Das Comite ver katholischen Reformbewegung in München hat, wie schon gemeldet, die Einladung an die Katholiken Deutschlands, Oesterreichs und Der Schweiz zu dem am 22., 23. und 24. September in München stattfindenden Ka- tholikencongreß erlassen. Dieselbe lautet im Wesentlichen:
„Die Bewegung innerhalb Der katholischen Kirche ist in einem unaufhaltsamen Wachsthum begriffen. Allenthalben und immer mächtiger erwacht das Verlangen, die Kirche in ihrem ursprünglichen Geiste wieder herzustellen, damit (le, wie ehedem, so auch künftighin ihre hohe sittlich-religiöse Mission zum Heile der Gesellschaft wie des Einzelnen wieder zu vollführen vermöge. Soll diese große Aufgabe gelöst werben, so bedarf es vor Allem der Einigung und Organisation unserer Kräfte, auf Grund eines bestimmten Programms. In dieser Absicht hat die am 5. und 6. August l. I. zu Heidelberg tagende Katholikenversammlung die Abhaltung eines Kongresses in München auf den 22.—24. September anberaumt. Der Kongreß wirD in berathende unD öffentliche Sitzungen zerfallen. Zn den berothenden Sitzungen, zu w.lchen als stimmberechtigt die MitglieDer Des Münchener Actionecomite's, die Delegirtcn aller üorigen Altkatholike.icomite'S und endlich speciell Geladene Zutritt haben, soll das Programm und die Organisation der kirchlichen Reformdewegung sestgestellt, in den öffentlichen hingegen, welche Durch Vorträge gebildet werden UND zu denen Zulaß durch Karten stattfindet, Geist und Ziel derselben dem Publikum oargelegt werden. Zn der letzten öffentlichen Versammlung soll eine öffentliche Declaration derselben über die Zwecke der Agitation durch einen ReDner vorgetragen, begründet und zur allgemeinen Annahme vorgeschlagen werden. Die berathenden Sitzungen beginnen am 22. September, Morgens 9 Uhr, im Saale Des Museums (Promenavestraße Nr. 12); Die öffentlichen werden am 23. und 24. September, von 3 Uhr Nachmittags an, abgehalten. Das Versammlungslocal für letztere wird noch rechtzeitig bekannt gegeben. Unsere Einladung ist zwar zunächst nur an Die Katholiken deutscher Zunge gerichtet, doch sind uns Gaste aus andern Nationen hochwillkommen."
Ueber Die Resultate der Gastciner Neichskanzlerconferenz werden noch immer die seltsamsten Conjecturen angestellt, deren unwahrscheinlichste die ist, daß es sich dabei um Den Abschluß einer Tripelallianz zwischen Deutschland, Oesterreich und Italien gehandelt habe. Indessen ist in Gastein von einer solchen Allianz gegen Frankreich — denn nur gegen den Westen könnte sich ein Bündniß Der genannten drei Staaten richten — ebensowenig die Rede gewesen, als es während des letzten Krieges eine preußisch-russische Allianz gab, von der französische Blätter heute noch ihre Leser zu unterhalten wissen; im Gegentheil müssen wir noch einmal darauf Hinweisen, Daß in Gastein nur allgemeine Besprechungen stattfanden, welche sich auf Die Gemeinsamkeit Der Interessen Der beiden mitteleuropäischen Staaten bezo gen. Ob die Stellung Des Grafen Bcust, Die man in Berlin wie in Wien für erschüttert hielt, durch Die Zusammenkunft mit dem Fürsten Bismarck gefestigt worden ist, läßt sich heute noch nicht mit Sicherheit behaupten; wäre Das nicht der Fall, bann roüroe allerdings ein totaler Mißerfolg Der Gasteiner Zusammenkunft zu constatiren fein, Denn bei Der Richtung Der Hohenwanh'schen Politik ist fein Bündniß mit Deutschland möglich. Dagegen würbe der besagten Zusammenkunft, auch wenn sie zu keinen positiven Abmachungen geführt hätte, eine weittragende Bedeutung beizumessen fein, falls eö gelungen wäre, die Stellung des Grafen Hohenwarth so stark zu unterminiren, daß Der Rücktritt des letztem nur mehr als eine Zeitfrage aufzufassen ist. Aber auch hierüber liegen zur Zeit keine bestimmten Anhaltspunkte vor; es ist mithin sehr gewagt, in Diesem Augenolick ein Urtheil über Den Werth jener Verhandlungen zu fällen, deren Erfolg zumeist durch Den Sieg Der Deutschen Versassungspaner in Österreich bedingt ist. Unterliegt letztere bei Den bevorstehenden Wahlen, Dann ist kein Zweifel mehr Darüber möglich, Daß Die Sirömung Der inneren Politik O-fterreichS auch die Beziehungen zu Deutschland beherrscht, und Graf Beust gezwungen sein wird, sein Portefeuille in Die HänDe seines antideutschen Kollegen zu legen.
In Damaskus haben sich Die Beduinen empört. Sie plünderten Die Einwohner unD mißhandelten eine zur Unterdrückung Der Revolte abgesandte Compagnie Miliz. __________________
Vom Taunus, 15 August, wird dem „Rh. K." geschrieben: „In S. sollte Die Schafhut auj's Neue vergeben werDen. Der seitherige Schäfer verlangte 500 fl. für Die Weiterversehung des Dienstes. Der anwesende Lehrer, Dessen Besoldung Diese Höhe nicht erreicht, erbot sich, es für 400 fl. zu übernehmen. Da aber Die Väter Der Gemeinde fürchteten, Die Constitution des Lehrers möge den Einflüssen der Witterung nicht trotzen und ihre Schafherde könnte zuweilen ohne Aufsicht fein, so übertrugen sie die Hut dem alten Hirten wieder. So unterrichtet und erzieht nun Der Lehrer Die Kinder für 350 fl. und der Schäfer hütet für 400 fl. die lieben Schcflein des Dorfes. — In K. war Die Stelle eines Nachtwächters vacant geworden. Der dortige Lehrer, welcher mit feiner geringen Besoldung unmöglich auskommen konnte, ließ verlauten, er habe Lust, Den Reicht- wächteroienst noch zu übernehmen, um ftine finanzielle Lage etwas zu verbessern. Dessen schämte sich jedoch Der Gemeinde-Vorstano und gab Dem im Dienste braven Lehrer eine Gehaltszulage. Die beiden angeführten Fälle sind Thatfachen, Die in hiesiger Gegend sich ereigneten. Was werden die Darbenden Lehrer noch alles ergreifen müssen, bis man ernstlich an eine zeitgemäße und durchgreifende Aufbesserung auch ihrer BesolDungen einmal denkt!"
Coblenz, 26. August. Zu Dem von einer Anzahl angesehener Männer aus allen Thetten Deutschlands auSgegangenen Vorschläge, die glorreichen Ereignisse Der Jahre 1870 unD 71 Durch ein alljährliches patriotisches Fest in ganz Deutsch- UnD am 2. September, als Jahrestag Der Gefangennahme Napoleon's III., zu feiern, macht Die hiesige k. Regierung folgende Mittheilung: „Wir sind einverstan- Den, Daß Die Beamten unseres Bezirkes in Den GemeinDen, in welchen Dieses Fest gefeiert roirD , Dasselbe nach Möglichkeit fördern und selbst Daran Theil nehmen, auch Den Lehrern an Diesem Tage gestatten, Den Schulunterricht aussallen zu lassen, um sich mit Der Schuljugend an diesem nationalen Feste zu betheiligen."
St. Johann, 26. August. Die hiesige katholische Geistlichkeit hat den Gläubigen das Lesen Der „St. Johanner Ztg.", welche zu Gunsten Der Altkatho- lifen agttirt, von Der Kanzel herab verboten. (K. Z.)
t Bcrlm, 26. August. Amtlich ist constatirt, Daß nun auch in Tilsit, Insterburg und Elbing Die Cholera epidemisch auSgebrochen ist.
In Folge einer Verständigung des deutschen General-Postamtes mit dem Norddeutschen Lloyd in Bremen wird vom 1. September r. ab bei Den Postanweisungen nach Den Vereinigten Staaten von Amerika bis aus Weiteres das Reductionsverhältniß von 69'/- Cents Gold = 1 Thlr. preußisch in Anwendung kommen.
t Berlin, 26. August. Auswärtige Blätter brachten Dieser Tage Die Mit- theilung, daß zum Ban Des Parlamentshauses 120 Mann Militär in Uniform mit Gewehr täglich marfchirten, dort Die Gewehre zusammensetzten unD sich an Der Fertigstellung Des Baues betheiligen. Wir haben hiervon keine Notiz genommen, weil uns Die Nachricht in dieser Form nicht richtig schien. Thatsächlich können wir denn auch heute melDen, daß sich im Laufe weniger Tage ca. 80 Militär-Bauhandwerker freiwillig gemeldet haben, Denen mit Rücksicht auf ihre gute Führung Die Erlaubniß zur Arbeitsleistung gewährt worDen ist. Das so kriegerisch klingende Antreten mit Gewehr k. ist nur ein leeres Phantasiegebilde, Denn Die Soldaten kommen mit Jacke unD LeinNandhosen zum Bauplatz uno arbeiten nur am Tage.
Berlin, 28. August. Die gestrige Versammlung Der Maurergesellen hat einstimmig Die Resolution angenommen, wonach Der Strike beenDet erklärt worden ist.
München. Der ultramontane „Volksbote" in München schreibt in seinem eleganten Skyl: „Fürst Bismarck war also in München! Dies ist für den „Volksboten" kein so großes Ereigniß und kümmert und genirt ihn gerade so wenig, als wenn der- aufgeblasene Apostel des „Affenkastens" in Berlin oder Buxtehude gewesen wäre; seinetwegen konnten beide selbander in jenes Land gehen, wo Der Pfeffer wächst, Schade wäre gewiß keiner. Allein für unsere bayerischen „Thronstützen" war dies ein Ereigniß von eminenter Bedeutung, Da sie bei dieser Ge- legenheit wieder eine Demonstration iu's Werk setzen und ihre über allen Tadel erhabene Loyalität — für Preußen — zeigen können. Haben sich ja alle vor lauter Bauchkriecherei Hosen und Westen zerrissen und so Den Schneidern neue Arbeit verschafft, weshalb eigentlich nur Die Schneider ein Anrecht haben, sich bei der neugebackenen Durchlaucht zu bedanken. Außer Den loyalen bayerischen „Thron- stützen" haben sich ober auch Die Organe dieser du^ch und Durch verrotteten „Stützen" hervorgethan, oder besser gesagt, Hervorthun müssen, da ja sonst Die Subvention hätte ausbleiben können. Was aber würden diese Organe thun, wenn Vater Bismarck, ihr unfehlbarer Gott, nicht gnädig auf sie herabsehen unD zeitweise einen Thalerregen über sie ergehen ließe?"
Chemnitz, 28. August. Der Socialdemokrat Most wurde wegen politischer Vergehen auf Antrag Der Staatsanwaltschaft vorgestern hier verhaftet.
Königsberg, 22. August. Vom 26. Juli bis incl. 20. August sinD hier im Ganzen an Der Cholera erkrankt 870 Personen, von denen 407 mit dem Tod abgingen. In Elbing hat Die Cholera bere.ts 11 Opfer geforDert.
Paris, 24. August. Die Patrie bringt folgende Mittheilung: „Wir erfahren durch Depeschen und Briefe aus Dem Süden Frankreichs, daß Banden von Freiwilligen sich aus den in der Nähe Der Rhüne liegenDen Departements nach Lyon gegeben, um Dort Dienste in Der Nationalgarde zu nehmen. Man hat in Diefen iSepartement« das Gerücht verbreitet, daß jeder Freiwillige 14/2 Fr. täglichen Sold erhalte. Es ist uns uno^annt, ob Letzteres richtig ist, aber man versichert uns, daß der General Bourbaki, dessen Auftreten eben so gemäßigt als energisch ist, die Straßen, Die nach Lyon führen, hat besetzen lassen, um die Freiwilligen zu verhindern, bis nach Lyon zu kommen, und sie zu zwingen, in ihre Departements zurückzukehren.
Athen, 25. August. Ein Blitzstrahl schlug gestern in das Pulvermagazin Der Stadt Lamia ein unD richtete Daselbst beträchtliche Verwüstungen an. Die Einwohner verließen in Folge dessen die Stadt.
Newyork, 25. August. Der Dampfer „Lodona" , von hier nach New- Orleans unterwegs, ist an der Küste von Florida gescheitert, dreißig Personen kamen um. ______ ________
Local-Notizen.
Gießen, den 28. August. Die Sitzungen des Schwurgerichts für die Provinz Oberhessen vom 4. Quartal werden Montag den 2. October I. I., Vormittags 9 Uhr, unter dem Vorsitze des zum Präsidenten des Schwurgerichtshofs besiimmten Großherzoglichen Hofgerichtsraths Herrn von Herff, beziehungsweise des zu dessen Stellvertreter ernannten Großherzoglichen Hofgerichts- ratbs Herrn Muth ihren Anfang nehmen, und ist aus dieser Veranlassung in der heute statt- gehabten öffentlichen Sitzung Großherzoglicben HofgerichtS dahier, die Auslvosung der Haupt- und Grgänzungögeschworenen in folgender Reihenfolge vorgenommen worden.
I. Ergänzungs-Geschworene:
1) Dr. Egid von Löhr, pract. Arzt,
2) Karl Dornseiff, HofgerichtSadvocat,
3) Dr. Otto Buchner, Reallehrer,
4) Friedrich von St. George, Apotheker,
5) Johann Wilhelm Kurz, Specereihandler,
6) Ernst Heinemann, Buchhändler,
7) Dr. August von Klipstein, Professor,
8) Andreas Euler, Schneidmüller,
9) Dr. Oscar Bülow, Professor,
10) Dr. Hermann Baur, Privatdocent und pract. Arzt,
11) Dr. Friedrich Felfing, pract. Arzt,
12) Dr. Friedrich Birnbaum, Professor; sämmtlich in Gießen.
II. Haupt-Geschworene:
1) Johann Jost Erb. Landwirt!) in Schadenbach,
2) Jacob Blecher III, Landwirth in Ober-Roöbach,
3) Jacob Müller, Müller in Griedel,
4) Leonhard Stetzer, Landwirth in Ober-RoSbach,
5) Karl Leonardo Münch, Kaufmann in Gießen,
6) Friedrich Kraft, HofgerichtSadvocat daselbst,
7) Dr. Karl Wilhelm Hempel, Apotheler in Gießen,
8) Ludwig Ohnacker, Bürgermeister in Nieder. Ohmen,
9) Georg Wilhelm Heil, Pachter in Vrckstadt,
10) Karl Klingspor, Cigarrenfabrikant in Gießen,
11) Ludwig Schudt, Müller in Arnoburg,
12) Johannes Heil, Pachter in Dorheim,
13) Philipp Keil II., Landwirth in Melbach,
14) Georg Kaöpar Mogk II., Weinwath in Echzell,
15) Georg Wilhelm Heinrich Gatzert, Bürgermeister in Heuchelheim, Kr. Nidda, 16) Wilhem Stoll V., Bürgermeister in Echzell,
17) Heinrich Möser, Müller in Goßen.
18) Johannes Bloch II.. Lanvwirlh in Stockhausen, Kr. Lauterbach,
19) Georg Geisel III., Landvüth in Reibertenrod,
20) Kail Nrich, Fo stmeister in Büdingen,
21) Auschel Grünebaum, Fruchthandler in Bad-Nauheim,
22) Johannes Kleberger. Landwirth in M.lbach,
23) Rudolph Melior, Rentier in Borrhausen,
24) Johannes Weber III., Bürgermeister in Gichelsachsen,
25) Karl Ebel II. Weinhändler in Gießen,
26) Georg Steinhäuser II., Bierbrauer in Friedberg,
27) Johannes Specht, Landwirth in Leusel,
28) Karl Koch, Müller in Assenheim, 29) Heinrich Lapp, Müller in Rülfenrod, 30) Johannes Simon HL, Wirth in Zell.


