Frankreich.
Paris, 9. August. In den „D^bats" phantafirt I. Lemotnne über die Mtlliardenanleihe, wie folgt:
„Eine Nation ist reich, weil sie producirt, nicht weil sie raubt. Der Feind hat uns unsere Ersparnisse genommen, aber er hatte sie nicht gemacht, und sie werden ihn nicht bereichern, veil er sie nicht nutzbringend zu machen weiß. Diese Invasion der Deutschen ist wie die der Burggrafen gewesen, welche von festen Schlossern in die Ebene herabstiege,, um zu plündern und die ihre Beute in ihre Höhlen wegschleppten. Die Ebene begann zu produciren; sie lernte sich vertheidigen und sich befestigen; die mit Zinnen versehenen Schlösser sind gefallen und sind nur noch Zierden für die Eisenbahnen und Dampfschiffe. Die Deutschen von heute sind keine Barbaren mehr; o nein! sie können lesen, schreiben, rechnen — namentlich rechnen. Sie sind Wilde, aufgezogen und verdorben von Mathematikern. Aber sie verstehen nur zu nehmen, sie verstehen nicht nutzbringend zu wachen. Die zwei ersten Milliarden, welche man ihnen gegeben hat, haben sie schon in ihrem Gleichgewicht gestört; die drei andern werden ihnen den Rest geben. Trösten wir uns in ihrem Anblick, und wenn der Gegenstand nicht so wichtig und so traurig wäre, würden wir an jenes Wort des älteren Dumas erinnern, den mau um 10 Francs für das Begräbniß eines Gerichtsvollzieher- bat, und der antwortete: „Hier sind 20 Francs, begraben Sie zwei." Bezah- len wir also und gehen wir an die Arbeit. Beginnen wir wieder mit der Production, ordnen wir die Ersparung wieder. Denken wir nicht an die Offensive, sie hat uns zu viel gekostet, aber organifiren wir die Vertheidigung, um die Frucht unserer Arbeit gegen die Raubthiere zu schützen."
So weit sind die für am einsichtvollsten und gebildetsten gehaltenen Fran- zosen an Selbsterkenntniß gekommen.
Paris, 10. August. Das Journal des Debats bringt eine Correspondenz aus Niederbrunn iw Elsaß, die in mancher Beziehung bemerkenswerth ist. Der Verfasser betont zwar die unwandelbare Anhänglichkeit der Elsässer an Frankreich, läßt aber such zugleich der gegenwärtigen Regierung Gerechtigkeit widerfahren. So sagt er wörtlich: „Man hat sich über die deutsche Herrschaft gerade nicht zu beklagen. So viel ich nach einigen Tagen urtheilen kann, scheint mir die preußische Verwaltung im Elsaß vernünftig und durchaus nicht vexatorisch. Sie rst selbst toleranter, als wir es sein würden, wären die Rollen umgekehrt. Die ranzösischen Journale dürfen frei circuliren und unsere Nationalfarben find überall zu sehen, obwohl fle offenbar ein Zeichen der Opposition sind." Hinsichtlich der Feier dec Jahrestages der Schlacht von Wörth durch die deutschen Truppen agt der Verfasser, Herr H. G. Montfcrrier, daß die Einwohner selbst anerkennen, daß dieselbe mit großem Tact begangen und ihre Gefühle respectirt wurden, und fügt hinzu: „Ich durchstreifte die Lokalitäten am Abend und sah nirgends eine deutsche Fahne. Die Elsässer ihrerseits schmückten die Gräber der französi- chen Soldaten mit Kränzen und selbst tricoloren Fahnen, ohne daß dieser weihevollen Kundgebung ein Hinderniß in den Weg gelegt worden wäre."
Italien.
Braunsberg. Die jüngst durch die Blätter gegangene Mittheilung, daß Bischof Krementz seine Braunsberger Excommunicirten nicht weiter belästige, sie namentlich nicht im Kirchengange störe und den Umgang mit ihnen freigebe, erhält durch das Ermelander Volksblatt eine Illustration. In diesem Blatte wird be- wiesen, daß der Dispens habe eintreten können, weil die beiden Excommunicirten jetzt „als erklärte Heuchler dem Meßopfer beiwohnten und also nicht mehr schäd- lich sein könnten."
Meiningen. Die vom Landtage den Lehrern bewilligten Alterszulagen treten erst vom vorigen Monat an ein. Es hat daher der hiesige Magistrat den löblichen Beschluß gefaßt, die Lehrer der hiesigen Stadt schon auf das erste Halbjahr mit der Alterszulage zu erfreuen. Wie aber der Lehrervoth am besten abzuhelfen, das hat jetzt ein kluger Kopf entdeckt und in der für die Rhön-Orte in Salzungen erscheinenden „Rhön- und Werrazeitung" auch zum Besten gegeben. Die Lehrer — meinte er —- sollten es den Arbeitervereinen nachmachen. „Thut Euch zusammen, Ihr großstädtischen Lehrer, verständigt Euch über die materiellen Forderungen, die Ihr zu stellen habt, verständigt Euch aber vor allen Dingen auch über die geistigen Forderungen, schließt einen Bund mit der Losung: Einer für Alle und Alle für Einen, und sobald eure Zahl es irgend gestattet, dann unterbreitet Euren Gemeinden Eure Forderungen in der augedeuteten Weise. Setzt Männer an die Spitze, denen es weder an Begeisterung für die Sache, noch an Energie fehlt; seht nicht immer auf Die, die ihr Schäfchen schon im Trockenen haben, und Ihr werdet in fünfzig Wochen ungleich mehr durchsetzen, als Ihr in fünfzig Jahren durchgesetzt habt." Also die Lehrer sollen Strike machen! Dieser Kauz sollte in den Reichstag gewählt werden.
München-Gladbach, 8. August. Der „Düsseldorfer Anzeiger" brachte die Nachricht, daß hier bet Gelegenheit eines Fackelzuges auf den Erzbischof von toDrt,tn sei. Nach zuverlässigen Ermittelungen hat, wie der m 'T18 "a ' Elches Attentat auf den Erzbischof nicht stattgefunocn. Das Gerüchts ist möglicherweise daher entstanden, daß bei den Festlichkeiten, die zu EH^^MW^Erzblschoss in Gladbach veranstaltet waren, ir^MMMwMMDMlzrfach feuert worden und
Wt^en Schießens verhaftet^M WMugust. DerMM^W
Deutschland.
Darmstadt, 10. Aug. Der Großherzog hat dem Prinzen Alexander die oberste Leitung des Hoftheaters übertragen. Alle dieses Kunstinstitut berührenden Eingaben und Berichte sind von nun an dem Prinzen zu überreichen. — Minister v. Bechtold hat dem Vernehmen nach gestern Abend einen leichten Schlaganfall erlitten. Derselbe soll bet voller Bestnnung sein und nur wegen großer Schwäche das Bett hüten.
Darmstadt, 10. Aug. Es ist gegründete Aussicht vorhanden, daß den Forst- warten die ihnen von der zweiten Kammer im Einverständniß mit der Regierung bewilligte Zulage von 40 fl. zu Theil wird, da der desfallsige ablehnende Schluß der ersten Lämmer sowohl formell, als nach den klaren Bestimmungen der Verfassung in diesem Fall nicht aufrecht erhalten werden kann. — Der Widerstand der lutherischen Geistlichkeit gegen die neue Kirchenverfastung dauert fort. Eine Anzahl dieser Herren erklärt öffentlich, daß sie in die DecanatSsynoden nicht ein- treten würden. Unbegreiflich erscheint die Geduld des Oberconsistoriums, welches doch sonst, wir erinnern nur an den freisinnigen A. MitzeuiuS, nicht lange Feder- lesens zu machen gewohnt ist.
Berlin, io. Aug. Der Festzug der Turnerschaft nach der Hasenhaide zur Enthüllung des Jahn-Denkmals verlief unter allseitiger Theilnahme der dichtgedrängten Bevölkerung durch die mit Flaggen geschmückten Straßen mit größter Ordnung. Es nahmen gegen 5000 Personen, ausschließlich der Zöglinge der Schulen, an dem Zuge Theil, darunter Deputationen aus England, Amerika, Oesterreich, Ungarn und allen deutschen Staaten, sowie Einer der ersten zehn Schüler Jahn's aus Königsberg. An dem Denkmal waren der Minister des Innern, der ganze Magistrat, die Stadtverordneten in Amtstracht, die Bezirks- Vorsteher, Oberschulrath Wiese, Geheimerath Wetzold und Hauptmann Habelmonn Seitens der Militär-Turnanstalt versammelt. Der Geh. Regierungsrath Kers hielt nach gemeinschaftlichem Gesänge die Festrede, welche er mit einem „Gut Heil!" auf den Kaiser Wilhelm schloß, das enthusiastischen Anklang sand. Au ein Zeichen des Ministers des Innern fiel die Hülle des Denkmals, welches von der zahllosen Menge mit jubelndem Zurufe begrüßt wurde. Nach der Rückkehr des ZugS in das Concerthauö wurde folgendes Telegramm an den Kaiser ge- richtet: „Ew. Maj. rufen heute die in Berlin zur Jahnfeier versammelten Vertreter des Staats, der städtischen Behörden und der deutschen Turnerschaft ehrfurchtsvoll und aus vollem Herzen ein laut schallendes „Gut Heil" zu!" Darauf stimmte die ganze Versammlung tu ein auf den Kaiser ausgebrachtes Lebehoch mit Begeisterung ein. Das Festmahl der Turner wurde durch viele, den jubelnd- sten Beifall findende Toaste gewürzt. CablnetSschreiben des Kaisers, des Kron- Prinzen, der Prinzen Karl und Friedrich Karl, sowie Telegramme aus Saar- bürg, Leipzig, Weinheim und andern Orten wurden verlesen. Das Mahl schloß mit einem sehr beifällig aufgenommenen Eljen eines Ungarn auf die Gastfreundschaft Berlins.
Berlin, 10. August. Es sind jetzt officielle Mittheilungen über die Reise des Kaisers von Rußland hier eingetroffen. Kaiser Alexander wird, aus der Krim kommend, den Weg über Elisabeth-Grod, Charkoff, Kursk, Orel, Smolensk, Witebsk, Düneburg und Eydtkuhnen nehmen. Die Ankunft des Kaisers in Berlin ist für den 5. September angenommen. Von der kaiserlichen Familie werden sich in der Umgebung des Monarchen befinden: der Großfürst-Thronfolger und die Großfürsten Wiadimir-Alexandrowitsch (Sohn des Kaisers) und Nikolai-Nikolajewitsch (Bruder de- Kaisers). Zur Suite des Kaisers werden gehören: der Feldmarschall Graf Berg, der Minister des kaiserlichen Hauses, Graf Adlerberg II., der Kriegs- Minister Generaladjutant Miljutin und der Generaladjutant Graf Schuvaloff. In der officiellen Liste derjenigen Personen, welche die Begleitung des Kaisers bilden sollen, findet sich der Name des Fürsten Gortfchakoff nicht, doch wird es in diplomatischen Kreisen für wahrscheinlich gehalten, daß derselbe während der Anwesenheit des Kaisers in Berlin sich der Umgebung d.s Monarchen anschließen wird. Da Fürst Gortschakoff sich gegenwärtig in der Schweiz aufhält, so wird er den Kaiser nicht auf der Reise aus der Krim hierher begleiten und aus diesem Grunde konnte auch wohl nicht sein Name unter den Begleitern auf- geführt werden.
MdB, .
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Abend hier erwartet und b-giebt sich, wie e« heißt, morgen nach Hohenschwanaa», um die Königin-Mutter von Bayern zu besuchen.
Kaiserslautern, 11. August. Die deutsche Kaiserin trifft heute Abend gegen 6 Uhr zum Besuche der pfälzischen Jndustrie-Ausstellung hier ein.
Kaiserslautern, 12. August. Die Ankunft der Kaiserin Augusta erfolgte gestern Nachmittag 6 Uhr 20 Min. Dieselbe wurde auf dem Bahnhofe von dem Regierungspräsidenten v. Braun, dem Vorsitzenden des AusstellungScomiteS, Recror Rohe und Bürgermeister Hohle begrüßt. Die Fahrt durch die Stadt erfolgte unter dem jubelnden Zuruf der zahlreich versammelten Bevölkerung. Die Kaiserin verweilte zwei Stunden im Ausstellungsgebäude. Nach der Besichtigung wurde im AuSstellungSpark ein Dejeuner eingenommen, wobei die Kaiserin einen Toast auf Den König von Bayern ausbrachte. Vor der Abfahrt hielt dieselbe eine Ansprache an das versammelte Comite, worin sie etwa sagte: Zwei Gefühle hatten sie zur Reise nach Kaiserslautern veranlaßt. Die Dankbarkeit gegen die Pfalz für deren Leistungen während des Krieges und die Freude, daß die Pfalz sich so schnell von Den Leiden des Krieges erholt und eine so glänzende Aus- stellung gemacht habe. Die Kaiserin schloß mit den Worten: „Fröhlich Pfalz, Gott erhalt'-". Auf der Rückkehr nach dem Bahnhofe wurde die Kaiserin wieder von den enthusiastischen Hochrufen der Volksmenge begleitet. Um 8 Uhr fand die Abreise nach Constanz statt.
Schweiz.
Bern, H. August. Der Bischof von Freiburg hat die von dem Genfer StaatSrath verlangte Wiederbesetzung von zwei erledigten Pfarrstellen abgelehnt, indem er erklärte, eS sei dies Sache Mermillod's.
Beru, 12. August. Heute Nacht 1 y2 Uhr brach in der Spinnerei von Graffenried und Henggeler in der Felsenau bei Bern Feuer aus. Dasselbe griff so rasch um sich, daß Morgens um 5 Uhr das ganze Fabrikgebäude, welcheS 22 Firste zählte und 5 Jucharte überdachte, eine Ruine war. Der Schaden soll mehrere Millionen betragen. Hunderte von Arbeitern find verdienstlos geworden.
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Nom. Bei den kommunalen Wahlen in Rom hat nicht nur die kleiikale Partei, sondern auch die radicalen Ultras eine entschiedene Niederlage erlitten. Anstatt mit der großen nationalen Partei gemeinsame Sache zu machen, haben Letztere eigene Candidatenlisten aufgestellt und eigene Meetings abgehalten. In Dem letzten derselben, welches im Theater Argentina stattfand, kam es zu höchst erbaulichen Auftritten. Es waren viele gemäßigte Liberale zur Versammlung
erschienen und hielten tapfer aus, trotz der giftigen Blicke und Bemerkungen, Denen sie ausgesetzt waren. General Fabrizi wurde trotz seines ehrwürdigen Demokratenbartes und seiner unzweifelhaft echten demokratischen Gesinnung und seiner Garibaldi'schen Vergangenheit gezwungen, Den Vorsitz niederzulegen. Crispi, Der unbeugsame Volksmann, mußte hören, daß er zum Consorten herabgesunken sei. Er hatte sich nämlich Der Liste Der gemäßigten Liberalen angefchlossen. Am schlimmsten aber wurde Der Spectakel, als Ricciotti Garibaldi das Wort ergriff, und man kam bis dicht an Den RanD einer allgemeinen Prügelet. Endlich brachte das Erscheinen eines Polizei-Agenten mit Gefolge Die Versammlung so weit zur j^nnung, daß Die Drscusston fortgesetzt und Der hochwichtia^WWßckßM^M^ Wlll konnte, Der aufzustellenden Candidatenliste
Dieselbe ist, wie bereits bekannt. alä^MWl


