Ausgabe 
31.1.1871
 
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Gießener Aiykiger.

Erscheint täglich, mit Aus- »ahme Montags.

Expedition: Canzletberg

-it. B. Nr. 1.

Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Hießen.

Nr. 2ti.

Dienstag den 31. Januar

1871.

reust Atif Sftu stritt <*V werden noch fortwährend sowohl bei der Expedition, Canzleiberg B. 1, als auch

2OCftVllUll<lCil Ullf Pvll VJlV^tllCV %tnjVlHVV bei allen Post-Expeditionen und den Land-Postboten entgegen genommen.

Abonnenten, welche den Anzeiger bei der Expedition abbolen lassen, erhalten denselben für die Monate Februar und März 1871 zu 40 fr.

30. Januar.

Die Time-, die ohne Zweifel mit Odo Ruffel in Verbindung steht, brachte am 25. Jan. zwei wichtige Artikel über die Lage von Paris und Frankreich in diesem hochwichtigen Augenblicke, wo HungcrSnoth und Verzweiflung die stolze Hauptstadt Frankreichs dahin gebracht baden, über die Uebergabe zu verhandeln.

In dem ersten Artikel sagt die Times:

Die Ereignisse in Paris haben die allgemeine Erwartung bald gerecht­fertigt. Herr Jules Favre ist nach Versailles gegangen, vm über die Bedingungen dcr Eapitulation der Stadt zu unterbandeln. General Trochu hot seine Macht als Oberbefehlshaber der Armee von Paris nietergelegt und sein Posten ist, un- serem Eorrespondcnten zufolge, jetzt durch General Diney besetzt. Wenn wir an­deren Nachrichten glauben sollen, so sind ave militärischen Peisenen beseitigt und die Armeen stehen unter dim Befehle des Admirals de la Ronciöre ehr des Admirals Saisslt. General LepS hot das Kriegs-Ministerium niidergelegt und Trochu behält nur noch das Gouverrnment von Pans, ersichtlich in ter Absicht, die Ordnung zu wahren. Die Bedingungen, welche Herr Julcö Favre verschlug freier Ausmarsch der Armee mit allen militärischen Ehren, waren ncliin lich unannehmbar. Dle Militärmacht in Paris bildet keine gewöhnliche Garnison. Die effektive Armee, bestehend aus regulären Truppen und Mobilgarten, zahlt, wie uns ost gesagt ward, 250,000 Mann. Außerdem ist ein ganzes Heer von Nationolgarden kürzlich mobilisirt und mit den Uebrigen vermischt worden, so daß die Entlaffung der Pariser Garnison beinahe die ganze männliche waffinsähigt Bevölkerung der Stadt in Freiheit setzen unb gegen die BelagerungS-Armee eine HeereSmocht ins Feld stellen würde von beinahe dem Doppelten ihrer eigenen Stärke. Ueberdies ist es noch nicht lange her, seit ter Regierung der National- vertheidiguug die Antündigung gemacht wurde, tast Graf Bismarck mit ihr aus keinen anderen Bidingungen unterhandeln wolle als einer Uibergabe auf Dis­kretion, und wie sehr auch der Sieger geneigt sein mag, den Stolz der Besiegten in Bezug auf die bloße Form zu beruhigen, so ist es doch nur zu wahrscheinlich, daß im Wesentlichen das endliche Ergebnis allir Unterhandlung unbedingte Unter­werfung sein muß. Es bleibt kaum ein Zweifel, daß die iffective Armee von Paris denen von Sedan und Metz in die Gefangenschaft folgen muß, so groß such die Belästigung sein mag, welche der Zuwachs einer so großen Menge in den bereits überfüllten deutschen Depots verursachen wird. Die piovinzialen Mo­bilen können vielleicht aufgelöst und nach ihrer Heimath entlassen werden, und wenn die Deutschen die Forts besetzen, kann wenigstens einem Theile der localin Nationalgarten erlaubt werden, ihre Woff.n zu bihalten zum Zwecke ter Au- rechtholtung ter Ordnung. Sollten die Manner, denen die tiaurige Aufgabe der Uebergabe zusällt, eine gehörige Geneigtheit zeigen, sich der Netdwentigkeit zu fügen , so konnten sie möglich«r Weise Poris die grausame Demüthigung einer längeren Anwesenheit dir Eroberer innerhalb feiner Mauern ersparen. Die Deut­schen können nicht wünschen, die Polizei der französischen Hauptstadt auf sich zu nehmen, oder in ihre Regierung einzugreisen, so lange, als die Bürger selbst, oder irgend ein Mann oder eine Partei unter ihnen so viel Gewalt über die Volks- leidenschast üben kann, um die öffentliche Sicherheit zu gorantinn. Die Krisis ist in ter Tbat schrecklich und nur mit äußerstem Takt und Mäßigung können wohlgesonnene Männer zu verhüten hoffin, daß die große nationale Calamitäi durch Dolksunruhen verschlimmert werde. Es scheint uns beinahe providentiell, daß dir erste Getanke, der im gegenwärtigen Augenblicke Groß und Klein gleicher Maßen beschastigen muß, nothwentiger Weise ihre eigene und ihrer Nachbarn Ernährung betreffen mi ß. Es ist beinahe am Vorabende der offmboren Hungere- noth, daß Pans sich ergiebt, denn was auch gegenrheil g geschrieben wurde, die Vorrathe konnten nur mit d«r äußersten Säwierigkeit und nicht ohne harte Leiden emer großen Elasse ter Bevölkerung noch für weitere vierzehn Tage ausreichend gemacht werden. Während dieser Periode und wahrscheinlich |ür eine noch längere Zeit müssen die ärmeren Elaff.n auf die Wohltbät'gkeit ter Re chcren und sogar der Sieger selbst angewiesen bleiben, und es wird reichliche Gilegenheit geben für solchen Austausch von humanen und milden Bemühungen, wie sie, wenigstens für die nächste Zeit, tiesgewurzelten Haß mildern und bittere Erinnerungen auelöschen können. W>r haben die gute Wi'kung nicht vergessen, welche zu Metz durch die freiwillige Miltherzigkeit ter teutlchen Soldaten hervoegerusen wurde, noch auch die dankbaren Thränen, womit die ausgehungerte Garnison dieses Platzes die Rationen annohm, welche ihr von ihren selbst nicht gar gut genährten Stegern angeboten wurden. Dte Hauptstadt hotte ihren eigenen Antheil an der großen nationalen Arbeit nicht mit größerem Heltenmuthe ausüben können, wie sie thn während vier Monaten gezeigt ha», und es ist sicherlich nicht ihr Fehler, wenn die Entsotzormeen im Felde nur Niederlagen erfahren haben. Aber dieThatsache selbst, daß Paris seine Schuldigkeit gethon hat, und daß Frankreich die Erfüllung der seinigen mißlungen ist, glcbt der Hauptstadt das Recht, für dos Land sowohl wie für sich selbst zu sprechen. Paris und Frankreich haben dieselbe Schlacht ge­schlagen, sie sollten demselben Schicksale erliegen. Selbst Trochu mit all seinem organisatorischen Talente und den Mitteln, über welche er versügte, gelang iS nicht, seiner bürgerlichen Volksmenge die Festigkeit einer wirklichen Armee zu ver­

leihen. Die Pariser fochten wuthend, aber nicht standhaft, ihr Angriff war über- stürzend, aber nicht nachhaltig, und noch einer ersten Zurückweisung konnte keine Macht der Welt sie wieder sammeln. Wenn die Pariser jetzt im Stande sind, ihren Führern und sich selbst Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, so müssen sie fühlen, daß, da sie überrvunden wurden, von den Provinzialen nicht zu erwarten ist, daß sie siegen, und daß Gambetta schwerlich hoffen darf, Erfolg zu haben, wenn Trochu Mißerfolg hatte."

Auch aus dir See ist nunmehr deutscherseits die Offensive ergriffen worden. Dirselbe kann, wie bei der Ungliichheit der französischen und deutschen Marine­streitkräfte sich von selbst bedingt, vorläufig nur die Beunruhigung des Feindes zum Zweck haben; es sollen jedoch die geeigneten Maßregeln ergriffen fein, um gleicheiweife diesen Zweck nach den verschiedenflen Richtungen zu erreichen, wie die Gefährdung der ausgescndlten Fahrzeuge auf ein möglichst gcvingeS Maß zu be­schränken. Selbst auf die Gefahr hin, das eine oder andere deutsche Fahrzeug einzubüßen, erscheint diese Maßreg'l inteß ebenso der deutschen GcsammtkriegS- sühiung entsprechend, wie dieselbe sich wirksam erweisen dürste, wofür die gewaltige Beunruhigung, von der man sich seit dem Erscheinen der deutschen KriigSschiffe in den Iponisch.pcrtugiksischtn Gewässern in ollen französischen Seehäfen ergriffen zeigt, schon den Beweis liefert. Zum mindestem wird dies offensive Verfahren die Franzosen nötbigen, völlig unerwartet und unvorhergesehen auf die Sicherheit ihrer eigenen Küsten und Häsen, wie ihrer Handelsseb fffahrt Bedacht zu nehmen. Ob teuischerseitS etwa, wie im vorigen Jahr in Aussicht genommen war, noch die Absicht obwaltet, auch die hierzu geeigneten deutschen Handelsschiffe mit zu Kriegszwecken in Verwendung zu ziehen, steht dahin, dagegen aber erhalten die bisherigen Demuhungrn der l. deutschen Armee, sich eines oder des anderen Hafen- Platzes der französischen Nordküste zu bemächtigen, durch die jetzt erfolgte Offensiv- Verwendung ter deutschen Seefireitkräste eine für Frankreich sehr ernste Bedeutung, indem die deutschen Kriegsschiffe dan it dort einen Stotioneplatz gewinnen würden, was für die französische Hontelsverbindung mit England gradrzu als ein ver­nichtender Schlag erachtet werden müßte. (Diese Maßregeln dürsten nach der nunmehr erfolgten Waffenruhe nun nicht mehr stattfinden. A. d. R.)

Die Verhandlungen über den von Jules Favre nachgesuchten Geleitschein geben in den englischen Blättern zu mancherlei Eommentaren Veranlassung, die ter Mehrzahl nach offen oder stillschweigend zugeben, daß der französische Minister des Auswärtigen von tem deutschen Kanzler wieder einmal eine gründliche Niider- lage erlitten habe, im Uebrigen jedoch dem Grasen Bismarck keine Eomplimente machen. Es ist in den diplomatischen Scharmützeln zwischen den beiden Staats­männern sagt te\ Daily - Telegraph gewöhnlich ein klägliches Schauspiel geboten, denn obschon Jules Favre als der Vertreter einer großen Nation, die wacker für eine edle Sache kämpft, anscheinend eine unangreifbare Stellung ein­nimmt, so fällt er doch regelmäßig in die Fallstricke, w.lche ihm der jüngste Generollieutenant der preuß'fchen Rangliste legt, und geht aus jedem neuen Treffen mit einer neuen Niederlage hervor. Wenn er aus das erste Anerbieten eines Geleitschrines hin Paris vrrlossen hätte, so würde er jetzt in London weilen als der anerkannte Dertretcr Frankreichs, und er hätte durch seine Anwesenheit bei cer Eonsercnz allein den Grafen Bismarck verhindert, die Ansprüche der provisori­schen Regierung, als die Regierung de facto angesehen zu werden, ausdrücklich zurückzuweisen. Wir haben eine Dermuthvng, daß der kluge preußische Minister leben bei Gewährung des Geleitschcines zuversichtlich daraus rechnete, ft in Gegner werte ihm schon einen paffenden Grund liefern, denselben zurückzuziehen. Wenn das wirklich ter Fall war, so hat ihn seine Erwartung nicht getäuscht. Uedri- gens darf man nicht übersehen, daß Graf Bismarck, indem er seine Gelegenheit kluger Weise ausnutzte und sich von d«r Dirbindlichkiit losmochte, die Regierung von Pans und Bordeaux anzuerkennen, mehr erreichte als einen einfachen diplo­matischen Triumph. Ohne den Ereignissen vorzugreisen, können wir immerhin «diäten, daß in Paris die Dinge der endlichen Entwicklung entgegen gehen In Versailles wenigstens bäh man das Ende für nahe, unO die preußische Politik ist zweifellos auf diese Voraussetzung basirt. Gambetta und feine Eollegen leiten ihre Autorität von dem nationalen VertheidigungSauSschuß ab, der noch Sedan in Paris zusammen trat. Wenn dieser Ausschuß gefangen oder zerstreut ist, könnte Gambetta allerdings in feinem Namen die Regierung sortsühren, praktisch jedoch würde seine Dietatur ihren Halt bei der Nation einbüßen. Wie die Hoffnung auf den Entsatz von Paris schwindet, wird man voraussichtlich Gambetta mit demselben Maße ausmessen., als er Anderen eingernessn hat. Wir sind geneigt, die Aufrichtigkeit des Grafen Bismarck hinsichtlich feiner oft wiederholten 93er- sicherung, er wolle sich nicht in die inneren Angelegenheiten Frankreichs mischen, gelten zu lassen, indessen da die Republikaner sich nicht seinen Bedingungen fügen wollen, so verweigert er ihnen seine Anerkennung, und es scheint, als ob dem- nächst der Eorps Legislatif oder irgend eine andere Versammlung unter preußischem Schutze in Paris zusammenlretrn und in Ermangelung eines Bisset en eine Rc- stauration der kaiserlichen Dynastie mit Modificotionen beschließen würde. Die geschlagene und entmuthigte Nation würde bei der Wahl zwischen Fortsetzung eines hoffnungslosen Krieges unter einer unglücklichen unpopulären, republikanischen