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* Dem „D- W. B." liegt eine Denkmünze vor, die einen unstreitig hohen Werth hat. Clemens XIV., der erleuchtete Papst, welcher (vor eben 100 Jahren) das berühmte Breve „Dominus ac Redemtor noster“ („Unser Herr und Heiland") am 21. Juli 1773 unterzeichnete und am 16. August 1773 publicirte, worin er den Jesuitenorden aus „Rücksichten für den Frieden der Kirche" und „für alle Zeiten" aufhob, hat zum Gedächtniß dessen eine Medaille
Literarisches.
In den Kreis der Hallberger'fchen großen Zeitungsunternehmungen ist eine neue getreten, die mit „Ueber Land und Meer" in engster Verbindung steht, die „Deutsche Romanbiblisthek", hcrausgegeben von F. W. Hackländer. Der überreiche Unterhaltungsstoff einerseits, der einem Blatte von dem Range von „Ueber Land und Meer" namentlich an Romanen zufließt, und der sich dieser Zeitschrift gar nicht einverleiben ließe, ohne die kleineren Essays und Artikel, welche dem Blatte Abwechslung und Reiz verleihen, zu erdrücken, und andererseits der Uebelstand, die großen Romane in gar zu viele kleine Theile zerstückeln und sie so durch halbe Jahrgänge und länger fortschleppen zu müssen, brachte Hallberger auf den Gedanken, für die großen Romane ein eigenes Journal zu gründen, das in engstem Zusammenhang mit „Ueber Land und Meer" stünde, dabei aber auch unabhängig davon käuflich fein sollte, während diesem letztem ?ie Novelle vorbehalten bliebe. Diesen glücklichen Gedanken sehen wir nun in der sehr elegant ausgestatteten und handlichen (in hoch 4" erscheinenden) „Roman bibliothek" verwirklicht, welche den Abonnenten von „Ueber Land und Meer" zu billigeren, aber auch den Nichtabonnenten noch immer zu einem sehr billigen Preise geliefert wird und in einem Jahrgang den Inhalt von 20 Bänden liefert- Wir begrüßen das hübsche, billige unb zeitgemäße Unternehmen als eine gewiß überall willkommene Erscheinung, die sich rasch in allen Kreisen heimisch machen wiid. •
Ereignisse, welche den allgemeinen Wohlstand zerrütten, den Bevölkerungszuwachs erheblich beeinträchtigen, einen interessanten Beleg liefern. Thatsachc ist cs nämlich, daß seit einem Jahrzehnt um die Pfingstzcit, wo aus rituellen Gründen die meisten Trauungen bei den Juden vorgenom- mcn werden, nicht so wenige Trauungen bei der israelitischen Gemeinde angemeldct waren wie Heuer: ja, drei Trauungen, welche für den vergangenen Sonntag angemeldet waren, wurden in Der letzten Stunde verschoben bis zur nächsten — Hausse. Ucbrigens sind auch die vom „Krach" verschont gebliebenen Mitgiften reicher Zionstöchter für dieselben noch keine Gewähr, an Mann zu kommen, da die „Herren Eltern" jetzt gegen die Solvenz und Ernährungsfähigkeit der jungen Männer aus den bisher so „beliebten" Branchen großes Mißtrauen hegen- Biele jugendliche „Bankdireetorcn," die jetzt, nach dem Ausspruche eines bekannten alten Bankiers, am besten daran thäten, nachträglich in der Handelsschule das zu lernen, was sie wissen sollten, um gute subalterne Bankbeamte zu werden, verschwinden vom Schauplatze; die Reihe der „begehrten" goldenen Bankicrssöhne ist stark gelichtet und die wenigen jüdischen Vertreter der gelehrten Berufskreise, annoch ledig, können der ungeheuren Nachfrage natürlich nicht Genüge leisten. Da wird jene in Israel stark vertretene Klasse von gewerbsmäßigen Ehevermittlern, welche man in Norddeutschlano poetisch als „Voten des Glückes" bezeichnet, jetzt schwere Arbeit haben. Auch auf die viclgerühmte jüdische Wohlthätigkeit hat der „Krach" eingewirkt. An den letzten Pfingst- fciertagen hat sich der unerhörte Fall ereignet, daß gar keine milden Gaben von den mit Dem Vorlescn der Thora beehrten Personen gespendet wurden, während sonst viele Hunderte, ja Tausende ex voto gegeben zu werden pstegten.
(?obu; ß. In den überaus lehrreichen unD interressanten „Denkwürdigkeiten aus den Papieren des Freiherrn Christian Friedrich v. Stockmar" (Braunschweig 1872) findet sich eine allerliebste AnekDotc von der jetzigen Kronprinzessin des deutschen Reiches. Einer der Sceretäre Des Prinzen Albert, Prätorius, zeichnete sich gerade nicht durch körperliche Schönheit aus. Die Königin Victoria las einst mit ihrer Tochter, der kleinen Prinzeß Victoria, die Bibell Sie kamen an die Stelle, wo es heißt: „Gott schuf den Menschen nach feinem Bilde, nach seinem BilDe schuf er ihn." Da rief die kleine, mit frühem Schönheitssinne begabte Prinzessin fragend aus: „Aber Mama, doch nicht den Dr. Prätorius?"
Loitz. Der „Oder-Zeitung" wird von hier telegraphirt: „Eben trifft die authentische Nachri cht ein, daß Anna Böckler im Scheunenfache zu Treuen, wahrscheinlich verunglückt, gefunden ist. Die Leiche war unkenntlich, da Katzen den Kopf zerfressen hatten.
Vermischtes.
Darmstadt. Der bekannte deutsch-katholische Prediger und Agitator Johannes Nonge hat seinen Wohnsitz von Frankfurt hierher verlegt.
Darmstadt. Am 3. Juni geriethen auf dem Dippelshof 2 Taglöhner in Streit, ‘ wobei der eine seinen Gegner mit einer Wagenrunge tobt schlug. Der Thäter wurde noch am! selben Tage verhaftet.
Grosi-G rau. Am hiesigen Landgericht schwebt gegenwärtig eine Untersuchung wegen eines Verbrechens des Kindesmords, in Trebur durch eine 15jährige Mutter verübt. Der Fall erregt großes Aufsehen.
Ex-Kronprinzen von Hannover benutzen möchten.
Wien, 9. Juni. Die außerordentliche japanesische Gesandtschaft hat heute dem Kaiser in feierlicher Audienz ihre Credilive überreicht. — Der De fraudant der Kreditanstalt, Pokorny, hat sich heute freiwillig der Behörde gestellt. Bei demselben sind ungefähr 10,000 st. vorgefunden worden.
Jniutiieicfj.
Paris, 6. Juni. Nach der „Presse" war Graf Arnim gestern bei Mac Mahon und theilte ihm mit, daß er dem Empfange nicht anwohnen könne, da er die Beglaubigungsschreiben noch nicht erhalten habe. Zu dem nächsten Em-
da der neue Pfarrer 1800 st. bezieht, während früher nur 400 fl. für die i Verrichtung der geistlichen Functionen vergütet wurden. (Fr. Journ.)
Darmstadt, 10. Juni. Im Wintersemester 1872/73 betrug die Ge- ' sammtfrequenz des hiesigen Polytechnikums 196; davon waren als ordentliche Studirende immatriculirt: a) allgemeine Schule 56, b) Bauschule 20, c) Ingenieurschule 58, d) Maschinenbauschule 11, e) Chemischtechnische Schule 7, dazu noch 44 Hospitanten in verschiedenen Abtheilungen. — Daß gestern am Geburtstag des Großherzogs die katholische Kirche in demonstrativer Weise nicht geflaggt, erregt allgemeines Aufsehen. Ein Gleiches war auch am Geburtstage des deutschen Kaisers der Fall.
Berlin, 7. Juni. Der Minister des Innern hat sämmtlichen Ober- Präsidenten ein Rundschreiben zugehen lassen, Inhalts dessen die Prügelstrafe auch gegen Arbeitshausgefangene ganz unzulässig ist und dieselbe daher auch in denjenigen ständischen Corrections-Anstalten, in welchen sie etwa verhängt worden, in Zukunft unterbleibt.
Danzig, 9. Juni. Von den polnischen Flößern sind der „Danz. Ztg." zufolge 6 an der Cholera gestorben, 4 noch in ärztlicher Behandlung.
Frankfurt, 10. Juni. Die „Franks. Ztg." von heute enthält am Schlüsse ihres politischen Theils folgende lakonische Erklärung:
„Der Unterzeichnete hat am 31. Mai die Chef-Redaction der „Franks. Ztg." niedergelegt und wird am 15. Juli d. I. ganz aus der Redaction dieses Blattes ausscheiden. Carl Volckhausen."
Mannheim, 6. Juni. Friedrich Hecker hielt sich nur wenige Tage hier auf, besichtigte die großen äußeren Veränderungen, welche die Stadt im letzten Vierteljahrhundert erfahren, besuchte mit vieler Pietät eine Anzahl der ältesten hiesigen Bürger und die Wittwen seiner Freunde, und reiste dann wieder ab, ohne eine Einladung zu einer öffentlichen Feier angenommen zu haben. Er hat daran offenbar sehr gut gethan, denn da sich an die Freunde, mit welchen er stets in Beziehung geblieben, anläßlich seiner Ankunft Elemente herandrängten, mit deren Auffassung Hecker gewiß nichts gemein hat, so hätte irgend eine öffentliche Kundgebung wahrscheinlich Mißhelligkeiten im Gefolge gehabt. Das Geplänkel zwischen den Parteien, das sich zuerst in analytischen Auszügen aus seinen Schriften kundgab, wird noch immer fortgesetzt. Gestern apostro phirte der „Anzeiger" Hecker's Genossen von 1848:
„Ach, daß sie nicht wie dieser Bravste waren! Sie konnten Blut und Eisen uns ersparen."
angebliche Manifest der Kaiserin für falsch.
Paris, 7. Juni. Arnim hat heute seine neuen Beglaubigungsschreiben überreicht.
— In Lyon waren seit zwei Jahren Frohnleichnams - Processionen au den Straßen verboten; dieses Jahr werden sie abgehalten werden. In Marseille verbot der Maire die Processionen; General Espivent und der Präfect gaben jedoch die Erlaubniß Trotz des Drängens des Erzbischofs hat die Regierung noch nicht die Erlaubniß für Paris ertheilt.
Morgen wohnt Mac Mahon dem Wettrennen an. Die Heerschau soll, wenn gute. Wetter, am Dienstag auf der Ebene von Satory stattfiuden. — Der Prinz Napoleon begibt sich nach Corsica, wo er sich als Abgeordneter wählen lassen will. Graf Beust, der noch hier ist, hatte lange Con- ferenzen mit Thiers; er war nur einmal bei Mac Mahon Er reist von hier nach Wien.
Einer dieser Genossen replicirt darauf heute:
„Eisen und Blut, das brauchen wir noch Heuer, Denn jetzt gibt's noch, wie damals, viele feige Schreier!"
UcfleiTeidj.
pfange werde er jedoch erscheinen.
— Rochefort wird Ende Juli nach Neu Caledonien abgehen.
— Gontaut-Biron wird dieser Tage in Paris erwartet.
- Der Ordre" erklärt das von der „Pall Mall Gazette"
Wien, 5. Juni. Gestern erzeigte der Kaiser von Rußland, von großen Revue kommend, dem Botschafter des Deutschen Reiches die Ehre eines Besuches. Derselbe dauerte zwei Stunden, was bei den Ansprüchen, die an den Czaren und die ihm zur Verfügung stehende Zeit gemacht werden, in der That sehr, fast auffallend viel ist. Man thut daher vielleicht nicht Unrecht, darin einen Wink an die Adresse jener wölfischen Streblinge zu erblicken, welche die Anwesenheit des Kaisers von Rußland gern zu einer Annäherung an den
Sauerstoff, D;o t rmd Stickstoff,
als wichtige Heilmittel, von Dr. med. Jochheim in Darmstadt.
Schon seit einer Reihe von Jahren habe ich den Einfluß, welchen die athembaren Gasarten auf den gesunden und kranken menschlichen Organismus ausüben, einer genauen Untersuchung unterworfen und dadurch die außerordentliche Wirksamkeit einzelner Gasarten bei curmäßiger Anwendung in vielen Krankheitszuständen so erprobt*), daß ich dieselben seit einigen Jahren mit dem entschiedensten Nutzen bei vielen 'Krankheiten anwende.
Die Gase, welche ich besonders zur Anwendung bringe, sind: Sauerstoffgas, Ozon und Stickstoffgas.
Es sind dies so wichtige Heilmittel, daß sie in ihrer Wirksamkeit gegen viele Krankheitszustände von keinem anderen Arzneimittel erreicht werden. Dabei ist die Schnelligkeit ihrer Wirkung oft ganz erstaunlich, denn ihre gasförmige Beschaffenheit befähigt sie bei jedemAthemzuge ganzdirect m die Lungen und in das Blut zu gelangen, während alle anderen Arzneimittel, um dahin zu kommen, erst den großen und zeitraubenden Umweg durch die Verdauungsorgane machen müssen.
Die Anwendung dieser Gase geschieht therls in einem kleinen, nur zur bequemen Aufnahme von 1—2 Personen eingerichteten Gascabinet, theils in einem größeren Gas-Inh al ationszimmm er. Sie macht bei den meisten Krankheiten den Gebrauch der Mineralquellen und climatischen Curorte entbehrlich, da die Qualität der Athemluft, ihre Feuchtigkeit und Temperatur, nach individuellen Bedürfnissen, ganz beliebig abgeändert werden kann.
Die Cur kann zu jeder Jahreszeit stattfinden.
Die Dauer des Aufenthaltes im Inhalativnsraum währt durchschnittlich 2 Stunden täglich. Die Unterbrechung der Inhalation ist jeden Augenblick möglich, da jede nur in Gegenwart eines Sachverständigen stattfindet.
*> Jochheim: Die chronische Lungenschwindsucht ist heilbar. Darmstadt 1865, bei O II weil er.
: Die Wirkungweise der respirablen Gasarten. Erlangen 1872, bei F- Enke. '
Hofprediger Bender, der, obwohl auf dem Standpunkt des entschiedenen Alt- Lutherthums stehend, doch durch seine Toleranz auch Diejenigen mit sich auszusöhnen vermochte, welche dieser kirchlichen Richtung nicht zugethan sind. Wie wir nun hören, ist, ohne daß ihm zuvor davon Mittheilung gemacht worden wäre, ein Geistlicher von noch weit strengerer Gläubigkeit an seine Stelle berufen worden, und erst als die Ernennung vollzogen, soll Herr Dender'von der ^en Seite trägt sie das Brustbild Ganganellt s mit Der Umschrift „Clemens XIV. Pontif. Max.“ • Thatsache mit dem Bemerken in Kenntnrß gesetzt worden sem, daß nut Rücklicht Papst hat die rechte Hand segnend erhoben. Auf der andern Seite vertreibt der Heiland, auf die Vergrößerung der Gemeinde die Berufung eines eigenen Pfarrers gefolgt von zwei Aposteln, unter denen Petrus an dem großen Schlüssel kenntlich gemacht ist, B dürsnib fei. Durch diesen Vorgang ist zugleich dargethan, daß Diejenigen:»-«>,»it« »et „G-Mch-ft J-M," w°s dt° Umlchrift «läui-rt: „Numquam Novi Vos, di- £ «X ; 4- fi V v.tLrAo Alf? nprmönpnölnä mnehen scedlte a me omnes (Ich habe Euch nie gekannt, weichet von mir). Die Denkmünze tragt
falsch unterrichtet sind, we^lche^das Dtacomstenyaus^ als vermögenslos ansehew al)-0 bic Jahreszahl der Aufhebung des Ordens: 1773. Es wäre erwünscht, wenn zur Säeu- larfeier die beiden Seiten der Medaille photographisch abgebildet und zu allgemeiner Kenntniß- nahme gebracht würden; an Abnehmern der Photographie dürfte es nicht fehlen, da die Freunde des Ordens zahlreich, die Verehrer des Papstes, der aus Rücksicht auf den Frieden der Kirche ihn für alle Zeiten aufhob unD sodann erkrankte und hinsiechte, noch weit zahlreicher sind.
Wien. Der Börsenkrach macht sich nicht nur in den Kreisen bemerkbar, welche der Börse nahestehen, sondern nachgerade auch in Regionen, welche man seiner Einwirkung entrückt glauben sollte. So wird der „Krach" von 1873 in den statistischen Tabellen der Wiener israelitischen Gemeinde verewigt bleiben und für das statistische Gesetz, daß Mißernten und Elemenrar-
ichlagen lassen. Sie ist selten. Vielfach aufgekauft und vernichtet oder bei Seite gebracht, wird sie nur in verhältnißmäßig wenigen und um so kostbareren Eremplaren aufbewahrt. Auf der -
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