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Herr Desonnaz:

Welche Bedeutung hat es in der That für die Welt, ob Herr Hyacinthe Loyson sich verheirathct oder nicht verheirathct? Man könnte ebenso gut von der Hochzeit des Panurge (bei Rabelais) sprechen, die wenigstens durch einige Späße erheitert wurde. Seit dreißig Jahre haben sich Hunderte von Priestern verheirathct, ohne darum in die Posaune zu stoßen, wie Herr Loyson, und wa­rst daraus für Vie Welt Gutes ober Schlimmes erwachsen? Von Wichtigkeit wäre nicht ein vereinzelter Act der Empörung gegen eines der bedeutsamsten Gesetze der Kirche, sondern wenn ein bevorzugter Geist sich zu den Grundsätzen bekannte, welche Vie moderne Welt regieren sollen. Zu welchem Grundsätze bekennt sich aber Herr Hyacinthe Loyson, der seinen Charakter als Katholik und Priester aufrecht erhält? Ist er, wie die Protestanten, für die freie Forschung? Ran. Ist er, wie die Philosophen, für die Gedankenfreiheit? Nein. Ist er ein Mann des Glaubens oder ein Mann der Wissenschaft? Kems von Beiden; er verheirathct sich und das ist Alles. Aufrichtig, w'.r können nicht 400 Jahre nach Luther eine neue Religion auf die Heirath des Herrn Loyson gründen und wenn derselbe und zu Rathe gezogen hätte, so hätten wir ihm nur eine jener Antworten geben können, welche Panurge auf die nämliche Frage erhielt:Meiner Treu, heirathen Sie, wenn es Ihnen gefällt und heirathen Sie nicht, wenn es Ihnen mißfällt, der Welt wacht das keinen Kummer."

Paris, 5. Sept. Im April d. I. erhielt Fürst Bismarck mit dem Post-

Italien.

Rom, 3. Sept. DieGazzetta Piemontese" erzählte dieser Tage nach 93c- richten von Reisenden, welche von Modane gekommen waren, daß die französischen Militärbehörden der Ober-italienischen Eisenbahngesellschaft mitgetheilt haben, sie wollten am Nordausgange der großen Frejus-Galerie unter dem Geleise acht Minenkammern anlegen. Die Arbeiten sollten sofort in Angriff genommen wer­den. DieGazzetta" sagt, es sri ihr unzweifelhaft, daß Vie französische Regle- rung, mit welcher Italien in Frieden lebe, keine Minen in der FrejuS Galerie anlegen dürfe. DerFanfulla", der seiner ganzen Tendenz nach nicht geneigt ist, derartigen Nachrichten zu leicht Glauben zu schenken, wagt eS nicht, einen entschiedenen Zweifel an ihrer Richtigkeit laut werden zu lassen, und eine Turiner Corresponvenz desDiritto" bestätigt die Nachricht und fügt hinzu, daß Frank» «reich auf dem Berge St. Michel, dem NordauSgange des Tunnels gerade gegen-

Am 18. April 1874 zahle ich an die Ordre Seiner Durchlaucht des Für- Bismarck, deutschen Reichskanzlers, die Summe von 40,000 Francs. Werth baar empfangen. Louis Jourdan.

(Und darunter die unleserliche Unterschrift wie oben.)

Die deutsche Reichskanzlei ließ diese beiden Schriftstücke vurch Vie kaiserliche Botschaft dem französischen Minister des Aeußern mittheilen und dieser leitete sie an seinen Kollegen von der Justiz, welcher gerichtliche Erhebungen veranlaßte. Dieselben ergaben, daß jener plumpe Erpressung-Versuch in der That von einem Pharmacie-Eleven Namen- Louis Jourdan ausgegangen war. Louis Ferdinand Jourdan erschien demnach gestern vor der 8. Kammer des Pariser Zuchtpolizei­gerichts. Er ist 24 Jahre alt, aus Savoyen gebürtig, gehörte während des Krieges einem savoyischen Bataillon der Mobilgarde an und betrieb seitdem phar» maceutische Studien; er beschäftigte sich, wie da- Zeugenverhör ergibt, viel mit Spiritismus und hat auch schon von geistlichen Congregationen bald durch die demüthigsten Bitten, bald durch die kühnsten Drohungen Geld zu erpressen gesucht. Der auf Veranlassung de- Verthetdigers vorgeladene Sachverständige Dr. Blanche will entdeckt haben, vaß der Angeklagte sich nicht im Vollgenuß seiner geistigen Facultäten befinde; der Gerichtshof schenkt aber diesem Gutachten keinen Glauben und verurtheilt Jourdan zu einem Jahr Gesängniß.

Paris, 4. September. Bisher hat der Herr Hyacinthe mit seinem Manifeste zu Gunsten der Priesterehe in der Presse wenig Glück. Die ultramontanen Blätter fertigen es meist mit einigen wegwerfenden Worten ab und unter den lichtfreundlichen Organen zollt auch nur derNational" dem Plaidoyer des Expaters eine gewisse Anerkennung: die anderen, alsSiecle,"Republique francaise,"Avenir national" (welcher letztere wieder ein fortgeschritten republi- kanische- Blatt geworden ist) finden, daß Herr Loyson mit einer Bagatelle, wie seine Verheirathung, viel zu viel Lärm mache. In demAvenir" schreibt

Straßen, die zum Paradeplatz führen. Festlicher Flaggenschmuck und Vorbereitungen zur Illumination. Die beiden ältesten Söhne des Kronprinzen waren bei der Parade mit in ver Front gestanden. Sie trugen ven ihnen vom Kaiser Alexander heute verliehenen St. AndreaS-Ordcn. ;

Berlin, 7. Sept. Mr. Arthur Kinnaird, Mitglied des englischen Unter* 1 Hauses, ist, wie dieSpen. Zlg." berichtet, am Donnerstag von Sr. Durchlaucht dem Reichskanzler empfangen worben und hat demselben im Auftrage der Unter­zeichner eine mit vielen gewichtigen Namen bedruckte Adresse überreicht welche in deutscher Uebersctzung lautet: An Se. Durchlaucht, den Reichskanzler, Fürsten Bismarck rc. Wir, die Unterzeichneten, welche als Bürger eines,schon lange mit bürgerlicher und Religionsfreiheit gesegneten Lande-, Zeugen sind de- Kampfes, welchen Ew. Durchlaucht als Kanzler Sr. Majestät de« deutschen Kaisers für rin freie- und geeinigtes Vaterland gegen die päpstliche Curie führen, bitten um Er- laubniß, Ew. Durchlaucht mit dem Ausdrucke unserer Ueberzeugung zu nahen, daß es ein Kampf ist von der tiefsten Bedeutung für Europa und von besonderem Interesse für England, welches vor 300 Jahren einen ähnlichen vurchzumachen hatte. Der Anspruch, nicht nur die christliche Wahrheit zu lehren, wie sie in der Bibel nievergelegt ist und von den Aposteln gelehrt wurde, sondern auch aus­schließlich im Besitz der Vorrechte und Gaben Der Apostel und Christi selbst zu sein und darum eine unfehlbare und höchste Autorität zu haben in allen geist­lichen Dingen und in allen weltlichen Angelegenheiten, welche, die geistlichen Dinge verühren oder von ihnen berührt werden, greift sowohl die Unabhängigkeit jeder nationalen Regierung wie die Freiheit des Gewissen- der Einzelnen an und wurde ,ur Zeit der Reformation von unserem Lande bekämpft, al- im Widerspruch mit der Lehre der heiligen Schrift, al- die Rechte und Würde des einzigen Hauptes der Kirche beeinträchtigend und als unvereinbar mit der gesellschaftlichen Ordnung. Sollte e- in England wieder einmal nothwendig werden, gegen die absolute Suprematie des Papstthums anzukämpsen, welche eine kleine Partei unter uns an­erkennt, so wird da- von Ew. Durchlaucht gegebene Beispiel uns crmuthigen, an den Grundsätzen wahrer Freiheit festzuhalten, im Gegensatz zu solchen Ansprüchen. Aber Ver Hauptzweck dieser Adresse ist, Ew. Durchlaucht zu versichern, daß, indem wir die schwierige Natur diese- Kampfes anerkennen, welcher viel Geduld, Weis* heit, Ausdauer und Sinn für wahre Freiheit erfordert, wir bewundern, bis zu welchem Grade es Ihnen möglich gewesen ist, diese Eigenschaften in Ihrer Leitung de- Kampfes an den Tag zu legen, und daß wir mit Ihnen in Ihren edlen und großen Zielen sympathisiren. Wir möchten auch zum Schluß unsere innige Hoff­nung ausdrücken, daß der allmächtige Regierer der Menschen bald Europa von dem verderblichen Einfluß des Ultremontanismus befreie und daß durch Ihre Wirksamkeit Deutschland einen vordersten Platz einnehmen möge in Der Aufrecht- erhaltung jener Principien, welche DaS einzig unfehlbare Haupt Der Kirche ehren und Frieden und Eintracht unter den Völkern verbreiten.

Etwa eine halbe Stunde nach Rückkehr von der Parade erschien gestern der Reichskanzler Fürst Bismarck beim Kaiser Alexander und wurde von demselben in besonderer Audienz empfangen. Die Unterredung mit dem Fürsten dauerte längere Zeit; nach ihrer Beendigung begab sich der deutsche Reichskanzler noch zu dem russischen Reichskanzler Gortschakoff, mit welchem derselbe gleichfalls eine längere Unterredung hatte.

Wie dieD. ReichSztg." nachträglich meldet, haben die Studenten der katholischen Theologie an der Universität Bonn sich nicht damit begnügt, bei dem Curator der Universität ihre Klagen über Vie theologische Facultät anzubringen, sondern gleichzeitig eine Petition an Den Erzbischof von Köln umBeseitigung der Uebelstände" gerichtet. Die Antwort des Erzbischofs lautet dahin, daß er bereite zu wiederholten Malen die geeigneten Schritte gethan habe, um die schweren Uebelstände, an welchen die hiesige katholisch-theologische Facultat zu seinem schmerzlichsten Bedauern laborirt, zu beseitigen, daß solche aber bis jetzt ohne Erfolg gewesen seien. Auf die am 2. August von den Studirenden an den Cultusminister gerichtete Eingabe ist bis jetzt noch keine Antwort erfolgt.

Huldigung meiner Hochachtung-

Paris, 18. April 1872. (Unterschrift unleserlich)

angehender Pharrnaceut bei Herrn Bouillon, 78 Rue Du Four St. Germain in Paris.

Diesem Briefe war folgenDer Wechsel beigeschlossen:

Paris, 18. April 1872.

Berlin, 8. September. Fürst Gortschakoff hat heute längere Zeit tm aus- »artigen Amte mit dem Fürsten Bismarck conferirt. Der Kaiser von Oesterreich wohnte Vormittags in der Hedwigskirche einer stillen Messe bei. Um 1 Uhr besuchten die Monarchen und übrigen Fürstlichkeiten den zoologischen Garten.

Berlin, 9. Sept. Das ganze Gefolge des Kaisers von Rußland verläßt Berlin am Mittwoch Abend. Der Kaiser von Rußland reist mit dem Groß- fürsten am Donnerstag, gleichzeitig mit dem Kaiser Wilhelm ab, begleitet Den Letzteren bis Marienburg unD kehrt von Dort direkt nach Livadia zurück. Kaiser Franz Joseph wird, soweit bis jetzt bestimmt, am Mittwoch noch hier verbleiben.

Berlin, 9. Sept. Prinz Albrecht von Preußen Vater ist erkrankt. Die Herrschasten fuhren an seinem Palais nach der Rückkehr von dem Manöver vor, um sich nach seinem Befinden zu erkundigen.

Breslau, 8. September. Die Generalversammlung der katholischen Vereine Deutschlands wird morgen früh 10 Uhr eröffnet werden. Vorher wird durch den Fürstbischof ein Hochamt im Dome abgehalten. Bisher sind etwa 400 Theil- nehmer aus allen Gegenden Deutschlands angekommen, darunter Die Grafen Ballestrem, Henckel von Donnersmarck (von Der katholischen Linie), Saurma und LegationSrath Kehler. Von den deutschen Bischöfen erscheint feiner. Berichterstatter der hiesigen Zeitungen werden zu den Verhandlungen nicht zu- gelassen, nur einzelnen Mitgliedern De« stenographischen Vereins ist Der Zutritt ^""Mjmchen, 3. September. Die Den Vollzug Des Jesuitengesetzes in Bayern betreffende Ministerial-Entschließung ist heute an die betreffenden Kreisregierungen ergangen.

München, 7. Sept. Der Finanzminister v. Pfretzschner, welcher sich mit Urlaub in Der Schweiz aushält und Der, wie fortgesetzt versichert wird, mit Der Vorlage einer neuen Ministerliste beauftragt fein soll, trifft in diesen Tagen hier ein. Die Anwesenheit des Regierungs-Präsidenten von Pracher aus Regensburg, welcher dieser Tage hier verweilte, hing gutem Vernehmen nach nicht mit Der Minifterkrifis, sondern mit Der Ausführung Des Jesuitengesetzes zusammen, welche in nächsier Zeit beginnen soll.

Holland.

Haag. 7. Sept. Heute hat die letzte Sitzung derInternationalen" statt- gesunden. Der nächste Congreß soll in der Schweiz abgehalten werden. Morgen findet eine Volksversammlung in Amsterdam statt.

stempel Paris folgendes Schreiben:

An Seine Durchlaucht den Fürsten von Bismarck, Deutschen Reichskanzler zu Berlin. Preußen. (Privatsache.)

Fürst! Eines Tages erschien einer meiner Altvordern bei Herrn v. Cavour und fragte ihn, welche Strafe er über die Person verhängen würde, Die ihn in« Elend gebracht hätte.Ich würde sie tobten", erwiderte kalt Der Minister. Nun Denn", entgegnete Der Andere dem berühmten italienischen Staatsmann, ich werde Sie nicht tobten, wenn Sie mir 40,000 Francs leihen, um mein durch Sie zu Grunde gerichtetes Vermögen wieder herzustellen." Man setzte sich auseinander und Herr v. Cavour zahlte die verlangte Summe dem Bittsteller, Der sie ihm nach einiger Zeit vollständig zurückerstattete. Heute folge ich dem Beispiele meines Ahnherrn und wende mich an den berühmten Fürsten Bismarck mit der Bitte, mir 40,000 Francs zu leihen, um meinen Geschäften aufzuhelfen. Der französische Krieg hat meine Zukunft unrettbar vernichtet. Ich werde Sie also tobten, wenn Sie nicht wie Herr v. Cavour handeln. Wa« ich sage, werbe ich auch ausführen unb um Ihnen einen Begriff von meiner Verwegenheit zu geben, brauche ich Ihnen nur zu sagen, daß ich am 17. Februar 1871 gegen 2 Uhr Nachmittags das Leben Sr. künftigen Majestät des Prinzen Fritz in meiner Hand gehabt habe; ein Wort von mir und er war nicht mehr; ober heimtückisches Blutvergießen ist mir zuwider; ich lasse dem Feind, welchen ich treffen will, lieber eine Warnung zugehen. Sie sind die Ursache meines Unglücks; seien Sie also so großmüthig, mir die Reise von Paris nach Berlin zu ersparen. Ich frage mich nur, ob der Fürst Bismarck weniger Seelengröße zeigen wird, als Cavour. Sein Ruf bestreitet es einstweilen; wir wollen sehen, ob seine Acte diesen Ruf rechtfertigen. Empfangen Sie, Fürst, in Erwartung Ihrer Antwort