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zu ganz Denselben Bedingungen wie vor Ausbruch des

Parts-Kölner Reisende werden ohne Wagenwcchsel

Paris, 29. August. Versailler Briese constatiren die allgemeine Lerwirrurg

Herr Thiers hat in der überaus aufgeregten Sitzung, in welcher über die Auflösung der Nationalgarde berathen wurde, seinen mißtrauischen Gegnern aus der Rechten noch einmal gezeigt, daß er trotz seines Alters noch die Kraft besitzt, den parlamentarischen Stürmen Einhalt zu thun. Für Deutschland kann diese Machtentfaltung des greisen Staatsmannes, in welchem wir einstweilen die beste Bürgschaft für die möglichst getreue Ausführung der Friedensbestimmungen erblicken muffen, nur als eine beruhigende Erscheinung aufgefaßt werden. Roch dieser Tage wurde uns von guter Hand mitgetheilt, daß die deutsche Regierung eine weitere Befestigung der Stellung Thiers' bringend wünsche und deshalb die Annahme ves Rivet'schen Antrages oder wenigstens einer in der Tendenz möglichst ähnlichen Maßregel als ein gutes Vorzeichen begrüßen würde. Jede Erschütterung aber, so hieß es weiter, welche der Einfluß des Herrn Thiers erfahre, muffe unser Miß­trauen erregen, indem sie die Zukunft Frankreichs undurchsichtiger und ungewisser mache. Sollte er zurücktreten müssen, so seien nur Parteikämpfe zu befürchten, welche uns vor Nachgiebigkeit, namentlich in allen die Räumung betreffenden Fra­gen, warnen und uns die größte Zurückhaltung empfehlen würden. So schreibt dieN. Pr.Ztg." in demselben Sinn:Wenn Deutschland neuen Erschütterungen in Frankreich entgegenzusehen hätte, so würde es naturgemäß in Betreff der Fragen welche die Räumung betreffen, um eine so größere Zurückhaltung beobachten muffen und schwere Bedenken nicht unterdrücken können. Solche Befürchtungen knüpfen sich aber an die Eventualität, daß die Stellung des Herrn Thiers zum Wanken gebracht würbe. Die zweifelhafte Haltung der Majorität der französischen Nationalversammlung gegenüber ber beantragten Consolidirung ber Herrn Thiers übertragenen Vollmachten rückt diese Eventualität in den Vordergrund und trägt dazu bei, unser Vertrauen zu schwächen. Parteien, welche unter den obwaltenden Umstanden an der Stellung des Herrn Thiers rütteln, vermehren die Unsicherheit ber Zukunft Frankreichs."

Wie verlautet, ist der General Ducrot zum militärischen Obercommanbanten von Bourges ernannt worden. Nach dieser Stadt kommt bekanntlich der Sitz des Obercommando's ber zweiten französischen Armee, welche gegenwärtig gebildet wird. Ducrot ist also zum Oberbefehlshaber bestimmt.

In Litthauen grassirt die Choleraepidemie noch immer mit ungeschwächter Heftigkeit. Aus den veröffentlichten amtlichen Berichten geht hervor, baß von den Erkrankten in der Regel mehr als die Hälfte mit Tode abgeht. In Wilna hat die Seuche in letzter Zeit auch aus den höheren Ständen und wohlhabenden Klassen zahlreiche Opfer gefordert, unter denen sich auch die Gemahlin des General- gouvrrneurs Potapow befindet. Die größten Verheerungen richtet jedoch die Epi- demie unter dem massenhaften jüdischen Proletariat der kleinen Städte und unter der dem Trunk ergebenen und in Elend unv Schmutz versunkenen ländlichen Be- völkerung an.

der Belagerung die Deutschen den Truppen des Marschalls Mac Mahon den ent­schiedensten Vorschub dadurch geleistet haben, daß sie den letzteren die Occupirung und strategische Benutzung der sogenannten neutralen Zone bereitwillig gestatteten; aber auch so wie sie crthcilt wurde, ist die von Thiers gegebene Auskunft hin- reichend, um die Verleumdungen des Generals Trochu glänzend Lügen zu strafen.

DerMoniteur des Communes" veröffentlicht folgendes Rundschreiben des französischen Ministers des Innern an die Präfecten:

Dotationen für Ne Generale schon genug lebende Siegessäulen aufgepflanzt seien, dle sich in den Namen bereicherter vornehmer Geschlechter verewigen. Mit weite- ren Hunderttausenden von Thalern könnte man sich noch schönere Siegessäulen in den Herzen dankbarer Familien errichten, bie der Krieg in bittere Roth gestürzt hat. Was schon für diese Hülfsbedürftigen geschehen ist, hat gewiß alle Aner­kennung geiunden; doch bleibt der Unterstützung noch immer ein weites Feld.

München, 27. August. Unermüdlich wühlen bei uns die Ultramontanen, um dre Bevölkerung auf die Zeit vorzubereiten, wo ihre guten Freunde, die Fran­zosen, im Stande wären, das verhaßte deutsche Reich in Trümmer zu schlagen oder, wie sich dasVaterland" ausdrückt,ber falschen Nationalitätenpolitik" ein ' zu machen, welches Deutschlands Kraft, für den Ultramontanismus allerdings höchst unbequem, tn Eins zusammenzufaffen sucht. In ihrer Presse zwar geben sie immer noch mit einer gewissen Vorsicht zu Werke, so daß die Hinneigung zu Frankreich und der geheime patriotische Wunsch auf Deutschlands Zerfall weniger off n ausgesprochen, als vielmehr aus der Tendenz unv Auswahl der Altikel und zwischen den Zeilen derselben herauszulesen ist. Desto ungenirter fallen bie münd- iichen Commentare aus, welche sie im engem Kreis dazu geben. In oder bei Vilsbibu^ (Niederbayern) z. B. begegnete neulich einem beurlaubten, mit dem eifernen Kreuz decorirten Soldaten der Pfarrer feines Heimathsortes, und fuhr ihn, als er der Dccoration ansichtig wurde, mit den Worten an, wie er den Dreck" da auf der Brust tragen möge? Und als der Soldat erwiderte, das Kreuz habe er sich im ehrlichen Kampf gegen den Feind verdient, schrie er ihn an:Was Feind? Eure Freunde sind es, gegen die Ihr habt kämpfen müssen! Und das sage ich Dir, wenn Du mit demDingsda" in die Kirche kommst, so laß ich Dich hinausführen!" Der Soldat kehrte, da er nur kurzen Urlaub hatte, bald danach nach seiner Garnison Ingolstadt zurück, wo er den Vorfall erzählte, unv wo ihm sein Hauptmann in sehr drastischer Weise bemerklich gemacht haben soll, was für eine Antwort auf derlei Reden gehöre. Ein anderes Beispiel hat kürzlich ber Benksiziat von Pasing (zwei Stunden von hier) gegeben, welcher den Bauern tm Wirthshaus vordemonstrirte, wie die Franzosen zu bedauern wären, daß es ihnen in dem Krieg so schlecht gegangen sei, und wie sie'S wohl besser verdient hätten, denndie haben doch mehr Religion". Die Religion, ja die muß überall herhalten, wo die Schwarzen für ihren Geldbeutel fürchten; so auch jetzt bei der Agitation gegen das Schulstatut, durch welches der Magistrat der Stadt München die hiesige Volksschule zu reformiren gedenkt. Wenn man sie hört, möchte man meinen, ber Magistrat gehe so weit, den Religionsunterricht aus ber Volksschule zu verbannen, während er voch nur Vorkehrung treffen will, daß er in den vorgeschriebenen Stunden pünktlich ertheilt wirb (was bisher oft nicyt der Fall war) und daß darüber hinaus oie Geistlichkeit nichts in die Schule hineinrebet. Wie ihre Blätter die Polemik führen, davon mag folgende Stelle imVaterland" einen Begriff geben:Durch bas Fachlehrersystem (welches nach Bedarf theilweife neben dem Claßlehrersystem Platz greifen soll) wird die religiös- sittliche Erziehung der Kinder, wie überhaupt die Erziehung unmöglich gemacht, die nur auf katholischer Grundlage durch das bisherige Durchführungssystem (wo- nach Der Lehrer die nämlichen Schüler durch alle Classen hindurch behielt) denkbar ist. Nur auf katholischer Grundlage bei protestantischen Schulen wäre also oie Erziehung unmöglich! Daß der Religionslehrer selbst bisher schon Fachlehrer war, übersetzen sie ganz; aber freilich das ist was Anderes, für sie giebl's :a»mer Ausnahmen. Heute wollen sie Versammlungen ihrer Gesinnungsgenossen in verschiedenen Stadtbezirken abhalten, um Demonstrationen gegen das Schul- iatut zu Wege zu bringen. Die dazu einladenden Plakate sind jedoch wegen tzrer maßlosen Sprache von der Polizei beanstandet worden. Die Be-Heiligten haben gegen diesen Beschluß Recurs ergriffen. (F. 3.)

München, 29. August. Der Bescheid des Cultusministeriums auf ven bischöflichen Antrag um Aufhebung des Placet ist gestern an den Erzbischof von München abgegangen. Gutem Vernehmen nach wird die Aufhebung des Placet abgelchnt und im Uebrigen in dem umfangreichen Actenstücke die Stellung der Staatsregierung gegenüber der kirchlichen Frage ausführlich entwickelt, insbesondere constatirt, daß in dem bisherigen Vorgehen der Bischöfe verfassungswidrige Hand- ungen enthalten sind, und ausgesprochen, daß die Regierung die auf dem Boden der Staatsverfaffung stehenden Katholiken schützen werbe.

Dresden, 29. August. Der König und die Königin von Sachsen sind über Possenhofen nach Stolzenfels abgereist. Der König hat für die Dauer seiner Abwesenheit bezüglich ber Negierungsgeschäfte den Kronprinzen zu seinem Stell­vertreter eingesetzt.

Prag, 26. August. DieBohemia" enthält folgende Mitttzeilung:Mit Dem Besuche des österreichischen Kaisers beim deutschen Kaiser am Rhein wirb cs Ernst. Die in herzlicher Weise ergangene Einladung wurde in herzlicher und förm­licher Weise bereits angenommen."

Paris, 26. August. Die Versammlung, welche bieLigue Alsacienne et Lorraine be la Delivrance" vorgestern in bem Saal der FolieS Bergöres abhalten wollte, ist von der Polizei verhindert worden. Ein Theil der Blätter ist äußerst ungehalten darüber, schimpft, baß man eine solche Maßregel ergriffen, und fragt, wo die Gränze sei, bis zu welcher die französische Regierung in ihren Gefällig- keiten (?) Preußen gegenüber zu gehen gedenke.

Paris, 28. August. Die Commission zur Prüfung des Antrages Rivet ist beute Morgen um 8y2 Uhr zusammengetreten, um einige Schwierigkeiten in Der Redaction, welche noch zu erledigen sind, auszugleichen. Man hofft, baß eine vollständige Uebereinst-mmung erzielt werden wird und Rivet noch heute seinen Bericht in Der Commission niederlegen kann. Man glaubt allgemein, Die National- Versammlung werbe trotz Der Opposition Der Rechten Dem modificirten Anträge Rivet'S zustimmen. Man versichert, die Rechte würde heute versuchen, die Be- rathung des Antrags Ravinel vor der Berathung des Antrags Rivet auf die Tagesordnung zu setzen. Wie man ferner versichert, wird heute ein Mitglied be­antragen, die Wahl Der Generalräthe auf Den dritten Sonntag nach Den Ferien Der Versammlung anzusetzen. Es ist unrichtig, baß biese Wahl Definitiv auf Den 17. September festgesetzt ist. Der Assisenhof zu Riom hat Die wegen Eindringens in die Sous-Präfectur zu Thiers Angeklagten freigesprochen. Frhr. v. Arnim

Versailles, 23. August 1871.

Herr Präfekt! Ich erfahre, Daß man sich in mehreren Städten anschickt, den Jahrestag des 4. September, fei es durch Revuen über die Nationalgarde oder Durch öffentliche Lustbarkeiten, zu feiern. Ohne Zweifel hat die Revolution, die sich an jenem Tage vollzog, Die Republik in Frankreich eingesührt und kann fortan das Land über sich selbst in aller Freiheit sich die Einrichtungen geben, welche es für die geeignetsten hält, sein Gedeihen und feine Größe zu sichern. Ader man Darf Die Unglücksschläge nicht vergissen, welche Dieses bedeutsame Ereig- niß herbeigeführt haben, und sich nicht verhehlen, baß jedes Fest zu Ehren feines Gedächtnisses zugleich auch an unsere traurigsten Niederlagen erinnern würbe. Wenden Sie sich also an Den Patriotismus aller guten Bürger und stellen Sie ihnen vor, daß Frankreich kaum von Dem doppelten Kriege nach Außen und nach Innen befreit, daß ein Tyeil seines Gebiets noch von Truppen besetzt ist, die nicht die (einigen sind, und daß Kundgebungen Der gedachten Art für jetzt jedes AnstandS- gefuhl verletzen würben. Ohne Zweifel wird Ihre Stimme überall gehört werden; sollte man aber an einigen Orten gegen Ihre Rathschläge Darauf beharren, das erwähnte Vorhaben auszuführcn, so fordere ich Sie auf, hiergegen Die Mittel in Bewegung zu setzen, welche Ihnen das Gesetz zur Verfügung stellt. Empfangen Sie u. f. w. E. Lam brecht.

In Lyon wird die Deutschenhetze in einem so bestialischen Maßstab getrieben, daß es wahrlich Zeit wäre, wenn das deutsche Reich einmal seine Stimme erhöbe, um Deutsch zu sprechen. Ein Dort erscheinendes Blatt:Der Preußem'eind", erklärt in seinem Programmbie Jagd auf die stinkenden Hunde von Barbaren" für bas ausschließliche Ziel seiner Bestrebungen und denuncirt jeden in Lyon wei­lenden Deutschen dem Hasse des Pöbels.Zertretet ihnen die bluttriefenden Gc- sichter, schlagt sie weich, Die eisernen Spitzbuben" u. s. w. Das sind so Die stehenden Phrasen dieses Prachtblattes.

Darmstadt. Se. K. H. der Großherzog hat die dermalen als Stations- Controleure zu Emmerich und refp. Harburg verwendeten Zollinspektoren F. Ch. Engisch und C. Ruckelshausen in den inländischen Dienst zurückberufen und Erste- ren zum Ober-Zoll-Jnspector des Hauptzollamts Gießen und der damit verbunde­nen Orts - Einnehmerer 1. Classe ernannt und Letzterem die Stelle eines Ober- Zoll-Jnspectors bei dem Hauptzollamt Mainz, mit der Verpflichtung, bis auf äßeittre« zugleich als Ober-Zoll-Jnspector bei Den Haupt-Zollämtern Bingen und rworms zu fungfren, übertragen.

r ^,A^"^adt, 27- August. Aus zuverlässiger Quelle wird uns die Mittheilung Die hiesige Bank für Handel und Industrie beabsichtigt, mit ihren Mitteln bekannten Beschluß Der zweiten Kammer schwerbeDrohte Poly- »on^V'ebmS®e®innu"8 weiterer Lehrkräfte, sowie Beschaffung in di- Sous.Präfeciur zu Thiers Angekia » der Jahre-do.-tion von etwa- über 13,000 wird heute Abend tn Versailles ein'r.ffen ' ' "

aomnien werden würde ist uns Verpflichtung über- Paris, 28. August. Die Direktion der Nordbahn macht so eben bekannt,

Berlin. Die Köln 3ta" flrdhi Ra.beres bekannt geworden, (d) (I. F.) daß vom 1. September ab die direkten Verladungen mit Deutschland und Dem

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i ^ge. für 1872 eine Summe von 200,000 befördert 8 ' '

Thalern gefordert werden soll. Wir waren der Meinung, daß mit den grotzen ~