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Preis vierteljährig 1 st. 12 h. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährig 1 fL 27 fr.
Gießener Anzeiger.
Erscheint täglich, mit Ausnahme Sonntags.
Expedition: Canzleiberg, Lit. B. Nr. 1.
Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Kielen.
Nr. 33.
Montag den 4. März
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/HiP werden noch fortwährend sowohl bei der Expedition, Canzleiberg B. 1, als auch bei allen Post-
Betreuungen auf oen vNleßeNer /iNzelger Expeditionen und den Land-Postboten entgegen genommen.
Abonnenten, welche den Anzeiger bei der Erpedition abholen lassen, erhalten denselben für den Monat März zu 20 kr
Amtlicher
Theiß.
Gefundene Gegenstände:
Ein Beutelchen mit 2 Farbzeichen und 3</r kr. Geld, ein Federmesser mit 4 Klingen, ein Halstuch, schwarz und weiß carrirt und ein Fensterladen.
Zugelaufen: Ein. großer Hahn und ein schwarzer Hühnerhund (Männchen.) ~ r , .. .
Die Eigentümer werden aufgefordert, sich binnen 3 Wochen bei uns zu melden, wrdrigenfalls drese Gegenstände auf Verlangen an bie Finder zurückgegeben oder später zu Gunsten der Armenkasse werden versteigert werden. r, m .« .. m-a„
w Rieften den 4 März 1872. Großherzogliche Polizei-Verwaltung der Provmzialhauptstadt Gießen.
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zu machen, 06 al pari den Cours ursgewitm, ib ameril.
lidheitsgkfähr- i irb die Lu.H.
Zwischcnclasse, * aufnehmm.
Vorstandes:
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den Herren Mansch,
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Politischer T h e i l.
* Die hochgespannte Thätigkeit des Ultramontanismus
erklärt sich vor allem aus drm Bedürsniß, gewisse verlorene politische Stellungen, deren er sich lange Zeit hindurch sicher glaubte, wieder zu erobern oder einen Ersatz für sie zu gewinnen. Dir erste empfindliche Schlag, der ihn in den letzten Jahren betroffen, war der Atfall Oesterreichs vom Concordat: ein Schlag, der um so härter traf, da wan sich in Rom daran gewöhnt hatte, das Oesterreich des Concordats als einen besonders fügsamen und dienstwilligen Verbündeten zu betrachten, der der Curie gegenüber nicht die Rolle des anspruchsvollen Schutz- Herrn spielte, sondern sich vielmehr als Schützling der Kirche fühlte; darin sehr verschieden von dem mächtigeren Bundesgenossen, dem Napoleonischen Frankreich, das zwar auch die guten Dienste der Curie in hohem Grcde in Anspruch nahm, aber nicht als Gnade, sondern als Vasallendienst, den der Papst für den ihm von Frankreich gegen die Begehrlichkeit Italiens gewährten Schutz zu leisten
durch die Anstrengungen der ultramontanen Partei in die römischen Restaurationspläne zu verwickeln; ja man sicht ohne Zweifel den Zerfall der grossen internationalen ultramontanen Partei voraus, wenn es nicht gelingt, wieder einen festen politischen Mittelpunkt für die in Einzelkämpsen vergeblich sich abnutzcnden Parteibestrebungen zu gewinnen.
Die Curie hat daher ihr Auge wiederum auf Frankreich geworfen. Die auch dort sich regenden altkathvlischen Bestrebungen schlägt sie mit Recht als ganz unerheblich urd unbedeutend en: eine innerliche, positive Reactron gegen das römische Glaubens- und Ktrchenprincip wird in Frankreich niemals Boden gewinnen. Von der Seite her also fühlt man sich vollkommen sicher. In Frankreich werden alle kirchlichen und religiösen Fragen ausschliesslich vom politischen Gesichtspunkt aus betrachtet, und gerade darauf beruhen die Hoffnungen, welche die Curie auf Frankreich setzt.
Es kommt nur darauf an, daß in Frankreich eine aus politischen Gründen dir Curie geneigte Regierung an's Ruder komme: tritt dieser Fall ein, so glaubt
schuldig war.
Das Derhältniß zu Frankreich war drückend, aber es war dessenungeachtet von unschätzbarem Werthe für die Curie, denn sie wusste, daß Napoleon schon in Rücksicht auf seine eigemn Interessen, was er versprochen hatte, auch halten werde. Der Fall Nopoleon's war daher für die wiltlrcke Papstmccht ein vernichtender Schlag. Italien säumte nicht, die ihm tzibotine Gelegenheit zu benutzen und cuf dem Capitol das nationale Banner oufzupflonzen.
Fast gleichzeitig waren die Hoffnungen der Ultrawontanen, sich der Herrschaft in Bayern zu bemächtigen, in Folge des nationalen Aufschwunges in Trümmer gebrochen. Die verzweifelten Bestrebungtn aber, dos deutsche Rech in eine ultramontane Politik zu verwickeln, scheiterten, sobald sie sich an'S Tageslicht gewagt hatten. Kurz, in fast allen Staaten, Belgien allenfalls ausgenommen, ermannte sich das Staatsbewusstsein, um die romanisirenden Tendenzen abzu- weisen.
Diese Reaktion gegen die ultramontanen Bestrebungen musste in um so schärferen Formen hervonrettn, je höher die Curie in Folge der verhängnißvollen Conlilsbeschlüffe ihre Ansprüche auf Beherrschung der Gesellschaft und auf Leitung der Staaten gespannt hatte. Das Zusammentnffen der vatikanischen Beschlüsse mit der Annexion Roms an den italrenischen Staat hat dem gegenwärtigen grossen staatlich-kirchlichen Conflict seinen eigenthümlichen Charakter aufgedrückt. Das Papstthum kämpft für sein Dasein als politische Macht, und cs kämpft gleichzeitig um die absolute Herrschaft über die katholische Kirche, und vermittelst dieser Herrschaft um die Hegemonie in der christlichen Welt.
Aber gegen den kirchlichen Absolutismus des Papstthums hat sich innerhalb der Kirche selbst eine Opposition erhoben, deren Aussichten sich zwar noch durchaus kein sicheres Prognostikon stellen läßt, Die aber jedenfalls sich bereits kräftig genug entwickelt hat, um die ultramontancn Kreise mit lebhafter Bcsorgniß zu erfüllen. Um ein Umsichgreifen dieser bis jetzt noch in den Anfängen begriffenen reformatorischen Tendenzen zu hindern, glaubt die Curie gegenwärtig mehr als je eines festen politischen Stützpunktes zu dttürfen. Wo soll sie ihn finden;
Die ultramontane Partei in Deutschland ist allerdings stark, kampflustig und bietet sich zugleich allen staats- und reichsfeindlichen Elementen als natürlicher Mittelpunkt dar. In Anlehnung an sie gewinnen die verschiedenartigen Elemente des Particularismue, sowie die polnischen Umtriebe eine Bedeutung, dir sie isolirt in keiner Weise würben beanspruchen können. Die Partei, durch all« politisch unzufriedenen Elemente verstärkt, fühlt sich kräftig genug, um den Regierungen der Einzelstaaten und Der Reichsregierung selbst in offenem Kampfe
man, gewonnenes Spiel zu haben.
Man hatte anfangs von Thiers, dessen Feindschaft gegen Italien ja bekannt war, ein Einschreitin für den Papst erwartet. Aber, ganz abgesehen von seiner militärischen Unentschlossenheit, war Thiers doch klug genug, um die Unmöglich, kcit einer Restauraiionspolitik zu begreifen. Er kam über eine zweideutige Hal* tung, die es mit keiner Partei ganz verderben wollte, nicht hinaus. Damit war aber der Curie keineswegs gedient: sie wollte Thatcn sehen.
Eine That für das Papstthum erwartet die Curie aber gegenwärtig nur ton dem Legitimismus, weshalb denn die Wiederherstellung der legitimen Monarchie Der heisseste Herzenswunsch Dir Curie und» der von Der höchsten Gluth Der Leidenschaft entflammten Ultramontancn Frankreichs ist. Von Heinrich's V. und seiner ntterlichcn Anhänger Principientrcue hofft man, was man von dem vorsichtigen und berechnenden Thicrs nickt erreichen kann. Denn in den Legitimisten vereinigt sich ter cllen Franzosen gemeinsame Haß gegen Italien mit dem zu ihrem politischen Systeme gehörenden kirchlichen Feuereifer, Der den Republikanern und der französischen Bourgeoisie sehr fremd ist. Vielleicht hätte man in Rom, wenn man von dem Aufschwung des BonapartiSmus eine Ahnung gehabt hätte, Bedenken getragen, sich durch eine allzu offene Begünstigung der legitimistischen Sache Napoleon gegenüber zu compromittiren. Da dies aber einmal geschehen ist, so hat man um so mehr Ursache, dem Schiffe Heinrich'- V. den besten Fahrwind zu wünschen.
Und es lässt sich in der That nicht bezweifeln, daß das legitimistrsch restau- riete Frankreich ein enges Bündniß mit dem Papstthum eingehen und alles auf- bieten würde, um sich zum Mittelpunkte der ultrawontanen Bestrebungen in allen Ländern zu machen. Ob damit der Sache des Papstthums ein wirklicher Dienst geleistet werden würde, ist freilich eine andere Frage. Wir meinen, daß jeder Versuch, die ultramontane Bewegung von Paris aus lenken zu wollen, dem Ultra- montaniemuS in Deutschland Den Boden unter den Füßen fortziehen würde. Es gibt gewisse Verbindungen, gegen die bas Nationalgefühl unerbittlich sein Richteramt ausüben würde. Schon die Verbindung mit den Polen hat dem Ultramontanismus in der öffentlichen Meinung selbst der katholischen Kreise geschadet; ein Bündniß mit den Legitimisten Frankreichs würde ihm Den Todesstoß versetzen.
UcbrigenS haben sich Die Aussichten des Legitimismus in Folge der neuesten Fusionsversuche nicht verbessert, sondern verschlechtert. Denn Die monarchischen Parteien offenbaren mit ihrer Begehrlichkeit zugleich ihre Schwäche unp ihre Unfähigkeit zu behandeln. Ihre unruhige, ziellose Thätigkeit kommen nicht ihnen, sondern den Republikanern, oder — dem BonapartiSmus zu Gute.
Deutschland.
Frankfurt, 1. März. Aus der Unglücksstätte in der Judengaffe wurden bis
ntbr nnt 'm man sich in Rom selbst heute Abend im Ganzen 31 Personen aufgcfundcn. Davon waren 12 todt, 11
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Aber sie findet einen Widerstand, Dem sie nicht gewachsen ist. Bon Dem Augenblick an, wo Der Staat Die von dieser Seite Drohende Gefahr in ihre» ganzen Grösse erkannt und sich zur Abwehr entschlossen hatte, konnte Der fAUefe- liche Ausgang des großen weltgeschichtlichen Kampfes, der auf deutschem Boden
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