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2 Jahre zurückblicken, die seit den Siegestagen von Weißenburg und Wörth verflossen sind.
Deutschland.
Darmstadt, 5. August. Das Großherzogliche Regierungsblatt Nr. 34 enthält:
1) Bekanntmachung Großherzoglichen Ministeriums des Innern, die Ausführung des FrievenSvertrageS zwischen dem Deutschen Reich und Frankreich vom 10. Mat 1871 betreffend.
2) Bekanntmachung Großherzoglichen Ministeriums der Finanzen, die Befreiung des zu landwirthschaftlichen und gewerblichen Zwecken bestimmten Salzes von der Salzabgabe betreffend.
3) Bekanntmachung Großherzoglichen Kreisamts Alzey, den Ausschlag des Gehalte» des Großherzoglichen Rabbinen zu Alzey pro 1872 betreffend.
4) Verzeichnis der Vorlesungen, welche auf der Großherzoglich Hessischen LudewigS-Universität zu Gießen im Winterhalbjahre 1872/73 gehalten und am 24. November ihren Anfang nehmen werben.
5) Ermächtigungen zur Annahme und zum Tragen fremder Orden.
6) Am 18. Juli wurde dem Ludwig Carl Kriegbaum aus Darmstadt das Patent als Geometer der ersten Klaffe für den Kreis Darmstadt ertheilt.
7) Dienstnachrichten. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben aller- gnädigst geruht: am 13. Juni dir Steuerpfandmeister bei der nunmehr aufgelösten Oberetnnehmeret Bensheim, Carl Wilhelm Beifenherz und Wilhelm Keller, in gleicher Diensteigenschaft in die Obereinnehmerei Darmstadt und resp. Groß-Umstadt, den Steuerpsandmeister bei der nunmehr aufgelösten Obereinnehmcrei Nidda, Heinrich Becker, in gleicher Diensteigenschaft in die Obereinnehmerei Romrod und am 2. Juli den Steuerpsandmeister bet der nunmehr aufgelösten Obereinnehmerei Nidda, Caspar Scharmann, in gleicher Diensteigenschaft in die Obereinnehmerei Gießen zu versetzen; dem Gefangenwärter an dem Haftlocale zu Wörrstadt, Carl Tempel, die Stelle eines Aufsehers in dem Arresthause Alzey, am 7. Juli dem Schulamtsaspiranten Wilhelm Schmidt aus Friedberg die evang. Schulstelle zu Wettsaasen, iw Kreise Grünberg, zu übertragen und den Feldwebel Heinrich Vonhof im 1. Großh. Jnsant.-(Leibgarde-)Regiment zum Schloßverwalter der Schloßverwaltung Braunshardt, den Staatsprocurator an dem Bezirksgerichte Mainz, Geh. Justizrath Dr. Julius Hermann Schalck zum General-Staatsprocurator an dem Obergerichte der Provinz Rheinhessen und den Bezirksgerichtsrath und Untersuchungsrichter bei dem Bezirksgerichte Mainz, Ludwig Schön, zum Staatspro- eurator an dem Bezirksgerichte Mainz zu ernennen. Am 19. Juli der Schulamtsaspirantin Christina Thomas aus Mainz, die Stelle einer Lehrerin an der kathol. Stadtschule zu Mainz, am 21. Juli dem Schullehrer zu Grein, im Kreise Heppenheim, Heinrich Klingel, die evang. Schulstelle zu Hopfgarten, im Kr. Als- feld, die vierte evang. Schulstelle zu Nidda, im Kr. Nidda, zu übertragen; am 23. Juli die Bauausseheraspiranten Joh. Heinrich Hofmann aus Freien-Seen, Johannes Müller aus Alzey, Joh. Adam Walther aus Hüttenthal, Georg Michael Willenbücher aus Erbach und Friedrich Maus aus Gernsheim zu Bauaufsehern zu ernennen.
8) Characterertheilung.
9) Concurrenzeröffnungen. Erledigt sind: die zweite kathol. Schulstelle zu Dieburg, im Kr. Dieburg, mit einem jährlichen Gehalt von 550 fl. 35kr.; die zweite evang. Schulstelle zu Leihgestern, im Kr. Gießen, mit einem jährlichen Gehalt von 300 fl.; die evang. Pfarrstelle zu Nieber-Moos, im Dekanate Lauterbach, mit einem Gehalte von 1333 fl. 33 fr.; den sämmtlichen Riedesel Freiherrn zu Eisenbach fleht das Präsentationsrecht zu dieser Stelle zu.
Darmstadt, 7. August. Seit mehreren Wochen haben einige öffentliche Blätter verschiedener Richtung ein Gerücht in Umlauf gesetzt, als beabsichtige Seine Königliche Hoheit der Großherzog sich zur linken Hand zu vermählen oder habe es bereits gethan. Wie auch schon von einem der Blätter, in welchen das Gerücht Eingang gefunden, in einer Correspondcnz berichtigend bemerkt wurde, entbehren alle derartigen Nachrichten eines jeden Grundes. Zur Charakteristik der Art und Weise, wie dieselben verbreitet wurden, mag dienen, daß in Holland, welches als Ort der angeblichen Vermählung bezeichnet wurde, das Institut einer morganatischen Ehe gemäß dem dort geltenden Ctvilrecht gar nicht existirt, und daß 'S Gravenhage, bas als angebliches „Gut" dabei eine Rolle gespielt haben soll, gar nichts ist, als der holländische Name für die Stadt Haag, wie sie in Deutschland gewöhnlich genannt wird. (Darwst. Ztg.)
Berlin, 6. August. Am Sonnabend trat, wie die „Kreuzztg." meldet, unter Vorsitz des von Homburg zurückgekehrten Cultusministers Dr. Falk eine Conferenz zusammen, welche vorzugsweise aus KirchenrechtSkundigcn zusammenberufen war und welche ihre Berathungen sogar Sonntag fortsctzte. Ueber den Gegenstand ihrer Erörterungen und ob dieselben mit den gegen den Bischof Krementz zu ergreifenden Maßregeln, zur deren Aufklärung der Cultusminister von Seiner Majestät dem Könige nach Homburg berufen war, im Zusammenhänge gestanden haben, verlautet zur Zeit noch nicht» Zuverlässiges.
Dresden, 7. August. Vorige Nacht ist nach zehntägigem Krankenlager Emil Devrieut hierselbst gestorben.
Stuttgart, 7. August. Die hiesigen Blätter theilen das Programm für die JnspectionSreise des Kronprinzen des deutschen Reiches mit. Derselbe trifft am 15. August in Friedrichshafen ein und reist mit dem König Karl nach Stuttgart, kommt daselbst am Abend um 9 Uhr an, wo er durch die Bürgerschaft festlich empfangen wird. Am 16. August findet die Inspektion der Stuttgarter Garnison und Nachmittags Galadiner im Schlosse Wilhelma statt. Abends wird der Stabtgarten auf städtische Kosten beleuchtet. Am 17. August inspicirt der Kronprinz die Garnison von Ludwigsburg, stattet Abends dem Fürsten Hohenlohe zu Langenburg einen Besuch ab und inspicirt hierauf am Montag die Garnison zu Ulm.
München, 5. Aug. Wie man der „A. Z " aus München meldet, wurden am Sonnabend in Berchtesgaden die Königin-Mutter von Bayern und die Königin- Wittwe von Schweben erwartet. Am Sonnabend sollte daselbst bcr deutsche Kaiser eintreffen. — Der König hat an den SttftSprobst v. Döllinger folgendes Handschreiben erlassen: Mein lieber Rector Magnificu» Dr. v. Döllinger! Groß und der Bedeutung der Münchener Hochschule würdig war das Fest, welches in diesen Tagen zu Ehren des siegreichen Kampfes derselben gegen die Macht von vier Jahrhunderten begangen wurde. Freudig habe Ich an der Feier Theil genommen, und fühle Mich gedrungen, allen Festgenossen, welche Mir so viele herr
liche Beweise treuer Anhänglichkeit gegeben, Meinen wärmsten Dank kund zu thun Nehmen Sie heute zum Schluffe der Festtage die Versicherung hin, daß Mir da» Wohl der Universität, dieser Pflanzstätte der Wissenschaften, welche eben jetzt durch eine Reihe hervorragender Lehrer geziert ist, stets eine heilige Sorge sein wird, und daß wie immer unter Meinen erlauchten Ahnen, so auch unter Meiner Regierung Wissenschaft und Kunst im Daterlande stets sicheren Hort und liebevolle Pflege finden werden. Indem Ich Ihnen, Mein lieber Rector MagnificuS, und dem gesammten Festausschüsse Meine ganz besondere Anerkennung zolle, bin Ich Ihr wohlgeneigter König Ludwig.
Oesterreich.
Wien, 5. Aug. Das Oberlandesgericht hat das Urthkil des Landesgerichtes in Wien, womit der altkatholische Pfarrer Alois Anton zu 14 Tagen Arrest ver- urtheilt wurde, bestätigt, weil derselbe in seinen beiden in der Salvatorkirche ge- haltencn Predigten die Einrichtungen der katholischen Kirche, und zwar die Prozesse, die den Heiligsprechungen vorausgehen, und die Heiligsprechungen selbst, so- vie auch das Dogma von der unbefleckten Empfängnrß herabgcwürdigt und ge- chmäht und sich daher nach dem noch in Kraft bestehenden Strafgesetze des Vergehens der Störung der öffentlichen Ruhe und Ordnung schuldig gemacht habe.
Gastein, 5. August, Abends 7 Uhr. Des Kaisers Wilhelm Majestät ist soeben hier eingetroffen und bei der Ankunft vom österreichischen Minister Fürst Auersperg, dem Generalseldmarschall Grafen Moltke und den Generalen von Manteuffel und von Zastrow empfangen worden. Gastein ist mit Flaggen geschmückt und die Bevölkerung hieß den Kaiser mit allseitigen herzlichen Zurufen willkommen.
Frankreich.
Paris, 4. Aug. In Betreff des „deutschen katholischen Vereins" sagt der „UntverS" heute in seinen „Briefen aus Preußen":
ES ist wahrscheinlich, daß man sich höchsten OrtS mit dieser ultramontanen Verschwörung als einer Gefahr für das Reich beschäftigen wird. Seit den Worten, welche der Papst an den deutschen Lesevcrein gerichtet hat, wittert man überall da» famose Steinchen, welches dem Coloß die Ferse zerschmettern soll. Es könnte sich ja in den Bruderschaften, in den Congregationen, den Gemeinschaften zu christlichem Leben, in den BonifaciuSvereinen finden; man überwacht sie alle, und bekanntlich hat ein schlechtes Gewissen gute Ohren. Trotz alledem handeln hie Katholiken nach dem Grundsatz: Hilf dir selbst, so wird dir der Himmel helfen. — Der König von Bayern, fahren die Briefe fort, lebt in einer ununterbrochenen „Siesta" auf Schloß Berg. Die Ankunft des Kronprinzen von Preußen hat diese Siesta keineswegs gestöri. Das bayerische Ministerium ist immer noch ohne Haupt, trotz der inneren Kämpfe, trotz der Umtriebe der Nationalliberalen und Freiconser- vativen. Fürst Hohenlohe hat sich unmöglich gemacht, sowohl durch seine Haltung auf dem Reichstag, wie durch seine erwiesene persönliche Unbedeutendheit. In diesem Punkt, hoffen wir, wird König Ludwig sein Volk verstehen und gutem Rath nicht unzugänglich sein. — Das Königreich Würtemberg ist gegenwärtig, wie diese Briefe zu erzählen wissen, das glücklichste Land Deutschlands. Da findet man nicht diese kriechenden Nationalen, die Katholiken genießen des Friedens, die Regierung zeigt durchaus keine Lust, sich zum Kirchenbüttel zu machen. — Was die profcribirtrn Jesuiten betrifft, so werden sie wahrscheinlich größtentheilS bis zum gesetzlich bestimmten Abreisetermin iw Lande bleiben. Die Jesuiten in Paderborn haben schon ihre Möbel verkauft, welche das Doppelte ihres Werthes eingetragen haben; denn alles wollte sich ein Andenken von ihnen verschaffen. Man versichert, auch ihre Häuser in Münster, Paderborn, Aachen und Bonn seien verkauft. Man schaudert vor dem Gedanken, daß all' die neugebauten kaum eröffneten schönen Kirchen in diesen Städten vielleicht geschloffen werden. Ebenso wird e» mit denen ver Redemptoristen gehen. Was noch schmerzlicher, ist die Ausrottung so vieler katholischer Einrichtungen, welche für die Socialisten und Internationalen Platz machen wird. Eines Tags werden der Regierung die Augen aufgehen — beim Feuerschein des Petroleums.
Italien.
Nom, 3. Aug. Was man auch sagen mag, Antonelli hat keine erbitterteren Gegner, als die Väter vom Orden Jesu, und sie wenden seit Jahren Alle» Daran, den Verhaßten aus dem Sattel zu heben. Bisher waren alle ihre Versuche an der Anhänglichkeit des Papste- an den Mann gescheitert, dessen ungewöhnliche Begabung und Schlauheit bas Schifflein Petri vor dem Scheitern ge- rettet hatte, wie oft es auch zwischen die gefährlichsten Klippen gerathen war. Nun endlich scheinen ihre Bemühungen glücklicheren Erfolg gehabt zu Haben.- Personen, welche man als im Vatican gut unterrichtet bezeichnen darf, versichern, Die Sonne der Gnade de» neunten Pius sei für Antonelli untergegangen, und nur Rücksichten, welche der Papst dem Publikum gegenüber zu beobachten habe, veranlaßten ihn, den Bruch zwischen ihm und seinem Cardinal-Staatssekretär nicht öffentlich sichtbar werden zu lassen. Er sieht Antonelli nur äußerst selten mehr in seinen Gemächern, und nennt ihn fast nie mehr anders als mit den Worten: „Der droben!" Um dies zu verstehen, muß man nämlich wissen, daß Piu» den zweiten Stock des Vatikans und Antonelli den dritten Stock des nämlichen Palastes bewohnt. Als ein Zeichen der höchsten Ungnade des heiligen Vaters gilt namentlich der bekannte Brief desselben an den Cardinal in Betreff der Aushebung der geistlichen Orden, den der Papst gegen alles Herkommen des päpstlichen Hofes an Antonelli richtete, als dieser keinerlei Anstalt machte, in dieser Angelegenheit sich mit einer Note an die Mächte zu wenden. — Die Jesuiten und Msgr. De Merode tragen seitdem den Kopf höher als sonst und Pater Beckx durfte sich in den letzten Wochen wiederholt des besonderen Empfanges von Sr. Heiligkeit erfreuen. In Folge der Verhandlungen de» deutschen Reichstages haben sich viele Jesuiten aus Deutschland über die Alpen begeben und im Kloster von Cava de* Tirenni in der Nähe von Neapel Unterkunft gefunden. Dorthin hat sich vor einigen Tagen auch ihr Ordensgeneral Pater Beckx begeben, und man weiß, daß in den verschwi-genen Räumen jenes Kloster» eine Versammlung von Ordensmitgliedern stattgefunden hat.
Portugal.
Lissabon, 5. August. Gegen die einer Verschwörung Verdächtigen ist Seiten» der Staaisanwaltschast die gerichtliche Verfolgung beantragt. E» ist wahrscheinlich, daß die HabeaS-CorpuS-Acte suSpendirt werden wird.
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