Divisionen dahin mit Anweisung zu versehen, daß bei bevorstehenden Ablösungen älterer Mannschaften der OccupationSarmee thunlichst den Verhälttnssen derjenigen Mannschaften Rechnung getrogen werde, welche bereits vor dem 1. Oktober 1870 zur Erfüllung ihrer aktiven Miiitärpflicht als einjährige Freiwillige angetreten sind. Für die nach dem 1. Oktober 1870 eingetretenen Mannschaften ist weitere Bestimmung noch Vorbehalten worden.
Berlin, 13. Jan. Die „Kreuz'Zeitung" erklärt, daß die Mlltye.lungen der hiesigen Presse über den angeblich schon erfolgten Rücktritt.deS Cultu-mmlsters v Mühler wesentlich Vermuthungen seien; die Angelegenheit befinde sich noch in einem Stadium, daß sich die Details der öffentlichen Kenntniß und Besprechung entzögen.
Schweiz.
Bern 13. Jan. Dem Wunsche der deutschen Regierung entsprechend, hat der Bande/rath die Anordnung getroffen, daß der schweizerisch-deutsche Handels- und Zollvertrag, sowie der Vertrag zum Schutze des geistigen EigenthumS von 1869 auch auf Elsaß-Lothringen Anwendung finden sollen.
Belgien.
Brüssel, 13. Jan. Die Wahl Rouher'S in Corsica ist sicher. — Picard hat nach einer Konferenz mit Thiers erklärt, er wolle nicht mehr auf den Posten in Brüssel zurückkehren.
Frankreich.
Paris, 9. Jan. Sechstes Kriegsgericht von Versailles. Verhandlung gegen die Mörder der Geistlichen. Sitzung vom 8. Januar. Auf die Verlesung des Anklage - Actes, den wir schon gegeben, folgt das Verhör der Angeklagten. Francois, welcher bas Ansehen eines friedlichen Bourgeois hat und bei aller Ruhe, die er offectirt, feine Lage in ihrer ganzen Schwere zu erkennen scheint, leugnet, bei der Erschießung der Geißeln betheiligt gewesen zu sein. Am 24. Mai will er die Kanzlei nicht verlassen haben und allein, nicht aber, wie ein Zeuge behauptet, mit Ferr6 gefrühstückt haben. Die Weisung, sechs Geißeln zu erschießen, habe deren nur zwei namhaft gemacht. Er habe protestiren wollen, aber bald das Unnütze jeder Einmischung cingesehen. Er weiß auch nicht, wie die übrigen Geißeln aus den Gefangenen ausgesucht wurden, leugnet aber, an diesem Tage, wie auch sonst, betrunken gewesen zu sein. Auf die Anschuldigung, aus der Zelle des Erzbischofs religiöse Gegenstände und eine Summe von 20,000 Fr. gestohlen zu haben, erwidert Francois, daß er davon weder etwas genommen noch gesehen habe. Nach der Hinrichtung habe er sich in sein Zimmer zurückgezogen. Daß die Namen der Geißeln vom 21. Mai ob nicht mehr in das Gefängnißregister eingetragen wurden, führt er auf eine Nachlässigkeit des von der Commune ernannten Registrators zurück, für die er nichts könne. Aufgefordert, einen Bericht über den Verlauf des 24. Mai zu geben, erzählt Francois das Bekannte: er habe Weisung erhalten, gehorchen müssen und weiter keinen Theil an der Hin- richtung genommen. Zweimal habe er versucht, sich derselben zu widersetzen, und besaß auch im Gefängnisse keine bewaffnete Macht, die ihm dies ernstlich gestattet hätte. Er erkennt unter den Mitangeklagten keinen der betheiligten National- ▼ — , < . ■ v.v Mnauiuöiu< i/IVBfflin, VCF VtyuupiCl,
ganz einflußlos im Gefängniß gewesen zu fein, und sich darauf beruft, baß jeder Widerstand seinerseits unnütz gewesen wäre, indem er an den Säbelhieb erinnert, den er erhalten, als er nicht schnell genug die Geißeln zu holen bereit war. Auch er will der Hinrichtung nicht betgewohnt haben. Nach derselben habe er jedoch mit dem Unter - Registrator von La Roquette und dem von Petite - Roquette die Leichname recognoscirt und ihre Werthsachen in ein rothes Tuch gelegt, das in ein Zimmer des Gefängnißdirectors getragen worden sei. Francois behauptet, daß man diese Gegenstände unter ein Ruhebett gethan, dessen er sich nur bei Tage bediente. Um die Werthsachen habe er sich nicht gekümmert; am nächsten Tage sei ihm gesagt worden, daß man dieselben verbrannt habe. Romain bestätigt übrigens, daß FranyoiS der Plünderung der Zellen nicht beigewohnt. Er erkennt unter den Mitangeklagten Pigöre als denjenigen Offizier der Nationalgarde, welcher das Executions-Peloton commandirt habe.
Paris, 9. Jan. Nichts ist dem französischen Landvolke verhaßter, als das Wort: Froynve. Darauf fpeculirt die klerikale Partei und, um die Schulpflicht zu brandmarken, nennt sie dieselbe mit diesem Schreckensnamen. „Die Herstellung der Frohnde," schreibt das UniverS, „welche Herr Jules Simon der Rational- V rsammlung unter dem Vorwande des obligatorischen Unterrichts vorschlägt, hat das Journal des Debats und den Temps entzückt." ... Also es ist Frohnde, wenn der Franzose lesen und schreiben lernen und ein Zeugniß dessen bei Einschreibung in die Wählerliste vorzeigen soll — meinen die Ultramontanen.
Parts, 10. Jan. Gaiern! Cremer ist nach der „Gazette des Tribunaux" verhaftet worden, da er sich dem Gericht in Beaune nicht gestellt hat. Er ist von einem Polizeibeamten nach Beaune transportirt worden. (Jnd. b.)
Parts, 12. Jan. Wie verlautet, ist die Zahlung der fälligen Rate von 80 Millionen Francs auf die vierte halbe Milliarde für den nächsten Montag vollständig angewiesen.
Parts, 12. Jan. Der deutsche Botschafter, Graf v. Arnim, und der französische Minister des Auswärtigen, Remusat, haben heute die Ratificationen der Zusatzconvention zum Friedensoertragc ausgetauscht.
Versailles, 13. Jan., AvenvS. Nationalversammlung. Thiers befürwortet in längerer Rede die Besteuerung der Rohstoffe, welche der einzig mögliche Modus wäre, indem er zugleich an den Patriotismus der Versammlung appellirt. Die Regicrung habe vor Allem zwei Ausgaben, erstens das Uebereinkommen von Bordeaux, dessen Bruch unberechenbare Nachtheile zur Folge haben würde, unter den Parteien ausrcchtzuerhalten, und zweitens alle Anstrengungen zu machen, um nicht nur die politische, sondern auch die intellektuelle Anarchie zu verhindern. Die Rede des Präsidenten wurde sehr beifällig ausgenommen. Die Berathung wird Montag fortgesetzt werden.
England.
London, 10. Jan. Der Herzog von Gramont wird mit der harmlosen Unversaamiheit, womit er aus den Depeschen von Lord Augustus Loftus nachzu- wasen suchte, daß Preußen den Krieg vom Zaune gebrochen, selbst vor dem Versailler UlitersuchungS-Ausschüsse und bei seinen übrigen Landsleuten wenig Glück gehabt haben. Im Auslande wird sich Niemand in dem Gewebe von Ausflüchten fangen lassen, mit welchem der frühere Minister des Auswärtigen feine leichtsinnige
Politik zu verdecken meint. Die Times kann sich des Spottes nicht enthalten, wenn sie die sonderbaren Widersprüche in den Aussagen des Herzogs einander entgegenstellt: der Kaiser zieht wider Willen in den Krieg, und doch hat er sich vorher Bundesgenossen verschafft, wie Gramont behauptet; nichts lag der französischen Regierung ferner, als der Gedanke an einen Bruch mit Preußen, und doch hatte sie, wie sie glaubte, Süddeutschland hinreichend bearbeitet, daß eS gegen Preußen die Waffen ergriffen hätte, sobald nur ein französischer Soldat in die Pfalz eingerückt wäre. „Seit 1866", sagt die Times im Weiteren, „hatten die luxemburger Frage, die belgischen Eisenbahnen, die Gotthardbahn und andere Dinge Gelegenheit gegeben, das gegenwärtige Uebelwollen erkennen zu lassen. In allen diesen Fällen war die Welt überzeugt, erstens, daß die Zwistigkeiten aus französischen Anmaßungen entsprangen, zweitens, daß sie durch deutsche Nachgiebigkeit beseitigt wurden. Die hohenzollerische Angelegenheit würde keine Ausnahme von der Regel gewesen fein. Aber Frankreich war nicht zufrieden mit dem Rücktritte des Thronbewerbers; es stellte an Preußen Forderungen, welches dieses als eine vorsätzliche Beleidigung betrachten mußte, und als auf den Schimpf geantwortet wurde, zog die französische Regierung „leichten Herzens" in den Krieg. Gramont ist aber entrüstet über Herrn Thiers, der die Behauptung, daß die Kriegserklärung eigentlich von Berlin ausgegangen sei, als eine „amtliche Lüge" brandmarkte. Aber das einzige Beweisstück, welches der Herzog vorsührte, ist die Depesche von Lord Augustus Loftus vom 13. Juli 1870. Die englische Depesche aber ist nichts weiter, als ein sonnenklares Zeugniß, daß Bismarck seine Geduld so weit ausgedehnt hatte, daß es Feigheit gewesen wäre, sie noch weiter anzuspannen. Gramont deutet an, daß nur die Angriffe des Herrn Thiers gegen die kaiserliche Regierung England daran verhindert hätten, einen starken Druck auf Preußen auszuüben, um nach Sedan günstige Bedingungen für Frankreich zu erwirken. Eine grundlose Behauptung. England hatte nie die Macht, in den Kampf einzugreifen. Vor dem Busbruche des Krieges hätte es vielleicht, indem es, wie in Dem luxemburger Falle, schwere Verbindlichkeiten auf sich genommen, den Tag des Unheils hinausschieben, aber nicht abwenden können. Eine Einmischung nach Sedan aber würde nicht den Frieden, sondern nur den Anfang eines allgemeinen europäischen Kampfes herbeigesührt haben."
Amerika.
Newyork, 12. Jan. Dem Vernehmen nach wird die Legislatur des Staates Newyork ein Comite ernennen, welches die Angelegenheit der Eriebahn prüfen und Die jetzige Verwaltung ihres Amtes entheben soll.
Washington, 12. Jan. Der Präsident hat, nach erfolgter Berathung mit dem Cabinet, beschlossen, den Kriegszustand in Louisiana nicht proclamiren zu lassen.
Asien.
Die Unternehmungen und Fortschritte der Russen in Mittelasien fangen an, England ernstlich zu beunruhigen und es zu einer kräftiger» AciionSpolitik in jenem Welttheil aufzustacheln, und zwar um so mehr, als die Malkontenten in Indien jene Unternehmungen mit gespannter Aufmerksamkeit verfolgen und auf dieselben kühne Hoffnungen setzen. In der einheimischen Bevölkerung des eng- ttjcyrn Indiens i|i vlr Utvngiugung verbreitet: die englische Herrschaft in Asien gehe ihrem Ende entgegen, und das mächtige Rußland und China würden diese- Befreiungswerk Indiens vollbringen. Daß dieser Ueberzeugung tenventiöse Agitationen von außen zu Grunde liegen, und daß das Terrain in Indien in dieser Richtung eifrig und mit Erfolg vorbereitet wird, unterliegt keinem Zweifel. Abgesehen von vielen andern Symptomen, Mordthaten, Jnsuborvinationssällen, Attentaten und dergleichen mehr, kommt es vor, daß, wie neulich in Lahor sich ereignet hat, ganze Banden Eingeborener des Nachts die Straßen durchziehen und unge- schrut Gesänge vortragen, in denen das baldige Ende der englischen Herrschaft gefeiert, und der Entschluß der Unterdrückten verkündigt wird, ihr Blut wie Wasser für ihren Glauben und ihre Freiheit zu vergießen. Die englische Regierung kennt auch die Gefahren sehr gut, welche ihre Machtstellung in Indien bebrohen, und entwickelt jetzt eine energische Thätigkeit, um ihnen zu begegnen. Bei Delhi, im nordwestlichen Theile der Halbinsel, ist ein großes Lager errichtet, welches einen doppelten Zweck hat, einen militärischen und einen politischen. Der erstere besteht Darin: die cinheimischen Truppen von der Bevölkerung zu ifohren und ihre Schlagfertigkeit für einen großen Krieg durch strategische und taktische Manöver, Be- lagerungsoperationen, Errichtung von Feldbefestigungen, Flußübergängen, Anwendung des elektrischen Telegraphen und der Armeesignale und durch andere Uebun- gen in großem Style zu entwickeln. Der politische Zweck dieses Lagers ist aber Der: eine ansehnliche Truppenmacht in steter Bereitschaft zu halten, um in der Lage zu sein, sowohl innere Bewegungen rasch zu unterdrücken als auch um äußern Conflicten kra^l g die Spitze zu bieten. Vemerkenswerth — und unsere oben ausgesprochene Ansicht über die Stimmung in Indien bestätigend — ist aber der Umstand, daß, wie auch telegraphisch berichtet wurde, unter Den Eingeborenen in Indien Die allgemeine Meinung verbreitet ist: Der Zweck des großen Lagers bei Delhi sei gegen Die russische Gefahr gerichtet.
Ein zweite großartige Maßregel Der englischen Regierung ist Die eben jetzt mit Dem Aufwand außerordentlicher Kräfte und Mittel in Ausführung begriffene Expedition gegen die Luschai. Diese sind ein wilder und verwegener Volksstamm, welcher Die nordwestliche Hügelgegend des Königreichs Birma bewohnt und häufige Einfälle in das britische Gebiet unternimmt, Die in letzter Zeit einen sehr bedenk- lichcn Charakter angenommen haben. Es ist nämlich wehr als wahrscheinlich, oaß diese Einfälle von Der birmanischen Regierung, und zwar im Einverständniß mit einer dritten Macht, aufgemunt rt und unterstützt werden. Durch einen aufgefangenen Brief sind nämlich Die Engländer zur Erkenntniß gelangt, daß in jüngster Zeit nicht weniger als 60,000 Feuergcwehre nebst entsprechender Munition Durch das britische Gebiet selbst, folglich durch Vermittelung indobritischer Unter» thanen, in das Land Der Luschai geschmuggelt worden sind. Die Waffen sind also über's Meer gekommen, und da die'Luschai keine direkten überseeischen Verbindungen mit anderen Ländern und auch nicht Die Mittel haben, sich so ansehnliche Waffenvorräthe zu verschaffen, so steht das Einverständniß einer dritten Macht mit diesem kriegerischen Bergvolk außer allem Zweifel. Zu diesen Umstanden gesellt sich auch Die feindselige und herausfordernde Stimmung gegen England, welche sich in letzter Zeit am Hofe des Königs von Birma kundgab. Bekanntlich war Birma einst ein mächtiges Reich, welches sich bis an den bengalischen Meerbusen erstreckte, dem aber England zu Anfang dieses Jahrhunderts in kluger Voraussicht die westlichen und südlichen Küstenprovinzen von Arakan und Pegu
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