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Preis vierteljährig 1 fl. 12 fr. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig 1 fl. 27 fr.

Gießener Anzeiger.

«Lrscheint täglich, mit Aus­nahme Sonntags.

Expedition: Canzletberg, Ltt. B. Nr. 1.

Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kielen.

Nr. S5, Donnerstag den 11. April 1872.

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Bestellungen auf den Gießener Anzeiger Expeditionen und den Land-Postboten entgegen^ genommen. f

Abonnenten, welche den Anzeiger bei der Erpedition abhvlen lassen, erhalten denselben für das 2. Quartal zu 1 fl.

Amtlicher T h e i i.

Bekanntmachung.

Zur Ermittlung der Zahl der felddiensttauglichen Pferde ist die Abhaltung einer allgemeinen Pferdemusterung unter Zuziehung von Militär-Commissären angeordnet worden.

Dieselbe wird im Kreise Gießen stattfinden:

Donnerstag den 18. April 1872, Vormittags 9 Uhr, zu Lich

an der Staatsstraße nach Gießen für die 'Gemeinden:

Albach, Annerod, Burkhardsfelden, Dors-Gill, Eberstadt mit.Arnsburg, Ettingshausen, Hattenrod, Lich mit Eoln Hause n,Hof-Albach und Mühlsachfen. Münster, Nieder-Bessin gen, Ober-Bessin gen, Oppenrod und Steinbach.

Freitag den 19. April 1872, Vormittags 9 Uhr, zu Groß-Linden

an der Staatsstraße nach Gießen für die Gemeinden:

Allendorf an der Lahn, Garbenteich, Groß-Linden, Grüningen, Hausen, Heuchelheim, Holzheim, Klein-Linden, Lang-Gönö, Leihgestern mit Ober-Steinberg, Ober-Hörgern und Watzenborn-Steinberg.

Samstag den 20. April 1872, Vormittags 9 Uhr, zu Gießen

auf dem neuen Marktplatze (Oswald'scher Garten) für die Gemeinden:

Allendorf an der Lumda, Alt-Buseck, Bersrod mit Winnerod, Beuern, Daubringen mit Heibertshausen, Gießen mit Schiffenberg, Groß-Buseck, Lollar, Mainzlar, Reiskirchen, Rödgen, Ruttershausen mit Kirchberg, Staufen­berg mit F riedelhausen, Treis an der Lumda, Trohe und Wies eck.

Die Pferdebesitzer werden aufgefordert, ihre sämmtlichen Pferde, mit Ausnahme der Hengste, der Fohlen unter 3 Jahren, der eigentlichen Dienstpferde (Großherzoglicher Beamten) und der contractlich zu haltenden Postpferde zu der angegebenen Zeit und an dem angegebenen Orte bei Meldung einer Strafe bis zu 25 fl. dem für den Kreis bestellten Commissäre vorzuführen.

Die Groß Herzog lich en Bürgermeister werden veranlaßt, die vorstehende Verfügung den Pferdebesitzern noch besonders bekannt zu machen, dafür zu sorgen, daß sämmtliche Pferde vorgeführt und daß dieselben an dem Musterungsplatze gemeindeweise nach der oben angegebenen Reihenfolge und der Reihenfolge der eingesandten Gemeindelisten geordnet aufgestellt werden, auch dem Musterungsgeschäfte persönlich beizuwohnen und in dem Termine der nach unserer Verfügung vom 6. v. M. anzufertigenden Ab- und Zugangs-Nachweise vorzulegen.

Gießen, den 8. April 1872. Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Röder.

Politischer Theil.

Deutschland.

Darmstadt, io. April. Seine Königliche Hoheit der Großhkrzog haben Allergnäd'gst geruht: den mit der Verwaltung des Kreises Gießen und Versehung der Stelle des Provinzialdirectors der H)rovinzioldirection Oberhessen beauftragten Kreisrath Ludwig Freiherrn Röder von Diersburg zum Kreisrath des Kreises Gitßen und Provinzialdirector der Provinzialdirection Oberheffen zu ernenmn.

Darmstadt, 10. April. Genera! v. Werder, von der Bevölkerung mit stürmischen Hochrufen begrüßt, ist soeben hier ctngetroffen. Derselbe ist vom Groß­herzog zur Tafel geladen. Die Stadt prangt im Flaggenschmuck.

Berlin, 8. April. Der Kaiser eröffnete den Reichstag heute nicht in Person; der Thron war verdeckt, das Ceremoniell ein einfaches, Vie Versammlung selbst nicht so glänzend und auch nicht so zahlreich; von den Bayern waren nur zwei, von den Württembergern nur wenige erschienen, wogegen Baden fast sein ganzes Contingent gestellt hotte. Bald nach 2 Uhr erschien der BundeSrath unter dem Vortritt des Fürsten Bismarck und nahm links vom Throne Platz: neben dem Fürsten der bayerische Justizminister Dr. Fäustle, dann der preußische Finanz Minister Camphausen, der sächsische Gesandte v. Könncritz, Minister Delbrück, der württembergische Minister Mitinacht u. s. w. Fürst Bismarck verneigte sich und verlas die Eröffnungsrede (deren vollständiger Wortlaut nach telegraphischer Mit­theilung bereits bekannt ist). Nachdem der Fürst geschloffen, erklärte er im Namen der verbündeten Regierungen auf Befehl des Kaisers die Session für geöffnet, der Präsident brachte ein dreimaliges Hoch auf den Kaiser aus und die Feierlich- feit war beendet. Um 3J/4 Uhr trat der Reichstag zur ersten Plenarsitzung unter dem Vorsitze des Herrn Präsidenten Dr. Simson zusammen.

Berlin, 8. April. Aus guter Quelle erfährt dieSpen. Ztg.", daß der Pkterspfknnig dem römischen Stuhl seit dem Jahre 1860 durchschnittlich 60 Mill. Franken jährlich eingebracht hat. Dis zu dem Garantiegesetz gingen davon etwa 50 Millionen mit der Verzinsung der päpstlichen Schuld auf. Da diese Ausgabe jetzt wegfällt, so muß die Curie mit Hinzurechnung ihrer anderweitigen Einkünfte sehr erhebliche Mittel zur Verfügung haben.

Hr. Bebel beabsichtigt, wie dieGer.-Ztg." erfährt, sich trotz feiner Ver- urtheilung zum Beginne ver Reichstagssttzungen hier einzufinden und seinen Platz im Parlamente einzunehmen.

Berlin, 10. April. Ein an den Reichskanzler unterm 16. v. M. ergangener kaiserlicher Erlaß gestattet allen deutschen Fabrikanten den Gebrauch und die Ab­bildung des Kaiseradlers in der durch Erlaß vom 3. August v. I. festgesetzten Form zur Bezeichnung ihrer Maaren und Etiketten und beauftragt den Reichs­kanzler mit der weiteren Ausführung.

Berlin, io. April. Reichstagssitzung. Wahl der Präsidenten. Zum Prä­sidenten wurde Simson mit 192 von 203 Stimmen, zum ersten Vicepräfidenten Fürst Hohenlohe mit 176, zum zweiten Vicepräfidenten wurde im dritten Wahl­gange und in zweimaliger engerer Wahl mit Gras Eulenburg, Bernuth, Graf Münster und Frankenberg, v. Bennigsen mit 106 Stimmen gewählt. Simson und Fürst Hohenlohe nahmen die Wahl an, v. Bennigsen war nicht im Hause anwesend. Die Verkündigung der Schriftführerwahl findet am Freitag statt.

Vom Rhein, 6. April, schreibt man derA. Z.": Der Cultusminister Dr. Falk hat auf die Beschwerbeschrift der Herren Knoodt und ReinkenS bereits ge­antwortet und zwar, daß er einerseits das Provinzial-Schulcollegium zu Coblenz angewiesen, in der Angelegenheit die erforderlichen Erhebungen zu machen, und voß er andererseits an den Erzbischof von Köln ein Schreiben gerichtet habe, in welcher Wctse er nach diesen Vorgängen seine den Betreffenden auch nur notifi- cirte Excommunication rechtfertigen wolle. Daß man an maßgebender Stelle unter Umständen eine Temporaliensperre, sowie eine Auflösung der bisherigen Feld­propstei ins Auge gefaßt, kann ich Ihnen auch aus guter Quelle mittheilen. Wie in Bonn, Boppard und Coblenz jüngst bereits Schritte geschehen sind, um einen regelmäßigen allkatholischen Gottesdienst zu ermöglichen, so werden auch an mehreren Orten des Niederrheins, z. B. in Crefeld und in Effen, die diesfälligen Vorbereitungen mit Elfer betrieben.

Breslau, 9. April. Hiesigen Blättern wird gemeldet, daß die bei Alt- Berun erbaute, erst seit einem Jahre im Betriebe befindliche Dynamitfabrik gestern Nachmittag in die Lust geflogen ist. Von den Arbeitern büßte einer das Le­ben ein.

Straubing, 7. April. Der Stadtpfarrer Mayer zu St. Jakob dahier hat bei der Regierung von Niederbayern Protestation gegen die Vornahme priester­licher Functionen vurch den altkatbolischen Priester Hort in der den Altkatholiken überlassenen St. Georgs-Capelle erhoben, da diese Functionen ihm, Pfarrer Mayer, allein als pfarrliche Rechte zustünden, und eine Verhöhnung der katholischen Kirche seien. Die Regierung hat diese Prctestation, sowie den Antrag auf Einstellung ver gottesvienstlichen Acte durch Priester Hort zurückgewiesen.

Belgien.

Brüssel, 10. April. Man schreibt derJndependance" aus Versailles: Der Herzog v. Broglie hat definitiv seine Demission gegeben. Der GesaudtschaftS- posten in Lonvon ist in Folge dessen Casimir Perter angeboten, von diesem aber abgelehnt worben.