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Donnerstag den 7. Augnst

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ümliicher Theis.

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Gießen, am 4. August 1873.

Betreffend: Die Voranschläge der Gemeinden des Kreises Gießen für 1874.

Das G r s ß h e r y u tj 11 dj e Kreisamt Gießen

an die Groscherzoglichen Bürgermeistereien.

Unter Bezugnahme auf die Instruction vom 25. November 1872 bringen wir die Stellung der Voranschläge für 1874 in Erinnerung und erwarten deren Einsendung bis spätestens 30. d. Mts.

Zugleich verweisen wir auf die zu den letzten Voranschlägen erhobenen Bemerkungen, beziehungsweise ertheilten Entschließungen und empfehlen Ihnen Beseitigung der deßfallsigen Desiderien, insbesondere auch genaue Beachtung der Bestimmungen des Gesetzes vom 22. November v. I. wegen Mitwirkung der Forensen, gegen welche im vorigen Jahr häustge Verstöße, namentlich darin bemerkbar waren, daß eine Stellvertretung des Vertreters der Forensen bei den Verhandlungen des Gemeinderaths zugelassen wurde, welche gesetzlich unstatthaft ist. , ,

Auch die Anordnung in §. 130 der Instruction, nach welcher die Controlgebühren für Gemeinderathsmitglieder unter Rubrik Nr. 105 m Ausgabe vorzusehen sind, werden Sie diesmal befolgen und überhaupt aus gründliche Ausarbeitung der Voranschläge Bedacht nehmen.

In Verhinderung des Kreisraths:

Spanier, Kreisassefsor.

Gießen, am 5. August 1873.

Betreffend: Unterha ltung der Feuerlöschgeräthschaften-

Das Großhcrzoglichc Kreisamt Gießen

an dir Grosther^ogUchrn Bürgermeistereien des Kreises.

Bei der gegenwärtigen Jahreszeit sind wir veranlaßt, Ihnen zu empfehlen, eine besondere Achtsamkeit darauf zu verwenden, daß die Feuerlöschgeräthe sich in vollkommen brauchbarem Zustande befinden und Ihnen namentlich eine alsbaldige sorgfältige Probirung aller Feuerspritzen zur Pflicht zu machen. Schäden, welche hierbei entdeckt werden, wollen Sie sofort repariren lassen.

I. V- d. K.:

Spanier, Kreisassessor.

Bekanntmachun g.

Nach Mittheilung des Commando's des Großherzoglich Hessischen II. Infanterie-Regiments Nr. 116 findet Freitag den 8. und Samstag den 9. August, Vormittags, das Prüfungsschießen, Dienstag den 12., Mittwoch den 13. und Donnerstag den 14. August das Belohnungs­schießen auf weite Distancen auf dem Schießplätze des Regiments statt, was hiermit unter dem Bemerken zur öffentlichen Kenntniß gebracht wird, daß an den genannten Tagen das Betreten des Terrains hinter den Schieß ständen gefährlich ist.

Gießen, den 6. August 1873. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Röder.

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politischer Lheis.

Deutschland.

Berlin, 3. August. Die hiesige Universität beging heute Mittag in gewohnter Weise den Jahrestag der Geburt ihres Stifters, König Friedrich Wilhelm's HL, durch eine Redefeier in ihrer großen Aula. Dem Herkommen gemäß, wie es sich seit 25 Jahren gebildet hat, hielt der zeitige Rector, Prof. Dr. Kneift, die Festrede in deutscher Sprache und gestaltete seinen Vortrag recht eigentlich zu einem Festvortrage, wie ihn ein Historiker von Fach über die Entwickelung des preußischen Staates nicht feiner und ausgeführter hätte geben können. Da die Rede, wie wir hören, sehr bald im Buchhandel er­scheint, so bedarf es keines weiteren Auszuges. Der Rede schloß sich, und zwar in lateinischer Sprache, das Urtheil der Fakultäten über die Preisauf­gaben an, welche sowohl von Staats als von Stadt wegen honorirt werden. Gesang eröffnete und schloß die Feier. Die Gesammtheit der ordentlichen Pro­fessoren der Universität hat vorgestern den Mathematiker Prof. Dr. Weierstraß zum Rector für das am 15. October 1873 beginnende Universitätsjahr gewählt, wobei hervorgehoben worden ist, daß der Gewählte Katholik ist. Es ist übri­gens nicht anzunehmen, daß dieses Motiv bei der Wahl leitend gewesen ist, da schon einmal, noch ehe sich die confessionellen Gegensätze so scharf zugespitzt hatten, ein Katholik Rector der Berliner Universität war. Von Michaelis 1828 bis dahin 1829 stand nämlich der damalige Professor der Jurisprudenz Dr. Klenze (ein Bruder des Münchener Vaukünstlers) der hiesigen Universität als Rector vor. Die philosophische Fakultät hat vorgestern Helmholtz zu ihrem Decan gewählt, die juristische Dernburg, obwohl derselbe erst ein halbes Jahr der hiesigen Universität angehört.

Berlin, 4. August" DieNordd. Allg. Ztg." urtheilt aus den neuesten spanischen Telegrammen, daß die Situation in Spanien eine erheblich verwickel- tere geworden sei; eine Ansicht, die sich wenigstens in Bezug auf die Stellung der Madrider Negierung böstreiten läßt. Dann fährt sie fort:Ungleich be­deutsamer als der Bnschklepperkrieg im Norden und die Wechselfälle des Bür­

gerkrieges im Südwesten, über welche der Telegraph berichtet, ist die Thatsache, daß die ausländischen Kriegsschiffe an der Südküste Spaniens sich neuerdings veranlaßt gesehen haben, in gemeinschaftlichem Einvernehmen gegen die Fahr­zeuge der murcianischen Insurgenten auszutreten. Mit dem Uebergange von Cartagena in die Hände der gegenwärtigen Machthaber dieser Festung sind denselben mehrere Kriegsschiffe zur Versügung anheimgefallen, die nun dazu benutzt werden sollen, um von den reicheren Hafenplätzen gewaltsam Contribu- tionen zu erpressen. Almeria ist zu diesem Zwecke von Schiffen aus Cartagena bombardirt und dabei neutrales Eigenthum zerstört worden Malaga, wo die Almansa zunächst eine Recoguoscirung vorgenommen zu haben scheint, sollte auf gleiche Weise zur Unterwerfung unter die Machthaber von Cartagena, Contre­ras und Consorten, gezwungen werden, und nach Malaga wären wohl noch andere Plätze an die Reihe gekommen, wenn nicht die Commandanten der fremden Geschwader (der Telegraph macht das deutsche, das englische und das französische namhaft) eine Art Intervention der Humanität hätten eintreten lassen und die Schiffe von Cartagena zur Heimkehr genöthigt hätten. Das Verfahren der Gewalthaber von Cartagena scheint ebenso sehr den Charakter gemeiner Erpressung angenommen zu haben, daß Vorsichtsmaßregeln unerläßlich erscheinen, wenn nicht schließlich die Interessen der namentlich in Malaga in größerer Anzahl ansässigen freniden Staatsbürger in empfindlichster Weise geschädigt werden sollten."

Berlin, 4. August. Nach hier eingelaufenen Nachrichten hat der Land­aufenthalt sehr günstig auf das Befinden des Fürsten Bismarck gewirkt. Der Fürst hat, wie man hört, sich einem Theil seiner Arbeiten wieder zugewandt. Um die Mitte d. Mts. wird der Geh. Legationsrath Bucher in Varzin erwartet Zu­gleich heißt es, Fürst Bismarck werde bei der Enthüllung des Siegesdenkmals am 2. k. Mts. in Berlin anwesend sein. Vor Jahresfrist etwa war mehrfach die Rede von Verhandlungen zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten von Nordamerika wegen Abschluffes eines Vertrages zum Schutze der deutschen Auswanderer. Diese Verhandlungen sind als im Sande verlausen zu betrach­ten. Doch ist durch kräftige Maßregeln der deutschen Regierung möglichst ge-