Regierung einerseits und andererseits einer Dynastie, deren Rückkehr Pari- und einen großen Theil Frankreichs von feindlicher Occupatl'on befreien würde, wahr scheinl'ch sich für letztere entscheiden. Wohl würde dieser Au-gang den Republikanern gründlich verhaßt fein, allein wir glauben, er wäre ihnen weniger widerwärtig, als die Begründung einer Monarchie durch die freie Wahl der Nation. Ein Kaiserreich, welches seine Wiederherstellung dem fremden Eindringlinge verdankte, konnte keinen langen Bestand haben, und dann würde der Republik eint neue Hoffnung mit besseren Anspicien blühen, während ein nationale-monarchisches Regiment nur zu leicht im Lande Wurzel schlagen könnte. Unbewußt spielen unter den Verhältnissen Gambetta und die übrigen-Parteigänger der Guerre a outrance ein Spiel, das auf die eine oder andere Weife in einer bonapartistlschen Restauration seine Entwicklung finden könnte.
Kriegsnachrichten.
Versailles, 24 Jin. Die Sprengung der Brücken bei Nancy durch die Franctireur-, die un- dabei den Brückenposten von 1 O steter und 26 Mann ab geknüpft haben sollen, hat uns wieder einen Tag ohne Nachricht aus Deutschland gelassen. Inzwischen ist die Zeit der Capitulation für die Infanterie zur Begrabung der französischen Todten abgelaufen. Die Opfer sind bestattet. Man zählte über 1000 französische Todte, unter denen unsere Granaten furchtbar ge- wüthet, da sie gruppenweise zerschmettert am Boden lagen. Kaiser Wilhelm hatte allerdings die Waffenruhe abgelehnt, indeß zugestanden, daß unsere Kanonen die französischen Todtengräber nicht belast gen sollten. Unter der Leitung eines Oberjägers, der kein Wort französisch verstand, aber doch sein traurig^ Amt mit großer Gewandtheit übte, durften also die Franzosen ihre Todten holen. Sie dursten bis zu einer gewissen Linie kommen; wag diesseits derselben lag, wurde ihnen von den Unseren zugetragen. In der Montrctout-Schanze hatten sie sich schon vortrefflich eingerichtet, z. B. den tiefen Graben zugeschüttet und mit Bohlen belegt, als werde dieselbe jetzt in ihrem Besitze bleiben. Eines der Na- tienalgardcn-Bat illone mußte beim Ausfall von einer preußischen Granate getroffen worden fein, denn man sah eine Gruppe zerfleischter Leichen daliegcn. Das ganze übrige Bataillon hatte Gewehr und Tornister weggeworsen und war davon gelaufen. Eine Unzahl von Büchern, Papieren, Kochgeschirr und Hun dertc Requisiten bezeichnete die Stätte ihrer eiligen Flucht. Unter den Parisern, die herauskamen, befand sich auch der alte Maler Mriffonier, der gekommen war, sich nach dem Schicksale eines seiner Schüler zu erkundigen. Der Verkehr zwischen den Preußen und Franzosen während dieser trauriger Episode war ein sehr ernster, aber freundlicher. Gestern entdeckte man in Versailles, und zwar in dem großen Hause des 5. Fcldlazarcthes, in den Kellereien ein ganzes Lager von französischen Koffern, die den Officieren und Sergeanten gehörten. Es waren Hunderte, alle gefüllt namentlich mit neuen Uniformen, die wohl auch für den Einzug in Berlin bestimmt gewesen sein mögen. Man entdeckte alle diese Koffer, als das in den Kellern aufgehäufte Brennholz zu Ende ging und die Koffer unter den Resten desselben hervorschauten. Waffen wurden nicht darunter ge- fünfen. Sämmtliche Koffer gehörten der Garde-Artillerie Nr. 4. In Folge dieser Entdeckung hat man heute noch mehrere andere Häuser durchsucht, jedoch so viel mir bekannt, nichts weiter gefunden. Heute den ganzen Morgen hindurch ist Versailles voll von Erzählungen über die Capitulation der Hauptstadt. Jules Favre ist seit gestern Abend hier und hat mit dem Reichskanzler lange Stunden der Nacht conferirt. Heute Morgen ist der letztere zu Favre gefahren. Dieser soll u. A. schon früher dem Grafen Bismarck die Zumuthung gestellt haben, ihn mit seiner ganzen Familie, Frau und Kindern, Schwiegerkindern rc. aus de» Stadt zu lassen. Die Capitulations-Verhandlungen sind allerdings seit gestern Abend zwischen dem Reichskanzler und Jules Favre im Gauge, und eben jetzt, Mittags, ist der letztere beim Grasen Bismarck. Dieser verlangt aber nicht nur die Capitulation von Paris, sondern den Frievensschluß mit Frankreich, als Bedingungen, w.e ich höre, zwei Provinzen (ich kann's nicht verbürgen, übrigens ließe sich um einen Theil davon wohl handeln), eine Colonie, zwanzig Schiffe und viel — sehr, sehr viel Geld! Die Post geht ab; wann sie eintrifft, ist allerdings der gesprengten Brücke wegen eine Frage. Genaues über die Capitu- lationS-Angelegenheit ist heute bis Mittag kaum zu sagen. (K. Z.)
Darmstadt, 26. Jan. Von Ihrer Kaiserlichen Hoheit der Großfürstin Marie Alexandrowna von Rußland (Tochter feiner Majestät des Kaisers) ist gestern eine größere Sendung warmer Kleidungsstücke (Socken, Hemden, Jacken rc.) bei Ihrer Durchlaucht der Prinzessin Marie von Battenberg dahier eingetroffen, bestimmt zu Geschenken an Verwundete, und wird die Vcrtheilung im Namen der hohen Geberin alsbald stattfinden.
Darmstadt, 27. Jan. An das Großherzogliche Ministerium des Innern ist das nachstehende Schreiben des Freiherrn v. Schere Thoß gelangt, welches nach dem darin ausgesprochenen Wunsche zur Kenntniß der betreffenden Familien im Großherzogthum gebracht wird:
Eingedenk der heiligen Pflicht der freiwilligen Krankenpflege, auch für die Dahingeschiedenen zu sorgen, sie zu bestatten, ihnen eine confessionelle, mit möglichster militärischer Ehrenbezeugung würdige BeeroigungSfeier zu veranstalten, wie endlich das Grab genau zu kennzeichnen, damit die bekümmerten Angehörigen jederzeit die Stätte aufzufinden im Stande sind, wo ihr geliebtes Kind, der brave Soldat, für Großherzog und Vaterland, zur Macht und Ehre Deutschlands in diesem Kampfe sein Leben hingehend, aus französischem Boden die ewige Ruhe fand, beehre ich mich angeschlosseneS Verzeichniß zu überreichen. Dasselbe enthält die Namen derjenigen, die seit Beginn unserer Occupation bis ultumo December 1870 hier in Epernay starben, und ist das Hauptbuch, welches auch die Gräber aller unserer übrigen Waffenbrüder der Verbündeten unseres deutschen Heeres nachweist, aus hiesiger Mairie wie SouSpräsectur, also in duplo, nieder- gklkgt. Die Väter der Stadt Ep.rnay haben den Schutz unserer Gräber mir auf Hand und Wort versprochen.
Ich bitte unterthänigst zum Tröste der Angehörigen der hier Verstorbenen, durch die Landes-Kirchen-Blätter und sonstige geeignete Organe, von dem Gesche- henen baldmöglichst hochgeneigtest Kenntniß geben zu wollen.
Epernay, den 1. Januar 1871.
Der Delegirte des Königlichen Commissarius und Militärinspecteurö der freiwilligen Krankenpflege.
Johanniter-Ritter Freiherr von Scherr-Thoß, Rittmeister a. D.
Offenbach, 26. Im. Den jüngst von Ihrem Blatte gebrachten Mltthei- lungen üoer die Abschaffung der „Frankfurter Zeitung" in verschiedenen Gesellschaften in Darmstadt, Gießen, Worm- rc. können wir beifügen, daß das leidige Blatt aus dem gleichen Grunde wie an jenen Orten, seiner undeutschen bissigen Haltung wegen, auch in der hi-sigen Gesellschaft des „Großen Colleg" auf General- sersammlungsbeschluß bei Beginn dieses Quartal- abgeschafft wurde. Das Gleiche hatte schon vor längerer Zeit in der Gesellschaft „Bürgerverein" stattgefunden. Das Blatt hat mit diesem Quartal hier auch sonst noch ein Dutzend Abonnenten eingebüßt und ist von einer f.üher viel bedeutenderen auf die bescheidene Zahl von 50 herabgesunken. Daß seine Haltung und Farbe hier im allgemeinen durch» aus keinen Beifall hat, weiß der Eigner übrigens zur Genüge; er kennt seine „Offenbacher". Wir könnten eine Menge Abonnenten nachweisen, die es nur noch wegen seiner Hanveisnacheichlen halten. DaS „Journal" mit seiner alten HauS- freund in „Didaskalia" wird auch nur aus reiner Gewohnheit gehalten, während «eine der malige Farbe ihm manche epilheta ornanlia zuzieht, die von den Eignern schwcrüch hinter den Spiegel gesteckt werden, wenn schriftlich documentirt.
(Frankf. Presse.)
Telegraphische Depeschen.\
ÄKüttchen, 29. Jan. An das Kriegsministerium aus Versailles vom 28. Jan. Der Waffenstillstand geht bis zum 21. Tage. Die Pariser Forts werden deutscher Seits besetzt. Die Stadt Paris zahlt 209Mill. Francs. Belfort und die Armee Bour- b a k i's sind nicht in den Waffenstillstand eingeschloffen.
4- Breslau, 29. Jan. Der General Tümpling telegraphier heute Morgen an das stellvertretende General kommando: Der Waffenstillstand ist abgeschlossen. DaS 6. Corps besetzt die Fort- Jory und Bicötre.
Lille, 27. Jan. Die „Affiches et Annonce-" schreiben in ihrem Bulletin: Es gibt in Frankreich eine Willenskraft, deren Beständigkeit ein Wunder ist. Oie Ursache dieses Wunders beruht in der Ehre unseres Landes, so lange die Sache der Civilisation gegen die Barbarei vertheivigt zu haben. Damit da- deutsche Reich Europa unterwerfe, muß es Frankreich tödten, allein Frankreich .st unsterblich und nur die Verblendung des gewaltthätigen Preußens kann glauben, daß Frankreich zu vernichlen fei. Drei große Mächte — wovon eine Preußen ist — unterdrücken Polen seit hundert Jahren. Sie zerrissen und mar» terten es ohne es bis jeyt ganz ersticken zu können. Und Preußen glaubt, in sechs Monaten dieses große, mit einer unvertilgbaren Lebenskraft begabte Land, dessen Wurzeln tief in das Herz der Geschichte verwachsen sind, dessen Geist die ganze Menschheit beherrscht, niederwerfen zu können. Frankreich ist ein Licht, man tödtet da- Licht nicht. Nur Barbaren können glauben, daß die Finsterniß die Sonne verschlingen könne."
△ Balenciennes, 27. 3m., Abenos. Der „Courrier du Nord" schreibt: Die Preußen haben sich nordwestlich gegen die Seine zurückgezogen. Laadrecie-, welches sie umzingelt hatten, ist übler als Cambrai behandelt worden, die Stadt hat durch die Beschießung sehr gelitten. Am Montag war das preußische Haupt- | quartier in Crexloeur, südlich von Cambrai, die Intendantur in Clary. Diese Gegend ist jetzt vom Feinde geräumt.
4- Brüssel, 28. Jan. Nach Berichten aus London vom 28. Januar hat Gambetta in Folge der Nachrichten über die Verhandlungen in Versailles seine Demission gegeben.
4- Brüssel, 28. Jan. Wie der „Jndependance belge" au- Lyon vom 23. o. gemeldet wird, ist französischerseits die Brücke von St. Jean de LoSne gesprengt worden, weil man einen kräftigen Vorstoß de- Feindes auf die Haute Bourgogne befürchtet. — Das „Journal Du Eher" meldet: Der Lehrer des kaiserlichen Prinzen, Filon, ist in Angres verhaftet worden; bei demselben fand man chiffiirte Depeschen. — Aus Lille wirb vom 27. d. berichtet, daß der Feind seine Stellungen bei Cagnicourt und CroisilleS verschanzt.
4- Brüssel, 28. Jan., Morgens. Der zwischen Frankreich und Deutschland abgeschlossene Waffenstillstand dauert bis zum 19. Februar. Die Unterschriften erfolgten gestern (den 28. Januar) Abends. Die Pariser Garnison mit Ausnahme der Nat>onalgarde streckt die Waffen. Heute Vormittag um zehn Uhr besetzen die deutschen Truppen die Forts.
+ Brüssel, 28. Jan. Die „Jndependance belge" sagt: Es wird Mts aus London vom 28. d. M. telegraphirt: Ein Telegramm von Bordeaux berichtet, daß die Delegation der Regierung der Nationalvertheidigung durch die Nachricht oer zwischen Bismarck und Jules Favre getroffenen Uebereinkunft für die Capitu« lation wie vom Blitze wäre gerührt worden. Gambetta ist entschlossen, seine Demission zu geben.
△ London, 28. Jan. Die „Times" meldet, zwischen Graf Bismarck und Favre wurden Die wesentlichsten Bedingungen Der Capitulation Freitags festgestellt. — DaS Blatt enthält ferner die Mittheilung, daß die militärischen Einzelheiten Der Capitulation gestern Abend (Freitag) zwischen General Moltke und einem französischen General vereinbart wurden.
Gffieielle militärische Nachrichten.
An die Kaiserin-Königin Augusta in Berlin.
Versailles., 29. Jan. Gestern Abend ist ein dreiwöchentlicher Waffenstillstand unterzeichnet worden. Linie und Mobile werden kriegsgefangen und in Paris internirt. Die Garde nationale södentaire übernimmt die Aufrechthaltung der Ordnung. Wir besetzen alle Forts. Paris bleibt cernirt und darf sich verpflegen, wenn die Waffen ausgeliefert sind. Eine Constituante wird nach Bordeaux in 14 Tagen berufen. Die Armeen im freien Felde behalten ihre respectiven Landstrecken besetzt mit Neutralitätszonen zwischen sich.
Dies ist der erste segensvolle Lohn für den Patriotismus, den Heldenmuth und die schweren Opfer.
Ich danke Gott für diese neue Gnade, möge der Friede bald folgen. Wilhelm.
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