am
_ . . w . • Die Truppen und Freiwilligen
hatten 6 Tobte und 26 Verwundete. Die Carlisten beschleunigten ihre Flucht, als von San Felin ihnen noch eine Abtheilung unter dem Obersten Marti und einem Bruder des unlängst gefallenen Brigadiers Cabrinery entgegenkam. — Von Zeit zu Zeit taucht das Gerücht auf, Cabrera wolle nach Spanien, um für Don Carlos das Schwert zu ziehen. Es hat sich nie bestätigt und wird sich auch wohl nie bestätigen; dennoch wird es noch mehr wie einmal in die Welt gesetzt werden, weil der Name Ramon Cabrera einen Zauber auf die carlistisch gesinnte Bevölkerung ausübt, deren ältere Generation sich der Thaten jenes Generals in dem großen Carlisten Kriege erinnert. Zumal im Maestrazgo, welches sich jetzt unerwartet still verhält, winde Cabrera's Auftreten der Sache Don Carlos' äußerst förderlich sein. Daher die carlistischen Blätter nicht müde werden, seine bevorstehende Ankunft anzuzeigen. Der alte Haudegen aber hält sich während dessen ruhig in London oder auch in Wiesbaden auf; er, will mit dein Pfaffenkram nichts zu thun haben.
Madrid, 3. Anguft. Ueber die Einnahme von Sevilla und die Schand- thaten, welche die Aufrührer noch in den letzten Augenblicken des Kampfes verübt haben, berichtet ein Telegramm, welches der Minister des Innern in der Kammer verlas : „Der 29. Juli war ein Tag der Trauer, ganze Häuserviertel brannten in Petroleumflammen. Alles jetzt vorüber. Der Gouverneur hat Besitz ergriffen. Die verbrannten Häuser gehören meist zum Stadttheile San Bartoloms, Straße de Encisos unb Santa Maria la Bianca. Der Palast Altamira und fünf anstoßende Häuser in einen Aschenhaufen verwandelt. Bis
Gastein, 5. August. Der Deutsche Kaiser ist heute Abend hier eingetroffen und von den äußerst zahlreich versammelten Badegästen aufs Herzlichste empfangen worden. Der Minister-Präsident Fürst Auersperg, Graf Moltke und der russische General Graf Adlersberg empfingen den Kaiser auf der Schloßtreppe. Der Ort ist beflaggt.
Frankreich.
konnte.
Berlin, 6. August. Die „Nordd. Allg. Zrg." schreibt in Anknüpfung ■ an die Abberufung des Capitäns Werner: Das bisherige Verhalten desselben ' habe nicht die Genehmigung der Regierung gefunden. Nunmehr werde die Rück- ' kehr und bereits angeordnete Verantwortung desselben abzuwarten sein. Der ' neue Commandant des Geschwaders in den spanischen Gewässern treffe etwa 1 am 12. d. Mts. in Gibraltar ein. Die für die Haltung des Geschwaders maßgebenden Grundsätze bleiben selbstverständlich unverändert. Die Aufgabe des Geschwaders sei, unter Vermeidung jeder Einmischung in die inneren Kämpfe Spaniens lediglich für den Schutz des Lebens und Eigcnthums der dortigen Deutschen zu sorgen.
Posen, 5. August. Am Sonntage wurde, dem Vernehmen nach, in Filehne den durch den Landrath zusammenberufenen Mitgliedern der dortigen katholischen Gemeinde eine amtliche Bekanntmachung vorgelesen, in welcher dem ohne staatliche Zustimmung durch den Erzbischof Ledochowski zum dortigen Probst ernannten Geistlichen Arndt die Befugniß, kirchliche Handlungen zu verrichten, abgesprochen, dieselben als ungiltig und strafbar bezeichnet und die Gemeinde-Mitglieder gewarnt werden, ihn zur Verrichtung von Messen und Taufen zuzuziehen.
Dresden, 6. August, Mittags. Laut einem soeben aus Pillnitz eingetroffenen Bulletin hat der König ruhig geschlafen und ist die Mattigkeit geringer.
Aus Thüringen, 1. August. Die Landwirthe in Thüringen sehen während der jetzigen Erndtezeit bei dem äußerst bedenklichen Mangel an ländlichen Arbeitern, die oft selbst für theure Arbeitspreise kaum herbeizuschaffen sind, mit großem Neid auf das benachbarte Baiern. Dort sind jetzt an 30 bis 40 Soldaten per Compagnie, lauter frische, kräftige Männer, auf einige Wochen beurlaubt, um bei der Erndtearbeit zu helfen, während hier bei den thüringischen Regimentern gar keine Beurlaubungen stattfinden oder höchstens aus besonderer persönlicher Gefälligkeit ein Hauptmann einige Mann auf wenige Tage freigibt. Bei der jetzigen Zeiteintheilung in der preußischen Armee kann die so dringend allgemein gewünschte und wirklich oft unumgänglich noth- wendige zahlreichere Beurlaubung von Soldaten, um bei den Erndtearbeiten zu helfen, auch kaum stattfinden. Von Mitte Juli bis Mitte August geschehen die Uebungsmärsche und Schießübungen, von Mitte August bis Mitte September aber die Regiments-, Brigade- und Divisions-Uebungen, und so sind diese acht Wochen gerade die wichtigsten für die ganze militärische Ausbildung der Soldaten Und doch könnte hierin bei gutem Willen der obersten Militärbehörden leicht eine Aenderung eintreten. Jetzt werden die Recruten der Infanterie gewöhnlich am 1. November eingestellt und die Ausgebildeten dafür am 15. September auf unbestimmten Urlaub oder zur Reserve entlassen. Wenn nun alle Recruten statt am 1. November in Zukunft am 1. October eingestellt würden, so könnte die Zeiteintheilung so getroffen werden, daß die allgemeine Beurlaubung und Entlassung schon zum 1. August geschehe, wodurch den Erndtearbeiten noch eine Menge kräftiger Arme zugeführt würden. Den ©olbaten, die vom Lande kommen, würde aber ein großer Gefallen erwiesen, wenn sie in
Zukunft schon am L October statt am 1. November eingestellt und dafür 1. August entlassen würden.
Straßburg, 5. August. Heute ist die vorletzte Theilzablung Kriegsentschädigung mit 116 Millionen in Gold, Silber und Wechseln eingetroffen. — Klein hat die Wahl im Canton Lützelstein angenommen.
XJcIleiieidj.
Sau Nicolas erstreckte sich das Feuer. Einige Häuser an der Barrikade und andere in der Straße del Candilejo wurden von den Rebellen geplündert. Der Alcazar, das Consulat und die Kathedrale haben nicht gelitten. Stadtviertel de la Carne und benachbarte Gebäude zwischen den Thoren de la Carne und del Oratorio in Brand." Ein anderes Telegramm meldet: „Die Brände sind gelöscht. Den Rebellen wurden 70 Kanonen abgenommen. General Pavia hielt einen glänzenden Einzug an der Spitze der Truppen, von dem Volke jubelnd begrüßt." Die Angabe, daß der Kampf 800 Verluste herbeigeführt habe (wohl Todte, Verwundete und Gefangene zusammengerechnet), ist wahrscheinlich übertrieben. In den Cortes gab sich die größte Erbitterung gegen die Brandstifter und zumal gegen den General Pierrad, den leider entkommenen Rädelsführer in Sevilla, kund. Selbst ein Mitglied der äußersten Linken, der Abgeordnete Payela, machte seinen Gefühlen in der charakteristischen Aufforderung Luft, es möge doch Jemand aufstehen, den General Pierrad zu ver- theidigen, damit er dem Elenden die Zunge ausreiße.
Madrid, 5. August. Die Insurgenten von Cadix sind gänzlich demo- ralisirt. Dieselben verhafteten gestern mehrere reiche Personen, um ein Lösegeld zu erpressen. Die Artillerie verließ darauf die Insurgenten. Die Junta legte die Gewalt in die Hände des Consularcorps, welches Rances zum Präsidenten der provisorischeu Junta ernannte. Rances zeigte der Madrider Regierung an, daß er den Posten nur annehme, um zu verhindern, daß ausländische Schiffe Truppen an das Land setzen. General Pavia hält heute Nachmittag seinen Einmarsch in Cadix. Die Insurgenten in Valencia ersckossen die Mitglieder der Junta, welche von Uebergabe sprachen.
Madrid, 5. August, Abends. Die Energie der Negierung ruft einen günstigen Eindruck auf dem Lande und in der Armee hervor. Der Fall Valencias wird heute erwartet. Die Insurgenten in Cartagena sind uneinig. Nach der Unterdrückung der Insurgenten wird die Regierung energisch gegen die Carlisten vorgehen.
Holsen. Als recht wirksam hat sich die Bestellung eines besondern Reichs-sunter Zurücklassung von 38 Todten und vielen Waffen und Vorräthen; die Commissars für das Auswanderungswesen gezeigt, und als ein weiterer sör-^Zahl ihrer Verwundeten soll sehr groß sein. D' ~ ... -
dernder Umstand erwies sich die fast ausschließliche Benutzung der Dampfschiffe ' “ «■ — " c ' "
zur Beförderung der Auswanderer. Die erwähnten Verhandlungen mit der amerikanischen Regierung waren namentlich dadurch in's Stocken gerathen, daß man sich über die Competenz der zustehenden Gerichtsbehörden nicht einigen
fjolTanO.
Haag, 6. August. Die Commission zur Prüfung der Münzfrage erstattete dem Könige einen neuen Bericht, worin in Anbetracht der Annahme der Goldwährung in Deutschland für Holland ebenfalls die Einführung der reinen Goldwährung empfohlen wird.
Schweden und Norwegen.
Christiania, 5. August. Der Kronprinz des Deutschen Reichs traf heute Mittag mit seinem Gefolge nach guter Ueberfahrt an Bord der „Grille" und unter Escorte des kaiserlich deutschen Geschwaders hier ein und wurde am Landungsplätze vom König Oscar empfangen.
der hier
Paris, 4. August. Gestern wurden in Nantes die zwei republikanischen Candidaten mit ungeheurer Mehrheit gegen die Coalitions-Candidaten zu Gene- ralräthen gewählt.
— Der Patriote Savoisien wurde wegen Diffamation des Pfarrers von Lamotte zu 10 Tagen Gefängniß, WO Franken Geldstrafe und 500 Franken Schadenersatz verurtheilt.
— Der Erzbischof von Lyon hat eine große Wallfahrt nach Notre Dame de Fourvier für den 8. September ausgeschrieben.
— Ein vertrauliches Circular Beuw's ertheilt den Präfecten Instructionen für Reisen republikanischer Deputirter in der Provinz; sie sollen Privatversammlungen größtmöglichste Hindernisse in den Weg legen.
Paris, 6. August. Der „Soleil", das Journal der Orleanisten, bestätigt, daß der Graf v. Paris dem Grasen Chambord gestern einen Besuch abgestattet hat. — Gestern Abend zogen französische Truppen in Nancy ein und wurden enthusiastisch empfangen.
Spanien.
Madrid. Die föderativ-republikanische Negierung in Spanien hat endlich einmal einen erheblichen Vortheil über die Carlisten errungen und zwar in Catalonien. Die Stadt Calais de Montbuy wurde am 30. v. Mts. von den Carlisten unter Moret angegriffen und zwar, wie eine Depesche des Richters von Granollers sagt, mit 4000 Mann, welche Ziffer vielleicht etwas zu hoch gegriffen sein wird. Die Freiwilligen des Ortes, denen sich alle Liberalen, die Waffen aufzutreiben vermochten, anschlossen, leisteten zähen Widerstand, und als eine Truppen-Abtheilung aus Granollers zu ihrer Verstärkung kam, wurde die Rolle des Angreifers vertauscht und die Carlisten ergriffen die Flucht
Lokal-Notiz.
Beschlüsse
aus den Sitzungen des Gemeinderaths vom 17. und 24. Juli 1873.
Anwesend waren: der Großh. Bürgermeister Vogt, die Gemetnderathsmitglteder Bücking Dtery, Felsing, Gail, Haustein, Heß, Homberger, Keller, Körber, Lüdektng, Nagel, Noll, Ricker Silberreisen, Wallenfels und Wenzel.
1. Zwei Gesuche um Bewilligung von Freistellen in der Realschule wurden mit Rücksicht auf die desfallsigen Bestimmungen abgeschlagen.
2. Das Großh. Landwehrbezirks-Commando hatte sich an den Gemeinderath gewendet und um Ueberlassung des linksseitigen, der Stadt gehörigen Wachthauscs am Wallthor zu Büreaus re. gebeten, weil das gegenwärtige Lokal geräumt werden müsse. Auf die hierauf ertheilte Antwort, daß der gewünschte Raum von der Stadt vcrmiethet sei und erst am 15. Juni k. I. frei werde, ist um ein anderes Lokal nachgesucht worden. Hierfür geeignete Räume sind in den städtischen Gebäuden überhaupt nicht vorhanden, bevor der Gemeinderath aber auf das wiederholte Gesuch eine Entschließung faßt, will er unterrichtet fein, ob eine gesetzliche Verpflichtung der Stadt zur Stellung solcher Räume besteht und mit Prüfung dieser Frage wurde das Gcmeinderathsmitglied Herr Diery betraut.
3. Die Räume des Schulhauses am Oswald's Berg haben sich als nicht mehr ausreichend erwiesen und um dem Bedürfnis; zu genügen, wurde schon früher die Erweiterung desselben durck einen Anbau sowie die Anfertigung des nöthigen Plans beschlossen. Das hierauf vom Stadtbaumcister gefertigte Project kam zur Vorlage, es wurde gebilligt und die Ausführung der Arbeiten nach demselben angenommen.
4. Der vom Großh. Ministerium des Innern dem Gemeinderath zur Erklärung mitge- tf)eilte Antrag in der zweiten Kammer, auf Aufhebung des Oetrois, wurde an den Finanzausschuß verwiesen.
5. Zur Bezahlung der Deservitenrechnung in der durch Vergleich erledigten Rechtssache der Stadt gegen die Wittwe und Erben des Theodor Lotz, wegen Abtretung von Gelände, wurden die nöthigen Mittel zu Lasten der Ueberschüsie des Jahres 1873 bewilligt.
6 Durch die Bestellung des Polizeidieners Schmidt als Rathsdiener ist die Annahme eines anderen Polizeidieners nöthig geworden und von den aufgetretenen Bewerbern wurde der Schutzmann Emil Bärrn erwählt. Für die durch diese Wahl frei gewordene Stelle eines Schutzmannes wurde der Schuhmacher Karl Klingelmeyer angenommen.


