^“nfdjeljeni
Preis vierteljährig 1 fl- 12 kr. «ft Bringerlohn. Durch die Post oezogen vierteljährig 1 fl. 27 kr.
Gießener
Erj^eint täglich, mit Ausnahme Montags.
üxpeditron : Canzletderg Lit. B. Nr. 1.
9rr- = •
Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Hießen.
we. Nr. 77. Freitag den 31. Marz 3871.
•’nen,
lt.
gurken,
t.
irutoi
ner and inte ' lINd JOL 5n m doch-^
• Morgunfl \
Ifer,
M 8 Uji
lt fl n d.
* daß ü ad reelle ; Zuspruch. Nr. t)2.
-eret cm
tn $1®^ bis zu40 S6
rtm
letzt weM
M
ldn> “■Ä8’*
chilWt
«n unt,1?1?
66rt ®i*u*
cl?
;tun3fn
*
ttsr Einladung zum Abonnement
auf den
G i e s? e n e r Anzeiger.
Derselbe erscheint täglich, mit Ausnahme Montags, und beträgt der Abonnementspreis in der Stadl Gießen vierteljährlich 1 fl. 12 kr. frei in s Hans geliefert.
Den seitherigen Abonnenten in der Stadt Gießen werden wir. wenn vorher keine ausdrückliche Abbestellung erfolgt, das Blatt auch im II. Quartal 1871 zuscndcn und den Abonnementsbetrag wie früher durch Quittung erheben lassen.
Diejenigen, welche den Anzeiger Abends bei der Erpedition abholen lassen, erhalten denselben zu 1 fl. pro Quartal.
Für alle außerhalb Gießen, wohnenden Abonnenten beträgt der vierteljährige Abonnementsprcis 1 fl. 27 kr. incl. Postaufschlags. Dieselben können nur bei der Post oder den Lanvpostboten abonnircn. Damit wir nun in den Stand gesetzt sind, die Auflage des Blattes bestimmen zu können, ersuchen wir Alle, welche auf den Gießener Anzeiger noch abonnircn wollen, dies sofort jetzt bei der ihnen zunächst gelegenen Postanstalt oder den Landpostboten zu thun, da wir uns sonst nicht verbindlich machen können, vollständige Exemplare zu liefern. Dio dkcdaction.
Paris.
Dos Ccntraleomits, welches dm Ausstand in Paris geleitet hat, fünrigt; in einer Proklamation am Abend des Sonntag an, daß seine Mission beendet^ sei. Die von ihm ausgeschriebenes! Municipalwahlen haben nämlich tm Lauf des Sonntag staitgesunten und es macht nun den Gewählten Platz. Soweit sich die Wohlresultate bis jltzt übersehen lassen, so sind die Candidaten des Centralco- mite's in Majorität gewählt; nur im ersten, zweiten und siebenten Arrondissement, also in den Sitzen des großen Capitals, hat sich eine Ausnahme geltend gemacht. Diese Sitze deS'GroßbürgerthumS befinden sich jedoch tn der Gewalt des Eer.tralcomit6's; die Nationalgarden der Ordnungspartei haben dieselben und den Gedanken an ferneren Widerstand aufgegeben, als die Maires und 17 Deputirten von Paris zur Vornahme der Wahlen am Sonntag ihre Zustimmung gegeben hatten. Auch die Blätter, die, wie das „Journal des Debats" und ter „TcmpS", sich für den Widerstand gegen die Jnfurrectien ausgesprochen hatten, rathen jetzt selbst der Nationalversammlung an, keine Opposition zu machen und sich in das Unvermeidliche zu fugen. Die Stadt selbst war während der Wahlen vollkommen ruhig. Nur standen die Barrikaden noch und die Geschütze neben den Wahlurnen. Da der Börscnplctz, Hauptquartier ter Ordnungspartei, von den Truppen geräumt war, so befand sich das Centralcomilo im unbestrittenen Besitz dcr ganzen Stadt. Welche Richtung die neugcwählte Munici- palität einschlagen wird, darüber liegen noch keine Andeutungen vor. Jedoch läßt sich erwarten, daß sie im Vertrauen auf ihren Ursprung aus einem förmlichen Plebiecit die Forderungen des Centralcom'to's vor der Negierung in Ve» failleS vertreten wird und wahrscheinlich wird sich diese mit ihr in Unterhandlungen ciulassen müssen. Die Freilassung des Generals Ehanzy von Seiten des Centralcomilö's deutet auf den Wunsch des letzteren, in Verhandlungen einzu- treten, und die Unruhen in den Städten des Südens werden nicht verfehlen, die Regierung wie die Versammlung zu Transactionen geneigt zu stimmen. Die Proklamation, mit welcher die Maires und Deputirten von Paris am Sonn abend ihren Ausgleich mit dem Centralcomilo ankündigten, lautet:
Die pariser Deputaten, die Maires und Adjunclen, welche wieder in die Mairirn ihrer Arrondissements eingesetzt worden sind (das Centralcomitö hatte sie bekanntlich fast alle verjagt), und die Mitglieder des Föderal Ecntralcomite's der Nationalgarde, überzeugt, daß zur Vermeidung des Bürgerkrieges und des Blutvcrgiißens und zur Befestigung der N.publik man sofort zu den Wahlen schreiten muß, rufen die Wahlen für morgen, Sonntag in ihre Wahlcollegien zusammen. Die Abstimmung wird um 8 Uhr Morgens eröffnet und schließt um Mitternacht. Die Bewohner von Paris werden begreifen, daß sie unter ^en gegenwärtigen Verhaltniss.n Alle an der Abstimmung Tbeil nehmen müssen, damit das Votum einen ernstlichen Eharactcr habe, dcr Allen den Frieden in der Stadt sichern kann. Die in Paris anwesenden Repräsentanten der Seine: Lockroy, Flcquet, Elemenceou, Tolam, Greppo. Folgen dann die Unterschriften der Maires und der Arjuncten.
Was das Ccntralcomiiö selbst wollte und die jetzt gewählte Municipalität fordern wird, erhellt ferner aus ter Proclamation, welche die Delegirtcn des Eomitö's am Sonnabend erließen. Die Hauptstelle derselben lautet:
Was Paris anbelongt, so wird dasselbe ter Schiiderichter seiner Geschicke sein; es wird in der Eomwunalversammlung die nothwendige Organisation gesunden haben, um seine Interessen zu repräsentiren und sie zu vcrtbcidigen gegenüber drn übrigen Thcilcn des Lantes und vor der nationalen Eentrolgcwalt. Es wird selbst noch Prüfungen und Debatten, ohne ungerechte und gewaltsame Einmischungen, bei denen die Begriffe des Rechtes und der Gerechtigkeit auf unverschämte Weise zu Gunsten monarchischer Factionen verletzt werden, die so schwierigen Fragen communaler und privatl’cher Interessen losen können, die noch schwieriger und telicater nach der langen Heimsuchung geworden sind, welche es so uutd'g ertragen hat, um das Land zu retten. Es kann endlich entscheiden, welche Maßregeln ihm so bald als möglich gestatten, ohne Erschütterung die Wiederaufnahme der Geschäfte und der Arbeit hrrbeizusühren. Eine Republik
lebt weder von kostspieligen Administrativ-Phantasien, noch von Spekulationen, welche zu Grunde richten, kontern von der Freiheit Ur Ersparniß, der Arbeit und der Ordnung. Die Republik muß tie Harmonie der Interessen Herstellen, nicht die einen ten anderen aufopfern. Die Fragen betreffs ter Versallzeit ter Micthe können nur von den Vertretern ter Stadl geregelt werten. Diese Interessen, eben so wenig wie die anderen, können den Launen einer Regierung überlassen bleiben, die fast immer nur dem Parteigeist gehorcht. Das Nämliche ist ter Fall mit der Frage, betreffs der Arbeit, welche die einzig- Grundlage des öffentlichen Lebens, der ehrlichen und lovalen Geschäfte ist. Die Bürger, welche ein tirieg, der von der Regierung ohne Controle begonnen und fortgeführt wurde, der Arbeit entriß, können nicht durch eine plötzliche UnlerdrüÜung des SolceS und die Arbeitslosigkeit in'S Elend gestürzt werden. Es giebt eine UcbergangS- periode, eine Lösung, die auf ehrliche Weise aufgesucht werden muß, eine Pflicht des Eredits aus Arbeit, welche Enn Arbeiter aus feinem sofortigen Elend heraus- reißm und ihm gestatten wird, rasch zu seiner definitiven Emancipation zu gc- langen. Diese Frage und noch viele andere müssen von eurem Gencinderath o.elcst werden und für jede derselben kann er nur entscheiden, indem er den Rechten aller folgt; denn er wird sich erst dann aus aussprechen, wenn er alle consultirl hat; denn verantwortlich und absetzbar, wird er unter der fortwährenden Ueberwachung der Bürger stehen. Endlich wild er die Beziehungen der Stadt mit ter Centralregierung unterhalten, so daß die Unabhängigkeit und die Selbstständigkeit der Gemeinde gewahrt bleibt. Zur Abstimmung also, Burger, möge 'Jeder von euch begreifen die Größe ter Pflicht, tie ihm zufällt, die des AcieS, den er zu erfüllen hat, und möge er wissen, daß, indem er in die Wahlurne sein Bulletin wirft, er auf immer die Freiheit, die Größe von Paris gründet, er Frankreich die Republik bewah't, und für die Republik das thut, was er kürzlich so tapfer vor tcm Feinte tbat: seine Pflicht. 25. März 1871. Die Dele- girten im Ministerium dcS Innern.
Ant. Arnaud, E. Vailland.
' Die Nachricht, welche schon vor mehreren Wochen in den Zeitungen cour- sirtr, taß Graf Moltke die Absicht habe, demnächst in den Ruhestand zu treten, taucht jetzt in gut unterrichteten Kreisen wieder auf und findet auch Glauben. Man beschäftigt sich so gern in diesen Kre'sen bereits mit ter Person tes Nachfolgers des verdienten Generals und werten als solche die Generale v. Blumenthal und v. Stiebte genannt; Ersterer b»kanntt'ch Ches des GcneralstabS teS Kronprinzen, Letzterer Ehck tcS Generalstabes teS Prinzen Friedrich Karl. Man glaubt, fuß zuvor noch die Ernennung des Grafen Moltke zum Gencralfeldmar- schall erfolgen wird.
Die Amnestie, die schon am Geburtstage des Kaisers erwartet wurde, ist der „$rib." zufolge bis zum Siegcsfest hinauSgeschoben worden. Es scheint je- doch bereits eine Anweisung an tie Gerichte ergangen zu f.in, die Vollstreckung ter für gewisse mmhmaßlich unter tie künftige Amnestie fallende Strashandlungcn erkannten Strafen einstweilen auSzusetzen.
Uiber pie Grundsätze, welche für die zukünftige Stellung der neu erworbenen teutsw'N Landeetheile maßgebend s.'in sollen, hat man sich jetzt unter den deutschen Regierungen dahin geeinigt, daß Elsaß und Lothringen als unmittel- bares Reichöland unter der Regierung dcS Kaisers stehen soll und daß vom 1. Januar des Jahres 1873 ab die deutsche Reichsverfassung auch für die neuen Provinzen in Kraft treten soll — bis dahin soll die Verwaltung vom Kaiser unter Mitwirkung des BundcSrathS geführt werden. Bon dem Gedanken einer Abzweigung der elsässischen GebietSthcilk, von einer Zuweisung derselben an Baiern scheint man neuerdings ganz abgekommen zu sein.
Aus Ansuchen der inländischen jütischen Gemeinden und in Berücksichtigung fefl Umstandes, daß die jüdischen Soldaten während der bevorstehenden Ostcr- skiertage kein Brod essen dürfen und die Heranschaffung der Matzen an die im Felde stehenden Juden mit großen Umständen verknüpft sein wurde, ist von


