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Türkei.

Börsenberichte.

note über

Konstantinopel, 5. April. Nachrichten aus Teheran zufolge herrscht immer noch in Folge der Hungersnoth eine ungeheure Sterblichkeit in ganz Persien. In Teheran selbst sterben täglich an 350 Menschen am Hungertyphus und an der Dyssenterie. In der Provinz Hamadan werden die Leichen gegessen. Die Lage ist eine entsetzliche. (D. Z.)

eine wilde Horde seien. Zugleich zählt er die Errungenschaften auf, welche da- Volk der Revolution von 1789 verdanke, die ihm die klerikal-royalistische Partei, welche Frankreich auf den Zustand, wie er von 1789 war, zurückzusühren trachte, wieder abnehmen wollte. Schließlich stellt er Thierö folgendes Zeugnih aus: Was? Und warum sollte ich es nicht sagen? Mein Vertrauen auf die Zukunft ist vermehrt durch die Ueberzeugung, daß der Mann, welcher an der Spitze der Regierung steht, weder seinen Ursprung, noch seine Studien, noch die Lehren seiner Erfahrung vergessen kann; er weiß, er muß wissen, daß es etwas Schöneres gibt, als die Annalen der französischen Revolution geschrieben zu haben; dieses ist, sie dadurch zu beenden, baß er sein Werk durch die Ehrlichkeit und die Aufrichtigkeit einer Regierung krönt."

Spanien.

Dem Vernehmen nach ist der Hauptmann der Räuberbande, weiche zwischen Valdepenas und Manzanares den Postzug plünderte, mit sechs seiner Spießgesellen verhaftet worden. Er ist nicht nur, wie früher schon bemerkt, ein junger Mann von gutem Anstande, sondern soll auch einer im besten Rufe stehenden gebildeten Familie angehören. Er wird wohl eine Art von Karl Moor sein.

England.

London, H April. Das Geschwornengericht verurtheilte O'Connor wegen Einschüchterungsversuchs gegen die Königin zu 20 Peitschenhieben und einem Jahr schwerer Zuchthausstrafe. Im Oberhause erklärte Lord Granville auf eine Au- frage Lord Stanhope's, daß Frankreich hinsichtlich der Paßsystems in 10 bis 12 Tagen Arrangements getroffen haben werbe, welche Verluste von Zeit und Geld

die Lage der Alabamafrage in Genf besitzen werbe.

Rußland.

parten.

London, l l. April. DieTimes" bringt folgendes Telegramm aus Phila­delphia: Das Eabinet von Washington hat die Beschlußfassung über die Antwo.rs- Granville's auf Montag ausgesetzt, weil es bis dahin hoffentlich Nachrichten

Frankreich.

Paris, 9. April. Das bonapartistifche Ordre meldet:Mehrere Blätter haben behauptet, daß der Kaiser eine Anleihe von 7 Millionen, die auf 15 ge­bracht werden könnte, abgeschlossen habe. Wir sind ermächtigt, diese Nachricht förmlich zu widerlegen, und wir hoffen, daß die Blätter, welche sie gebracht, diese Berichtigung einrücken werden." Die Wahrheit ist, wie man uns mittheilt, daß der Exkaiser Gelder in London aufnehmen wollte, daß jedoch die Unterhandlungen, welche man dieserhalb cingeleitet, ohne Resultat blieben. DerNational" be- ftätigt heute die Demission de- Herzogs von Broglie als Gesandten in London, mit dem Zusatze, daß dieselbe angenommen worben. Mehrere Blätter behaupten, daß der Mlnister de Larcy vor ferner Abreise nach dem Süden, wo er sich zur Zeit noch befindet, seine Entlassung eingereicht habe; ist dies begründet, so sind zwei Ministerstellen frei. Casimir Perier soll sich definitiv geweigert haben, die Finanzen zu übernehmen.

Paris, 10. April. DieRepublique Franyaise" bringt die zehn Spalten lange Rebe Gambetta'6 in Angers, die sonst ohne besondere Bedeutung ist, da sie kein Programm, sondern nur Phrasen enthält, so daß die Republik beute von ganz Frankreich gewünscht werde, daß die monarchischen Parteien, welche sich in der letzten Zeit elenden Zntriguen hingegeben und im Ausland einen Krieg hätten haben wollen, sich als machtlos und zwieträchtig gezeigt haben, und daß die Bona-

Schrimm, 8. April. Gestern wurde bn hiesigen Jesuiten vom Landrath Boehm im höheren Auftrage der Befehl notificrrl, daß diejenigen Mitglieder des Convents, welche nicht dem preuß-schen oder deutschen Unterthanenverbande angc- hören, mögen sie Priester ober Cler ker sein, die Stadt Schramm und bas ganze preußische Staatsgebiet innerhalb ,echs Wochen zu verlassen Haven. D.e Zahl der Mitglieder des hiesigen Jesuite-.conventS, welche von dieser AuSversungSmaß- regel betroffen sind, beträgt etwa 30, und es bleiben, außer den Laienbrüdern, nur 6 bis 7 Priester und Kleriker, welche preußische Uulerthanen sino zuruck. Die bet Weitem größte Zahl der auSgewiesenen OrvenSmitglieder gehört Ga­

Petersburg, 4. April, Die Bonapartisten möchten Rußland zum Alliirten haben, um ihre Dynastie wieder auf den Thron zu bringen, das liegt aber durch­aus nicht in den russischen Interessen. Man hat in Rußland es nicht vergessen, baß die Kriege von 1812 und 1853, die diplomatische Campagne von 1863, sowie die fortdauernden Intriguen im Orient und die stets erneuerten Aufmunte­rungen der polnischen Emigration, bas Resultat derNapoleonischen Ideen" waren und im grellsten Widerspruche mit den Freundschaftsoersicherungen standen, Die sämmtliche kaiserlich französische Gesandten machten, von Caulincourt bis auf Fleury. Die Radikalen streben ebenfalls eine Allianz mit Rußland an, diese oll aber nur einen Zweck haben, den eines Krieges gegen Deutschland, mit dem Vie Russen seit mehr als 100 Jahren in Frieden leben. Das wäre noch mehr gegen die Interessen Rußlands, zumal die Radikalen auf den Umsturz des mo- narchifchen PriucipS hinarbeiten und die Universalrepublik verwirklichen möchten, was ihnen vielleicht die Sympathien eines sehr kleinen Theilcs der russischen Ge- sellschaft sichern kann, aber nicht die Unterstützung der großen Mehrheit des Publi- kums, der Regierung gar nicht zu gedenken, die doch unmöglich mit einer Um- sturzpartei sich verbinden kann.

Local-Notizen.

Gießen, 12. April. Der SchwurgerichtShof der Provinz Oberheffen hat nach vorauS- gegangener Verhandlung in folgenden Anklagesachen erkannt:

Den 8. April gegen Caspar Dicht von Rulilkircken, wegen schweren Diebstahls, eine Ge- fängnißftrafe von l'/z Jahren, an welcher jedoch 2 Monate als bereits verbüßt in Abzug zu bringen find, sowie Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 2 Jahren.

Denselben gegen Heinrich Bläser von VeuwiedermuS im Königreich Preußen, wegen zwei­fachen Meineids, eine Zuchthausstrafe von l'/-Jahren, an welcher ebenfalls 2 Monate als bereits verbüßt in Abzug kommen. Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf tue Dauer von 2 Jahren, sowie dauernder Unfähigkeits-Erklärung als Zeuge oder Sachverständiger eidlich vernommen zu werden. , m ,

Den 9. April gegen Wilhelm Marker von Immichenhain rm Königreich Preußen, wegen schweren und einfachen Diebstahls, eine (Aefängnißstrafe von 1 Jahr 6 Monaten, an welcher übrigens 3 Monate als bereits verbüßt in Abzug zu bringen sind, sowie Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 2 Jahren.

Den 10. April gegen Wilhelm Kniß von Lindheim, wegen schweren und ernfacken Dieb­stahls, eine Zuchthausstrafe von 2 Jahren, an welcher jedoch 2 Monate als berUkS verbüßt in Abzug kommen, sowie Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 2 Jahren und Stellung unter polizeiliche Aufsicht. , . ,

Denselben gegen Caspar Väth von Ober-Wöllstadt, wegen einfachen Diebstahls, eine Ge- fängnißstrase von 4 Wochen.

Den 11. April gegen Johann Martin Wurzbacher von Markt-Selbitz im Königreich Bayern, wegen im Zuchthaus« zu Marienschloß verübter Brandstiftung, eine Zuchthausstrafe von 3 Jahren. .m . ....

Den 12. April gegen Johannes Dönsel von Lauterbacb, wegen der auf Meineid gelichteten Anklage, nachdem die Geschworenen auf die ihnen vorgelegte Frage erklärt hatten:Nein, der Angeklagte ist nicht schuldig", auf Freisprechung. m c ut

In der nächsten Woche werden folgende Anklagesachen zur Verhandlung kommen, namlid)^ gRotfl<ne 9 U|jc geqen Johannes Schneider von Wallernhausen, wegen

Diebstahls; Berthe,diger: Grostherzoglicher Hofgerichts-Advocat Labroiffe.

Denselben, Vormittags 11 Uhr, gegen Conrad Leistner von Mittel-Grundau, wegen Ur« kundenfälschung; Vertheidiger: Großh. Hofger.-Adv. Dr. Muhl. , .

Den 16. April, Morgens 8 Uhr. gegen Elisabetha Höbeler von Freiensteinau, wegen Diebstahls und DiebstahlSversuchs; Vertheidiger (noch nicht bestellt).

Denselben, Vormittags 11 Uhr, gegen Philipp Ratz von Schlitz, wegen DiebstahlS; Ver- theidlger (noch nicht bestellt).

Denselben, Nachmittags 3 Uhr, gegen Jakob Seip, Schullehrer von Klem-Lmden, wegen DelbrechenS gegen die Sittlichkeit (Contumacialsache).

Den 17. April, Morgens 8 Uhr, gegen Johannes Töpfer von Lauterbach, wegen Dieb­stahls; Vertheidiger (noch nickt bestellt).

lli'en yny.jn 10 Avril. D-rVolksstaat" vlköff-nlltcht solg-ndes an seinen »crantwoitl.Scn Revactcur gelangte Schreiben des Dr. Johan» Jakob»:

jtöniasberg, 2. April 1872. Geehrter Herr! Die Verhandlungen in dem Hochverrathsprojkß gegen Li-bknemt, Bebel und Genossen b.sti«m-n m ch, der ^c^I.demokralischen Arbeiterpartei beizutreten. Sie haben wohl die Gute, ein- iieaenten Betrag dem Ausschüsse gefälligst zu übermitteln und denselben in meinem Namen zu ersuchen, mich sortan al- Mitglied der Partei betrachten zu wollen. Mit hochachtungsvollem Grutz: Jobann Jakoby.

München 9. April. Die Verlobung des Prinzen Leopold mit der Erz. Herzogin Gisela von Oesterreich hat in so fern feine direkte politische Bedeutung, al« ,wischen dem Prinzen L-opolo und dem Throne sein allerer Bruder Prinz Ludwig mit seiner ausbluhenven Familie steht. Andererseits berührt e« gewitz eigenlhitmlich, die Linie des Prinzen Luitpold in so gedeihlichem Aufschwünge zu sehen, wahrend bon den Söhnen König Maximilian'- II. der lungere dem Grabe eutgegenwelkt und über eine Vermahlung König Ludwig'- da» entscheidende Wort noch immer nicht gesprochen scheint. Jedensabs haben d,e Hiesigen Hosvorgange der legten Woche ihre geheime Geschichte, die wohl erst spater bekannt werden wird. Im Uebrigen ist der künftige Schwiegersohn des Kaisers von Oesterreich, bei gleicher politischer und kirchlicher Richtung wie sein Vater und Bruder, cm Herr von bedeutenden militärischen Fähigkeiten und hat sich im letzten Kriege an der Loire als Batteriechef das Eiserne Kreuz erster Klasse erworben.

Oesterreich.

Wien Alle angebahnten Versöhnungsversuche zwischen dem H,etzinzer Hofe und der kaiserlichen Familie in Berlin sind als vollständig gescheitert anzusehen. Verhandlungen, welche in dieser Beziehung noch vor kurzer Zeit tn Hutzing ver­sucht worden, soll der König von Hannover mit dem Bemerken abgelehnt haben, daß ihm nicht zugemuthet werden dürfe, den deutschen Kaiser um Etwas zu bitten, was ihm zu Recht gebühre. Es handelte sich nämlich darum, dem König plausibel zu machen, daß er in Berlin um Aufhebung des über ihn verhängten Vermögens, seauesters ansuchen möge. m

Wien, 9. April. In der kaiserlichen Burg zu Ofen fand gestern die Ver- lobuna ter Erzherzogin Gisela mit lern Prinzen Leopold von Bapern im engsten Familienkreise statt. Die Erzherzogin Gisela, die älteste Tochter de« Kaisers, trittst am 12. Juli d. I. in ihr 16. Jahr, während der Prinz Leopold 26 Jahre zählt. Der Prinz ist der zweitgeborene Sohn des Prinzen Luitpold von Bapern und ter bereits verstorbenen Prinzessin Auguste, Tochter de- Grogherzogs Leopold II. von Toseana. Sein älterer Bruder Prinz Ludwig ist gleichfalls mit einer österreichischen E zherzogin (Maria Theresia, Tochter de« verstorbenen Her- ,oas Ferdinand von Modena) vermählt. Die Vermählung de« Brautpaare« soll wegen des jugendlichen Alter« der Erzherzogin Gisela aus einen spateren Zeit-

Vunft Ißien, $9. April. Gegen die Anstellung jüdischer Lehrer an katholischen " V, * fathnUfA.BoIitifAe Alsergrund eine Eingabe an das

Knitnam'iniftertum 2-Ä ^icpee dieselbe aber dem LandeS-Schulraihe überwies, uic iclgen^ Antwort an das Casino ertheilte:daß nach dem klaren Wort­laute de« §. 48 des Gesetzes vom 14. Mai 1869 der Dienst an einer öffentlichen Schule ein öffentliches Amt ist und allen österreichischen Staatsbürgern, ohne Unter­schied des Glaubensbekenntnisses, gleichmäßig zugänglich ist, weßhalb auf Ihr dieser Bestimmung des Gesetzes widerstreitendes Begehren in keiner Weise einge- gangen werden kann."

Wien, 9. April. Die Thronrede, mit welcher der Deutsche Reichstag er- öffnet wurde, findet in den hiesigen Blättern nicht bloß lebhaften Beifall, sondern ihrernüchternen Geschäftlichkeit" undFestigkeit" wegen eine Bewunderung, welche im Hinblick auf die letzte Rede des Präsidenten der französischen Republik von derN. Fr- Pr." in dem Satze gipfelt:Gewiß, auf icn Denkenden macht diese Schlichtheit der Kraft gegenüber der Prahlerei französischer Ohnmacht einen überwältigenden Eindruck." Die Deutsche Ztg. beginnt mit dem Satze:Ruhig und sicher schreitet die Entwicklung des Deutschen Reiches fort; in Staaten, denen man solches Lob spenden kann, gibt es keine Effectscenen."

Pesth, 9. April. Beide Häuser des Reichstages beschlossen, anläßlich der Verlobung der Erzherzogin Gisela eine GratulationS - Deputation an die kaiser­lichen Majestäten zu entsenden.

Frankfurt a. M., 12. April. Der heulten Börse steckte der Schrecken von gestern Abend y.._______ pM, 9___________ o ,- v _______ noch in den Gliedern und konnte sie sich deshalb zu nur ganz langsamen und müden Bewegungen

partisten keiner Erwähnung werth seien, da sie feine Partei, sondern eine Bande, erheben. Die Nachricht nämlich, daß die englische Bank ihren Discont von 3»/r auf 4 Procent

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