Stimme der Geschichte mit Erfolg gesprochen. Das Deutsche Reich ist gegrun-j det. Eine neue Aera hat in unserem Lande nach dem Stur; eines verhaßten Systems begonnen Der Kamps mit den finsteren Mächten des Jesuitenthums und Ultramontanismus, den wir lange vereinzelt führten, ist von dem Reiche ausgenommen. .
Die Abgeordneten, denen wir für den Reichstag unsere Stimmen geben werden, müssen zu den Grundsätzen stehen, mit denen unsere Partei feit mehr als einem Jahrzehnt gekämpst und gesiegt hat. .
Der Ultramontanismus hat, von Anmaßung zu Anmaßung fortschreitend, offen dem Gesetz den Gehorsam aufgekündigt. Geleitet von auswärtigen Oberen, die kein Herz für unser Volk haben, sucht jene finstere Gewalt die Grundlagen unserer nationalen Existenz zu unterwühlen. Unsere Abgeordneten zum Reichstag müssen fest und unerschütterlich zu den Maßregeln stehen, welche dem Gesetz Nack asten Richtungen hin Geborjani verschaffen und den Staat unabhängig vor geistlichen Uebergriffen sicher stellen werden. Wir sind der Ueberzeugung, daß auf diesem zu lang vernachlässigten Gebiet alle Anstrengung gen vereinigt werden müssen, soll schweres Unheil von unserem Vaterland ab gewendet werden.
Mitbürger! Helft das Deutsche Reich, wie es glorreich gegründet wor det ist, nun auch gegen seine inneren Feinde schützen und schirmen und gebt demnächst Eure Stimmen den Kandidaten, welche sich zu Kaiser nick Reich, zu der Sacke der Freiheit auf Grundlage der Achtung vor dem Gesetze bekennen Dann werdet Ihr an Eurem Theil für die Wohlfahrt jedes Einzeliien und unseres tbeuren Vaterlandes gewirkt haben.
Mitbürger! Der gesährlichste Feind unseres Wahlsieges wäre Lauheit und Gleichgültigkeit. Wir weildeii uns an Euer Pflichtgefühl und Eure Batet landsliebe, "indem wir Euch zu mannhafter Thätigkeit für freisinnige und nationale Wahlen auffordern.
Berlin, 23. November. Das General-Postamt erläßt folgende Bekanntmachung :
Einführung des neuen Porto-Tarifs für Packet- und Werthsendungen. Ami. Januar 1874 tritt der neue Porto-Taris für Packet- und Werthsendungen in Kraft. 1) Das Porto für Packete bis 5 Kilogramm (10 Pfd.) einschließlich beträgt: auf Entfernungen bis 10 Meilen 272 Sgr., auf alle weiteren' Entfernungen 5 Sgr.; bei Packeten über 5 Kilogramm : für die ersten 5 Kilogramm die vorstehenden Sätze und für jedes weitere Kilogramm Vi bis 5 Sgr. je nach der Entfernung. 2) Das Porto für Briefe mit Werthangabe beträgt: auf Entfernungen bis 10 Meilen 2 Sgr., auf aste weiteren Entfernungen 4 Sgr. 3) Die Versichcrungsgebühr für Briefe und Packete nut Werthangabe " beträgt: V2 Sgr. für je WO Thlr. oder einen Theil von 100 Thlr., mindestens jedoch 1 Sgr. 4) Für die als Sperrgut anzusehenden Packete wird das Porto um die Hälfte erhöht. Als Sperrgut gelten alle Packete, welche in irgend einer Dimension 1 ’/2 Meter überschreiten ; oder welche in einer Dimension 1 Meter, in einer andern 1/2 Meter überschreiten und dabei weniger als 10 Kilogramm wiegen; oder welche bei der Verladung einen unverhältnißmäßig großen Raum in Auspruch nehmen, bezw. eine besonders sorgsame Behandlung erfordern, z. B- Körbe mit Pflanzen und Gesträuchen, Hutschachteln oder Cartons in Holzgestell, Möbel, Korbgeflechte (Blumentische, Kinderwagen) u. s. w. 5) Bei Packeten bis 5 Kilogramm und bei Briefen mit Werthangabe wird im Nichtfrankirungsfalle das Porto um 1 Sgr. erhöht. Es ist dringend wünschenswerth, daß künftig auch bei den Packet- und Werthsendungen, gleichwie dies bereits bei den Briefen der Fall ist, die Frankirung die Regel bilde. Der Tarif für Sendungen bis 5 Kilogramm lind für Werth- triefe ist so einfach, daß die Absender das Porto dafür mit Leichtigkeit selbst berechnen und die Sendungen bereits mit Freimarken frankirt, einliefern können. Ein Verzeichniß der im Umkreise von 10 Meilen liegenden Postorte ist bei jeder Postanstalt ausgchängt. 6) Der neue Tarif gilt im gesammten deut scheu Verkehr des Reichs-Postgcbiets, und findet auch auf die Sendungen nach und aus fremden Ländern bezüglich der auf deutschem Gebiete zurückzulegeuden Strecken gleichmäßig Anwendung, mit vorläufiger Ausnahme jedoch der im Verkehr mit Oesterreich-Ungarn oder darüber hinaus vorkommeuden Sendungen.
Kaiserliches General-Postamt.
Berlin, 2. December. Kaiser Wilhelm richtete der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge ein eigenhändiges Schreiben an Kaiser Franz zu dessen Negierungs-Jubiläum. Die Kaiserin ertheilte dem Grasen Karolyi Audienz, um die Glückwünsche beider Majestäten zum Jubiläum mündlich auszusprecheu. Graf Karolyi empfing ferner den Besuch deS Kronprinzen und der übrigen Prinzen des königlichen Hauses, sowie einiger Mitglieder des diplomatischen Corps.
Berlin, 2. December. Aus der Provinz Posen Bringen einige Blätter schwarzmalende Correspondenzen, in denen u. A. gesägt wird, daß die Erregtheit und Wildheit der Weiber wieder einen fabelhaften Grad erreicht hat. Die „Pos. Ztg. sagt nun: „Diesen Gruseln erregenden Nachrichten gegenüber können wir versichern, daß die Stiutmung in unserer Provinz eine ganz ruhige und gemessene ist, von einer Aufregung ist nirgends etwas zu spüren, mit) die Landbevölkerung, der Bauer, welcher überhaupt gegen die Außenwelt vollständig apathisch sich verhält, sieht mit großer Seelenruhe der Verhaftung des „Primas von Polen" entgegen. Daß es einige ex^ftirle Frauen geben mag, Oie ihre Männer zum heiligen Kriege ausstacheln t?/4)t<m, wollen wir nicht läugnen; aber zu Todtschlägereien dürfte es deshalb nicht kommen.' Auch der polnische Diplomat bezeichnet jene Correspondenz als Verleumdungen der deutschen Presse.
— Die Kaiserin ist gestern über Dresden von Koblenz hierher zurückgekehrt. Ihre Maj. fand hier den Kaiser in fortschreitender Genesung.
Berlin, 3. December. Die aus der „Allg. Ztg." wiedergegcbenen Mittheiluligen über Wegnahme deutscher Schiffe in der Nähe des Sulu-Archipels scheinen im Ganzen begründet. Nachdem bereits auf die ersten, sehr un vollständigen Nachrichten von diesen Vorfällen die kaiserliche Gesandtschaft in Madrid und die Botschaft in London beauftragt waren, hinsichtlich des That- bestandes und der eventuellen Vertretung der Rechte der deutschen Rheder die geeigneten Schritte zu thun, hat dem Vernehnten der „N Allg. Ztg." nach aus Grund der jetzt eingegangenen vollständigen Consularberichtc die genannte Gesandtschaft angewiesen werden können, die diesseitigen Interessen und Rechte der'spanischen Regierung gegenüber darzulegen und zu vertreten, und dürfte, so weit sich die Verhältnisse hier übersehen lassen, die Hoffnung gerechtfertigt
sein, daß diese Regierung das Urtheil des Prisengerichts in Manilla nicht aufrecht halten werde.
Kassel, 4. December. Metropolitan Hartwig in Waldkappel ist nun ebenfalls abgesetzt worden. Von den Renitenten hat bis jetzt kein einziger in Folge des Ultimatums seine Unterwerfung angezeigt.
Stuttgart, 4. December. Der Minister des Auswärtigen, Mittnacht, machte in der Abgeordneten-Kammer die Mittheilnng, daß das württembergische Ministerium beabsichtige, demnächst die Zustimmung Württembergs im Bnndes- rathe bezüglich des Lasker'schen Antrages wegen der Erweiterung der Reichs- compctenz auf die Civilgesetzgebuug beim Könige zu beantragen. Er (Mitt- uacht) werde sich bestreben, der auf gewissen Gebieten wünschenswerthen Freiheit einer eigenartigen Rechtsbildung Beachtung zu verschaffen.
rhlleiTcid).
Wien, 3. December. Der Sultan hat dem Kaiser Franz Joseph ein Glückwunsch-Telegramm übersandt, desgleichen der Kaiser von. Marocco Zahlreiche regierende Fürsten und Angehörige fürstlicher Häuser haben Glückwunsch- Schreiben übersandt.
tzchmeiz.
Genf, 3. December. Das „Genfer Journal" meldet, daß bei dem Untergänge des Dampfers „Ville de Havre" auch zwei Deleairte der evangelischen Alliance, die Pastoren Pronier aus Genf und Carrasco aus Madrid, den Tod gefunden haben. Pastor Carrasco war zugleich Vorsteher der evangelischen Mission in Spanien. Beide Geistliche befanden sich auf der Rückreise von New-Iork, wo sie die evangelische Alliance bei dem jüngst stattgehabten Congreß repräsentirten. — Die katholischen Pfarrer von Carouge, Lancy und Chene haben die von dem Staatsrath geforderte Leistung des gesetzlich vorgeschriebenen Eides verweigert.
Dttificn.
Nom, 3. December. Der Papst ist von einem leichten Unwohlsein befallen ; derselbe hat gestern seine Gemächer nicht verlassen.
— Der Herzog v. Aosta ist zum General-Jnspector der Armee ernannt worden.
Spmuen.
Madrid, 3. December. Das Bombardement auf Cartagena wird fortgesetzt. Das Feuer Seitens der Insurgenten nimmt ab. Ein Telegramm des commandirenden Generals der Belagerungs-Truppen an die Regierung meldet: Die Gegenwart fremder Geschwader auf der Rhede benutze Escombreras, um die Insurgenten zu ermuthigen, indem er die Meinung verbreitete, daß ihnen durch dieselben der Rückzug gesichert werde. Wenn die Regierung die auswärtigen Machte bestimmen könnte, die Geschwader zurückzuziehen, so würde die Uebergabe beschleunigt werden.
Madrid, 4. December. Das Bombardement von Cartagena dauert fort. Die fremden Geschwader haben auf Verlangen des Ober-Commandeurs die Rhede von Escombreras verlassen. Die Truppen des Generals Moriones haben bereits angefangen, die Verbindung zwischen Puebla und Logrono ab- zuschneidcn.
(EnflCanö.
London, 2. December. Der granitene Sarkophag, welchen Königin Victoria der Kaiserin Eugenie geschenkt, langte am Samstag von Aberdeen in Chiselhurst au und wurde sofort in die Grabcapelle übergeführt, welche die Gruft des Exkaisers bedecken soll. Für den 9. Januar, als am ersten Jahrestage des Todes, sind größere TrauerfueUichkeiten in Aussicht genommen Die Kaiserin lebt nach wie vor sehr zurückgezogen. Ihr Hofstaat beschränkt sich auf fünf Mitglieder, Mlle. L'Armina, Herzog v Bassano, Graf Clary, Dr. Conneau und Dr. Corvisart. Jeden Samstag bis Montag kommt der kaiserliche Prinz als Sechster dazu. Der letztere soll in seinen Studien in Woolwich gute Fortschritte machen; namentlich widmet er sich mit Vorliebe und Erfolg dem Studium der deutscheii Sprache. Welch' bcdetitende Anziehuugskraft der kaiserlichen Familie dem Dorfe Chiselhurst verliehen hat, ist aus der großen Zahl von Villen zu erkennen, die wie Pilze aus der Erde schießen. Der Werth des Grundeigenthurns in dein begünstigten Orte hat sich in den letzten Jahren verzehnfacht.
Jmerifta.
New-Nork, 3. Decnnber. Nachrichten aus der Havannah zufolge ist die Aufregung daselbst in der Abnahme begriffen. Eine Proclamation des General-Capitäns Jovellar räth jur Ruhe. Die Behörden von Santiago sind bereit, bic überlebende Mannschaft des „Virginius" herauszugeben.
Listen.
Corfu, 3. December. Der Lloyd-Dampfer „Janis" hat auf der Reise von Triest nach Smyrna bei Kap Angelo Schiffbruch gelitten.
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Lokal-Notiz.
Gießen, 4. December. Seit kurzem haben sich einige Vandalen durch Zerstörung fremden Eigenthums ausgezeichnet. Vorgestern Stacht gegen 1 Ubr fanden abermals mehrere Zerstörungen an Privathausern statt, früher evtuben öfters die Deckplatten an Mauern abgebrochen x.; heute Nacbt nach 1 Uhr wurden zwei Musensöhne von der Polizei abgefaßt, als sie eben wieder vor'm Wallthor mit Nbbrechen einer Garten-Mauer beschäftigt waren. Dem Baufach widmet sich der Haupt-D^auerabbrecher nicht; er treibt dieses Handwerk nur aus Liebhaberei. — .
B e r m i s ch i e
Berlin. Als jüngst ein hiesiger Offieier eines Abends spät nach Hause kam, hatte er alle Ursache, sich selbst und seiner Energie, am nächsten Morgen früh aufzustehen, zu mißtrauen; er befahl also seinem Burschen, einem braven Masuren, ihn nach Ausweis der auf den Nachttisch gelegten Uhr am nächsten Morgen Punkt 6 Uhr zu wecken. Schon um 5 Uhr kommt der treue Diener auf den Strümpfen in das Schlafzimmer geschlichen und beobachtet den Gang der Uhr. Zwei Stunden später endlich weckt er den Lieutenant, um 7. Der sicht nach der Zeit und fängt an zu schimpfen „Ja, sieh mal Leutnant, hat sich doch die Uhr keine Sechs, da hab' ich gewartet bis sibben!" lautete die Entschuldigung der guten Seele, welcher eigentlich nicht widersprochen werden konnte, da die Uhr ein Secunden Zifferblatt hatte, das natürlich, wie überall, die Zahl 6 absorbirt.


