Frankreich
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polnischen Gebet- und anderen Büchern unter dem Volke und in den öffentlichen Bibliotheken entgegenzuwirkcn und die Verbreiter zur gerichtlichen Verantwortung zu ziehen. Die gleichzeitig angeregte Frage, ob und mit welchen Mvdificationen die seit dem Aufstande von 1863 in Lltthauen und den südwestlichen Gouverne-
Die über San Francisco eintreffenden Nachrichten aus dem westlichen Theile Mexicos lauten günstig für die Regierung. Durango war von den juaristtschcn Truppen behauptet, welche auch die Hasenstadt Mazatlan wieder besetzt hatten, und man glaubte, daß in den westlichen Staaten der Aufstand bald zu Ende sein werde. Ebenso günstig haben sich die Aussichten in den mittleren Provinzen gestaltet, wo der Sieg Rocha'S über die vereinigten Insurgentenführer bei Zacatecas sich vollkommen bestätigt.
* Seitdem man über die Bcstandtheile unserer Nahrungsmittel an der Hand der Wissenschaft die genaueste Auskunft erhalten, trat die Wichtigkeit der Hülsenfrüchte wegen t>reS hohen Gehaltes an Blut und muskeldildenden Substanzen, den sogenannten Proteinstoffen, immer stärker hervor. Demungeachtet fanden die Hülsenscüchte im Haushalte lange nicht die allgemeine Beachtung, die ihnen zukommen sollte. Die Nothwendigkeit des langen Kochens, die Gefahr deS Nichtweichwerdens, blieben der allgemeinen Anwendung entgegenftehende Hindernisse. Der Firma Wittekop u. Co. in Braunschweig ist eS gelungen, die Mehle der Hülsenfrüchte mittelst Dampfabkochung so herzustellen, daß sie in der Küche eine augenblickliche Anwendung finden, ohne ihren Wohlgeschmack und Nährwerth einzubüßen. W>r lassen denn hier noch für Interessenten die Gebrauchsanweisung folgen, mittelst deren mqn sofo.t eine gute, nahrhafte Speise bereiten kann: Man nehme zu Suppen für eine Person 1—2 Eßlöffel deS MebleS, qiirle eS in siedendem Waffer mit Butter oder Fleischbrühe gefettet, und nehme Salz nach Belieben hinzu. Zu Pürees nehme man das doppelte Quantum. Jede Hausfrau wird, nach obigem Verfahren handelnd, eS zugestehen, daß ein neues ausgezeichnete« Nahrungsmittel dem Haushalte mit d-.efem Mehle geboten ist, welches sich auch seiner großen Billigkeit wegen schon von selbst empfiehlt.
mentS in Kraft bestehende Verfügung, welche den Privatpersonen den Besitz von Waffen verbietet, ferner aufrecht zu erhalten sei, ist der Entscheidung der betreff. General-Gouverneure überlassen worden.
DaS aus der Kathedrale von Odessa abhanden gekommene wunderthätige Bild der KaSperowka'schen Mutter Gottes ist von einem Soldaten der Quaran- taine-Compagnie unweit des MichaelklosterS in einer zu Baumpflanzungen bereiteten Grube gefunden worden. Dasselbe war in ein Tuch gewickelt; dabei lag ein Schlüssel und ein Stemmeisen.
Amerika.
ferner in Kraft zu behalten sind. Die über diesen Gegenstand erstatteten Berichte der Generalgouverneure Potapow und Fürst Dondukow-Korsakow waren unlängst der Gegenstand eingehender Berathung im Minisier-Cowite, und man hat sich, wie der „RuSki Mir." erfährt, Dahm geeinigt, daß folgende bisher verbotene Handlungen auch ferner als Vergehen gegen die öffentliche Ordnung angesehen und von den Gerichten verfolgt werben sollen: das Singen religiös-nationaler lieber, das Tragen von Trauerzeichen zu politifch-bemonstrativem Zweck, der Gebrauch der polnischen Sprache im schriftlichen und mündlichen Verkehre mit den Behörden und öffentlichen Instituten, sowie auf kaufmännischen und gewerblichen Firmaschilbern, in Zeitungc-Annoncen, kaufmännischen Büchern u. s. w. Außerdem sind die genannten General-Gouverneure angewiesen, der Verbreitung von
in Workhouses einsperren lassen.
Rußland.
Warschau, 6. April. Seit dem polnischen Ausstande von 1863 sind in Litthauen uno den südwestlichen Gouvernements zahlreiche, die polnische Nationalität betreffende Verfügungen erlassen worden, die noch immer mit mehr ober weniger Strenge aufrecht erhalten werden. Gegenwärtig, bei Einführung der neuen Justiz-Reorganisation in den genannten, ehemals polnischen Provinzen, sind die General-Gouverneure veranlaßt worden, diese Verfügungen einer genauen Revision zu unterwerfen und sich darüber zu äußern, welche aufzuheben und welche
Landwirthsch aftlicheS.
Stand der Früchte. Im Anschlüsse an unseren letzten Bericht theilen wir mit, daun« ruczekommener verläßlicher Mittheilungen zufolge der Roggen in einzelnen Gegenden, so nameitt- lich in Franken, Württemberg und dem Oberlande sich dünnstehend zeigt. Dieselbe Klage hört
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Paris, 5. April. Unter dem Titel „Paris chez luia und mit der Unter- schrtft „Jehan de Paris“ dringt ba6 „Bien Public" heute einen Artikel, wonn e« gegen die armen Pariserinnen zu Felde zieht, weil dieselben aus den Lehren der letzten Jahre keinen Nutzen gezogen hätten. Der Verfasser war zufällig in dem Salon einer berühmten Panser Schneiderin, sah dort eine französische Her- zogin, dann die Frau eines fremden Diplomaten und eine Komödiantin, und hörte mit Entsetzen, daß dieselben sich Kleiber zu 3000 und Mäntel zu 1200 Fr. be- stellten. „Ungeachtet des Krieges und der Eommune" — ruft Jehan de Paris aus — „wollen sich unsere Pariserinnen noch nicht wohlfeil kleiden." Er führt dann als gutes Beispiel einige Damen des Faubourg St. Germain an, Die sich in t»ec letzten Zeit sehr einfach kleiden uiu erinnert sogar an die Frau Ollivier, die mit hoh n Kleidern auf den Tuilerienball gegangen sei. Wenn die imperialistischen und royalistischen Blätter eine solche Sprache führen, wenn dieselben sich gegen den Luxus erheben, so läßt sich dies begreifen. Dieselben bieten Alles auf, uw zu verhindern, daß man Ausgaben macht, damit die Geschäfte nicht in Gang kommen und Vie Leute der Republik endlich satt werden. Daß aber, wird der „Köln. Z." geschrieben, ein präsidentschaftliches Blatt dazu anräth, daß die Panse- rinnen sich in Kattun und Mousseline de laine kleiden, daß eß selbst den in Paris resivirendcn Fremden einen Vorwurf macht, daß sie ihr Geld verausgaben und nicht auf Zinsen legen — dieses Alles würde unbegreiflich sein, wenn man nicht wüßte, daß Madame ThierS, die Frau des Präsidenten der Republik, die an der Spitze des „Bien Public" steht, es inspirirt. Madame ThierS ist näm- lich eine abgesagte Feindin eines jeden Aufwandes, und in dieser Hinsicht so fanatisch , daß sie darauf hinarbeitet und darauf hinarbeiten läßt, daß auch die übrigen Damen sich Der größten Einfachheit und Sparsamkeit befleißigen. ES dürste aber den übrigen Mitgliedern des schönen Geschlechtes jedenfalls schwer fallen, es der Frau Präsidentin der Republik gleich zu thun. Die sparsamste deutsche Hausfrau könnte von ihr noch etwas lernen, und es gibt wohl keine, die in ihrem Hauswesen so genau, in ihrer Kleidung so einfach wäre, wie es die Frau „Präsident“ ist. Man könnte betnahe sagen, daß Frau ThierS eine wahre Spartanerin sei, so einfach zeigt sic sich in ihrer Tracht, wenn gerade großer Empfang bei ihr ist und sie in Gesellschaft gehen muß. So schläft sie in einem ganz erbärmlichen Feldbette, dem nämlichen, dessen sich ihr Mann auf feinen Rund^ reifen während des Krieges bediente, und obgleich ihr Nachtsanzug gerade nicht der frischeste ist, so g.bt sie doch, wenn sie noch auf ihrem Feldbette lagert, ihre Frühaubienzen, und eS kommt häufig vor, daß sogar die Minister vor dasselbe zu- gelassen werden. Den ScöUf- oder Morgenrock, der eine Hauptrolle unter der eleganten Frauenwelt von Paris spielt, und Pantoffeln kennt die Pariser Spartanerin gar nicht. Eine alte Jacke, ein abgetragener Rock und alte Stiefelchen genügen ihr. Noch weniger hält sie auf das Essen und Trinken, und wenn sie nach Paris fährt, ohne daß sie vorher gefrühstückt hat, fo kauft sie in höchst eigener Person bei einem Schweinemetzger etwas Schinken, oder auch nur ein einfaches Brödchcn, und verspeist in ihrem Wagen ihr frugales Mahl, um das sie nicht einmal die ärmste Pariser Arbeiterin beneiden würde. Daß Madame ThierS fast alle Einkäufe selbst macht und sogar auf dem Versailler Markte eine sehr bekannte, wenn auch gerade nicht beliebte Persönlichkeit ist, weiß alle Welt. Wenn dieses syartane Auftreten der „Madame la Prdsidente“ auch ein ganz verdienstvolles sein mag, so gefällt es im Ganzen genommen doch nur wenig. Herr Thiers selbst billigt übrigens keineswegs das Auftreten seiner Spartanerin. Aber Der Mann, ber im öffentlichen Leben so große Energie kund gibt, der den 750 Souveränchen von Frankreich mit so großem Muth Die Spitze bietet, ist ohne Macht, wenn es sich um etwas Anderes handelt als Staatsgeschäfte. Er steht zwar nicht unter dem Pantoffel der Madame ThierS, ober nur deshalb, weil sie keine hat, wohl aber unter ihren alten Stiefelchen, und wenn er auch zuweilen versuchte, bei sich zu Hause ein 1830 zu machen, so gelang es ihm doch nie, sich für länger als zwei Stunden Der Herrschaft derselben zu entziehen.
Versailles, 9. April. Herr ThierS hat eine Commission nach London ge- schickt, Die beauftragt ist, die Organisation und Wirksamkeit der Armenhäuser (Workhouses) zu studircn. Die Commission soll ihm einen ausführlichen Bericht über diese WohlthätigkeitSanstalten liefern, denn Herr ThierS geht mit Dir Absicht um , Der National - Versammlung die Errichtung solcher Armenhäuser in Paris vorzuschlagen. Die Nothwendigkeit solcher Anstalten machte sich seit den letzten Begebenheiten in Paris sehr fühlbar. Viele arme Wittwen und Kinder befinden sich in dauerndem Vagabundenthum. Die jungen Mädchen ohne Aufsicht ihrer Mütter, welche sich nicht um sie bekümmern, verfallen Der Prostitution und häufig schon im Kindesalter. Die kleinen Knaben stehlen an Den Marktständen und den Auslagen der Läden. Alle gewöhnen sich an da- Betteln und es ist selten, daß man in Paris eine Straße passiren kann, ohne von diesen Unglücklichen angebettelt zu werden, wenn nicht gerade ein Polizeidiener in Sicht ist. Die Demoralisation ist in der armen Bevölkerung ungeheuer und die Armen haben sich seit der Commune bedeutend vermehrt. Da die National - Versammlung den von verschiedenen Mitgliedern der Linken gemachten Vorschlag, die Familien Der zur Transportation Verurtheilten auf Kosten des Staates mit nach Neu-Cale- donien überzuführen, abgeschlagen hat, so müssen diese armen Familien in Paris bleiben, denn sie können auf ihre Kosten Die wette Reise nicht machen, um ihren Familienhäuptern zu folgen. Alle diese Armen sind sehr erbittert gegen Den gegenwärtigen Zustand Der Gesellschaft und würden im Falle eines neuen revolutionären Ausbruches ein gefährliches Element bilden. Ob aber die Einrichtung von Armenhäusern nach dem Muster der Workhouses diesem Nebel wirksam abhelfen wird, bleibt sehr zweifelhaft. Was für Engländer paßt, ist nicht leicht anwendbar für die beweglichen Pariser Naturen, die etwas von der Art Der neapolitanischen Lazzaroni haben. Der Pariser „Voyou" liebt Die Freiheit unD bummelt gern Den ganzen Tag umher und eben so sinD seine weiblichen StandeSgenoffen die Gefährtinnen seiner Ausschweifungen. Diese Menschen »crDen sich schwerlich
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Der Abgeordnete Ziegler erzählt in der „Voss. Ztg." eine interessante historische Anekdote aus Brandenburg, der Stadt, deren Oberbürgermeister Ziegler bekanntlich gewesen ist. Ruch der Beendigung des' siebenjährigen Kriege« gab eS in Brandenburg einen orthovoren Geistlichen, Darnemann, in der Altstadt, und einen freisinnigen, Calsisiu«, in der Neustadt Brandenburgs. Der erstere sah mit wachsendem Mißmuth, wie seine Beichtkinder je länger je mehr in die Neustadt zu dem freisinnigen AmtSbruder in die Kirche wanderten; endlich denuncirte er in seinem Aerqer denselben beim Magistrate al- nicht rechtgläubig, verlangte eine Untersuchung, und als der Magistrat ablehnend antwortete, stellte er denselben Antrag direct beim König. Die CabinetS- ordre, welche zur Antwort erfolgte, ist als ein Muster für unsere Tage sehr empfehUnSw rth. Friedrich der Große hatte sofort daS wahre Motiv deS orthodoxen Eiferers erkannt, dasselbe, welches auch heute oft genug da« eigentlich wirkende ist, und die EabinetSordre bestand in nicht« al« einer einfachen Randbemerkung zu der im Original zurückgeichickten Beschwerde, so lautend: „Weiß er waß? Predige Er in die Neustadl, dann Laufen sie alle wieder nach die Altstadt. Friedrich."
In Gotha hatte ein Mann mit seiner Ehefrau, welche eine Ehescheidungsklage gegen denselben erhoben, am 13. v. M. Sühnetermin vor dem dortigen Stadtgerichte. Nach Beendi- aunq der Verhandlung sprach er feine Frau in der Hausflur des Gerichtsgebäudes noch einmal um Wiedervereinigung an. Als er darauf eine abschlägige Antwort erhielt, schoß er einen Lauf der Doppetpistole auf seine Ehehälfte, den andern drückte er gegen sich selbst ab. Die Frau wurde nur leicht verwundet, der Mann aber starb nach wenigen Minuten.
Metz, 27. März. Eine erhebende Feier belebte gestern den Friedhof zu Maiz'ereS, wo daS 81. Regiment seinen während de« Feldzuges Gefallenen ein Denkmal gesetzt hat. Eine De, putation des Regiments war aus Fulda und Frankfutt gekommen, um das Denkmal zu weihen, welche« in finniger Weise das Gedächtniß der Tapferen ehrt. Auf würfelförmigem Piedestal erhebt fich eine vierseitige Pyramide, die eine Kugel und darauf einen Adler mit auSgebretteten Flügel trägt. Auf der vorderen Fläche der Pyramide steht die Inschrift: „Den im Feldzüge 1870—1871 gefallenen Kameraden das I. hessische Infanterieregiment Nr. 81.« In die Vorderfläche des PiedestalS ist eine Marmorplatte eingelassen mit folgender Inschrift: „Es starben den Heldentod in dem Gefechte bei St. Remy und Bellevue am 7. Oct. 1870: Hauptmann v. Werder, Hauptmann v. Roque«, Secondelieutenant Fischer." Der Obel.sk ist mit einem Eisernen Kreuze aenert. Für den Tag der Weihe wehten vier deutsche Fahnen an den Ecken der Grabstätte; der Maire von Maizieres hatte in rühmlicher Thetlnahme immergrüne Gewächse und Blumen auf daS Grab pflanzen lassen; ein eben von der Uebung zurückkehrendeS Bataillon der Metzer Garnison nahm an der Feier Theil.
„El Diario de Barcelona", daS gelesenste Tageblatt in dieser Stadt, laßt fim von seinem Correspondenten in Rom folgende „interessante" Nachricht mittheilen: „Rom, den 22. März. Vor einigen Tagen langte durch Telegramm von Livorno die Nachricht hier an, daß Fürst BiSmarck daselbst angekommen sei. Diese Nachricht war unglaubwürdig, weil der Reichstag in Berlin am 8. April eröffnet werden sollte. Hier nun die Erklärung de« Telegramms: Die hohe Person welche in Livorno erwartet wurde, war nicht der Fürst Bismarck, sondern deffen Vater, der Graf Eulenburg. Letzterer ist heute in Rom eingetroffen." — Dem „Vater" Eulenburg sammt seinem Sohne" Bismarck wird diese Nachricht jedenfalls „höchst spanisch" vorkommen.
Ein neues Ehescheidungsgesetz wurde vom Senator Wood der Legislatur des Staate« Newyork vorgelegt, welches die Anhänger der „freien Liebe" vollkommen befriedigen dürfte. Al- genügende ScheidungSgründe werden angegeben, „wenn der Mann die Frau der Gesellschaft ihrer Anverwandten (auch alle Arten CoufinS) ober Freunde entzieht, wenn er dieselbe vom .Kirchen - gehen abbält oder wenn er ihr daS Leben „nucomfortable" macht. Dem letztgenannten Grunde kann keine The widerstehen. Ob die Legislatur dem Herrn Senator auf der abschüssigen Bahn folgen Gerichtshöfe im Westen der Vereinigten Staaten sagte ein Richter jüngst zu
einem Zeugen: „Junger Mann, wenn Sie in diesem Tone weiter sprechen, so wird dieser Gerichtshof seine Würde vergeffen und Ihnen eins auf Ihr gottvergeffeneS Maul schlagen, daß Ihnen Ihre Zähne klappernd in Ihren Magen hinunterfahren." Diese würdevolle Ermahnung soll einigen Eindruck auf den Zeugen gemacht haben.


