Commission und einem der Gebrüder Spottorno ans Land und wurden in Cartagena mit großen Freudenbezeigungen empfangen. Der preußische Consul blieb an Bord der Fregatte, von wo er mit feiner ganzen Familie sich nach Madrid begeben wollte. Nachträglich haben wir erfahren, daß ein eingehender Bericht über die Ereignisse den Gesandten Preußens, Rußlands und Englands mitgetheilt worden ist, und daß diese sich mit ihren bezüglichen Regierungen darüber in Einvernehmen gesetzt haben werden Die Antwort der letzteren soll den in Cartagena ankernden Kriegsschiffen durch einen besonderen Ueberbringer übermittelt werden.
Aus den vielen anderen Berichten über denselben Vorgang ist besonders zu erwähnen ein Brief, den die Epoca aus Cartagena empfangen hat. Derselbe bemerkt über die Wegnahme selbst etwas genauer als der Jmparcial und gerade in derselben Auffassung, die von uns schon geltend gemacht worden, daß der von Alicante kommende „Friedrich Karl" die von Galvez und seinen Leuten bemannte „Vigilante" gerade in dem Augenblicke erreichte, als diese in den Hafen von Cartagena einlaufen (nicht aus demselben auslaufen) wollte, und daß er sie als ein Piratenschiff fortnahm, indem er sich geschickter Weise außerhalb der Hafenmündung unter dem Schutze der Kanonen des von den Aufständischen nicht besetzten Castells Galeras hielt. Es wird hinzugefügt, daß der Capitän des „Friedrich Karl" die Auslieferung der Victoria, der Almansa und des Fernando el Catolico forderte — es sind dies die außer dem Mendez Nunez in dem Pirateriedecrete genannten Fahrzeuge. In der Stadt wuchs die Aufregung und zugleich die Entmuthigung der Rebellen, und die Freunde der Ordnung scheinen die Hoffnung gehegt zu haben, daß dieses Ereigniß dazu dienen würde, zumal da noch andere fremde Kriegsschiffe vor dem Hafen erschienen und der Rebellen-General Contreras sich aus der Stadt entfernen zu wollen schien, die Revolution in sich selbst Zusammenstürzen würde. Den deut schen Consul klagen sie an, durch seine Schwäche und seine Vermittlungsversuche diese Hoffnung zerstört zu haben.
Der deutsche Consul — heißt es in dem Berichte der Epoca —, ein Spanier und hier sehr bekannter Kaufmann, der in den politischen Kämpfen eine eifrige Rolle gespielt hat und einer der Führer der radicalen Partei war, der ein großes Handelsgeschäft und einen Bazar nebst einem Bankhause besitzt, der Rheder, Bergwerksbesitzer und Grundeigenthümer in der Stadt und Umgegend ist, hat die Freilassung der Gefangenen bewirkt An den Mauern ist eine Bekanntmachung angeschlagen, welche lautet:
„Bürger! Der durch die Gefangennahme des Bürgers Galvez heraufbeschworene Conflict ist in annehmbarer Weise beigelegt; der deutsche Consul, der vor allem Anderen Spanier und Cartagener ist, hat Alles aufgeboten, was in seinen Kräften stand, um dieses Ziel zu erreichen.".
Ein anderes Madrider Blatt, die Politica, veröffentlicht eine Darstellung der Sache, die merkwürdige, aber nicht gerade überall glaubhafte Einzelheiten enthält. Zuerst wird bemerkt, daß der von dem Pöbel Cartagenas so hoch gefeierte Abgeordnete und Aufrührer Antonete Galvez, der sich als General en chef zu Wasser und zu Lande aufspielt, bis zu dem Augenblicke, wo er das Amt eines „Patrioten" übernahm, nichts weiter als der Pächter eines Orangengartens in der Huerta von Murcia war. Die erste Begegnung dieses Galvez mit dem Capitän des „Friedrich Karl" wird in der Politica folgender Maßen geschildert:
Galvez war in bürgerlicher Tracht, mit murcianischen Binsenschuhen, trug einen Cavallerie-Schleppsäbel und im Gürtel einen Revolver, als er sich dem Commandeur des „Friedrich Karl" vorstellte.
„Ich bin der Generalissimus der Streitkräfte zu Wasser und zu Lande des Staates Murcia", sagte er, indem er seinen Säbel aus der Scheide zog und ihn dem deutschen Commandanten zu überreichen Miene machte.
„Nun wohl, mein Herr Napoleon von der bundesstaatlichen Republik", antwortete der Capitän in recht gutem Spanisch, „Ihnen ist Ihr Sedan gekommen und Sie sind mein Kriegsgefangener. In Gemäßheit der Befehle der Regierung Ihres Landes könnte ich Sie und Ihre Gefährten an der Raa aufknüpfen lassen, aber die Nation, welche ich vertrete, pflegt die Besiegten menschlich zu behandeln, und der Name des Schiffes, welches ich befehlige, macht mir dieses noch mehr zur Pflicht."
Galvez athmete auf, wie von einer großen Last erleichtert, steckte seinen Säbel ein, den der Capitän zu nehmen nicht für nöthig erachtete, und sprach seinen Dank aus, worauf ihm der Capitän noch eine kleine Lection zum Besten gab: „Wenn Ihr anstatt einer bundesstaatlichen Republik, die in einem so leidenschaftlichen Volke, wie Ihr seid, sehr schwere Wurzel schlägt, einen Prinzen wie den da zum König hättet (hierbei zeigte er aus das lebensgroße Bild des Prinzen Friedrich Karl, welches die Cajüte schmückt), so wäret Ihr nicht in diesem Schiffe als Gefangener, noch auch von der Regierung in Madrid für Piraten erklärt, und auch Spanien würde sich nicht in der unglücklichen Lage besinden, wie es jetzt leider der Fall ist."
In demselben Briefe wird die Drohung des Generals Contreras, an Deutschland den Krieg zu erklären und Caperschiffe auslaufen zu lassen, bestätigt, auch wird hinzugesetzt, daß die Uebcreinkunft für Contreras recht vor- theilhaft gewesen sei, Dank dem Consul, der mehr an seine cartagenischen Besitzungen gedacht habe, als an die Nation, die er vertreten sollte.
Deutschland.
Aus dem Großherzogthum Hessen, 31. Zuli. Die Verhandlungen der zweiten Kammer über das Volksschulgesetz boten namentlich auch insofern ein hohes Interesse, als gelegentlich der einzelnen Abschnitte regelmäßig die Mißstände gerügt werden, welche sich unter dem früheren Regime all- mählig in das Volksschulwesen eingenistet oder sich demselben angehängt haben. Besonders reichlichen Stoff liefern in dieser Hinsicht die Uebergriffe, welche die ultramontaue Geistlichkeit sich in katholischen Orten, woselbst sie sich vielfach die Lehrer und Kinder der Volksschule geradezu dienstbar gemacht, erlaubt hat und noch fortwährend erlaubt. Wir begrüßen es jedesmal mit greifen, wenn in solchen Fällen die einzelnen Abgeordneten in rücksichtsloser und doch maßvoller Weise die wunde Stelle bloßlegen und, um sichere Heilung herbeizuführen, entweder die geeigneten Anträge stellen oder wenigstens die geeignete Zusage wegen Abhülfe Seitens der Regierung veranlaffen. Auf diese Weise sind;
in letzter Zeit drei hochwichtige Punkte zur Sprache gekommen. Vor Allem der Mißbrauch der Volksschullehrer zu rein kirchlichen Zwecken, als wenn diese Zwecke eben identisch mit denen der Volksschule wären, sodann der auf die Kinder geübte Zwang zum täglichen Besuch dcs Gottesdienstes vor der Schule und selbst in kältester Jahreszeit, endlich der Gebrauch, daß die Kinder der Volksschule als solche zur Begleitung von LAchen, die von Geistlichen geleitet werden, Verwendung finden. Bezüglich des ersten Punktes ist namentlich hervorgehoben worden, wie man Seitens der Geistlichkeit Lehrer zum Gesang bei Procesfionen verwendet und, weil sie schließlich zu singen körperlich nicht mehr in der Lage gewesen, gestraft habe, und wie man die Lehrer auch außer den gesetzlichen Sonn- und Festtagen täglich zum Kirchendienst verwende, was ihre Gesundheit schädige und dem eigentlichen Schuldienst nachtheilig sei. Von einem förmlichen Antrag auf Abstellung dieses Mißbrauchs bat hier die Kammer nur deßhalb Abstand genommen, weil vom Regierungstisch überhaupt das Recht vindicirt wurde, auch jetzt schon die Lehrer und bezw. die Schulzwecke vor solchen Ausschreitungen zu schützen. Die Aufnahme ausdrücklicher Bestimmungen hat man dagegen rücksichtlich der zwei anderen Punkte für nöthig gehalten, und es läßt sich nicht leugnen, daß in dieser Hinsicht besondere Vorsicht geboten war. Es ist nämlich Thatsache, daß auch noch unter der damaligen Regierung, wenn auch sicherlich nicht mit deren Genehmigung, von der katholischen Geistlichkeit einzelner Orte in jenen Richtungen über die Schuljugend unbedingt verfügt und eine Nichtbefolgung ihrer Anordnungen in dem Schullocale und während der regelmäßigen Unterrichtsstunden strafweise geahndet wird, ein Verhältniß, welches nach Ansicht der Majorität der Kammer unter keinen Umständen fortdauern darf. Ob es übrigens nickt schon jetzt für die Regierung angezeigt sei, in Bezug auf die fraglichen Mißstände sorgfältige Erhebungen zu veranstalten und soweit möglich auch schon vor der Jnkrafttre- tung des Volksschulgesetzes Abhülfe herbeizuführen, das ist eine andere Frage, die wohl aufgeworfen werden kann, auf die wir aber heute nicht eingehen wollen.
(N. Frkf. Presse.)
Berlin, 31. Juli. Beim Herannahen des 2. September schreibt die Prov.-Corr.: „Die Bedeutung des 2. September 1870 für die Geschicke Deutschlands ist von je her in allen patriotischen Kreisen richtig erkannt worden. Gleich bei der ersten Nachricht von dem gewaltigen Schlage, der die Macht des französischen Kaiserthums zertrümmerte, stand in den Gefühlen des Volkes die Ueberzeugung fest, daß mit diesem Ereigniß nicht allein der siegreiche Ausgang des Feldzuges, sondern auch die Selbstständigkeit und die Wiedergeburt Deutschlands besiegelt fei. Dieser Eindruck ist durch den Verlauf der nachfolgenden Begebenheiten bestätigt worden und hat sich im Herzen der Nation als eine freudige und dankbare Erinnerung festgesetzt. Daraus erklärt sich der unablässig wiederholte und mit wärmster Begeisterung befürwortete Wunsch, daß der 2. September alljährlich dem Gedächtniß jener großen Ereignisse gewidmet und als ein Nationalfest gefeiert werden möge Kaiser Wilhelm hat, so oft Wünsche in der angedeuteten Richtung an ihn herantraten, sich stets dahin ausgesprochen, daß es unstatthaft sei, durch unmittelbares Eingreifen von weiten der Staatsleitung den Gefühlen und Kundgebungen des Volkes die Bahn vorzuzeichnen. Der Monarch hat aber keinen Zweifel darüber gelassen, daß es ihm zur Befriedigung gereichen würde, wenn das Andenken an die Großthaten des letzten Krieges und an Wiederaufrichtung eines Deutschen Reiches aus freiem Antriebe von der, Gesammtheit des deutschen Volkes alljährlich gefeiert und wenn für diese Feier der Tag des 2 September gewählt würde. In diesem Jahre roird dem Tage eine festliche Weihe durch die Enthüllung des Siegesdenkmals auf dem Königsplatz in Berlin zu Theil. Durch die Entstehung und Bestimmung des Denkmals, welches die Erinnerungen an die Feldzüge von 1864, 1866 und 1870—71 zasammenfaßt, ist die Enthüllungsfeier selbst auf gewisse Grenzen hingewiesen, welche bei den bezüglichen Anordnungen innegehalten werden müssen; aber die Wahl des Tages legt unverkennbar Zeugniß dafür ab, daß nach dem Sinne des Kaisers die Feier gleichzeitig die Bedeutung eines nationalen Festes hat, an welchem die ganze Nation freudigen Antheil nehmen kann. Bei dem Meinungsaustausch über die Wahl eines Tages für das nationale Erinnerungsfest haben sich die meisten Stimmen für den 2. September entschieden. Die Geschichte der jüngsten Vergangenheit ist so reich an Ehrentagen für die deutschen Waffen und an gewichtigen Ereignissen für die Begründung der deutschen Einheit, daß die Dankbarkeit der Nation mit den Schwierigkeiten der Auswahl zu kämpfen hat. Aber es handelt sich nicht darum, bis in's Einzelne abzuwägen, welchen besonderen Anspruch der eine oder andere Tag erheben darf, um in dem begeisterten Andenken des Volkes fortzuleben ... Es ist j-aer Tag, wo die verschiedenen Stämme Deutschlands um den allverehrten Oberfeldherrn geschaart, an Tapferkeit und Opferfreudigkeit wetteiferten und den höchsten Preis für deutsche Treue, deutschen Muth und deutsche Standhaftigkeit errangen; unsterblichen Ruhm und die L-icherstellung des Vaterlandes auf unantastbaren Grundlagen; es ist jener Tag, an welchem die Persönlichkeiten unseres Heldenkaisers mit ihrem segensreichen Eifluß auf die Gestaltung der deutschen Geschicke in den Vordergrund trat, jener Tag, dessen Bedeutung der fromme Sinn des Herrschers in die unvergeßlichen Worte zusammenfaßte: „Welch eine wunderbare Wencung durch Gottes Führung l" So möge denn die nationale Dankbarkeit den 2. September dauernd zu einem Festtag für das ganze deutsche Volk weihen."
Fulda, 2. August. Durch Negierungsbeschluß wird von heute ab dem hiesigen Priester-Seminar die seither gewährte Staats-Subvention von 4000 Thalern entzogen.
ßefterreicQ.
Wien, 2. August. In vergangener Nacht brach aus bisher noch unbekannter Ursache im elsässischen Bauernhause auf dem Weltausftellungsplatze Feuer aus. Das Bauernhaus brannte gänzlich nieder, jedoch gelang es der von allen Seiten rasch herbeigeeilten Feuerwehr, das Feuer auf dieses Object zu beschränken. — Der Schah von Persien empfing gestern mehrere hier anwesende fremde Prinzen, sodann den Grasen Audrassy, den russischen Gesandten, den britischen und den türkischen Botschafter. Abends fand in Schönbrunn Galadiner statt, welchem der Schah mit seinem Gefolge beiwohnte. Der Schah hat dem Grasen Andraffy die Insignien des persischen Sonnen- und Löwenordens und sein Portrait in Brillanten verliehen.


