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man gewiß alle Ursache, ihm für diese Vorsicht Dank zu wissen und eine Politik, welche sich mit dem vollen Gewicht ihrer Derantworlichkeit erfüllt zeigt, und darf sie nicht der Unschlüssigkeit zeihen, weil sie nicht bet dem Ziele vorbei- schießen will.

Aufgroße Schläge" kommt es sicherlich nicht an; wenn e- sich nicht sowohl um blendende Essccte, als um dauernde Wirkungen handelt.

DieHeißiporn's" aber, welche immer nur entscheidende Maßregel, selbst wenn sic auch den Schein der Willkür trügt« und zwar möglichst rasch ver­langen, sollten sich doch ein wenig mit der Krage beschäftigen, ob in allen die Fragen, welche ihm selstb als abgemacht gelten, im Geiste des Volkes selbst schon ebenso entschieden sind.

Sie würden dann vielleicht inne werden, daß die Scheidung zwischen Kirchen- thum und Religion den Massen nicht sehr geläufig ist und die Staatsregierung, welche bri ihrer Auseinandersetzung mit der Kirche vornämlich auch die Wahrung des inneren Friedens im Auge behält, nicht bloS zu treffen, sondern auch zu verständigen hat.

Für diese doppelte Aufgabe bietet sich ihr sicherlich nur der Weg der Gesetz- gebung, als der allein zu beschreitende dar.

Deutschland.

Aus Rheinhessen, 22. Juli. In Worms wurden in der letzten Zeit Unterschriften sur eine Petition gesammelt, welche Erbauung eines Dämmt» zum Schutz gegen die Überschwemmungen des Rheines auf Staatskosten nachsucht. Die Petition wurde letzten Samstag mit 1200 Unterschriften versehen dem Mini­sterium überreicht. Aus Guntersblum schreibt dieMainzer Zeitung": Endlich fangen auch die Lehrer an, sich zu ermannen. Sämmtliche Lehrer der Real- und Volksschule haben ihre Thätigkeit eingestellt.

Berlin, 22. Juli. Ueber die überzeugungöschwachen Prälaten Ledochowski und Dr. Melchers schreibt man demHann. C." von hier Folgendes: Nicht un­bemerkt ist es geblieben, daß der Erzbischof von Gnescn und Posen, Graf Lc- dochovski, nun auch offen in die Reihm der bischöflichen Gegner der Staats­gewalt getreten ist, während er bis dahin mit einer gewissen Vorsicht der Oppo- fition beigetreten war. Man erinnert sich dabei, daß gerade Graf Ledochowski zu Anfang persona gralissima gewesen, und als die Wahl de- Domkapitels zu keinem Ergebnisse geführt, er seitens der preußischen Staatsregierung und des Papstes von seinem Posten als päpstlicher Legat in Brüssel abberufen und zum Erzbischöfe von Gnesen-Posen bestellt worden war. Seitdem war er auch am Hofe gern gesehen und zu Zeiten öfters in Berlin, wo man ihm die frühere di- plomatische Stellung anmerkte. Das hat nun freilich aufgehört, und es war vor- herzusehen, daß, da auch hier sogenannte polnische Interessen ins Spiel kommen, der GrafErzbischof nicht neutral bleiben würde. Auch der jetzige Erzbischof von Köln, Dr. Paulus Melchers, ist nicht aus der Wahl des Domcapitels hervor- gegangen, sondern durch einen Compromih der Regierung mit dem Papste in die gegenwärtige Stelle gekommen. Zur Zeit, als beide Prälaten ernannt wurden, zeigte sich Antonelli sehr zuvorkommend und gefällig, und erhielt auch, wenn wir nicht irren, zu jener Zeit den höchsten preußischen Hausorden vom schwanen Adler. Uno jetzt!

Berlin, 23. Juli. Wie aus Regierungskreisen verlautet, hat der Kaiser unmittelbar, nachdem die Nachricht von dem Attentat auf den König AmadeuS in Ems etngetroffen, feine Theilnahme an dem Ereigniß und seine Freude über das Mißlingen des Frevels auf telegraphischem Wege ausgesprochen.

Der alljährlich in Ostpreußen schrecklich wüthende Würgengel, die Cholera, scheint dort bereit- wieder eingetroffen. Vor einigen Tagen thetlte dieJnsterb. Ztg." mit, daß dort ein Ulan an der Cholera gestorben; Tags darauf wurde die Notiz dahin berichtigt, daß nur ein grober Diätsehler die Ursache des Todes gewesen. Heute lesen wir in dem genannten Blatte Folgende-: Zur Berichtigung der in voriger Nummer d. Z. enthaltenen Notiz über die Erkrankung des Ulanen Hoffmann bemerke ich, daß dieser Krankheitsfall von mir amtlich als ein Fall von astatischer Cholera constatirt ist. Dr. Janert, Kreispdpstkus.

Berlin, 24. Juli. Das General - Postamt hat nach gemachten Wahr- nehmungen über mangelhafte Abdrücke der Aufgabestempel bei der abgesandten Corrcsponvenz, auf welcher die Jahres-, Monats-, Datums- und Stundenzahlen therls ganz fehlten, theils schwer oder gar nicht zu erkennen waren, Veranlassung genommen, die Ober-Postdirektpren anzuweisen, die Wahrnehmung des für das correspondireude Publikum so ungemetn wichtigen Geschäfts der Postanstalten, deutliche und klare Stempelabdrücke heroorzubringen, ganz besondere Aufmerksam» kett zuzuwenden.

Cobltnz, 24. Juli. Der Kaiser trifft im Laufe des heutigen Nach, mittags von Ems hier ein und wird bis zum 27. d. MtS. hier seinen Aufent- halt nehmen.

München, 23. Juli. Bekanntlich hat die Mehrheit des Senats der hiesigen Ua.vcrsttät auf die Abhaltung eines Gottesdienstes am Tage der Jubiläums- feier verzichtet. Die theologische Facultät hat sich dadurch nicht abhalten lassen, Sorge zu tragen, daß gleichwohl eine kirchliche Feier, bestthtnd in einem Hochamte, für Jene stattfindet, welche diesen Tag mit Gebet einlciten wollen. Die theologische Facultit wird sich auch, Wit wir hören, am Feste selbst beteiligen; dagegen wert

«"sich'Bayerischen Kurier", die Theilnahme jener Mitglieder des katholischen üleru«, welche an der Universität stubirt Haden, wahrscheinlich eine sehr geringe sein, weil, wie da» Blatt meint, sich eben Niemand der Gefahr aussetz'N mag, bei einer festlichen Gelegenheit in seinen heiligsten Gefühlen cerlent unb gekrankt zu werben. Die Universität Orford hat zu ihrem Vertreter bei bem Jubelfeste, Max Müller ernannt, brr seit Jahren brr Ox orber Uniorrfiiai 011 P'vftssor ber Sprachwiffenlchaft unb Fellow bei College! von All Souls angehort. Die» ist bas erste Mal, büß sich bie alte engUtche Un.versiiät an ben Festlichkeiten der deutschen Universitäten betheiltgt.

Oesterreich.

Prag, 23. Jult. In Angelegenheit der Untersuchung wegen M beabsich. Hjkn Attentates auf den Statthalter Baron Koller erhielten mehrere hiesige wdffinfübr kanten Vorladungen zu Ni Strafg richte.

Gastcitl. Graf Mvtike ist hier ang.kommen.

Ischl. 24. Juli. Nachdem der Kaiser von Oesterreich bem Kronprinzen des deutsch.n RticheS brüte morgen einen haldstund gen B such abgestattet hatte, hat der Kronprinz die Rückreise nach Berchtesgaden angetreteu.

Lemberg, 23. Juli. Im Lager Miendzyhorz in Dolhynien, wo gegenwärtig zwanzig Regimenter concentrirt sind, ist die Cholera ausgebrochbN.

Schweiz.

Berv/ 25. Juli. Zwischen Deutschland und der Schweiz ist ein Coneordak, betreffend bie freie Ausübung ber ärztlichen und th erärztl chen Praxis in Elsaß einerseits und in den Grenz Cantonen Baselstadt, Baseüand, Solothurn und Bern andererseits abgeschlossen worden.

^as zur Regelung der Alabamafrage niedergesetzte Internationale Schied-- gericht in Genf will noch immer nicht den Schleier lüften, der über seinen Be- rathungen ruht. Die Sachwalter weigern sich, mit Personen, die zu dem Tribunal in keinen Beziehungen stehen, Verbindungen zu unterhalten, um bie Presse an jeder Einmischung oder Ausübung eines Enfluss« auf bie Gemüiher ber Schieds­richter zu verhindern. Soviel man aber erfährt, beschäftigt es sich gegenwärtig mit ben Verheerungen, welche bas KaperschiffFlorida" anrtchtete. Das Tribunal wird von nun an wöchentlich fünf Sitzungen halten, nämlich jeden Tag, mit Ausnahme von Sonnabend und Sonntag.

Genf, 24. Juli. Das Schiedsgericht wird morgen eine Sitzung abhalten. Die Sch vierigkeit, welche, wie bereits gemeldet, sich erhoben hatte, besteht darin, daß die Engländer jede Verantwortlikcheit ablehncn, indem England feine Gesetze und seine Verfassung streng zur Ausführung gebracht habe.

Frankreich.

Paris, 23. Juli. DasUnivers" bringt heute einen Artikel, worin ber ultramontane Cierus und sein Anhang in ber Presse in Elsaß unb Lothringen zu ang.strengter Ausdauer im Kampfe gegcn die Deutschen aufgerufen und auf die päpfil chen Zuaven wie auf diechristlichen Schulbrüoer" als Musterbilder deS echten französischen Patriotismus hingewiesen wirb und als dasjenige Ziel, welches anzustreben sei, weil es von Bismarck am meisten gefürchtet werbe, bezeichnet wirb:die Herstellung des wahren französischen Königthums." Also Heinrich V., der Mann des SyllabuS, soll Elsaß unb Lothringen wieder an Frankreich bringen I

Parts, 23. Juli. Das ossicielle Blatt erklärt das von mehreren Journalen gebrachte schreiben Mae Mahon's an den Gouverneur von Paris, worin von der Revue die Rede ist, für unecht. Die Nachricht derTimes", daß man im Var eine geheime Chassepot-Niederlage entdeckt habe, ist vollständig unbegründet. Die Eingangszölle auf die Rohstoffe, welche die Nationalversammlung bewilligt hat, sind ohne Interesse, da sie vor ber Hand doch nicht zur Anwendung kommen werden. Für Deutschland ist nur bie Erhöhung des BterzolleS von 5,60 auf 7 Frcs., welche gleich nach der Veröffentlichung des Gesetzes in Kraft tritt, von Bedeutung. Graf Chambord wird im Monat August in ber Schweiz erwartet. Die Arbeitseinstellung in Billy Montigny (Somme) hat zu einigen Unruhen Anlaß gegeben, in deren Folge Verhaftungen vorgenommen wurden. Der Erdstoß wurde außer in Oran auch noch in Mostaganem, Arzew, Sidi-bel-Abbe-, Saint Denis du Sip unb Mascara verspürt. Ernstliche Unfälle sind nicht vorgekommen. Der Stoß hat 15 Sekunden gebauert.

Das Versprechen, welches Herr Thiers ber Nationalversammlung gegeben, noch vor Vertagung ber Kammer eine erschöpfende Darlegung ber von ihm im Innern verfolgten Politik zu geben, scheint der Rechten nicht genügt zu haben. Eia legitimtst,scher Abgeordneter, Hr. Belcastel, hat in der Sitzung vom 22. d. M eine hierauf bezügliche Interpellation angezetgt. Nach Beschluß ber Kammer soll die Interpellation gleich nach bem Bericht über die Vertagung zur DiSeusston kommen. Herr Thiers wirb also ein politische« Glaubeasdekeantniß abzulegev haben. Man ist gespannt darauf, ob dasselbe den republikanischen Charakter ttagen wirb, welchen die letzten Reden des Präsidenten in der Kammer zur Schau trugen. In Pari« hat man in dieser Beziehung wenig Vertrauen und hält es für wahrscheinlich, baß der Präsident eine Annäherung an die Coalition der Rechten sucht. Man glaubt zwar nicht, daß er soweit gehen werbe, der Llnken den Rucken zu kehren, denn diese Undankbarkeit wäre zu groß gegen eine Partei, deren Unterstützung ber Präsident in seinem Kampfe mit der Rechten zu verdanken hat. Es ist leicht erklärlich, baß Herr Thier« seine Unabhängigkeit von den Parteien so sehr als möglich zu wahren sucht; und jedenfalls wird die- Verlangen in feinen demnächst zu erwartenden Expectorationen Ausdruck finden.

Versailles, 25. Juli. Aubry, St. Omer, Dalivoux und Franyois, welche wegen Bltyetltgung an der Ermordung der 47 Geißeln in ber Rue Haxo zum Tode verurtheilt waren, sind heute Vormittag auf der Ebene von Sartory hin- gerichtet worden. St. Omer starb unter dem Rufe:Es lebe die Commune!" Francois rief:Es lebe Frankreich, nieder mit der Commune!" Drei in der­selben Angllegeuhtit gefällte TobeSurtheile sind gemildert worden.

Italien.

Rom. Der Papst empfing am 20. Juli die Mitglieder seine« ehemaligen Poltjeim.nisteriume und hielt dabei wieder eine längere, vomOsservatore Romano" veröffentlichte Ansprache, au« der wir folgenden originell,n Passus mittheilen:

Es gab einen König in Israel, welcher unter der Eingebung de« heiligen Geistes viele Bucher und Sachen geschrieben hat. Unter Anderem spricht er von e.ner heiligen Jungfrau und erst kürzlich Verlobten, welche in einer Nacht den Gegenstand ihrer Wünsche und ihrer Liebe aufsuchte. Sie ging allein durch die Ltadt, da traten bie Wächter zu ihr, fragten sie, wen sie suchte, und sie sagte ihnen, wen sie zu dieser spaten Stunde gesucht hatte. In jenen Zeiten herrschte e.ne solche Sicherheit, daß eine Frau, eine Jungfrau de« Nacht« allein durch die Stadt gehen konnte. Die heilige Schrift, welche sich so oft mit Kleinigkeiten und unbedeutenden Dingen bescha tigt, wie z. B. mit dem Hund be« Tobia« und anderen mehr, erwähnt nicht, baß cs tn jenen Zeiten Spitzbuben gegeben hat. Daraus laßt sich auf die Ordnung schließen, w.lche in jener Stadt herrschte. Und in damaliger Zeit gab es viel za stehlen. Da gab es einen sehr reichen König, eine Königin, welche Gold, Edelsteine und wcrthvolle Gegenstände an sich trug. Ich sage nicht, büß es damals kirne Spitzbuben gegeben hätte, Spitzbuben gibt es zu allen Zeiten; da aber die heilige Schrift ihrcr nicht erwähnt, so be­weist dies, daß sie vamuts in größerer Anzahl nicht existirten. Ihr seid die Nach­folger jener Wachter, von welchen der weise König spricht. Zwar seid Ihr in den Ruhrstand versetzt, nichtSd.stoweniger ob r seht Ihr doch, waS täglich vorgeht. Ich s'he es nickt, aber ich lese es. Ich lese, baß ein Cassirer mit der Cassc sich davon gemacht hat, und eS waren keine Wächter da, ich lese, daß rin Anderer mit baarew Geld entflohen ist, und es waren keine Wächter da, ich Use, daß die

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