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Gießener Anzeiger.
Erscheint täglich, alA 8«S- nahme SonntagS.
Expedition: Canzleiberg, Lit. B. Nr. 1.
Anzeige- und Amisölatt für den Kreis Hiessen.
Nr. 282. Dienstag den 2. Dcccmber 1873.
Deutschland.
Oesterreich.
welcher den Nachtheil der Waffenstillstände für die Angriffs-Operation
werde.
Stuttgart, 1. December. Der „Staats-Anzeiger für Württemberg' erfahrt, daß in nächster Zeit einer kaiserlichen Verordnung entgegenzusehcn sei, durch welche die Vornahme der Neichstagswahlen auf den 10. Januar 1874 auberaumt würde.
Wien, 29. November. In den Landtagen haben die Commissions-Arbeiten begonnen. Sehr erfreulich ist das allerorts sich kuudgebeude Interesse für die Volksschule. Die Aufhebung des Schulgeldes, welche bereits in zwei Provinzen erfolgt ist, steht auf dem Programme in allen Landesvertretungen und hat bereits m Steiermark in einer Vorlage des dortigen Landes-Aus-
einer Eruption gewöhnlich unmittelbar vorherzugehen pflegte. Immer allgemeiner wird die Ueberzeugung, paß die Situation um so gefährlicher wird, je mehr das Verfahren gegen den Erzbischof sich in die Länge zieht. Die loyal gesinnte Bevölkerung vertraut der Wachsamkeit der Behörden; ob es aber binnen Kurzem möglich sein wird, Ruhe und Ordnung ohne exceptiouelle Maßregeln aufrecht zu erhalten, wird uns als sehr zweifelhaft bezeichnet."
Kassel, i December. Die „Morgen-Zeitung" bringt die Meldung, daß der Ehrenrath der kurhessischen Advocaten in aller Kürze einen Anwalt in Folge der Unterzeichnung des Aufrufs für die Vilmariauer aburtheilen
Prefle gesprochen wurde, stattsindct. Die Vorlage wird nach der „Vofl. Ztg.^ lediglich im Cabinet deS Königs von diesem einer letzten Erwägung unterzogen werden, da principielle Bedenken gegen dieselbe zur Zeit nicht mehr vorliegen und man an höchster Stelle Angesichts des gegenwärtigen Nothstandes eine möglichst schnelle Erledigung der Angelegenheit für sehr nothwcndig erachtet. Man nahm mithin von einer Conseilsitzung sowohl infolge der zwischen dem Könige und den Ministern bestehenden völligen principiellen Uebereinstimmung, als auch ans praktischen Gründen Abstand und wird der Entwurf ohne eine solche die Genehmigung des Königs erhalten.
— Ueber die gegenwärtigen Verhältnisse in Posen schreibt das „Preuß. Volksbl." : „Aus verschiedenen Gegenden Posens und auch Westpreußens gehen uns von glaubwürdigster Seite, namentlich vom flachen Lande und auS den kleinen Städten, Berichte zu, die in der Erinnerung an die schrecklichen i Aufstände, welche der Fanatismus des Clerus mehrmals über die Districte
Madrid, 29. November. Auf Verlangen der Admirale der englischen, französischen und italienischen Geschwader hat der Ober-Commandeur der Bela- geruugs-Armee vor Cartagena einen Waffenstillstand von Mitternacht bis 4 Uhr Morgens zur Evacuation der Stadt von Frauen, Greisen iind Kindern be- bewilligt. Gestern Abend dauerte das Bombardement fort, das Feuer der Insurgenten war minder lebhaft als des Morgens, aber anhaltend eingeschlagene Projectile haben Feuersbrünste in der Stadt verursacht. Es heißt, mehrere Hauser seien geplündert worden. Ein von dem italienischen Geschwader-Ches
Darmstadt, 27. November. Nach der Absicht der Regierung soll in Zukunft das Schulgeld an den Gymnasien in folgender Weise festgesetzt wc^ den. In Darmstadt, Mainz, Gießen und Worms für Sexta, Quinta und Quarta auf 42 fl., für die höheren Classen 49 fl. In Büdingen für Sexta, Quinta und Qnarta 35, sonst 42 fl., in Bensheim für Sexta und Quinta 28, für Quarta und Tertia 35, und Secunda und Prima 42 fl. Das niedrigere Schulgeld zu Bensheim und Büdingen wird durch den Hinweis auf die örtlichen Verhältnisse und den Umstand gerechtfertigt, daß diese Anstalten in ver- hältnißmaßig stärkerem Maße von Auswärtigen, denen ohnehin schon besondere Kosten erwachsen, besucht werden, Was das Schulgeld aii den Realschulen betrifft, so sind hier nachstehende Sätze in Vorschlag gebracht: 1) für die Neal-i-^,^..^ , - . .. q •
schul«! mit Obcrclassen in Darmstadt, Mainz und Offenbach in den drei un-! gebracht hat, mit den trübsten Besorgnissen in die Zukunft blicken. N rge dz tcren Elasten 35 fl in den drei folgenden 42 fl. und in den beiden obersten hat die nllramontane Propaganda theils durch den einheimischen Eierns und Classen 49 fl., 2) für die drei unteren Realclassen des Gymnasiums in eine Unzahl Flugschriften, die in die Massen geworfen - ,t.^ Worms 35 für die drei oberen 42 st, 3) für sämmtliche übrigen Realschulen eine Menge auswärtiger Agenten, die unter allen möglichen Verkleidungen das für die Schüler der Vorschulen 21 st, für die der drei unteren Classen 28;8anb durchziehen, nut solchem Erfolg gewühlt, wie in den oben angedeuteten und die der oberen Classen 35 fl. (Hess. Volksbl.) lDistricten. Unsere Gewährsmänner heben namentlich hervor, dasi die Erregt
Bekanntlich sind die Grafen Gort, und heit und Wildheit der Weiber wieder einen fabelhaften Grad erreicht hat, - ^Schlitz wegen vermeintlicher bekanntlich in den polnischen Landestheilen das bedenklichst- Symptom, welches
schusses Gestalt gewonnen.
Frankreich.
Trianon, 29. November. Proceß Bazaine. General Laveaucoupet erklärt, daß er den ihm ertheilteu Befehl, die Fahnen nach dem Arsenal zu schaffen, nicht ansgeführt habe, weil ihm dies schimpflich erschienen sei. Unwillig habe er vielmehr befohlen, den Fahnen die militärischen Ehren zu erweisen und sie sodann zu verbrennen. Er habe nicht gewollt, daß diese Fahnen, welche dem Ruhm gehört hatten, in das Arsenal geschickt würden, wie ein altes Pferd auf den Schindanger. Die Aussage des Generals bringt eine lebhafte Erregung hervor. Derselbe wird bei seinem Abtritt mit Beifallsrufen begrüßt. General Jeanntgros ließ die Fahnen des ersten Znaven-Regiments m Stücke schneiden und unter die Soldaten vertheileu- General Lapasset^ ließ ebenfalls seine Fahnen verbrennen. Derselbe erzählte, daß er an der Spitze seiner 5000 Mann habe ausrücken wollen, Bazaine ihm aber gesagt habe, daß man keinen unbesonnenen Streich machen dürfe und auf persönliche Projeete verzichten müsse. Die Zeugen - Aussagen werden am Montag abschließen und das Reqüisitorium sodann beginnen.
Spanien,
Darmstadt, 28. November. Solms Laubach und Oberpfarrer Dieffenbach aus v Kränkung des Rechts der lutherischen Cousessioii aus der evangelischen Synode ' ausgetreten. Dieser Schritt ist nun von keiner Seite so entschieden dementirt i worden, als von der evangelischen Gemeinde zu Schlitz. Die von dem Pro- ' testanteu-Verein ausgehende Adreffe an den Großherzog, in welcher der Synode t das Zeugniß gewissenhafter Wahrung der Gewissens-Freiheit ertheilt und um ungeschmälerte Durchführung der Beschlüsse der Synode gebeten wttd, ist näm- " lich von allen weltlichen Mitgliedern des Kirchenvorstandes, des Schulvorstau- des, von dem Gememderath und von einer großen Anzahl der angesehensten Bürger von Schlitz unterschrieben und au den Großherzog eingesendet worden. Möge sich die ganze Bevölkerung des Landes an diesem ächt protestantischen Freimulh, mit welchem die Vertreter der kirchlichen und politischen Gemeinde Schlitz und zahlreiche Glieder dieser Gemeinde ihre Ueberzeugung zum Ausdruck gebracht haben, ein Vorbild nehmen!
Berlin, 28. November. Die „Nordd. Allg. Ztg." ergänzt die Mit theilungen über die Vorfälle in Cartagena. Der in Cartagena wieder in Function getretene deutsche Consul Spottorno war angewiesen worden, die Necla mationen der deutschen Neichsangehörigen wegen des fortgenommenen Eigen- thums genau zu prüfen und dieselben vor der Junta zu vertreten. Die eingegangeneil Reklamationen repräsentiren 100,000 Frcs. Auf die Meldung des Cousuls von der Erfolglosigkeit der Vorstellungen bei der Junta sei die kaiserliche Gesandtschaft in Madrid ermächtigt worden, zur Unterstützung der Fordenmgen das deutsche Geschwader wiederum nach Cartagena zu beordern, und der Chef des Geschwaders angewiesen worden, energische Maßregeln zur Durchführung der Aufgabe zu ergreifen, und sei es auzunehmen, daß die kaiserliche Marine auch eine eventuelle Unterstützung vorbereitete. Das Geschwader traf am 25. November, nachdem es, durch einen heftigen Orkan gezwun gen, nochmals in den Hafen von Malaga eingclaufen war, vor Cartagena ein und begann der Geschwader-Chef unmittelbar nach der Ankunft die Neclama Honen energisch zu unterstützen. Die roeggenonimeneg, deutschen Güter seien zum größten Theil in natura schon 24 Stunden nach dem Erscheinen des Geschwaders am Bord des „Friedrich Karl" gewesen. Die gemeldete Entschädigung in Goldmünze bedürfe aber noch der Bestätigung.
Berlin, 29. November. In Betreff der Frage der Einführung der Civilehe hat sich, wie man uns mittheilt, die Staatsregierung noch nicht darüber entschieden, von wem die Eheschließung zu bewirken. Die Eheschließung dem Richter zuzuweiseu, würde schon deshalb bedenklich fein, weil am Rheine, wo die obligatorische Civilehe bereits über zwei Menschenalter besteht, die bürgerliche Eheschließung vor der Ortsobrigkeit erfolgt und also eine neue Gesetzes-Verschiedenheit im Staate geschaffen werden würde. Es liegt durchaus kein Grund vor, sich lediglich von den in den alten Provinzen für die bürgerliche Eheschließung der Juden k. bereits bestehenden Bestimmungen in dieser Hinsicht leiten zu lassen. Soll die bürgerliche Eheschließung einmal allgemein eingeführt werden, so hat man sich auch nicht streng an die Form des bisherigen Ausnahme-Verhältnisses zu halten.
— Die Summe der dem Erzbischof Ledochowski durch gerichtliches Urtel auferlegten Geldstrafen beträgt nach den beiden letzten Vernrtheilungen 10,200 Thalcr, die eventuelle Gefäiignißstrafe lautet auf fast 4 Jahre. ,,E>staunen ergreift einen", schreibt der „Kuryer", „angesichts einer solchen Anhäufung von Strafen, wir können jedoch bemerken, daß diese Strafen wegen der äugen- ©■ "-***..» »3»- - «*• >-»" «*- SRfflS»
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Berlin, 30. November. Der Civilehe - Gesetzentwurf wird in acht vis gen, .... .....--- ...
zehn Tagen nu den Landtag gelangen, ohne daß vorher In dieser Angelegen- nnd den Vvrthcil derselben Jur dl- Insurgenten erwog. welche lehcren dicsilb heit eint Conseilsitznng unter persönlichem Voische des Königs, von der in der zur Anschaffung von Munition und Lebensmitteln benutzten.


