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dem regierenden Großherzog die Gesuche nebst Bericht zur allergnädigsten Aus­wahl und Genehmigung vor.

Nähere Bestimmung: Das Stipendium kann bis zu drei Jahren, aber nicht länger, vertheilt werden.

Antheil an dieser Stiftung haben nur die Gemeinden, welche Beiträge dazu geleistet haben.

Darmstadt, den 17. Juni 1873.

Darmstadt, 4. Juli. Der Paläontologe Kanp ist heute am Typhus Hierselbst gestorben.

j- Darmstadt, 7. Juli. Das Vorgefecht in der Universitätsdebatte hat heute stattgefunden. Zu Anfang der Sitzung wurde der Protest des Senates der Universität unter lautloser Stille des Hauses durch das Secretariat ver­lesen. Abg. Metz erklärte, er behalte sich jedes Wort der Erwiderung auf dies unerhörte Aktenstück" für die betr. Budgetposition vor. Von vornherein aber muffe er rügen, daß der Finanzausschuß für Zeitungsartikel verantwortlich ge- macht und die Person des Berichterstatters in ungerechtfertigter Weise von dem Ausschuß getrennt sei. Der Abg. Oncken erwidert sofort, das Erstere sei keineswegs geschehen. Gerügt sei vielmehr, daß der Ausschuß den Inhalt von Zeitungsangriffen amtlich wiederholt habe, die schon auf dem Wege der Presse insbesondere durch Prof. Hoffmann schlagend widerlegt worden seien. Auf solche mit Namensunterschrist erfolgte Berichtigungen hätte die Universität Rück- sichtsnahme erwarten dürfen. Auf den zweiten Punkt erwidert er: Ueber die Abfassung der Ausschußberichte gebe es keine Bestimmung, welche irgend eine Bürgschaft für die Gesammtverantwortlichkeit des Ausschusses für jedes einzelne Wort in dem Berichte gewähre, vielmehr sei der Artikel, welcher den Ausschuß schon bei drei anwesenden Mitgliedern beschlußfähig mache, das Gegentheil einer solchen Bürgschaft. Ferner sei es in dieser Kammer Brauch, den Bericht­erstatter für die Aufstellungen des Berichtes allein verantwortlich zu machen. So sei es am 5. März lö72 gewesen, als der Abg. Kraft für den Bericht, den er über Universität und Polytechnikum im Namen der Mehrheit des Aus­schusses erstattet, sowohl von der Kammer, als von der Großh. Regierung allein haftbar gemacht wurde. Aber, wenn auch dies nicht wäre, hätte der Berichterstatter für Alles aufzukommen, weil er der Bearbeiter des sachlichen Materials sei, auf dessen Grund der Ausschuß sich sein Urtheil bildet, weil er den Mitgliedern gegenüber, deren jedes sein besonderes Departement bearbeitet, gewissermaßen die technische Autorität sei, die auf die Auffassung des Aus­schusses einen maßgebenden Einfluß habe und haben müsse.

Redner hoffe, daß diese Ausführungen auf die unbefangenen Mitglieder des Hauses eines gewissen überzeugenden Eindrucks nicht verfehlt haben würden. Das Uebrige behalte auch er sich vor. Der Herr Ministerialdirector v- Starck erklärt, er halte für seine Pflicht, hiermit daran zu erinnern, daß er im Ausschuß den Herrn Berichterstatter gebeten habe, die Fassung seines Be­richts vor dem Druck zu moderiren. Abg. Metz entgegnet, er habe ja aber doch dem Ausschuß für seine Liberalität gedankt. Der Herr Ministerialdirector erwidert: Das widerspricht dem nicht, was ich eben gesagt habe. Der Abg. Königer behauptet, der ganze Ausschuß übernehme die Verantwortlichkeit für den Gesammtinhalt des Berichts. Damit schloß diese Vorverhandlung. Gegen die principielle Richtigkeit des Standpunkts, welchen der Protest gegenüber dem Berichterstatter eingenommen und den der Abg. Oncken vertheidigt hatte, hat also nichts gesagt werden können.

Berlin, 4. Juli. Aus Varzin ist demReichs-Anz." folgendes Schrer- ben von 3. Juli zur Veröffentlichung zugegangen:

Ich erhalte in Varzin noch immer täglich zahlreiche Gesuche und Zuwen­dungen privaten, halbamtlichen, literarischen Inhalts, in einer Form, welche Beantwortung voraussetzt. Wollte ich dieser Voraussetzung entsprechen, so würde der Zweck meiner aus Gesundheitsrücksichten erfolgten Beurlaubung verfehlt werden. Zur Verhütung von Mißverständnissen erkläre ich daher, daß ich zu meinem Bedauern außer Stande bin, direct oder indirect an mich gerichtete Schreiben oder Telegramme zu beantworten, so lange ich nicht nach Berlin zurückgekehrt sein und meine Geschäfte wieder übernommen haben werde.

' v. Bismarck.

Berlin, 6. Juli. In der Reichstagssitzung vom 9. v. Mtr. sprach der Reichskanzler bei der zweiten Lesung des Etatsgesetzes pro 1874 den Wunsch aus, es möchten nicht alle gaben mit Rom abgeschnitten werden, er möchte eine Fühlung, die im Augenblicke practisch erloschen, nicht vollständig zu den Todten werfen, es müßte ihm die Möglichkeit bleiben, zu geeigneter Zeit eine Annäherung wieder zu versuchen. Seitdem zerbricht man sich vielfach den Kops darüber, welchen Zeitpunkt der Reichskanzler als den geeignetsten zur Annäherung wohl im Auge habe. Wie wir von unterrichteter Seite hier­über erfahren, hat der Reichskanzler augenblicklich die Idee, in Rom einen Deutschen Botschafter zu halten, bis znm Ableben Pius IX. aufgeben. Die Reichsregierung hält es auch für unmöglich, mit dem gegenwärtigen Papste eine Einigung über die Persönlichkeit zu erreichen und ist fest entschlossen, eine Neuordnung des Verhältnisses zwischen Staat und Kirche selbst herbeizuführen, d. h. dieses Verhältniß auf dem Wege der Gesetzgebung, also der Einigung zwische Regierung und Parlament zu ordnen und nicht auf dem Wege des Coucordats mit Rom. Dem mehrfach gewünschten vollständigen Abbruch eines geordneten diplomatischen Verkehrs für immer ist der Reichskanzler deshalb entgegen, weil demnächst Fälle eintreten können, in denen die Gesetzgebung au; Schwierigkeiten stößt, die sich durch eine Wiederanknüpfung des diplomatischen Verkehrs mit dem Papste leichter ebnen lassen würden. Es ist vor Allem zu berücksichtigen, daß bei der Regelung des Verhältnisses zwischen Staat und Kirche das Reich weit mehr mit der katholischen, als mit der evangeltschen Kirche sich auseinanderzusetzen hat.

öchmeiz.

Bern, 6. Juli. Der Genfer Große Rath hat auch in zweiter Lesung das neue katholische Cultusgesetz und zwar mit verschärfenden Zusätzen ange­nommen.

Frankreich.

Paris, 4. Juli. Das bonapartistische Gesindel, das den Thron Na- poleon's III. unterwühlt und den Erwählten der Millionen durch seinen diplo- matischen Schwindel und durch die frechen Maßregeln gegen die auswärtigen und Blätter dumm und blind gemacht hatte, schürt jetzt, wo es wieder in der das

Wolle zu sitzen meint, täglich bei der Regierung, die auswärtigen Zeitungen zu verbieten, welche kein Blatt vor den Mund nehmen, doch keineswegseinen wahrhaft verleumderischen Charakter gegen Frankreich haben," wieOrdre" sich auszudrücken beliebt» Früher waren es drei Blätter, die man auf dem Korn hatte, Times, Kölnische Zeitung und Allg. Zeitung; damit ist man nicht durchgedrungen, man bittet heute deshalb, wie derOrdre" sagt, blos um das Verbot vonzwei deutschen Blättern." Anstandshalber sollte man doch wenigstens bis zur Räumung warten. Aber freilich, man hat Eile, zu zeigen, daß die französische Regierung wieder aus dem nämlichen Wege ist, wie die napoleonische. Das Cabinet Broglie würde beschränkter und Mac Mahon thörichter handeln, als wir ihnen zutrauen, wenn sie sich von dem Vicekcnser und seinen Helfershelfern verleiten ließen, in auswärtigen Angelegenheiten die berüchtigte Praxis der Bonapartisten wieder anzuwenden.

Das Bündniß der Jesuiten mit den Bonapartisten tritt immer mehr zu Tage. Man wird das Cabinet Broglie stürzen, wenn es seine Schuldig­keit gethan, und den Marschall Schildwachsteher dazu, sobald der Augenblick günstig ist. Die Bonapartisten haben die größte Eile, zu etwas zu kommen; sie zahlen also auch den höchsten Preis für die Mitwirkung der Ultramontanen zur Erhebung des Patbenkindes von Pius IX., und im Gründe stehen ja auch die Venillot und Genossen nach Gesinnung und Richtung den Ronher u. s. w. ungleich näher als den Orleanisten, ja, als den Legitimisten, die es noch nie zu etwas Haltbarem gebracht haben. Es könnte geschehen, daß die Minister Broglie, Beule und Batbie an einem schönen Tage über Bord geworfen und durch Veuillotisten und Rouheristen ersetzt würden. Denn das jetzige Cabinet ist ein Gemisch heterogener Kräfte und keineswegs durch die gleiche Richtung solidarisch verbunden. Eben so hat Mac Mahon bisher nichts gethan, um die Welt glauben zu lassen, daß er mit Broglie zu stehen und zu fallen gedenke.

Paris, 5. Juli. General Manteuffel ist gestern in Belfort angekom­men. Die Reise hat auf die Räumung dieses Platzes Bezug. Die bayerische Garnison von Montmsdy beginnt mit der Räumung am 15. d. Mts.

Der oberste Handelsrath hat nach lebhafter Erörterung eine Steuer von 5 pCt auf Gew(be angenommen.

Franyais" versichert, das Kriegsgericht über Bazaine werde im September in Compiegne unter dem Vorsitze des Herzogs von Aumale zu- fammentreren.

Paris, 6. Juli. Ein von Belfort dem Jndustriel Alsacien geschrie­bener Brief enthält interessante Einzelheiten über die feit dem 27. Juni vor ich gehende Räumung dieses Platzes:

332 mit Munition und Kriegsmaterial beladene Eisenbahn-Wagen sind chon vor Abmarsch des ersten Detachements der Besatzungstruppen abgefahren. Die französischen Geschütze sind bereits nach Deutschland transportirt, und auf dem Lagerplatze längs der östlichen Seite des Bahnhofs liegen nur noch 3 oder 4 große alterchümliche Belagerungsgeschütze, 5 oder 6 gezogene Feldge­schütze, eine gewisse Anzahl Laffetten und einige Haufen volle oder hohle Ge- chosse. Zeughaus und Magazine werden geleert, die Vertheidignngswerke in Perches, Bellevue, im Basses abgetragen; endlich wird alles, was für die neuen Festungsbauten von Straßburg verwendet werden kann, mit der größten Sorgfalt weggeräumt, so daß am Ende dieses Monats nichts mehr Übrig bleibt, als Casernen in schlechtem Zustande, ganz geleertes Zeughaus, Maga­zine und Pulverthürme, eingesenkte Straßen, verlotterte Festungswerke, so wie ganz eingewühlte Vertheidigungsarbeiten auf den Anhöhen, welche von den mit der Landesvertheidigung betrauten Geniewesen bis zum Tage der Kriegs­erklärung so schnöde verlassen waren. Traurigen Herzens, aber mit der größ­ten Ruhe sieht unsere Einwohnerschaft dieser letzten Episode des Krieges zu. Einen Augenblick ließ sie sich vom freudigen Gefühle ob der endlichen Befreiung binreigen. Es gab einen triftigen Grund, um diese Kundgebung der öffentli­chen Meinung zu rechtfertigen': man hatte gehofft, daß der tüchtige Staats­mann, dessen Anstrengungen Belfort verdankt französisch zu bleiben, der Einla­dung zu einem Besuche bei dieser Gelegenheit Folge leisten würde. Seit dem 28. Mai ist diese Hoffnung geschwunden. Zwar hält man nicht jede Kundge­bung für den Tag, wo die französische Fahne wieder auf unfern Mauern flattert, für unmöglich; doch die erste Begeisterung ist erloschen. Die mit den zu treffende!. Maßnahmen betrauten Ausschüsse haben sich die öffentliche Stim­mung treffend zugeeignet und werden nur Das veranstalten, was unumgänglich nothwendig ist, um die ersten französischen Truppen, welche unsere Ruinen be­setzen sollen, so wie die Fremden, die uns an diesem Tage besuchen wollen, bescheiden zwar, aber mit Würde aufzunehmen.

Cherbourg, 6. Juli. Gestern Abend 9 Uhr ist der Schah von Per­sien auf der Rhede hier angekommen. Glänzende Illumination mit Feuerwerk begrüßte ihn. Heute früh kam er an's Land. Die Weiterreise nach Pari- er­folgt um 9 Uhr Vormittags.

Italien.

Rom, 6. Juli. Aus Triest wird geschrieben, daß dasebst, wie auch in Suez, heimliche Anwerbungen von zukünftigenSchlüssel-Soldaten" statifinden. Die Angeworbenen sollen den TitelSoldati della croce rossa (Soldaten des rothen Kreuzes) führen, weil jedes Mitglied beim Engagement ein rothes Kreuz erhält, welches es unter dem Rocke an der Herzgegend zu tragen verpflichtet ist. Sold beziehen diese Kreuzzügler noch nicht, wenngleich sieMarschbereit­schaft" haben. Dagegen haben sie die Verpflichtung, sich vor der Hand an allen Wallfahrten, die zu Gunsten desbedrängten" heiligen Vaters vorge- n.mmen werden, zu betheiligen, und sollen diese Wallfahrten alsMarsch­übungell" betrachtet werden. Uebrigens soll es diesen Kreuzzüglern freigestellt sein, sich nach Spanien einzuschiffen, um in die Schaaren Don Carlos's ein­zutreten, in welchem Falle sie zugleich Gage erhalten. Bisher hat sich jedoch Keiner hierzu entschlossen, obwohl bereits zwischen Görz und Triest zweihundert solcher Kreuzzügler engagirt sein sollen. Im Laufe des nächsten Monats soll [eine große Wallfahrt nach dem Monte Santo bei Görz stattfinden.

33eli]ien.

Brüssel, 7. Juli. Ranc und Cassagnac sind nebst Zeugen mit Degen Pistolen gestern Nachmiltag nach Luxemburg abgereist, wo heute Morgen Duell stattfindet.