Rom, 22. Febr. Das Journal „Fanfulla" versichert, der deutsche Gesandte am päpstlichen Stuhle, Graf Tauffkirchen, werde demnächst einen unbestimmten Urlaub antreten. Demselben Blatte zufolge wird in dem morgen siattfindenden Konsistorium außer den Bischöfen für Rußland auch ein katholischer Primat, welcher in Petersburg residiren soll, ernannt werden. Die „Fanfulla" meldet ferner: Mehrere Bischöfe bestehen auf einer Fortsetzung des Concils in der Stadt Trient. Der Papst soll in Rom verbleiben und sich auf dem Concil durch einen Legaten a latere vertreten lassen. Die Cardinäle Monaco, Capalti und Caterini sind mit den bezüglichen Unterhandlungen betraut; bis jetzt scheint aber Oesterreich nicht geneigt, seine Einwilligung hierzu zu geben.
Rumänien.
Bucharest, 10. Febr. Das Attentat auf die Deutschen, die am 22. März v. I. mit dem Geburtslage des Kaisers zugleich eine Feier des Friedens begingen und dabei unter Mitwissen der städtischen Polizeibehörde von dem durch die Rothen aufgehetzten Pöbel angegriffen und stundenlang mit Steinwürsen bombardirt tourten , war bekanntlich von dem hiesigen Gericht unterster Instanz ziemlich streng beurtheilt und die Mehrzahl der Angeschuldigten mit nicht unbedeutenden Strafen belegt worden. Heute aber hat das Appellgericht anders entschieden uno jene Strafen theils erheblich gemildert, theils ganz aufgehoben. Das Zuchtpolizei, gericht hatte in Betreff der bet jenen schmachvollen Exceffen betheiligt gewesenen Studenten auf einmonatliche Einsperrung und hinsichtlich des früheren Polizei- präfecten von Bucharest, MichaileSku, aus eine halbjährige Haft erkannt. Diese Strafen sind nun für die erstgenannten in eine verhältnißmäßig unbedeutende Geld- büße von 100 Fr. für jeden Einzelnen verwandelt worden, während MichaileSku ohne alle Strafe ausgehen soll und gegen ihn nur die matte Rüge ausgesprochen wurde, er habe bei dem Vorfall „nicht vollständig auf der Höhe seiner Aufgabe gestanden". Ob die Regierung, Vie hierbei kein Tadel trifft, Vie Angelegenheit nun vor den Caffationshof bringen wird, weiß man nicht. Es wäre aber eine Remedur auch im Interesse des Landes selbst sehr zu wünschen; Venn jener viel zu milve UrtheilSspruch ist nur zu sehr geeignet, die Unruhestifter von der rothen Partei und den Frewdenhaß zur Fortsetzung ihres Treibens zu ermuthigen. Was soll werven, wenn der Rechtsschutz der hier wohnenden zahlreichen Fremden vor dem künstlich aufgestachelten Racenhaß von der Regierung nicht aufrecht erhalten werden kann? Das fragt man sich um so mehr jetzt, wo die Gefahr vor AuS- schreitungen, wie sie in Ismail und Kahul vorgckommen sind, sich über das ganze Land zu verbreiten droht und Verletzungen an Leben und Eigenthum, wie sie die „Alliance Jsraelite", stark übertreibend wie immer, der Welt venuncirt hat, in Wirklichkeit zu fürchten sind.
Türkei.
Die Pforte hat, der Boh. zufolge, der Regierung in Bucharest eröffnet, daß sie für den Fall, wo die Iudenhetzen sich nochmals erneuern sollten, ohne daß die einheimischen Gewalten dieselben niederzuhalten vermöchten, die Anwendung des Art. 27 des Pariser Vertrages als begründet erachten und über die zur Sicherstellung der gesetzlichen Ordnung erforderlichen Maßregeln eine Verstän- digung mit den Vertragsmächten suchen werde.
Local-Notizen.
Gießen, 23. Februar. Der Nr. 46 des „Deutschen RcichSanzeigerS" vom 22. Februar entnehmen wir, daß in der gestrigen Sitzung des ersten CongreffeS deutscher Landwirthe der von den ernannten Preisrichtern einstimmig gefaßte Beschluß, wonach der ausgesetzte Preis für eine Preisschrift über die Steuersrage dem Professor Dr. Leisewitz zu Darmstadt (früher Wanderlehrer deS landwirthschaftlichen Vereins der Provinz Oberhessen) zuzuerkennen sei, von der Versammlung angenommen worden ist.
Börsenber ich t e.
Frankfurt a. M., 23. Februar. In Folge besserer Berliner und namentlich Wiener Notirungen befestigte sich zwar heute die Stimmung, doch konnten die Course der Speculations- effecten keine wesentlichen Avancen erringen. Am.beliebtesten waren Creditactien, die in ziemlich regem Verkehr waren und gegen gestern um 3y2 fl. hoher gingen, nämlich bis 365%; auch Staatsbahn errang eine kleine EourSaufdesserung von 1% fi., ebenso Lombarden von 2 fi., österreichische Bankaktien dagegen waren in Folge des von verschiedenen Seiten sich drängenden Angebotes matt, 880. Silberrente hingegen sehr beliebt und höher, 62<%c. Der von uns neulich schon erwähnte Schwindel mit dem Hinauftreiben der Rudolfsbahüactien fand heute, von Berlin aus in Scene gesetzt, wieder seine Fortsetzung und gelang es den Faiseurs auch richtig, den Cours dieses ephemeren BahnpapierS bis 185 steigend zu machen. Von guten jungen österreichischen Bahnen waren Raab-Grazer und ungarisch-galizische in bedeutender Nachfrage und wurden erstere mit 86%—3lt, letztere mit 181 gern bezahlt. Buschterader bei 336 in größeren Beträgen gekauft. Der Prioritätenmarkt war heute gleichfalls recht belebt und wurden namentlich Livorneser und ToSkaner stark gekauft bei höheren Preisen, erstere 38%, letztere 61%, eine Preissteigerung, auf welche wir schon vorige Woche hindeuteten und die voraussichtlich auch noch länger andauern wird. Von Loosen österreichische 1860er etwas höher, ebenso Köln-Mindener. Im Uebrigen war es auf diesem Gebiet ziemlich still. Meininger Prämienpfandbriefe gesucht.
Fr i fch b ä ck r r ? u Gießen.
Sonntag den 25. Februar. Daniel Rühl am Rathhaus, Wilhelm Löber an der Brandgasse und Karl Plank in der Wolkengasse.
kirchliche Anzeige
der evangelischen Gemeinde zu Gießen.
Gottesdienst.
91m 95 Rf-hriinr- ' Morgens I Pfarrer Landmann.
Am 25. Februar. > Nachmittags: Pfarrer Nr. Seel.
Die Pfarrgeschäfte für die Woche vom 25. Februar bis 2. März 1872 besorgt Pfarrer Landmann.
Auszug aus den Kirchenbüchern der Stadt Gießen. Evangelische Gemeinde.
Kopulirte.
Den 19. Februar. Johann Baptist Ludwig Armand Heydacker, Oberlieutenant im Großh. II. Infanterie - Regimente Nr. 116 dahier, des verstorbenen kaiserlichen Einnehmers zu Forbach in Lothringen, Johann Baptist Heydacker, ehelicher Sohn; und Charlotte Susanne Elisabeth Kraus, des pensionirten Großh. Obersten und Regiments-Commandeurs, Karl Ferdinand Kraus dahier, eheliche Tochter.
Getaufte.
Den 17. Februar. Dem Bürger und Arbeiter in der Gepäck-Expedition der Cöln-Gießener Bahn dahier, Martin Kröcker, ein Sohn, Johann Martin, geboren den 23. Januar.
Den 18. Februar. Dem Bürger und Magazinverwalter an der Oberhessischen Bahn dahier, Emil Franz, ein L>ohn, Christian Georg Heinrich Martin Friedrich Karl, geboren den 13. Januar.
Denselben. Dem Bürger zu Gladenbach und Schreiner dahier, Georg Boos, ein Sohn, Julius Emil, geboren den 21. Januar.
Beerdigte.
Den 17. Februar. Professor vr. Franz Schaum, pensionirter Großh. Gymnasiallehrer dahier, alt 68 I. 8 M. 21 T-, gestorben den 15. Februar.
Den 18. Februar. Georg Philipp, aus Nieder-Weidbach, Kreis Biedenkopf, alt 42 I., gestorben den 16. Februar.
Denselben. Marie Christine Johannette Philippine Schneider, geborene Pimper, Wittwe des verstorbenen Bürgers und Kreisboten, Wilhelm Christian Schneider, alt 61 I. 1 M. 2 T-, gestorben den 16. Februar.
Den 19. Februar. Karl Georg Balthasar Hensler, Großh. Hofgerichtsadvokat dahier, des verstorbenen Bürgers und Kaufmanns, Friedrich Hensler, ehelich lediger Sohn, alt 69 I. 10 M. 4 T-, gestorben den 18. Februar.
Den 20. Februar. Johanna Louise Heller, des Bürgers zu Beuern und Schlossers an der Cöln-Gießener Bahn dahier, Johann Georg Heller, eheliche Tochter, alt 6 M. 18 T-, gestorben den 18. Februar.
Den 21. Februar. Ernst Heinrich Ludwig Schmidt, des Bürgers zu Raunheim, Kreis Biedenkopf, und Schlossers dahier, Jakob Schmidt, ehelicher Sohn, alt 2 M- 20 T-, gestorben den 20. Februar.
Den 22. Februar. Christine Auguste Katharine JohannetteWagner, geborene Hartmann, Ehefrau des Bürgers und Schneidermeisters, Georg Wilhelm Wagner, alt 53 I. 9 M. 25 T., gestorben den 20. Februar.
Auszug aus den Livilstands-Uegistern der israelitifchrn Rrligisnsgrmrinde.
Geborene.
Den 22. Januar. Dem Wechsler, Sigmund Heichelheim, ein Sohn, Arthur.
Den 15. Februar. Dem hiesigen Bürger und Geschäftsmann, Moses Jacob Eichenberg, ein Sohn, Karl.
Beerdigte.
Rosine, des hiesigen Einwohners und Geschäftsmanns, Mayer Rothenberger, Ehefrau, gestorben den 6 Januar.
Rettchen Reiß, Wittwe des verstorbenen hiesigen Bürgers und Handelsmanns, Calman Levi Reiß, gestorben den 13. Januar.
Max Mendelsohn, Söhnchen des hiesigen Bürgers und Kaufmanns, August Mendelsohn, alt 1 M. 28 T-
Bßrsennachrichten.
23. Februar 1872.
Aetlen.
5% östr. F. St. E. B. 414%
Lombard. Bahn 216%
Ludwigsh.-Baxbaoh 203 %
Maxbahn 150
Bayer. Ostbahn 154% Rhein-Nahebahn-Act. — Hess. Ludwigsb.-Act. 191% Oberhessen „ 88%
Weeiieel.
Amsterdam k. S. 99
Augsburg k. 8. 99%
Berlin k. 8. 105
Bremen k. 8. 96
Brüssel k. 8. 93%
Hamburg k. 8. 88%
Leipzig k. 8. 104%
London k. 8. 118%
Lyon k. 8. 93%
Paris k. 8. 93%
Wien k. 8. 104
ditto m. 8. —
ditto 1. 8. —
Dis conto 3% %
Preuss. 4%% Oblig. 103% Frankf. 3%% Obi. 88%
Nass. 4%% Obi. 9912 Kurhess. 4% „ 93%
Gr. Hess. 5% Obi. 102%
„ „ 4% „ 97%
» „ 3%% „ 92
Bayer. 5% „ 100%
„ 4%% 1jährige 100%
„ 4% 1jährige 96%
Würtemb. 4% % Obi. 99% Baden 4%% Obi. o. E. L. 99% Oesterr. Silberrente 62% „, Papierrente 54%
Amerik. Bonds 1881r 101
„ „ 1882r 95%
, „ 1885r 96%
„ „ 1887r 97%
Spanier, neuest. 3% 31%
Prioritäten.
3% öster. Steb.-Prior. 59%
3% öst. s. Lombard 86
3% Livorneser 38%
5% Toscaner 61%
5% Elisabeth.-Prior. 83%
do. II. Emiss. 82
Geldsorten.
fl. kr.
Pr. Friedrdor 9 57%—58% Pistolen . . 9 41—43
„ doppelte 9 41—43 Holl. fl. 10 St. 9 53—55 Ducaten . . 5 32—34 20 Frankens!. 9 21—22 Engi. Sover. 11 49—51 Russ. Imper. 9 41—43 Dollar in Gold 2 25-27
Anlehenglooae.
Kurh. 40 ThJr. Loose 71% Nassau 25 fl. 48
4% bayr. Präm.-Anl. 117 Ansbacher 7 fl. 13% 4% badische Loose 114% Badische fl. 35 Loose 71 % 3% Oldenburg, ä 40Thlr. 39% Oestr. fl. 250 v. 1854 83% 1858r Prioritätslooae 194 1860r Loose 90% 1864r „ 154%
Braunschweiger 20% Stadt Florenz 85
Aetlen»
Frankf. Bank 144%
Frankf. Vereins-Kasee 133%
Darmst. Bankaot. 477
Wien Bankactien 881
Galizien 271
Oest. Creditaot. 365%
Frankfurt a. M. Die Annoncen-Expedition von Rudolf Moste in Frankfurt a. M. vermittelt auf dem erfahrungsgemäß erfolgreichsten Wege der Insertion auf das Zuverlässigste alle Arten Verkäufe und Verpachtungen von Gütern, Grundstücken, Fabriken, Gesuche und Offerten, Engagements rc ohne Prooisionsantheil und unter alleiniger Anrechnung der Original -Jnsertionsgebühren.
Allgemeiner Anzeiger.
Besondere Bekanntmachungen.
883) Die aus dem Jahr 1871 noch rückständigen Pachtgelder und Capitalzinsen können nur noch bis Ende !- Mts. ohne Kosten zur Universitätskasse bezahlt werden.
Gießen, im Februar 1872.
Grobherzogliches Universitäts-Rentamt. Schmidt.
Die Vergebung einer Pfründe aus dem Hospital dahier.
844) Wer sich um vorbemerkte Pfründe bewerben will, hat dieses binnen 8 Tagen hier anzumelden.
Gießen, den 22. Februar 1872.
Grobherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
Vogt.
Lersteigerungen.
831) Montag den 26. Februar d. I., Vormittags 10 Uhr,
sollen in dem Pfandhauslocale dahier ein Clavier, ein Sopha, mehrere Tische, worunter ein runder Tisch, Commoden, Spiegel, eine Wanduhr und Küchenschrank, sowie zwei Stücke Damast, ein Stück rothe Plüsche
zum Ueberziehen von Sophas, meistbietend versteigert werden.
Gießen, den 21. Februar 1872.
Großherzogliches Ortsgericht Gießen. Semmler, Ortsgerichtsmann.
906) Dienstag den 27. d. Mts., Morgens 10 Uhr,
sollen bei der Stallmeisterswohnung auf dem Brand dahier Oefen, eine Thüre, vier


