Wirkstatten der Eisenbahn »an Mühlhausen angestellt und s-me Vorgesetzten be- leufltn, dak er sich immer gut und rechtschaffen betragen hat. Seit 25 Jahren ist er verheirathet und wahrend langer Jahre lebte er tn friedlicher unb glud- ljch-r Ebe; er hatte sogar Ersparnisse zurückgelegi unb sich e-mg- Wohlhabenheit erworben, Der Segen der beharrlichen Arbeit. Aber ein böser Geist, eine Aanp. liebe Leidenschaft brachte Störung in diese stille Haushaltung und vor Gericht geht heute das Drama Der letzteren Jahre zu Ende. Di- Frau des Georg Duvet ergab sich dem Trünke und seit zwei Jahren verursachte sie ihrem Manne Kummer und Verzweiflung und gab ihren Nachbarn das widerliche Schauspiel der Nusschweisungen der Bollerei. Sie trank über die Matzen Wem und ^annt- wein; die Achtung für sich selbst und für die Anderen, die Pflichten der Gattin, Alles »erflog in den Dünsten des Branntweins. Oft kehrte Georg Duvet er- müvet von der Tagesarbeit nach Hause zurück unv sanv feine yrau berauscht. Die Stube war kalt, kein Feuer auf oem Heerd und sein Abendessen bestand in einem
Stück Brod, das er in einer Ecke aß, indem er es mitThranen begoß. Er klagte
seine Nvth den Nachbarn, jammerte über sein Unglück und rief manchmal aus: 3* werde sie eines Tages umbringen und mich nachher! . ." Und wenn man ihm rieth, ruhig zu bleiben und einen so schrecklichen Plan auszugeben, antwortete
er- ,Jch sage dies nur, um ihr Furcht zu machen, um sie vielleicht wieder aus
einen bessern Weg zu bringen." Am 29. October vorigen Jahres, schon am frühen Morgen, war die Frau Duvet wieder betrunken. Sie war aufgefhnDen, hatte den Kaffee für die bei ihr einquartierten Soldaten bereitet, und hatte sich alsdann auf den Befehl ihres Mannes wieder zu Bett gelegt, um ihren Rausch
ausruschlafen. Einige Stunden später, als man in ihr Zimmer eintrat, sand man sie mit zerschmettertem Schädel auf ihrem Bett auSgestreckt; neben ihr lag ein kleines blutiges Beil. Man sucht den Mann, und als man in den Keller trat, findet man ihn in einer Blutlache liegen mit klaffender Wunde am Halse, neben ihm ein Rastrmeffer. Man glaubt ihn anfangs verloren, aber leistet ihm Hufe und er kömmt wieder zu sich; mit erlöschender Stimme sagt er, daß er bedauere, sich nicht getödtet zu haben. Georg Duvet wird geheilt; er erzählt, daß er in das Zimmer seiner Frau eingetreten war, um den Ofen auszubessern; er hielt in t>er Hand ein Stück Eisenblech und ein kleines Beil, um ein Stück von diesem Blech abzuhauen; in diesem Augenblick habe er sich seiner Frau genähert, die ihm Vorwurfe machte und ihn mit Schmähungen Überhäufte, und darauf hin habe er ihr den unheilvollen Streich versetzt. Er war außer sich und ging in den Keller hinab, um seinem traurigen und kummervollen Leben ein Ende zu machen, und da hatte er sich einen Schnitt in den Hals gemacht. Das Beil und das Rasirmesser, mit Blut besudelt, liegen auf dem Tische als Beweisstücke neben einer Fische von weißem Glase, aus welcher die Frau Duvet ihren Branntwein zu trinken pflegte. Duvet hatte, wie gesagt, manchmal auSgerufen: „Ich werde sie umbringen!" Das Gericht hatte in diesen Worten ein sicheres Anzeichen des Vor- bedachtes wahrzunehmen geglaubt. Auch die Untersuchung hatte einige Belastungsmomente in diesem Sinne gesammelt und so erschien also Georg Duvet unter der Anklage des Mordes vor dem Kriegsgericht. Aber die mündlichen Verhandlungen haben den erschwerenden Charakter des Vorbedachtes beseitigt und der Staats- anwalt selbst, von Herrn Städel vertreten, hat verlangt, daß das Kriegsgericht, welches nicht competent ist, um über die unabsichtliche Tödtung zu urtheilen, den Angeklagten vor die zuständige Jurisdiction verweise. Herr Schutzeuberger, der Vertheiviger des Angeklagten, hat sich den Anträgen des Staatsanwaltes angeschloffen, welche vom Gerichte angenommen wurden. Demnach wird Georg Duvet seine That vor dem Schwurgerichte zu verantworten haben. (Straßb. Wchbl.)
Mühlhausen, 14. Jan. Die „N. Mühlh. Ztg." schreibt: Unsere Industrie sah noch nie schönere Tage als die gegenwärtigen; Tag und Nacht reichen nicht wehr hin, die eingehenden Bestellungen auszusühren, alle Vorräthe von fertiger Waare sind vergriffen, der letzte Faden ist aus den Magazinen verschwunden. Wären nicht die Verkaussmagazine in der Stadt, man fände bei den Fabrikanten nicht so viel unverkauften Stoff, um eine Robe, eine Sommerjacke oder auch nur ein Kinderhemd daraus zu verfertigen. Größere Fabrikanten bewerkstelligen die Ablieferung über die Grenze mit eigenen Fuhrwerken, die sie sich zu diesem Zwecke angeschafft haben. Täglich gehen große Fuhren nach Belfort und Mümpelgard, für ein einziges Haus sind 50 Pferde in diesem Dienst.
Metz. Der Krieg führt immer mehr oder weniger Betrügereien tn mannigfacher Hinsicht mit sich. Unter Anderm hat davon die französische Ostbahngesell- schäft einen kleinen Beweis; es wurden derselben im vergangenen Jahre, d. h. nach der Uebergabe von Mctz, in einem Zeitraum von ungefähr 2—3 Monaten auf der neu in Angriff genommenen Strecke nach Verdun nicht weniger als 200,000 Kilogramm Eisenschienen gestohlen. Da es nun nicht gut thunlich ist, diesen Diebstahl den um Metz bivouakirenden Truppen in die Schuhe zu schieben, so wurden überall Nachforschungen angestellt und fand es sich, baß Vie bedeutendsten Eisen- industriellen von Metz und Ars im Laufe der besagten Zeit mehr oder weniger diese Eiscnparthien angekauft hatten. Es fanden sich noch ungefähr 50 -60,000 Kilogramm vor, der Rest war verarbeitet. Hauptkäufer soll eine in Nancy eta- blirte Gesellschaft sein, und die daran detheiligten Handelsleute bedauern seh-, auf diese Weise vor den Tribunalen erscheinen zu müßen. Der Diebstahl wurde großartig mit 10—12 Fuhrwerken bewerkstelligt und am Hellen lichten Tage.
Oesterreich.
Wien, 13. Januar. Die „Presse' schreibt: Ganz unverkennbar haben die Feudal-Elerikalen es vorauf abgesehen, gerade jetzt durch eine Kette eklatantester GesetzcSverhöhnungen dem mächtigen Eindrücke der Thronrede und der Reichs- rathSeroffnung auf die Bevölkerung ein Paroli zu bieten. Man braucht ja nur das „Vaterland" und die Czechenblätter zu lesen, um zu begreifen, daß es ganz ernstlich darauf abgesehen ist, der Masse die Richtigkeit des Raisonements einzu- trichtern, der Monarch wartet nur auf den Augenblick, wo er sich seines gegenwärtigen Ministeriums wird entledigen können, daher müssen Fürst Auersperg und seine Collegen ruhig zusehen, wie sie von ihren eigenen B-amten ins Gesicht verhöhnt werden. Dies ist Vie alte Märe von dem vergewaltigten Kaiser, den man aus seiner Zwangslage befreien müsse, wie Herr Greuter sie unter der Linde von Hippach seinen gläubigen Zuhörern gepredigt, tote „Vaterland" und „Politik" sie täglich Wiederkäuen. Wie nun soll es gelingen, Vie irregesuhrte verblmvete Menge von ihren Führern loSzureißen, Vie feuval-clenkalen Streithähne zu isoliren, Vie Polen als Alltirte der Verfassungspartki zu gewinnen, wenn Symptome sich ausdeuten lassen, vaß die Junker am Ende wieder Oberwasser erhalten könnten, und wenn die Regierung sowenig thut, ihnen das Handwerk zu legen? Der Olmützer Erzbischof durchreist feine Diöcese und cassirt ungestraft staatliche Urkunden, tritt
ungeahndet die confessionellen Gesetze mit Fußen, indem er die Civilehe aus den Matrikeln streicht. Der BezirkShauptrnann von Melnik bringt einen quasi offi- cicllen Toast auf die Feinde der Verfassung aus. Der Pfarrer von Bruneck ana- thematisirt von der Kanzel alle Leser des Tiroler Amtsblattes. Die Regierung legt solchem Unfuge gegenüber, der schon an Faschingsscherze streift, noch immer die Hände in den Schooß ... und dann will sie sich wundern, wenn der gemeine Mann ven Kopf über die Thronrede schüttelt und sich mit seinem gesunden praktischen Sinne an bas hält, was er mit seinen eigenen Augen sieht.
Als Probe, wie die Feudal-Clerikalcn Polemik führen, mag folgende Stelle aus dem „Vaterland" dienen: Dr. Glaser unb fein Freund Ungar, geborene Juden, arbeiten wacker darauf los, daß Vern Ministerium Auersperg der freisinnige Ruhm zu Theil werde, die Kirchengüter conßscirt zu haben; ja, es heißt, Minister Glastr sei wieder mit Benutzung der konfessionslosen Gesetze ins Judenthum zurück- getreten, um uns diese nette Bescherung zu bereiten. Also am Enve ist es doch keine leere Sage, daß die europäische Judenligue, welche einer vollkommenen 93er- schwörung gegen alle europäischen Völker gleichkommt, unlängst an Die Flüssig- wachung eines Kapitals von vielen Millionen gegangen ist, um einen großen Theil des Großgrundbesitzes im österreichischen Kaiserstaat in „koschere" Hände zu bringen? Das ist ja eine recht allerliebste Spekulation! Unsere österreichischen Bahnen haben die Juden zum größten Theil in der Hand, unsere privitegirten Banken sind ebenfalls ihr Territorium. Was bleibt also übrig, als daß sie uns noch den letzten Rest unseres Vermögens nehmen und daß der ReichSrath beschließe, daß wir Unglückliche in den Stand der Leibeigenschaft „Dem au-erwählten Volke Gottes" gegenüber versetzt würden. Gott ver Gerechte, wird das ein Vergnügen ein, wenn die jüvischen Freiherren und Barone und öffentlich auspeitschen lassen! Ich begreife nur Eines nicht, warum nämlich noch kein Gesetz in Vorschlag ge- braeht worden ist, daß in den ReichSrath fortan nur ein „freier" Staatsbürger gewählt werde, der sich auSweisen kann, daß er von „reiner" jüdischer Abkunft unb bis Dato Erzjude ist. WaS haben die Gojim in einer so noblen Körper- chaft zu thun? Ebenso finde ich es höchst unstatthaft, daß man Die durch die o zahlreiche Anwesenheit von Vollblutjuven längst „geheiligte" Stadt Wien noch immer nicht „Neu-Jerusalem" getauft hat.
Belgien.
Brüssel, 15. Jan. Der „Etoile belge" zufolge haben in mehreren Gruben ves Kohlenbeckens von Charleroi bedeutende Arbeitseinstellungen ftattgefunden. Bis setzt sind keine Unordnungen vorgefallen. Die Direktoren Der Gruben beschlossen, Die Arbeiten so lange, als es nothwenDig erscheine, ruhen zu lassen.
Frankreich.
Paris, 15. Jan. Valentin, Präsect von Lyon, Der wegen einer willkürlichen Arrestation in eine Geldstrafe von 4000 FrS. verurtheilt wurde, hat feine Entlassung eingereicht. — General Wimpffen ist nach feiner Vernehmung nach Algier zurückgekehrt. ,
Versailles, 15. Jan. Nationalversammlung. Thters, indem er dem Herzog von Decazes antwortet, sagt, die Handelsverträge könnten umgeänDert werden, ohne daß hierdurch Streitigkeiten entstünden. Die fremden Mächte wüßten, daß unsere Schritte durch die Nothwendigkeit geleitet feien, uns Hülfsquellen zu ver- schaffen. Thiers verlangt Den Schluß Der allgemeinen Berathung; Die Versammlung beschließt Dagegen, Die allgemeine Berathuug morgen fortzusetzen.
England.
London, 13. Januar. Durch Die Nachlässigkeit einiger Angestellten des indischen Amtes ist ein Schriftstück an die Oeffentlichkeit gerathen, welches offenbar nur für die Augen des Generalgouverneurs von Indien und ves Herzogs von Argyll, unseres indischen Ministers, bestimmt war und, nun veröffentlicht, in Kal- futta, Benares und Gwalior wohl noch zehnmal größeres Anffehen erregen wird, als hi^r in England. Es rührt von Lord Napier, dem Oberbefehlshaber Der britischen Streitmacht in Indien, her und hat den Zweck, durch eine Beschreibung des Zustandes Der indischen Garnisonen Der Ausführung gewisser Beschlüsse Der Regierung entgegenzutreten, wonach die Feldartilleric Der indischen Armee auf Die Hälfte ihrer Stärke vermindert werden soll. Zu einer Zeit, wo jeder militärische Sachverständige Den engen Zusammenhang zwischen einer tüchtigen und zahlreichen Artillerie und einem erfolgreichen Feldzüge einsieht, ist es sehr erklärlich, vaß jene Ansicht ver Regierung auf Widerspruch stößt. Der „©lobe" bekräftigt solchen Widersprach durch Den Hinweis auf Die eingeborenen Fürsten, welche in aller Stille ihre Artillerie zu verstärken suchen. Ein MahrattewHäuptling hatte sogar eine geheime Geschützgießerei eingerichtet, Die mit Dampf betrieben ward. Augenscheinlich sieht Lord Napier einem neuen großen Kampfe in Indien entgegen, während die 'englische Regierung ihre Augen schließt, um nur wieder mit einem wohlgefälligen Budget vor's Land zu treten. „So steht es und bevor, sagt das konservative Blatt, vaß wir vier oder fünf Jahre lang einen blühenven indischen Staatshaushalt haben mögen, um Dann Durch einen plötzlichen vulkanischen Ausbruch in Schrecken gesetzt zu merDen. Aber Die Knauserei über Alles, wenn sie auch Darin auslaufen sollte, vaß Indien und alles Vermögen, das wir in das Land gesteckt hoben, Dem ersten besten Manne zufällt, Der mit einer Armee hinter feinem Rücken unser Besitzrecht anzufechten Den Muth hat!" Nicht nur in Der konservativen, fonDern auch in einem großen Theile der liberalen Partei herrscht großes Mißvergnügen über Die übertriebene Sparsamkeitspolitik Der Regierung.
Amerika.
Newyork, 10. Januar. Wenn es in Deutschland noch Leute gibt, die sich aus politischer Unzufriedenheit nach Den Vereinigten Staaten als Dem Hort Der Freiheit sehnen, so mögen sich dieselben ein Gesetz ansehen, welches der Senat ves freien Staates Illinois eben angenommen hat. Dasselbe bekundet einen Sieg der Entholtfarnkeitspartei, besser Waffermucker genannt, und umfaßt u. A folgende Bestimmungen:
§. 4. Wer durch Den Verkauf geistiger Getränke, gleichviel ob mit oder ohne Concefsion, dazu Veranlassung gibt, daß sich Jemand berauscht, ist Demjenigen, Der den Berauschten in Obhut nimmt, für eine angemiffene Entschädigung haftbar und hat außerdem für jeden Tag solcher Oohut 2 Dollars zu zahlen.
5. Ehegatten, Kinder, Eltern, Vormünder oder Arbeitgeber, welche durch Die Betrunkenheit ihrer Angehörigen an Person, Eigenthum oder Mitteln zum Lcbens- unterhalt Schaden oder Einbuße erleiden, können von demjenigen, der durch den Verkauf geistiger Getränke jene Betrunkenheit veranlaßt hat, Schadenersatz ein-


