Leben gefunden. Fast alle Geretteten verlangten zuerst nach Wasser. Die hiess- gen Hospitäler haben sich in die Aufnahme der Verwundeten geteilt, deren Verletzungen glücklicherweise durchgängig leichter Natur sind. Die Obdachlosen sind einstweilen zum Theil von der Behörde untergebracht. 25 B.ttn wurden in den Baracken dcS Vaconius'schen Gartens aufglstellt. Die Nachgrabungen auf den Schutthaufen wurden heute Abend bei Fackelbeleuchtung noch bis 10 Uhr fortgesetzt, alsdann aber sistirt, da die Arbeiter wegen der Gefahr eines Einsturzes des Nachbarhauses zu bedenllich waren.
Frankfurt, 2. März. Heute Morgen zwijchen 9 und 10 Uhr hörte man aus den Stummem in der Juden.- affe- erneute Hilferufe. Mit doppelten Kräften wurde die Arbeit gefördert > Und endlich die Fr^u des Hausbesitzers Schäfer lebendig und unverletzt aup dem. Keller hervorgezogen. Die Unglückliche war 27 Stunden hindurch bis -zum^Oberkörper in Schutt und Schlamm vergraben, Kopf und Schultern waren frei'geblieben; sie war vollständig bet Bewußtsein und konnte mit ihren Töchtern sprechen. Auch sie verlangte dringend nach Wasser. Man hüllte sie in warme Decken ein und verbrachte sie sofort in daß Bürgerhospital. Einer der Getödteten, der Frau eines entlassenen Gasarbeiters und Mutter von 5 Kindern, war auf besondere Verwendung eines hiesigen Anwalts die Aufmthalts- erlaubniß (sie war in ihr Heimathsdorf gewiesen) noch länger ertheilt worden. Sie hatte die? am Donnerstag erfahren und kam des Abenvs getröstet nach Haufe. Andern Morgens ward sie mit 4 ihrer Kinder als Leiche bervorgezygen. Wie man uns mittheilt, wird von den Bewohnern des Hauses Niemand mehr vermißt. Die Namen der Umgekommenen sind: 1) Konrad Knaufs, Kohlenträger, 2) Ehr. Kn au ff, Äodtengräber, 3) dessen Kind, 4) Frau Berge, 5—8) deren 4 Kinder, 9) Frau Mahler, 10) deren Kind, 11) Commis Rosenthal und 12) Kreß (Kind).
Berlin, 28. Febr. Die Vorgänge in Antwerpen geben Belgiens Gegnern einen willkommenen Stoff zu dem Hinweis, wie leicht erregt das kleine Land von den geringfügigen Vorgängen ist. Welche Scenen hätte irft das Erscheinen des Papstes in Belgien hervorgerufen, mit welchem abenteuerlichen Plane sich die Umgebung des Vaticans vor noch nicht langer Zeit wirklich getragen haben soll! Zwei Parteien drängen in Italien dahin, daß der Papst Rom verlasse, die Jesuiten und die Radikalen. Aber von PiuS IX. Neigung ganz abgesehen, würde jetzt fast jeder Staat Bedenken gegen die Wahl der päpstlichen Residenz auf seinem Boden Haden, Spanien selbst nicht ausgenommen. Deutschland steht, Dank der von den Clerikalen gegen das Reich eröffneten Campagne, ganz außer Frage, und in Oesterreich hat sich Andrassy neulich im negativen Sinne ziemlich klar außge- sprochen. Eö bliebe^fast nur Malta, oas den Eindruck des Exils machen würde. Der Papst wird aus mehr als einem Grunde Rom so bald nicht verlassen, und es fehlt ihm nicht an Argumenten zur Widerlegung derjenigen, die ihn zu einem Wechsel bewegen möchten.
Berlin, 29. Febr. In maßgebenden Kreisen befestigt sich, wie wir von gut unterrichteter Seite erfahren, täglich mehr die Erwartung, daß das Herrenhaus in feiner Mehrheit dem Schulaussichtsgesetz in der Fassung, in weicher es aus dem Abgeordnetenhause hervorgegangcn ist, seine Zustimmung ertheilen wird. Die Stellung der Regierung ist von sämmtlichen Organen derselben, namentlich vom Ministerpräsidenten selber, mit solcher Klarheit und Bestimmtheit dargelegt worden, daß die Verwerfung der Vorlage, welche von dem Monarchen unterzeichnet worden, nichts anders als ein Act der entschiedensten Opposition und Feind- seltgreiten gegen die Krone und deren Ratpgeber sein würde. Bei der patriotischen und loyalen Haltung der meisten Mitglieder des Herrenhauses ist cs sehr unwahrscheinlich, daß diese Erwägung, die auch ihnen bereit- nahegetreten sein muß, ohne mächtigen und entscheidenden Einfluß bliebe. Bei Vielen aber wird auch jetzt die Ucbcrzeugung Platz gegriffen haben, daß zur Abwehr der von ultramontaner und polnischer Seite ausgehenden Angriffe auf den Staat das beantragte Gesetz eine Nothwendigkeit ist, und daß über die größere oder geringere Gefahr, welche von Seiten jener destructiven Elemente droht, nicht das einzelne Mitglied einer parlamentarischen Körperschaft, sondern nur die Staateregierung ein maßgebendes Urtheil fällen kann. Da auch in den außerhalb der Negierung stehenden Kreisen die Ucberzcugung allgemein herrscht, daß das Herrenhaus die Vorlage annehmen wird, so verstummt jetzt auch das Gerücht von einem beabsichtigten PairSschub, dessen es auch schwerlich mehr bedürfen möchte.
Berlin, 29. Febr. Der „Staatsanzeiger" enthält einen Erlaß des Cultus- Ministers, d. d. 29. Fcbr., worin es heißt: Das Gebiet des höheren Unterrichts- wesens hat von den kirchlichen Bewegungen der Gegenwart nicht unberührt bleiben können. Die verschiedenen für dic Schulverwaltung dadurch angeregten Fragen werden ihre definitive Erledigung erst durch das beabsichtigte Unterrichtsgesetz finden. Hinsichtlich des Religionsunterrichts ist jedoch zur Vermeidung drückender Uebel- stänbe schon jetzt eine der bestehenden Vorschriften geboten. Der Minister bestimmt demgemäß: In öffentlichen höheren Lehranstalten ist hinfort eine Dispensation vom Religionsunterrichte zulässig, sofern ein genügender Ersatz dafür nachgewiesen wird. Betreffende Gesuche sind an das Provinzial - Schulcollegium oder die Regierung zu richten. Diese Behörden befinden darüber, ob der nachgewiesene Ersatz genügend ist. An der Zugehörigkeit der religiösen Unterweisung zur gesummten Aufgabe höherer Lehranstalten, sowie an dem Lehrziel des Religions-Unterrichtes derselben wird durch vorstehende Bestimmungen nichts geändert.
Berlin, 29. Febr. In der heutigen Sitzung der Stadtverordneten Versammlung wurde ein Telegramm des Danziger Oberbürgermeisters Winter mit- getheilt, worin derselbe erklärt, daß er eine auf ihn fallende Wahl zum Oberbürgermeister von Berlin ablehnen werde. Die Wahl wurde hierauf auf vier Wochen vertagt.
Karlsruhe, l.März. Die Abgeordnetenkammer hat den Gesetzentwurf über die Erhebung der Stempelgebühren durch Stempclm^rken in der zweiten Lesung einstimmig angenommen, ebenso den Gesetzentwurf über den Bau einer Eisenbahn von Schopfheim-Zell mit dem Wunsche der Beschränkung der Zinsengarantie auf 350,000 fl.
Stuttgart, 1. März. Die „Straßb. Ztg." theilt mit, daß unverzüglich eine Lanbescommisston in Straßburg und an andern Orten LocalcomiteS behufs Betheiligung des Reichslandes an du. Wiener Weltausstellung zusammentreten werden.
Stuttgart, 1. März, 3y2 Uhr Nachm.
am Bahnhof jubelnd begrüßt, ist soeben hier angekommen und im „Hotel Marquardt" abgestiegen. Er hielt vom Fenster desselben eine Anrede an die Volks- menge und brachte Hochs auf den König und das Volk von Württemberg aus.
München, 28. Febr. Heute feierte der Nestor der katholischen Theologie,
Döllinger, seinen 73. Geburtstag. Von allen Seiten, ja aus allen Ländern kamen oie Glückwünsche seiner Freunde und Verehrer. Die meisten Mitglieder des hiesigen diplomatischen Corps brachten ihm ihre Huldigungen persönlich dar. Im nächsten April feiert Döllinger seine Priestersecundiz, b. h. er ist dann 50 Jahre Priester. Da es sich heute gerade traf, daß Döllinger seine Vorträge über die Wiedervereinigung der christlichen Kirchen fortsetzen mußte, erwartete man allgemein eine Ovation im Museumssaale. Man täuschte sich nicht, doch bestand sie einzig in Dekoration des Pultes. Ein unangenehmer Vorfall störte vorher die Ruhe des Auditoriums, indem ein Fanatiker oder Bezahlter ohne Weiteres die Bühne bestieg und eine Erklärung zu verlesen begann, daß man das Volk vor Politik warnen solle. Doch Professor Huber unterbrach ihn und man entfernte ibn auf das laute Verlangen.der Anwesenden. (Pf. K.)
Oesterreich.
Wien, 2. März. Die von der Regierung im ReichSrathe eingebrachte Creditforderung von einer halben Million Gulden bezweckt einstweilen die Unterstützung des hülfsbedüsstigen katholische Curatclerus, bis eine legislatorische Re- gelung der Einkommensverhältnisse desselben stattgefunden hat, wozu bereits um- fassende Voreinleituiigeu getroffen wurden.
Frankreich.
Paris, 27. Febr. Indem die Commission zur Prüfung des Unterrichtsgesetzes gestern die ersten sechs Artikel verwarf, also die ganze Reihe der Bestimmungen über die Schulpflicht und über die Strafen in Fällen der Schulver- säumniß, hat sie den Generalräthen und Gemeinderätheu, die sich mit seltenem Eifer für diese „frei-oillige Belastung" aussprachen, den Fehdehandschuh hinge- morsen, dagegen im Clcrus sich eine Stütze geschaffen, die unter Verhältnissen ver- hängnißvoll werden kann. Die „moralische Pflicht der Eltern", von der die Clericalen so viel Aufhebens machen, wird vom Temps als eine geradezu kindische bezeichnet: es handle sich hier um keine Sache des Luxus, die der Vater nach Gutdünken seinen Kindern bieten oder vorenthalten könne, wie dic Commission zu glauben scheine, sondern um eine Nothwendigleit für den modernen Staat; jedenfalls aber könne der Status quo des Gesetzes von 1850 nicht bleiben, dessen verderbliche Folgen Niemand zu läugnen wagen werde.
Garibaldi veröffentlicht in den Blättern folgendes Schreiben:
Mein lieber Stefanoni: Ich bitte Sie, folgende Zeilen zu veröffentlichen: 1) Laut zu erklären, daß ich Republikaner bin; 2) zu dementtren, daß ich zu der Internationale gehöre, und 3) mit philosophischer Achtung die religiöse, d. h. die theologische Frage behandle. Ganz der Ihrige. Caprera, 20. Febr. Garibaldi.
Paris, 29. Febr. Das Gerücht von der bevorstehenden Aufnahme einer neuen Anleihe beeinflußte die heutige Börse in ungünstiger Weise; inbeß wird es nicht als wahrscheinlich betrachtet, daß der betreffende Gesetzentwurf der Nationalversammlung vor Ablauf einer gewissen Zeit vorgelegt werden wird. — Man versichert, daß zwischen ThirrS und dem rechten Centrum eine entschiedene Annäherung besteht. — Der Proceß Ianvier de la Motte macht großes Aufsehen. Die Zeugenaussagen ergaben gewichtige Ttzatsachen.
Paris, 29. Febr. Gestern haben der deutsche Botschafter, Graf Arnim, und dec französische Finanzminister, Pouyer-Quertier, eine Zusatzconvention unter- zeichnet, welche den stipulirten Zahlungsmodus der vierten Halbmilliarde der Kriegs- contribution dahin regelt, daß gegen 5 pCt. Disconto die fälligen 410 Millionen am 6. März bezahlt werden.
Paris, 29. Febr. Gras Arnim ist gestern nach Berlin abgereist.
Versailles, 1. März. Die Berathung über die katholische Petition, welche morgen stattfinden sollte, ist von Neuem vertagt worden. — Die „Gazette de France" versichert, daß der Prinz v. Ioinville und der Herzog v. Aumale wieder in ihre früheren Grade, Ersterer als Vice-Admixal und Letzterer als Divions- general eingesetzt worden seien. — Es geht das Gerücht, Der Gouverneur von Paris, General Ladmirault, habe feine Demission gegeben.
England.
London, 1. März. Die Gesundheit der Königin ist durch den gestrigen Vorfall nicht beeinträchtigt. — Im Unterhause gab Gladstone die Berichtigung, daß die Antwort der UnionS-Regierung erst heute Abend abgehen werde.
London, 1. März. Die Königin hat ein Schreiben an Gladstone gerichtet, in welchem sie für die von der Bevölkerung während der letzten Tage bewiesene Theilnahme ihren Dank ausspricht. Der Attentäter Ocotnor wurde vom Magistrate verhört und wird vor die nächsten Assisen gestellt werden.
Amerika.
Newyork, 2. März. (Kabeltelegramm.) Es verlautet gerüchtweise, wie verschiedene Zeitungen melden, daß in Betreff der Alabama-Angelegenheit die Antwort der UnionSregierung auf die englische Note Die Andeutung enthalte, Amerika werde nicht erstaunen, im Falle das Schiedsgericht die indirekten Schadenansprüche der Union als ungerecht und unzulässig erklären sollte.
Washington, 1. März. Der Senat hat mit 55 gegen 5 Stimmen die Resolution Summer'S auf Einleitung einer Untersuchung wegen der während des Krieges an Frankreich verkauften Waffen angenommen. Das Repräsentantenhaus bat bereits eine auf diese Angelegenheit bezügliche Commission eingesetzt. — Die Staatsschuld hat im abgelaufenen Monat um 12% Millionen Dollars abgenommen. Am Schluffe des Monats befaaven sich in Der Staatskasse HO1/, Mill. Dollars Gold unD 14V3 Mill. Dollars PapiergelD.
Literarisches.
Der durch die Verbreitung seiner billigen, korrekten und elegant ausgestatteten Ausgaben der Meisterwerke unserer Classiker rühmlichst anerkannte Henry Litolff's Verlag in Braunschweig hat es unternommen, sich wiederum durch eine Publikation auszuzeichnen, welche das Studium dieser Kunst nicht allein vereinfachen, son- dern auch verschönern soll. Die vor uns liegenden ersten Hefte des Werks: Die must- General Werder, von TausendenIxalische Welt, Monatshefte ausgewählter Compositionen unserer Zeit, herausgegeben von Franz Abt und Clemens Schultze, erscheinen in Bezug auf Anordnung, Ausstattung und Inhalt als ein so zeitgemäßes und nützliches Unternehmen, daß wir uns veranlaßt fühlen, auf dasselbe recht dringend aufmerksam zu machen. Es handelt sich nämlich darum, die neuesten Erzeugnisse der modernen Musik dem gejammten deutschen Volke durch enorme Billigkeit, geschickte Auswahl des Inhalts
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