hiermit auf, die Kirche zu verlassen." Es entstand nun eine lange peinliche Pause. Dann erhob sich Herr Beinroth wieder von den Stufen des Altars, an denen er niedergekniet war, und rief in die Kirche hinein: „Die Herren Professoren Knoodt und Reinkens, die aus der Gemeinschaft der katholischen Kirche ausgeschlossen und hier anwesend sind, fordere ich hiermit nochmals auf, sich zu entfernen." Professor Knoodt, der nur wenige Schritte von Beinroth entfernt kniete, richtete nun die Frage an denselben, ob er ihm erlaube, einige Worte an die ver- sammelte Gemeinde zu richten. Es wollte Professor Knoodt nämlich die schlichte Erklärung abgeben, baß er auö Rücksicht auf das Fest der Neucommumcanten, das er nicht stören wolle, aber auch nur aus dieser Rücksicht, die Kirche verlassen werde. Herr Beinroth aber rief dem Professor Knoodt zu: „Ich verbiete Ihnen, auch nur ein Wort zu reden," worauf letzterer die Kirche verließ. In Folge dieses Vorfalls herrscht große Aufregung in Boppard."
Düsseldorf, 20. März. Ueber die Katastrophe, von welcher heute die hie- sige Akademie betroffen wurde, berichtet man der „Köln. Ztg.": Da« Feuer kam
Nachts um etwa 2 Uhr im südwestlichen Theile des mit der Akademie zusammen- hängenden Ständehauseö zum Ausbruch, und war allem Vermuthen nach aus einem Kaminbrand entstanden. Die Flammen verbreiteten sich mit großer Schnellig- feit und zerstörten den oberen Theil des Ständehauses, dessen Thurm jedoch voll- ständig unversehrt blieb, sodann diejenigen Flügel des Akademiegebäudes, die sich vom Ständchause bis zu dem Theil erstrecken, worin sich der Ausstellungssaal befindet. Gegen 3 Uhr kam die erste Hülfe, aber erst um 8 Uhr wurde man des Feuers vollständig Herr. Vor allem sei bemerkt, daß die unschätzbare königliche Kupferstichsammlung gerettet ist. Im übrigen aber sind die ungerichteten Zer- störungen und Verluste sehr groß. Zunächst wurden hievon betroffen die verschiedenen Atelier« der Historienmaler, die sich im obern Theile des Ständehauses be- fanden. Dahin gehören die Meister Molitor, Maßen, Ittenbach, Deger u. a. Betroffen und zerstört wurden ferner: das Sekretariat des rheinisch - westfälischen Kunstvereins, dessen Archiv mit sämmtlichen Schriftstücken, sämmtlichen Kupferstich- vorräthen, den vorhandenen Kupferplatten und Originalzeichnungen total verbrannte. Von Ateliers fielen ferner der Zerstörung anheim, die ver Meister Andreas Müller, Professor Keller und Roeting, von deren Inhalt sehr wenig gerettet werden konnte. Ganz besonders zu beklagen ist, daß ein für Zifflich bestimmtes großes Altar- gemälde, welches Andreas Müller vor vier Jahren begonnen und jetzt beinahe ganz vollendet hatte, ein Opfer der Flämmen geworden ist. Weiterhin ergriffen die Flammen, von Süden nach Norden gehend, den Flügel der Akademie, in dessen obern Etagen die Kupferstecherschule und die Landschafterclaffen sich befanden. Unter diesen Räumen lagen die großen Ateliers von Bendemann, Wislicenus u. a. Alle vorgenannten Theile und Räumlichkeiten sind bis auf den Grund ausge- brannt, so daß von der Akademie nur noch derjenige Theil steht, in welchem sich der AuSstcllungssaal befindet. Alle unter diesem Saale gelegenen Ateliers blieben verschont. Ebenso das Provinzialarchiv und die LandeSbibliothck, sowie die Räume, welche die Ramboux'sche Sammlung enthielten. Verschont blieben auch die augenblicklich im Ständesaal befindlichen, zur öffentlichen Verloosung bestimmten Gemälde des Künstler-Unterstützungsvereins, im Werthe von 40,000 Thlrn., und die Reste der ehemaligen kurfürstlichen Gallerie, unter welchen die Himmelfahrt Mariä von Rubens zu nennen ist. Diese Bilder der voretnst kurfürstlichen Gallerte waren zur Vornahme von Herstcllungsarbeiten von den Wänden herabgenommen, und im AuSstcllungssaal untergebracht. Aus den Leyrsälen und dem Conferenzsgale der Akademie konnte dagegen nur wenig gerettet werben. Die Bestürzung der Einwohnerschaft ist allgemein und groß. Zahlreiche Gruppen umstehen seit heute früh die Brandstätte, deren Trümmer zur Zeit, wo diese Zeilen geschrieben werden, Nachm. i Uhr, noch rauchen. Es ist ein ergreifender Anblick.
TauberbischojSheim, 26. März. Für die Nachwahl eines Reichstagsabgeordneten an Stelle Ketteler'S ist von liberaler Seite Dr. Herth (Heidelberg) aufgestellt worden.
Oesterreich.
Ptsth. Es wird stark auf die Slavtsirung Oesterreichs hingearbeitet. Das Gestirn, unter welchem diese Umwandlung geschehen soll, ist Kossuth. Nachdem die äußerste Linke des ungarischen Abgeordnetenhauses sich unter diesem Namen, der jetzt die Allianz der Magyaren und Slaven repräsentirt, geschaart hat, erfährt man auch, daß die Ezechen von dem Einsiedler in Turin ihr Heil erwarten. So meldet jetzt die Pcsther „Reform", daß im Herbste 1871 die Czechensührer Skrej- sovszky, Gregr und SzladkovSzki, der Erstere nach Agram, die Letzteren über Turin nach Nizza reisten. Diese Reise wurde von dem Prager czechischen Comite beschlossen! Die Aufgabe SkrejsovSzky'S war es, sich mit einigen Führern der kroatischen Opposition in Verbindung zu setzen, während die zwei Mitglieder der jungczechischen Partei im Interesse des cisleithanischen Föderalismus mit Ludwig Kossuth confcriren sollten!"
Da«, bemerkt „Reform", erklärt die Briefe Kossuth'S über das czechiiche Staatsrccht, wie nicht minder die gegenwärtige Haltung der czechischen Blätter zur Genüge.
Mit diesem Auftreten der czechischen Presse beschäftigen sich „Naplo" und „Reform" auch in ihren Leitartikeln. „Nicht Kossuth oder die russische Invasion, sondern Kossuth und die russische Invasion", schreibt „Naplo". Die Czechen machen heute den Mann zu einem slavischen Apostel, der vor vierundzwanzig Jahren an der Spitze der ungarischen Nation einen Kampf auf Tod und Leben gegen die slavischen Stämme geführt. Der einzige Freund Mazzini'S und der polnischen Emigration glänzt heute neben Fadejew und den übrigen großen Männern an dem Himmel des Slavismus. Wie sich doch die Zeiten ändern. So lange der Dualismus besteht und Oesterreich mit Ungarn durch Stammes-und StaatS- intereffen eng verbunden ist, hat die Monarchie weder eine russische, noch sonst eine Invasion zu befürchten. Nur unter einer Anarchie, wie sie ein Experiment im Sinne der Kossuth'schcn Politik heraufbeschwören müßte, wäre eine Invasion möglich. Die Czechen müßten aber freilich dann statt der jetzigen die Losung aus- geben: „Kossuth und die russische Invasion".
Frankreich.
Paris, 23. März. Treue bonapartistische Wallfahrer, die aus Chiselhurst, wohin sie am 16. März gewesen waren, zurückgckommen, erzählen, daß der Kaiser nicht der Hoffnung, sondern der Gewißheit lebe, „demnächst" schon nach Frankreich zurückgerufen zu werden. Worauf sich diese „Gewißheit" stützt, ist freilich unerfindlich, obwohl in Frankreich ost da« Unwahrscheinlichste möglich zu sein pflegt. Sicher scheint wenigstens, daß man der Anwendung von Gewaltmitteln
entsagte. Freilich ist diese Resignation doch nicht so gar alten Datums, denn wenn ich Indiskretionen Glauben schenken darf, die von wohlunterrichteter Seite stammen, so war noch erst am 22. December vorizen Jahres ein kleiner Staatsstreich durchaus kein Ding der vollen Unmöglichkeit. Einige Führer im Heere, handfest und actionsbereit, seien durch General Fleury gewonnen gewesen, und wenn schließlich der Plan verschoben werden mußte, so war nur der leidige Geldmangel allein daran schuld. Ob cs nun wahr ist, wie man erzählt, baß Na- poleon III. inzwischen ein großes Grundstück, das er in Newyork besessen, für 4,700,000 Dollars verkauft habe, um diesem Mangel abzuhelfen, vermag hier nicht festgestellt zu werden. Jedenfalls haben die Herren Rouher und Gavini bei einer neulichen Unterredung mit General Ciffey ausdrücklich darauf hingewiesen, daß sie all' ihr Heil nur von einem Plebiöcit erwarten, das über kurz oder lang sich als unumgänglich erweisen werde.
Paris, 23. März. Der Geburtstag des Kaisers von Deutschland wurde gestern von den Occupationstruppen in der angegebenen Weise feierlich begangen. Wie es in den vfficiellen Kreisen heißt, kam es nirgends zu bedauernswerthen Kundgebungen.
Paris, 24. März. Die Angriffe auf Soldaten dauern in Paris und Umgegend fort. Mehrere Individuen, die sich dieselben zu Schulden kommen ließen, wurden verhaftet. — Gestern fand die erste Versammlung der Altkatholiken von Bordeaux statt. Dcr Professor des dortigen Lyceums, Laporte, hatte den Vorsitz; Beisitzende waren zwei Mitglieder des Gemcinderathes. Der Priester Iunqua hielt eine Vorlesung. Eine neukatholischer Priester, der sich zur Versammlung Zutritt verschafft harte und es sich herausnahm, Ianqua mit Schimpfreden zu überschütten, wurde, wenn auch auf ganz höfliche Weise, an die Thür gesetzt. — Bon den bekannten Schriftstellern Exckmann und Chartrian wird dieser Tage ein neues Buch erscheinen und den lächerlichen Titel führen: „Finis Germaniae“. Pasoeloup, der bekanntlich dem Pariser Schillerfest (1859), dessen musikalische Leitung ihm Meyerbeer verschaffte, seinen Ruf verdankt, zeigt sich den deutschen Musikern jetzt feindlicher denn je. Man darf dies demselben aber nicht zu sehr verübeln, da er alles aufbieten muß, damit man ihm seine Abkunft verzeiht. Er ist nämlich aus Sachsenhausen bei Frankfurt, wo sein Vater, ein jüdischer Händler, sich Wolffsprung nannte.
Versailles, 25. März. Nationalversammlung. Bamberger bringt einen Antrag ein, welcher verlangt, daß die Entscheidungen des Untersuchungsraths über die Capitulationeu der Nationalversammlung vorgelegt und im „Journal officicl" veröffentlicht werden. Die Versammlung erklärt sich mit großer Majorität für die Dringlichkeit des Antrags.
England.
London, 25. März. Unterhaus. Der Schatzkanzler legt das Budget vor. Die Ausgaben sind auf 71,313,000 Pf. St., die Einnahmen auf 74,915,000 Pf. St. veranschlagt, mithin ein Ueberschuß von 3,602,000 Pf. St. Der Schatzkanzler schlägt eine Herabsetzung des EinzangSzolles für Kaffee und Cichorie, sowie der Accise für Cichorie um die Hälfte, eine Herabminderung der Einkommensteuer um 2 Pence und die Abschaffung der HauSsteuer für Speicher, Comptoire und Läden, deren IahreSmicthe unter 20 Pf. St. geschätzt ist, vor. Der Ueberschuß wird hierdurch auf 362,000 Pf. St. reducirt. Die Staatsschuld ist seit 1869 um 12,740.000 Pf. St. vermindert und beträgt 792,746,000 Pf. St.
London, 25. März. Das Unterhaus nahm die Anträge Lowe's auf Herab- setzung der Cichorien-und Kaffeesteucr, sowie die Abschaffung der HauSsteuer, ohne Abstimmung an.
London, 25. März. Das Unterhaus nahm die beantragte Verminderung der Einkommensteuer an. Die Steuer auf gemahlenen und gerösteten Kaffee wurde von 4 auf 2 Pence pro Pfund, die Steuer auf rohen Kaffee von 28 auf 14 Shilling, auf Cichorien von 26% auf 13% Shilling, die Accise auf Cichorien von 24% auf 12% Shilling pro Centner herabgesetzt.
Rußland.
Petersburg, 26. März. Die Kaiserin ist heute früh nach der Krim abgereist.
Die „Petersburger Wiedern." sprechen sich in einem Leitartikel mit großer Entrüstung gegen die barbarischen ExecutionSmittel aus, welche noch immer zur Beitreibung rückständiger Steuern in Rußland in Anwendung gebracht werden, z. B.: „Das Gesetz gestattet den Gemeindegerichten, die Bauern wegen verspäteter Steuerzahlung mit Ruthen zu züchtigen. Dieses Gemeinderecht ist leider zur allgemeinen Praxis geworden, die auf Befehl der Behörden in der barbarischsten Weise geübt wird. So wurde unlängst im zwienigroder Kreise, im Gouvernement Moskau, ein Bauer, der dem Staate nur 6 Rubel Steuern schuldete, obwohl er krank im Bette lag, doch mit Gewalt herbeigeschleppt und so lange un- barmherzig mit Ruthen geschlagen, bis er bewußtlos da lag. Nach drei Tagen war er eine Leiche."
Laut der „Nordd. Presse" ist in Odessa aus der dortigen Kathedrale daedelsteingeschmückte Marienbild abhanden gekommen und da man den Diebstahl natürlich gleich wieder den Juden in die Schuhe geschoben, der Pöbel in so erregter Stimmung, daß zur Osterzeit eine neue Judenhetze zu befürchten stehe, weß- halb die Behörden umfassende Vorsichtsmaßregeln getroffen hätten.
Odessa, 18. März. Eine amtliche Bekanntmachung in Betreff des Diebstahls des wunderthätigen Heiligenbildes läßt das Ereignrß als sehr räthselhaft erscheinen. Die äußere Thür ist nicht beschädigt; die kleinen an dem Ikon befindlichen silbernen Heiligenbilder sind unbeschädigt. Die Aussagen des WächkerS sind wirr. Den jüdischen Hausbesitzern ist angeboten worden, die polizeiliche Aufsicht zu verstärken, im Falle das Heiligenbild irgendwo in ihre Häuser ober in die Nähe derselben hingeworfen werden sollte.
Rumänien.
Bucharest, 21. März. Aus Rumänisch-Beffarabien langen massenweise Deputationen und Petitionen um Vertreibung der Juden aus jenen LandeStheilea an. Die Presse unterstützt diese Agitation; die Regierung verhält sich rcservirt.
(D. Z.)
Amerika.
Lima, 12. Jan. Die peruanische Armee zählt gegenwärtig einen Offizier in ihren Reihen, der Ritter von drei deutschen Orden ist. Herr Arevalo au» Mopobamba, der auf deutschen Kriegsschulen seine militärische Ausbildung erhielt,


