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Preis vierteljährig 1 fl- 12 kr. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig 1 fl. 27 kr.
Gießener Anzeiger.
Erscheint täglich, mit Ausnahme Sonntags.
Expedition: Canzleiberg, Litt B. Nr. 1.
Anzeige- und Amtsblatt jur den Areis Kietzen.
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Nr. ^8. Samstag dm 24. Februar 1872.
Brodpreife Dom 241» Februar bis 2. März 1872,
nach eigener Erklärung der Bäcker:
2 Kilo gemischtes Brod 21 kr. 1 Kilo gemischtes Brod 10y2 kr. 2 Kilo Roggenbrod 18 kr. 1 Kilo Roggenbrod 9 kr.
2 Kilo Roggenbrod (eine geringere Sorte) 16 fr. 1 Kilo desgl. 8 kr.
Amtlicher t b e i i.
Bekanntmachun g.
Mit Bezugnahme auf unsere Bekanntmachung vom A. December d. v. I. bringen wir hiermit weiter zur Kenntniß der Betheiligten, daß die nächsten Prüfungen in folgender Weise vorgenommen werden: _
Mittwoch den 6. März d. I. und folgende Tage
für diejenigen Angehörigen des Großherzogthums, welche im Jahre 1852 geboren And;
Samstag den 9. März d. I. und folgende Tage
für diejenigen Angehörigen des Großherzogthums, welche im Jahre 1853 geboren juib ;
Mittwoch den 13. März d. I. und folgende Tage _ x A
für diejenigen Angehörigen des Großherzogthums, welche in den Jahren 1854 und 1855 geboren, sowie für die Angehörigen eines anoeren (Ltaates, welche nach §.20 der Militär--Ersatz-Instruction im Großherzogthum gestellungspflichtig sind.
Die Prüfungen beginnen an jedem Tage Morgens 8 Uhr im „großen Saale des Nathhauses" dahier. (
Darmstadt, den 10. Februar 1872. Großherzogliche Prüfungs-Commission für einjährig Freiwillige.
Pabst. Strecker. ■ I
Polizeiliche Bekanntmachung.
Ungehaltene, anscheinend gestohlene, Gegenstände.
Ein schwarzer Ilegeufchirm und zwei zinnene Teller sind von uns in Beschlag genommen worden, weil sie höchst wahrscheinlich hier oder in der Nähe gestohlen worden sind.
Wer Ansprüche an diese Gegenstände zu machen hat, wolle sich bald bei uns anmelden.
Gießen, den 23. Februar 1872. Großherzogliche Polizei-Verwaltung der Provinzialhauptstadt Gießen.
Nover.
Politischer T h e i l.
Deutschland.
Frankfurt, 23. Ftbr. Die Stadtverordneten acceptirten gestern Abend in geheimer Sitzung die vom Staate Preußen unserer Statt zur Begleichung ihrer Ansprüche auf Entschädigung für gehabte Einquartierung im Jahre 1866 ange- botene Summe von 176,000 fl. und verzichteten dabei ausdrücklich auf jede weiteren Ansprüche.
Posen, 23. Febr., Mittags. Soeben findet eine Haussuchung unter Leitung des Polizeidirectors in der Wohnung des Domherrn Kozmian anläßlich des gegen den Fürsten Bismarck beabsichtigt gewesenen Attentats statt.
Frankreich.
Paris, 20. Febr. Der Abb6 Michaud richtet an den „Temps" einen neuen Brief, in welchem er auf die von einigen Blättern gegen ihn eröffnete Polemik eingcht. Er sagt u. A.:
„Der „Bien Public" und die „Liberte" beschuldigen mich namentlich, das französische Nationalgefühl zu verletzen, indem ich mich ganz auf die Seite des deutschen EleruS stellte, welcher, sagen sie, „keine andere kirchliche Autorität anerkennt, als die des Herrn v. Bismarck". Wie oft hat man nicht in unserem armen, nur allzu leichtgläubigen und mit den Vorgängen im Auslande nur allzu wenig vertrauten Frankreich wiederholt, daß die orientalische Kirche den Czaaren zum Papste hätte! Und dieser Unsinn wurde selbst von gebildeten Leuten geglaubt! So wagt niuit auch jetzt, weil man den deutschen EleruS in Mißkredit bringen will, drucken zu lassen, daß er keine andere kirchliche Autorität anerkenne, als die des Herrn v. Bismarck. Zur Ehre meines Vaterlandes will ich aber doch noch hoffen, daß eine solche Behauptung nirgends anders geglaubt wird, als in den Bureaux des „Bien Public". Uebrigens, wenn der heil. Paul gelehrt hat, daß es in der Kirche Jesu Christi weder Juden noch Griechen gibt, so habe auch ich das Recht, in Sachen der katholischen Religion von jeder Nationalität abzusehen. Auf dem Gebiete des Evangeliums und der Kirche, welche sich mit Recht die universelle nennt, kenne ich weder Russen noch Deutsche, weder Engländer noch Belgier, weder Italiener noch Spanier. Die Katholiken aller dieser so verschiedenen Nationalitäten schicken mir ihre Beitrittserklärungen: wie wäre dies möglich, wenn die Fahne, welche ich trage, nur eine deutsche Fahne wäre? Sind etwa alle Nationen Europas an Herrn v. Bismarck verkauft? Ja, gewiß, unsere Fahne ist eme ebenso französische als katholische. Wie? Findet Ihr etwa, daß jene romamsttschen Bischöfe und Laien, welche jetzt so wüthend den obligatorischen Volksunterricht bekämpfen, während es doch erwiesen ist, daß der Hauptgrund unserer Niederlagen unsere Unwissenheit war, gute Franzosen sind? Arbeiten sie nicht vielmehr, indem sie das Volk in der Finsterniß erhalten, unseren Feinden, welche sich ^^rsettS unterrichten, in die Hände? Findet Ihr etwa, daß jene romanistischen Bljcho,e und Laien gute Franzosen sind, welche noch gestern, als das erschöpfte Land vor
Allem neues Blut in seine Adern gießen wollte, für die Wiederherstellung der weltlichen Herrschaft des Papstes auf die Gefahr eines Krieges mit Italien und vielleicht sogar mit Preußen petitionirten?" u. s. w.
Paris, 20. Febr. „Die Ungeduld über das Provisorium" greift mit jedem Tage weiter um sich und sie wendet sich mehr und mehr gegen die National- Versammlung selbst, welche wie die Wetterfahne im Sturme hin und her fährt. Auf der anderen Seite verhehlt man sich nicht, daß die Auflösung kaum möglich ist, so lange „der Fremde" noch auf französischem Boden steht. Diese Stimmung kommt der National-Subscription sichtbar zu Gute; aber selbst Blätter, wie der Temps, die sich an die Spitze dieser Zeichnungen gestellt haben, verhehlen sich nicht, daß „die Befreiung des Gebietes" nur durch eine großartige Initiative der Regierung und National-Versammlung zu einem nennenswerthen Ergebnisse führen kann, und sie beschwören daher beide, zu handeln. Diese aber haben andere Dinge im Kopfe und erschöpfen sich in „Jntriguen" , über welche die Stimmung der Landbevölkerungen wie der Stadt Paris sich immer erbitterter ausläßt. Die France weist heute nach, daß der ganze parlamentarische Fusionsproceß ein Dreher im Kreise sei, durch den nichts erreicht werde, als daß die Confusion zunehme: „man regt sich, man zankt, man schreibt Einladungen, man sammelt Unterschriften und wahrt sich am Tage vor dem Einvernehmen; alsbald aber kehrt Jeder auf den Platz zurück, von dem er ausgegangen war."
Italien.
Nom, 18. Febr. Als es in den Beratungen des VaticanS sich darum handelte, zu entscheiden, ob die römische Geistlichkeit sich an dem Leichenbegängnisse des Generals Cugia, der zwar ein Excommunicirter, aber ein Ehrenmann ersten Ranges war, betheiligen sollte, war es Pius IX., der gegen die Ansicht des Cardinals Patrizi die Entscheidung in bejahendem Sinne gab. Dabei stand Antonelli auf Seiten des Papstes. Die Nachrichten über eine bevorstehende Abreise des Papstes dürften jetzt eine solidere Grundlage erhalten. Pius ist eine sehr zu wechselnden Entschlüssen geneigte Natur, und cs liegen starke Anzeichen dafür vor, daß sein Sinn seit einigen Tagen aus's Reisen steht. Sollte der Entschluß zur Ausführung kommen, so mag man sicher sein, daß der Datican, einerlei ob mit Recht oder Unrecht, auf eine unmittelbar bevorstehende diplomatische und eventuell auch bewaffnete Intervention zu seinen Gunsten rechnet. Heinrich V. ist der Hoffnungsanker der hiesigen Restaurationspartei, welche Herrn Thiers den Tod geschworen hat. Und mag die hiesige clertkale Presse, die bekanntlich an der ersten Lüge nicht gestorben ist, es noch so sehr in Abrede stellen: Thatsache ist eS, daß der französische Episcopat ein vertrauliches Circular mit der Aufforderung erhalten hat, alle Katholiken und namentlich die Bauern des flachen Landes zu einer bal- digen Wiederaufrichtung der legitimen Monarchie zu treiben. Wenn der Papst aber abreist, so ist bereits abgemacht, daß er seinen Aufenthalt nicht in Frankreich nehmen wird.
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