­getreten und war derselbe ohne bemerkenöwertheö Anim». Bo» den Speculation-pupiere» zeigten sich Crcditactien, welche um 2</4 fl. höher blieben, von Aulagewerthen östrelch. Renten, Loose und Actien der östreich. Nationalbank am Meisten bevorzugt. StaatSbahu gestern 354 , schlos­sen 354 g, Lombarden 208, notlren heute 207. Von Bahnen Alföld und Buschtierader gefragt, andere ziemlich unverändert. Baper. Ostbahu etwa« anziehender. Prioritäten unbelebt, nur Lom­bardische gesucht. Bankwerthe in fester Haltung. Deutsche Cffectenbank, für welche unverändert gute Meinung herrscht, waren heute wieder sehr gesucht und nach Notirung«zelt zu IS1^, um s/tz Proc. besser wie gestern. Bei dem immer mehr prvSperirenden Geschäftsverkehr dieser Bank dürfte dieses Effect noch einer weiteren EourSsteigerung fähig sein. Ferner waren östreich.-deutsch« und Bankverein besser. Dagegen fielen Continental 1 Proc. Provinzial-DiSconto auch etwa« matter. Von Staatsfonds Silberrente fest zu G715/16 bi«/« Süddeutsche 5proc. Staatsfonds matter. Bon Loosen 60er und ungarische Loose beliebt und höher. Naab-Gratzer, welche vo» der letzten Loosehauffe nahezu unberührt blieben, dürften bei ihrem jetzigen Course (25) noch zu Anlagen zu empfehlen sein. Spanier zu 2 i«/16 gedruckt und offerirt auf die ungünstigen politi­schen Nachrichten a»S der spanischen Metropole. Bon Amerikanern 82er matter. Von Wechseln London besser. Goldcoupon« 2.2P/j, Currency 2.6/2, Spanische Coupons 2.4l/2, Silberrent« Coupons 24.14.

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