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ment, obwohl dessen Regierung ohnehin nur als dessen Executivcommifsion zu be­trachten ist, künftig auch noch die Rechte der Krone übertragen werden, für deren Ausübung die Minister verantwortlich sind.

Es ist nicht glaubhaft, daß die beiden Anträge, oder einer von ihnen, zur Annahme gelangt; aber sie sind als charakteristische Symptome von großer Be­deutung. Sie deuten das Fahrwasser an, in welches das Staatsschiff Englands getrieben werden würde, wenn sein Steuer nicht mehr von bewährten Händen ge­halten, sondern der Demagogie ober dem staatsflüchtigen Egoismus der lebiglichen Geschäftsspeculation preisgegeben würde.

Jedenfalls steht England vor einem sehr entscheidenden Wendepunkte seiner Geschicke und es hat sich leider seit allzu geraumer Zeit durch so engherzige und thatscheue Rücksicht des materiellen Interesses bestimmen lassen, als daß ein großer Fond moralischer Hilfskräfte ihm noch zugetraut werden formte, den eine Nation bedarf, um eine kritische Lage mit der Zuversicht neuen Aufschwunges zu über- winden.

Deutschland.

Darmstadt, 17. Februar. Das Großherzogliche Regierungsblatt Nr. 9 enthält!

1) Uebersicht der beantragten Umlagen zur Bestreitung von Bedürfnissen der israelitischen ReltgionSgemeinden des Kreises Alsfeld für 1872

2) Ermächtigungen zur Annahme und zum Tragen eines fremden Ordens.

3) Dienstnachrichten. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben aller- gnädigst geruht: am 30. Januar dem Obersten a. D. Mootz die Functionen ein s Mitglieds der Militär-, Wittwen- und Waisencommisston und am 2. Febr. dem Schullehrer an der evang. Schule zu Oberau, im Kr. Vilbel, Joh. Buch, die erste evang. Schulstelle zu Stadecken, im Kr. Mainz, zu übertragen; an dem­selben Tage den Feldwebel im 1. Jnf.-Reg., Joh. Philipp Eimer aus Darmstadt, zum Bureaudiener bei der Gütercxpedition der Station Darmstadt der Main- Neckar-Eisenbahn und am 5. Februar den Polizei - Commissär zweiter Claffe des Polizei-CommiffariatS Mainz Hl. Carl Wilh. Bender zum Polizei-Commissär erster Claffe zu ernennen.

4) Dienstenthebung. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben aller- gnädigst geruht: am 30. Januar den Generalmajor Kehrer von den Functionen eines Mitglieds der Militär-, Wittwen- und Waisen-Commisston unter Bezeigung der Allerhöchsten Anerkennung seiner seitherigen Dienstleistungen in dieser Com­mission zu entheben.

5) Charakterertheilung.

6) Concurrenzeröffnung. Zu der in Nr. 5 des Regierungsblatts enthalte­nen Coneurrenzeröffnung für die evang. Pfarrstelle zu Eich, im Decanate Ost­hofen, wird nachträglich bemerkt, daß von dem zu 2182 fl. 31 kr. angegebenen Gehalte dieser Stelle eine jährliche Abgabe von 150 fl. zu entrichten ist.

Darmstadt, 19. Febr. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben heute Mittag 12 Uhr den bisher an dem Großh. Hofe beglaubigten Kaiserlich und Königlich Oesterretchisch-Ungarischen außerordentlichen Gesandten und bevoll­mächtigten Minister Freiherrn von Vetsera behufs Uebergabe seines Abbcrufungs- schreibens in besonderer Audienz zu empfangen geruht-

Mainz, 20. Febr. Die heutige Generalversammlung der Hessischen Lud- wigSbahn genehmigte einstimmig den Vertrag, betreffend den Verkauf der Taunus­bahn an den preußischen Staat, und ermächtigte den Verwaltungsrath gleichfalls einstimmig zur Erwirkung der Concession für den Bau einer Bahn von der Lahn nach der Ruhr und einer solchen zwischen Hanau und Friedberg, sowie zum An­kauf der Frankfurter Verbindungsbahn, event. zur Erbauung einer Verbindungs­bahn auf dem linken Mainufer und zur Beschaffung der n'öthigen Geldmittel.

Berlin, 18. Febr. DieN. A. Z." reprpducirte einen Artikel derSpen. Ztg.", in welchem es u. A. heißt:Die frechen Intriganten, die jetzt in Berlin gegen Bismarck wühlen, verbreiten das Gerücht, daß die höchsten Personen gegen das Schulaufsichtsgesetz gestimmt seien. Diesem Gerüchte wird dadurch kräftig entgegengewirkt, daß wiederum von höchster Stelle aus den Mitgliedern des Herren­hauses deutlich gemacht wird, wie der Wille des Kaisers hinter seinem Minister- Präsidenten stehe. Das Herrenhaus hat nunmehr die Wahl. Wenn es den Leiden» schäften folgt, von denen beseelt es die sogenannte Commission zur Berathung der Petitionen über das Schulaussichtsgesetz und über die Vorlage selber wählte, so wird es diese Vorlage verwerfen. Dann tritt der Fall ein, daß das Oberhaus des Landes seine Mitwirkung versagt in einem offenbaren Nothstanve des Landes, daß es sich mit den Welfen und Polen und den Jesuiten verbündet. Wenn die Herren Kleist-Retzow und Lippe den Wahn hegen, daß eine solche Coalition dem äußerst jugendlichen Institute des Herrenhauses, welches noch nicht einmal seinen 18. Geburtstag gefeiert hat, keine unheilbare Wunde schlagen werde, dann aller­dings besitzen sie ein Selbstgefühl, welches dem des unfehlbaren Papstes Pio nono ziemlich gleich kommt. Sehe jeder, wie erS treibe, und wer steht, daß er nicht falle! Die Pairs von Preußen spielen ein hohes Spiel, und sie vcrgeffen, daß abgesetzte Ober-Präsidenten und Minister keine englischen Lords sind."

Berlin, 19. Febr. Wie dieK. Ztg." von hier wiffcn will, beabsichtigt Seine Majestät, die Grafen v. Moltke und v. Roon, so wie andere hervorragende Generale und Staatsmänner, deren Namen in den Jahren 1870 und 1871 den vaterländischen Annalen sich eingeprägt haben, in das Herrenhaus zu berufen.

Berlin, 19. Febr. In dem Unwohlsein des Kaisers ist feit gestern eine erhebliche Besserung eingetreten. DieKreuzzeitung" vernimmt, daß der Prä­sident des evangelischen Oberkirchenrathes, Dr. Mathis, den aus Gesundheits­rücksichten erbetenen Urlaub erhalten habe.

Berlin, 20. Febr. Die Besserstellung in dem Befinden des Kaisers ist so weit vorgeschritten, daß derselbe sich wieder den Staatsgeschäften widmet. Die ,/Kreuzzeitung" meldet die Ernennung des Regierungspräsidenten Grafen Eulen­burg in Wiesbaden zum Bezirkspräsiventen Lothringens.

Leipzig, 20. Febr. Eine gestern Abend hier stattgehabte, äußerst zahlreich besuchte Versammlung derGemeinnützigen Gesellschaft" beschloß eine Adresse an den Fürsten Bismarck, welche denselben zu dem glorreich eröffneten Kampfe wider die inneren Feinde des Deutschen Reiches und der deutschen Geistesfreiheit beglück­wünscht, bezeugt, daß der Gründer des deutschen Staates in diesem Abschnitt seines weltgeschichtlichen Wirkens einig gehe mit den tiefsten Bestrebungen des deutschen Volkes, und die im Herzen aller Vaterlandsfreunde lebende Hoffnung ausspricht daß die geeinigte Nation unter ihrem großen Führer auch in diesem schweren Kampfe, ihrer ganzen Stärke bewußt, gleich der Wiederherstellung der

äußeren Grenzen des Deutschen Reichs auch die durch eigene Zwietracht und fremde List verdunkelten Grenzen zwischen den unveräußerlichen Rechten der Staats­gewalt und den tausendjährigen Bestrebungen der Hierarchie neu und sicher auf­richten werde und dem deutschen Volke im confessionslosen Staate die freie in­dividuelle Bethätigung der religiösen Überzeugung gewährt werden wird.

München, 16. Febr. Se. Majestät der König hat laut Allerhöchster Ent­schließung vom 10. d. Mts. die Stelle des Vorstandes der königlichen Akademie der Wissenschaften dem ordentlichen Mitgliebe dieser Akademie, Geheimen Rath Dr. Justus Freiherrn v. Liebig, nach Ablauf der letzten Amtsperiode auf weitere drei Jahre verliehen und demselben Die Function eines General-Conservatorö Der wissenschaftlichen Sammlungen des Staates auf die gleiche Zeitdauer übertragen.

(A. Z.)

München, 19. Febr. Die Abgeordnetenkammer hat heute die Berathung des Budget-Entwurfs bezüglich des Staatsbauwesens beendigt und sämmtliche Positionen nach Den Ausschuß-Anträgen genehmigt, außer den für die Erweiterung Der Würzburger Mainbrücke beantragten 21,500 fl, welche gestrichen wurden. Ein Antrag Pfahler'S auf eine Dem nächsten Landtag einzureicdende, das Verhältniß Der Staatsstraßen und ihrer Unterhaltungskosten regelnde Gesetzvorlage wurde an­genommen.

Tübingen, 20. Febr. Der Professor der Theologie und namhafte Orien­talist Oehler ist gestern Abend gestorben.

Oesterreich.

Graz, 16. Febr. Die Arbeiter versenden Drohbriefe an die Bierbrauer und Bäcker der Umgebung, in welchen ihnen sofern die Preise nicht erniedrigt werden mit der Demolirung ihrer Häuser gedroht wird. (Pc.)

Innsbruck, 16. Febr. Ein bischöflicher Hirtenbrief fordert das katholische Volk auf zum Festhalten an der christlichen Ehe, Schule und Gemeinde. Mit Der Kirche sei es bereits auf das Aeußerste gekommen. Eine Petition der Handelskammer um dtrecte Wahlen enthält scharfe Angriffe gegen die klerikale Landtags-Majorität. (fpr.)

Belgien.

Brüssel, 20. Febr. In Paris haben am Sonntag Abend vor dem Hotel des Herzogs von Aumale feindselige Demonstrationen stattgefunden. Man schreibt derIndep. B." aus Versailles: Man betrachtet die monarchische Staatsintrigue als gescheitert. ThierS ist im Begriff, der Rechten den Absagebrief zu geben. Die Linke wird im Einverständniß mit dem Präsidenten, vielleicht durch Casimir Perier, die definitive Proclamirung Der Republik beantragen. Die Regierung ist entschlossen, die bonapartistischen Umtriebe auf das Strengste zu unterdrücken.

Frankreich.

Paris, 17. Februar. Die GenferPatrie" meldete, Remusat habe Kern das Bedauern der französischen Regierung wegen des Schubs von eilf Mitgliedern Der Commune auf schweizerisches Gebiet ausgesprochen: Die Sache falle unter­geordneten Beamten zur Last. Die Pariser Blätter melden nun, daß Der fran­zösische Gesandte in Bern vom Minister des Auswärtigen Weisung erhalten habe, dieses Bedauern officiell zur Kenntniß des BundeSratheS zu bringen.

Paris, 18. Februar. Es wird bestätigt, daß Die äußerste Rechte Das Pro­gramm Der Rechten unterschrieben hat in Folge eines stillschweigenDen Einver­ständnisses des Grafen Chambord, welcher nicht in Die parlamentarische Bewegung eingreifen will. Die legitimistischen Deputirten hoffen, mit Dem Beitritt Des orleanistischen rechten CentrurnS eine Gruppe von 350400 zu bilDen. Sie erkären, Daß sie Durchaus nicht Die Absicht haben, Vorschläge zu machen, um Das in BorDeaux begründete Provisorium umzustoßen; sie wollen sich nur bereit halten für die Eventualitäten einer Krisis. DasJournal De Paris", Das Organ Der Orleans, bestätigt Die Annäherung aller Fraktionen Der Rechten, aber Die Sprache DerUnion", das Organ von ChamborD, welches von orleanistischen Intriguen redet, läßt vermuthen, Daß Die Verständigung noch nicht vollkommen ist. Es heißt, Die Linke und Das linke Centrum seien geneigt, Dem Programme der Rechten Vorschläge zur Befestigung Der Republik entgegenzustellen. DasBien publik" bringt einen Artikel, worin gesagt wird, Daß gewisse Intriguen gefährlicher seien, als Die bonapartistischen Komplotte. Es beschuldigt Die Anhänger Der Prinzen von Orleans, Das Vorgehen Der Regierung zu hinDern unD Dadurch Die Befreiung des Landes zu verzögern, welche der einzige Gegenstand Der Fürsorge sein müßte.

Versailles, 17. Februar. Heute sprach Das sechste Kriegsgericht sein Ur- theil in Der Sache Der MörDer Der Dominicaner-Mönche von Arcueil bei Paris. Das Urtheil fiel sehr streng aus. Fünf, Serizier, Boin, Lucipia, Pascal und BuDaille, wurden zum ToDe; vier, Guernot, Geronce, Bouillau und Grapin, zur Deportation in eine Festung; Annat, Busquant und Buffo zur einsachen Depor­tation, und Gambctte (ein Greis von 75 Jahren, Der Tambour bei Der Natio­nalgarde gewesen war) zu zwei Jahren Gefängniß verurtheilt. Der Verkündi­gung des Urtheils wohnten nur sehr wenige Personen an. Die Berathung des Gerichtshofes dauerte ungefähr zwei Stunden.

Italien.

Nom, 19. Febr. Der Papst empfing heute etwa tausend Einwohner von Rom, denen er empfahl, für die französische Nationalversammlung, welche sich mit den päpstlichen Interessen beschäftigen werde, zu beten.

Rußland.

Petersburg, 9. Februar. In Odessa war vor Kurzem die am vorjährigen Osterfeste angestellte Iudenhetze Gegenstand einer Verhandlung vor dem dortigen Schwurgericht. Die sechs Hauptbetheiligten bei Der schmachvollen Affaire wurDen freigesprochen.

Die am 28. Januar durch ein heftiges Erdbeben betroffene Stadt Schemacha in Transkaukasien ist allerdings fast ganz zerstört worden, doch sind dabei von der 25,000 Seelen zählenden Einwohnerschaft nicht, wie derGolos" gemeldet, 20,000 Menschen umgekommen, sondern wie DerReg.-Anz." amtlich erklärt, nur 118 Menschen getödtet und 44 verletzt worden.

Vermischtes.

Darmstadt. DieDarmstädter Zeitung" enthält einen bemerkenswertsten Aufsatz von Dr. med. August Klein in Darmstadt über die epidemische Rachenbräune (Diphtherttts), der in­sofern von besonderem Interesse ist, als er auf den Wrrth, welchen die bereits in dem letzten