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Gießener Anzeiger
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Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kielen
Dienstag den 13. August
1872
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Gießen, den 8. August 1872.
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die Welt vertrauensvoll ihre Zukunft der durch die deutsche Politik Verständigung der drei nordischen Reiche unterstellt.
Und man hat noch einen zweiten Grund, sich beschämt zu dieser wirkt noch ätzender, weil man sich ihn nicht zu gestehen wagt,
Ebnen werde, seinem großen civilisatorischen Beru^ WM^^aher — in friedlicher Concurren^^
Die deutsche Gesellschaft der Stadt New-Jork, gegründet im Jahre 1784, hat nach § 1 ihrer Statuten den Zweck, deutsche Einwanderer zu unter- und nothleidenden Deutschen und ihren Nachkommen Hülfe zu leisten rc., Hauptcorrespondenten derselben sind u. A. in
Darmstadt: die Bank für Handel und Industrie,
Frankfurt a. M-: Herr August Siebert,
Bremen: Herr Lüdering & Comp.,
Cassel: Herr Louis. Pfeiff.er^
Cöln: der A. Schaafhausen^sche Bankverein,
Preis vierteljährig 1 ft 12 fr. mit Bringeriohn. Durch die Post bezogen vierteljährig 1 fl. 29 fr.
Erscheint täglich, mit AuS. nähme Sonntags.
zu schätzen weiß, hat Frankreich sich in der Selbstschmeichelei berauscht, daß alle Welt in die Erhabenheit seines Berufs vernarrt sei und ihm seine Milliarden als Tribut zu seinen Füßen lege, damit es wieder an die Spitze der Civilisation treten könne. >
Ziemlich unverblümt geben die französischen Organe ihre Ueberzeuguug zu erkennen und suchten Gläubige für dieselbe zu gewinnen, daß Europa nur auf die Gelegenheit gewartet habe, um zwischen Frankreich und Deutschland zu entscheiden und zwar dahin: daß, wenn Deutschland gesiegt habe, doch Frankreich allein zu siegen verdient hätte!
Schöne Illusionen, welche jetzt an der harten Thatsache zerschellen, daß
Nr. ISS
Großherzogliches Kreis amt Gießen, v. Röder.
Bekanntmachung.
Betreffend:. Benachtheiligung von Auswanderern durch Einwechslung von Amerikanischem Papiergeld in deutschen Einschiffungsplätzen.
Von dem Kaiserlich Deutschen General-Consulat zu New-Jork wird in einem an den Reichskanzler unterm 15. Juni I. I. erstatteten Berichte wiederholt auf die vielfachen Benachtheiligungen aufmerksam gemacht, denen Auswanderer durch Einwechslung von Amerikanischem Papiergeld, besonders in den Einschiffungshäfen, unterworfen sind.
Auch bei einem vollständig legitimen Geschäfte — heißt es in dem Berichte — sei der Wechsler genöthigt, eine hohe Prämie zu nehmen, um sich gegen die Schwankungen des Curses zu decken; in nieten Fällen aber werde dem Auswanderer durch falsches Geld oder entwerthete Coupons in größerem Maße unwiederbringlicher Nachtheil gebracht, Deutsche Auswanderer, welche New-Jork berühren, würden am besten thun, wenn sie sich bei einer der in Deutschland bestehenden Agenturen der „Deutschen Gesellschaft der Stadt New-Jork" Wechsel auf genannte Gesellschaft geben ließen und solche selbst in New-Jork auf dem ganz in der Nähe von Castle Garden und dem Kaiserlichen General-Consulate gegenüber belegenen Büreau der Gesellschaft, Broadway Nr. 13, (Adresse für Briefe: P. 0. Box 4330, New-York) eincassirten.
Expedition: Canzleiber Lit. B. Nr. 1.
gen Partei keinen Triumph zu bieten, auf welche man alle Schuld der Leiden, die Frankreich betroffen haben, abzuwälzea sucht.
Hat Paris doch so lange Zeit als die Hauptstadt der civilisirten Welt gegolten, welche nicht blos mit dem Scepter der Mode eine unantastbare Herrschaft ausübte, sondern in der auch alle Fäden der europäischen Politik zusammenliefen.
Das „Prestige", — welches so lange Zeit gläubig verehrt wurde und so oft ein „Parterre von Königen" den eitlen Parisern zeigt, hatte auf jeden Franzosen doch einen Theil seines Abglanzes geworfen, in welchem sich selbst Diejenigen sonnten, die die Sonne selbst bitterlich haßten. Das Prestige des kaiserlichen Frankreichs ist verloren gegangen-und das republikanische hat es, trotz des glänzenden Erfolges der Anleihe nicht wieder gewonnen. Aber — so bitter. auch diese Gewißheit der nationalen Eitelkeit vorkommen wag, hat Frankreich darum einen Grund sich zu beklagen, oder sich als gedemüthigt darzustellen?
So wenig als bet uns Jemand einen Genuß darin findet, sich mit der jetzigen Machtstellung Deutschlands zu brüsten, oder gar an einen Mißbrauch derselben zu denken.
Wir geizen nach keinem „Prestige" — weil wir im Interesse einer jeden Nation und im Interesse Aller wünschen, daß jede ihre Angelegenheit nach wohl verstandenem Bedürfniß und mit voller innerer Freiheit und Selbstbestimmung ordne. Frankreich ist auf diesen natürlichen Beruf hingewiesen und der Bund der drei nordischen Mächte wird darauf halten, daß es aus dieser seiner Sphäre nicht wieder heraurdrängt.
Empfindet Frankreich ein solches Vcrhältniß als eine Demütigung, so bedauern wir seine augenblickliche Verstimmung, ohne die.Hoffnung aufzugeben, daß
Französische Stimmungs-Politik.
Während alle Welt mit Befriedigung und Hoffnung auf die bevorstehende Monarcheu-Zusamwenkunft blickt, ihren FriedenS-Charakter anerkennt und in ihr — wie die „Times" — eine Bürgschaft für die Ausbreitung und Befestigung freiheitlicher Institutionen findet, ist die Presse Frankreichs voll Bitterkeit und weist mürrisch oder voll Ingrimm den einzig zulässigen, weil allein vernünftigen Gesichtspunkt zurück, welchen das Organ des Herrn Thiers, das „Bien publik", den französischen Auffassungen zu geben bemüht war.
Die Sprache der französtschen Blätter nimmt plötzlich wieder einen äußerst gereizten Ton an und selbst das „Journal des Debats" findet es der Situation anglmeffen, uns als Barbaren zu behandeln, welche den Krieg nur als Geschäft behandelt hätten und durch die Größe ihres Raubts außer Fassung gerathen wären. Frankreich aber könne sich darüber trösten; die Barbaren könnten zwar plündern, aber sie consuwiren nur, sie verstehen nicht zu produciren.
Wenn das „Journal des Debats" nicht ein Vertreter freihändlerischer Principien wäre, so könnte man glauben, es wolle für die Schutzzoll-Politik des Herrn Thiers Propaganda machen, indem es zeigt, daß Frankreich mit Hilfe der hohen Tarife aus dem unproductiven und mit 'seinem Consumtionsbedürsniß auf das producirende Frankreich angewiesene Deutschland sein Geld wieder herausziehen könne; das „Journal des Debats" aber weiß die Voraussetzungen eines gedeihlichen kommerziellen Verkehrs sehr wohl zu würdigen und wenn es nichtsdestoweniger selbst einen sehr heftigen Deutschenhaß zur Schau trägt: so muß die allgemeine Verbitterung in Frankreich sehr groß sein und sich über Klaffen der Gesellschaft erstrecken, .selbst über diejenigen, welche nicht, wie z. B. die Bo- napartischen durch ihre Parteistellung dazu bestimmt werden, eine jede Gelegenheit, welche zu einem Angriff, oder zu einer Herabsetzung des gegenwärtigen Regime's benutzt werden kann, mit beiden Händen zu ergreifen.
Niemand kann aus seiner Haut heraus; aber die Franzosen handeln unklug daran, die gereizte Stimmung, in welche sie durch die bevorstehende Monar- chenzusammenkunft versetzt werden, so laut zu äußern; denn je mehr alle Welt * davon überzeugt ist, daß dieselbe dem Interesse des Friedens, und diesem ganz unbedingt zu Gute kommen werde, um so nothwendiger ladet die Partei, ober die Nation, welche ihr Mißvergnügen äußert, den Verdacht auf sich, daß sie sich mit Plänen trägt, welche mit dem Frieden unvereinbar sind. Die Franzosen gruppiren sich mit den Polen, mit den Czechen, mit den Ultramontanen und de- weisen dadurch erst recht die Nothwendigkeit einer Verständigung zwischen den großen Mächten des Ostens, welche der Erhaltung des Weltfriedens eine neue Bürgschaft sichern soll. , , ,
Indessen bietet sich eine näher liegende Erklärung, als die ledige Revanche- Politik dar: die nationale Eitelkeit unserer Nachbarn jenseits der Vogesen!
Es rächt sich an ihnen die Uebertreibung, mit welcher sie den glanzenden ausgebeutet haben, um ihrer Eitelkeit ein Fest zu geom, MW^-nd respectabeln Position eine- Schuldners zu begn^ WM^-dit eröffnet, womit man seine Leistuna^M
Hamburg: Herr Johs. Schröder,
Indem mau dies in Auftrag Großherzoglichen Ministeriums des Innern zur öffentlichen Kenntniß bringt, werden die Großherzoglichen Bürger- tneifteteien des Kreises angewiesen, in geeigneten Fällen ihre Gemeindeangehörige nach Vorstehendem zu bedeuten.


