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Näheres bei Gebr. Landauer.
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V ritz Vitmelj&^Ttg 1 st. !2 kr. mit Brjngerlvhn. Durch die Poft bezogen viertes ährio 1 ff. 29 fr.
Eichener Anzeiger.
Erscheint täglich, mit Auö- ' nähme Sonntags.
ExpeditionCanzleibera, Lit. B. Nr. 1.
K872.
Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kielen.
dtp» 212. Dienstag del? 10. September
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Bekanntmachung.
welche kein^RcheLel mrk^^amt Brückenau eine unbekannte taubstumme Mannsperson aufgegriffen lebhafte Augen, eine spitze ^Nase^ h^ohe Stttn^'kleinen^Mu^^und' breites D^ääbn^^ Haare, röthlichen kleinen Backenbart, hellbraune
Die abgetragene Kleidung bestand in einer arauen Kavve von Rudkin Pm -m . ^a^ne fc$Jen am Oberkiefer gänzlich, am Unterkiefer sind solche defekt. Bukskinhose, einem blauen, weißcarrirken Halstuche und alten geriesterten Stiefeln ' <3Cmmerroct' clner 0rttl1«’/ brauncarrirten Weste und brauner gerippter stellt, NachfkrschmKn pflegen 'zulIn' Den^emäß weL NieLen^welche'°etnaia? A ?-Y-rische Regierung auch an uns das Ersuchen ge-
theilen können, ersucht uns solche baldigst nützucheUern Diejenigen, welche etwaige Aiifschlusse über die He.math der vorstehend beschriebenen Person er-
Gießen, den 4. September 1872. ' Großherzogliches Kreisamt Gießen.
______ v. Röder.
Politischer T h e i l.
Die Drei-Kaiser-Zusammenkunft und der Weltfrieden.
Wenn man in Frankreich, nachdem die Franzosen die Hoffnung aufgegeben hattrn, aus eigener Kraft sich d>s frevelhaft herauSgefordertcn Gegners zu erwehren, sich der Reihe nach an alle Cabinette Europas mit der Bitte um Hülfe oder Vermittelung wandte, so ging man dabei von der Voraussetzung aus, daß ganz Europa in Sorgen uno Aengsien schwtbe wegen der deutschen Stege und von der Wiederherstellung des deutschen Reiches eine völlige Verschiebung der Machtoer^ hältnisse, eine Störung des Gleichgewichts, eine beständige Bedrohung der Sicherheit aller Verhältnisse des Continints durch den in Deutschland vermeintlich erweckten EroberungSirieb erwarte. Diese Voraussetzung war irrig. Europa erkannte wohl, baß eine Verschiebung der Machtverhältmffe zwischen Deutschland und Frankreich eine nothwendige Folge dis Krieges sein werde. Aber fein Staat fürchtete einen Uebergeiff in die eigene Machtsphäre von Seiten des geeinigten Deutschlands; und daher dachte auch kein Staat daran, in die Aus. einandersttzung zwischen Deutschland und Frankreich oder in die innere Consolidirvng des im Kampfe gebornen deutschen Reiches hindernd oder hemmend einzugreifen. Die Art, tote die deutsche Staatskunst die kriegerischen Erfolge zu politischen Ergebnissen vertoerthete, galt überall als selbstverständlich, in ter Natur der! Dinge begründet, als vollkommen gerechtfertigt und in keiner Weise für die Sicherheit ter Nachbarn bedrohlich.
Noch wahrend die Kriegsstürme tobten, bahnte sich zwischen dem neuen Deutschland und dem mächtigen Donaureiche ein Verhältniß gegenseitiger Anerkennung, gegenseitigen Vertrauens an, bissen erste Spuren in beiden Landern mit warmer Begeisterung begrüßt und von der Gunst ter öffentlichen Meinung gehegt und gepflegt wurden. StammeSsympathien und politische Interessen reichten sich die Hand. Die Herrscher und ihreRäthe begegneten und begrüßten sich mit den Gefühlen VeS Wohlwollens und in der Ueberzeugung, baß kein feindlicher Gegensatz zwischen ihren Reichen bestehe, daß vielmehr dir zwischen ihnen obwaltende Intereffengemeinschast Die sicherste Grundlage einer ausrichtigen Freundschaft, eines Zusammenhaltens in den großen Fragen der europäischen Politik bilden.
Dies vor anderthalb Jahren angebahnte VertrauenSverhältniß hat sich seitdem immer kräftiger entwickelt; die öffentliche Meinung ist ter Entwickelung mit warmer Theilnahme gefolgt und hat jeden sichtbaren Fortschritt in derselben mit aufrichtiger Zustimmung begrüßt. Die Politik der Eabinctte bewegte sich genau in der den Stimmungen der Völker entsprechenden Richtung.
Die Frauzosen, die in ihren Revancheplänen sich aus Oesterreichs Mitwirkung Rechnung gemacht hatten, verfolgten natürlich mit offenkundigem Verdruß die Entwickelung der zwischen ten betdin Kaistrhöfen angebahnten guten Beziehungen: aber in ihrer leichtfertigen Weise trösteten sie sich mit der Hoffnung, daß das zwischen Deutschland und Oesterreich hergestellte gute Einvernehmen die alten freundschaftlichen Beziehungen lösen werbe, die Rußland und Preußen verbanden. Die russisch - französische Alliance wurde das Pyantasiegebilo, mit dem die kifinderischen französischen PubUristen ihr leichtgläubiges Publikum ergötzten, und an dem auch Personen, die für ernsthafte Staatsmänner gelten wollen, ihre Freude hatten.
Wiederum hatte man sich einer Illusion hirigegeben. Die Freundschaft zwischen dem Berliner und Wiener Kaiserhofe hat nicht zu einer Erkaltung der deutsch.rufsifaen Freundschaft geführt: sie hat im Gegentheil die W rkung gehabt, eine Versöhnung zwischen Rußland und Oesterreich anzubahnen. DaS ist das große Ergedniß der politischen Arbeit des letzten Jahres. Oesterreich und Deutschland haben auf dem Boden der vollzogenen Thatsachen Stellung genommen unv sich die Hand gereicht, und die unmittelbare Folge davon ist die Versöhnung Rußlands und Oesterreichs gewesen. Die Dinge haben sich also im graben Gegensatz zu den Berechnungen ber französischen Polirrk entwick.lt.
Die falschen Bemühungen der Franzosen erklären sich daraus, daß sie selbst ihre Macht stets gemißoraucht haben und nun glauben, Europa werbe bei
Deutschland die Neigung zu einem gleichen Mißbrauch voraussetzen. Die weiten >n denen Frankreich das Uebergetoicht in Europa gehabt hat, sind stets Seiten des allgemeinen Mißtrauens und der Unruhe gewesen Unter Ludwig XIV., während der ersten Republik, unter Napoleon I. und Napoleon III. mußten sich die Staaten Europas zu ihrer Sicherheit in steter Kriegsbereitschaft halten. Und jetzt, wo Frankreichs politisches Uebergewicht gebrochen ist, verwendet es alle feine Mittel ju neuen, maßlos gesteigerten Rüstungen und sucht durch Drohungen mit Rache- p-anen die Welt tn Unruhe zu erhallen, wahrend der Staat, welcher Frankreich seiner leitenden Stellung beraubt hat, fein höheres Ziel seiner Politik als die Eonsol.brrung des Weltfriedens auf Grundlage der bestehenden Zustände kennt und in dieser Richtung mit glänzendem Erfolge thätig ist.
Es ist ber schönste Ruhm der deutschen Staatökunst, daß Europa ernstlich die Überzeugung von ihrer Friedensliebe nach glänzenden Erfolgen gewonnen bat, M bas Dasein eines starken deutschen Reiches für ein sicheres Friedenspfand flilt, »nb baß die mächtigsten Staaten Europas grade durch die Verbindung mit Deutschland den Weltfrieden zu sichern und Europa bas lange vermißte Gleich- gewicht witderzugeben hoffen. Das Einvernehmen Deutschlands, Oesterreichs Rußlands ist eine Bürgschaft für die Ruhe der Welt, eine ernste Mahnung trachtet ßU* öcfrflnfhr eücIfdt oder Rachsucht die Kriegefurie zu entfesseln
Und deshalb blickt die Welt mit Vertrauen und wohlwollender Theilnahme auf die Begegnung der drei hohen Herrscher in der Hauptstadt des deutschen Reiches, am Hose unseres ehrwüdigen Hcldenkaisers. Europa weiß sehr wohl baß in diesen Tagen Berlin nicht blos ber Schauplatz glänzender Feste sein wirb, sondern daß während ter Festesfreuden auch die ernste Arbeit der Staats- tunst nicht ruhen wirb. Aber es sieht dieser Arbeit nicht mit Sorgen, sondern mit vollem Vertrauen entgegen. Es weiß, daß man in Berlin nicht über Welt- berrschastspiane brüten, sondern Mittel erwägen wirb, burch die sich eine neue Unterbrechung der mächtig sich entfaltenden Culturarbeit der Gegenwart hindern laßt. Und künstlicher Mittel zur Erreichung dieses Zweckes wird es nicht einmal bedürfen: die große Thatsache, baß die drei mächtigen Herrscher, die über uner- lcbopfl'che Strnikrafte gebieten, sich die Hand zum Friedesbunde reichen, diese Thatsache genügt, um einen jeden Staat, der die Pforten des Janustempels tu offnen haben sollte, an die Gefahren zu erinnern, die er dadurch über
sich selbst heraufbeschwören würde.
Deutschland.
Berlin, 7. September. Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht heute Nachmittag einen Erlaß des Kaijcrs, worin derselbe für dic von Privatpersonen, (Korporationen unt> Beho.d.n ihm vielfach zugegangenen Zeichen der Theilnahme anläßlich der Wtedirk.hr der Tage von Gravelotte und Sedan seinen Dank ausspricht — Die Norddeutsche Allg. Zig." schreibt: Der Bischof von Ermland, welcher'auf b.e Aufforderung, ein ausdrückliches Anerkenntniß der vollen Souverainität des Staates in zweifelloser Gestalt abzugeben, wiederholt mit der Erklärung geantwortet hatte, baß er Die staatliche Souverainität des Staates anerkenne, richtete an den Kaiser bas Gesuch, allerhöchftdewselden in Marienburg mit Den Eapitels- Dlputirten eine ErgebenheitsaDresse überreichen zu dürfen. Der Kaiser, außer Stande, einen Die Verbindlichkeit der Staatsgesetze in Frage stellenden Unterthan amtlich zu empfangen, antwortete, baß er eine solche Adresse nur bann entgegen- n^men werde, wenn Der Bischof sich Den Staatsgesetzen in allem Umfange gehorsam, erklärt habe. — Bei Der heutigen großen Parade auf Dem Tempelhofer ÖelDe führte Kaiser Wilhelm tn Person seinen hohen Gästen Die Truppen zwei Mal vorüber. Die beiden kaiserlichen Gäste traten in die Front ihrer Regimenter und führten dieselben ebenfalls zwei Mal bei Kaiser Wilhelm vorüber. Die Kaiserin, Die Kronprinzessin, sämmtliche Prinzessinnen, alle hier anwesenden Deutschen Fürsten wohnten Der Parade bei. Enorme Menschenmaffen auf allen


