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Ibsen, und daß die Verhandlungen mit den Czechen in ein Stadium getreten find, welche- ein Scheitern nahezu ausschlftßt. Der wettere Feldzugeplan läßt sich allerdings «ur errathen, aber doch mit einiger Sicherheit errathen. Die gegenwärtige Neichsrathsmehrheit wird trotz ihrer Zerbröckelung noch immer stark genug sein, eine ihr mißliebige Verfassungsänderung — eine solche Aenderung bedingt eine Zweidrittelmehrheit — zu hindern; der Hebel muß also zunächst in den Landtagen angesetzt, es müssen Landtage geschaffen werden, welche die Constituirung einer anderen ReichsrathSmehrhett erwarten lassen, und wenn speciell die Czechen in Böhmen und in Mähren zu bewegen sind, aus ihrer bisherigen parlamentarischen I Enthaltung berauszutrcten, so kann es nicht schwer fallen, mit ihrer Hilfe eine Mehrheit zu bilden, wie das Ministerium für feine „versöhnende" Politik sie braucht. Nun freilich steht zu hoffen, das Cabinet werde sich zu rechter Zeit Garantien schaffen, daß die neue Mehrheit ihm nicht das Heft aus der Hand nehme und zu staatsrechtlichen Zuständen dränge, welche das gegenwärtige Staatsrecht vollständig auf den Kopf stellen.
Der Korrespondent der „Daily News" in Paris äußert sich mit einigem i Befremden über die allgemeine Gleichgiltigkeit in Betreff der bevorstehenden Wahlen. Richt- ist zu bemerken — sagt er unter Anderem — von eifriger Bewerbung der Parteien, von patriotischen Erklärungen seitens der Kandidaten. Nur in den Zeitungen sieht »an die Listen von Männern, die wählbar sind. Die Haupt» Ursache dieser Theilnahmlosigkeit, heißt es im Weiteren, liegt in der Thatsache, daß die Pariser wesentlich republikanisch gesinnt sind und daß eS im gegenwärtigen Augenblicke unmöglich ist, wirklich republlkünische Canvidaten ourchzubriugen. Ge- mäßigte Republikaner stehen im Gerüche, verkappte Royalisten zu sein. Vorgeschrittene Republikaner werden der Mitschuld an den Thatea der Commune ange- klagt, so daß eine bedeutende Zahl der Wähler zur Erkenntniß kommt, daß, wenn sie überhaupt am 2. Juli stimmt, sie entweder für Männer stimmen muß, welche ihr unangenehm sind, oder für solche, welche sie fürchtet. ES liegt auf der Hand, — bemerkt „Dady Nervs — daß die Reaktion gegen die vorgeschrittenen Republikaner, welche auf die Thaten der Commune folgte, noch immer bis zu einem gewissen Grade vorherrscht, und auch, daß das Vertrauen auf die Pläne, mit welchen sich Thiers und seine Anhänger tragen, noch keineswegs vollständig wieder | hergeßellt ist. Allein noch mehr als eine Woche muß verlaufen, ehe das eigentliche Geschäft der Wahl beginnt, und dann dürften sich die Pariser doch überzeugt i haben, wie wenig, es ihnen Helsen kann, wenn sie sich einfach fern halten. Sie müssen sich entscheiden, und von ihrer Entscheidung hängt die Zukunft dcS Landes ab. Wir können kaum annehmen, daß eine große Stadt sich auf die Dauer abschrecken läßt, ihr Urtheil über die Männer abzugeben, welche voraussichtlich am besten das Wohl des Landes fördern würden. Die Hsuptschwierigkeit liegt eigentlich in der zweifelhaften Stellung der meisten Candidaten, und die Zwischenzeit ! sollte benutzt werden, Meinungsäußerungen, wenn nicht Versprechungen über ihr. künftige Politik von Männern zu erzielen, welche in die Versammlung geschickt werden können, um Thiers zu stärken oder auch um gegen ihn zu Gunsten einer ! monarchischen Restauration Ränke zu schmieden.
Die „Liberte" schreibt: Es ist mehr als jemals die Rede davon, das System | der Festungen, welche Paris umringen, zu completiren und sie in größerer Entfernung von der Enceinte aufzubauen. Die Forts von Danvres und von Jffy sollen auf den benachbarten Anhöhen von Chatillon und Haute-BruyereS aufgebaut werden. Man scheint gleichfalls entschlossen, ein Fort auf den Höhen von Orge- mont zu errichten. Ein anderes soll zwischen dem neuen Fort Jffy und dem Mont Valerien gebaut werden.
lieber die kommunistischen Bewegungen der Neuzeit, resp. über die Ausbreitung und Verbindungen der Internationalen, deren Sitz bekanntlich in London ist, sind jetzt, wie-die „D. R. C." erfahren will, von allen größeren Staaten Erhebungen und Untersu^ungen angestellt worden, welche bereits zu den überraschendsten Resultaten über die weitverzweigte Ausbreitung, welche diese socialistische Verbindung erreicht hat, geführt haben. Die Ermittclungen werden, wie wir hören, in Folge dessen jetzt mit noch größerem Eifer und nach gemeinsamem Princip fortgesetzt, und ist für das deutsche Reich die Leitung dieser Untersuchungen und Forschungen einem unserer gewiegtesten Cnminalistcn übertragen worden.
Es heißt jetzt, daß die Kriegsgerichte von Versailles ihre Verhandlungen erst nach den Wahlen eröffnen werden. Rochefort ist mit Rücksicht auf seine angegriffene Gesundheit nach dem Hospital von Versailles gebracht worden.
Der „UniverS" glaubt die Antwort, welche der Papst auf die Beglück- vünfchungsadreffe der französischen Katholiken ertheilte, so genau als wörtlich viedergeben zu können. Danach lautete dieselbe, wie folgt:
Ich gestehe es gern em, Frankreich hat sich stets für mich und den heil. Stuhl aufgeopfert. Es verdient Bewunderung wegen seiner Mildthätigkeit, seiner guten Werke und frommen Stiftungen. Es vergißt kein Unglück, und namentlich seine Frauen wirken Wunder. Ja, die Frauen spielen eine erhabene, christliche Nolle in Frankreich. Aber ich muß den Franzosen die Wahrheit sagen. Es gievt in Frankreich ein Hebel, welches schlimmer ist, als die Revolution, schlimmer als die Commune mit ihren der Hölle entronnenen Männern, welche Paris in Brand gesteckt haben; dieses Uebel ist der kathol-sche Liberalismus.
Als dann der Papst den Grafen Damas empfing, welcher ihm die Glückwünsche des Grafen Chambord überbrachte, hätte der Bischof von Nevers gesagt: „Heiliger Vater! Der Herr Graf von Chambord ist kein liberaler, sondern ein wirklicher Katholik."
Berlin, 27. Juni. Ein kaiserlicher Erlaß vom 20. d. verfügt die Auflösung der Truppenverbände der zweiten und dritten Armee. Sämmtliche auf sranzöstschem Boden befindlichen deutschen Truppen treten in einen Truppenverband i unter der Benennung „Occupationsarmee in Frankreich". Zum Oberbefehlshaber derselben ist General v. Manteuffel ernannt.
Wien, 26. Juni. Wre aus der Stadt Tachau gemeldet wird, ist dieselbe 1 durch einen Wolkenbruch, in Folge dessen die Beraun übertrat, überschwemmt toon den. Hierbei sind 15 Personen verunglückt; da« Vieh ist sämmtlich ertrunken und wurden über 60 Häuser von den glutben mit fortg'riffen. Die umliegenden
Gärten und Felder sind vollständig verwüstet; die Brücken sind spurlos ver- | schwunden.
Paris, 24. Juni. Wie man aus zuverlässiger Quelle erfährt, haben die | Anhänger der Commune, die noch äußerst zahlreich in P »ris vorhanden sind, die -Absicht, die Agitation in Paris dadurch aufrecht zu erhalten, daß sie die söge- i nannten Preußenhetzereien wieder aufnehmen. Dieselben sollen ihren Umtrieben
als Deckmantel dienen und, da sie glauben, daß die Behörden, wie auch früher, dabei ein Auge zudrücken, so hoffen sie, die Ruhestörungen, die dadurch entstehen müssen, zu ihren Zwecken auszubcuten. Es ist das „Siede", welches die Initiative zu den Hitzereien ergreift. Daß das „Siecle" sich zum Organ der geheimen Projecte der Anhänger der Commune macht, darf nicht überraschen, da dasselbe, obgleich Chaudey, sein politischer Director, zu den armen Opfern gehört, welche von der Commune ermordet wurden, während der Herrschaft der StadthauSmänner doch ganz offen Partei für sie nahm, wie man aus folgenden Citaten ersehen kann: „14. April. Die Commune hat die Zerstörung der Vendomesäule de- cretirt ... Ist dies zu verwirklichen? Ja. Nur beeile man sich. Ceruuschi." „5. Mai. Warum Verachtung für die Commune an den Tag legen, weiche mit so vielem Muth kämpft . . . Warum behaupten, daß die Commune des öffentlichen Wohles die ganze Welt in Entrüstung versetzt. . . Was soll das heißen? CernuSchi." „12. Mai. Paris genommen, ist das entwaffnete Paris, die niedergeworfene republikanische Idee! Tcnon." So das „Siecle", dessen Auftreten man dadurch erklären muß, daß es hauptsächlich in den Meint-,eipcn, wo sich die Arbeiter einfinden, und von der sogenannten kleinen Bourgeoisie gelesen wird, welche letztere bekanntlich ebenfalls viele der Ihrigen zur Jnsurrection stellte.x So befanden sich selbst unter den Mordbrennern etablitte Leute, und das letzte Haus, welches in der Rue de Lille verbrannt wurde (es befindet sich dem Hotel De Bearn, 38 Rue b? Lille, gegenüber, das unversehrt blieb), wurde von einem Schlosser- meister der Rue Verneuil nubergebrannt. Als man denselben festnahm und an eine Straßenecke stellte, um ihn zu erschießen, meinte er: „J’ai fait mon devoir; j’ai äteint le feu avec du Petrol.a
Paris, 27. Juni. Es scheint gewiß, daß der Betrag Der Anleihe mehrfach gedeckt werden wird. Man erwartet eine Präarienha^ffe. Eine Gesellschaft von Wechselmaklern hat allein mehr als dir Hälfte gezeichnet. Der Erfolg der Anleihe hat nicht fkinesgleichen.
Telegraphische Depeschen.
A München, 28. Juni. Die bayerische Regierung hat am 15. März 1871 dem Iteichsrath Max zu Arco-Valley in München, dem Rcichsrath Theocor von Crawer-Clett in Nürnberg, dem Bankhause Merk, Chastian & Co. in München, Der Bank für Handel und Industrie in Darmstadt die Concession zum Betrieb einer „Süddeutschen Boden-Credit-Bank" mit dcm Haupisitze in München ertheilt. Ca« Grundcapito.l, st 14,000,000 (Thlr. 8,000,000) Nominal, eingekeilt in 40,000 Actien ä fl. 350 (Thlr. 200). Die Beteiligten haben zur Ausnutzung der vorbezeichneten Concession eine Actiengescllschaft begründet und die erste statutenmäßige Einzahlung von 40 Procrnt auf das gezeichnete Aclien - Capital bei der Bank für Handel und Industrie in Darmstadt nachgewiesen. Das Institut bezweckt innerhalb des deutschen Reichs und Deutsch-Oesterreichs: 1) die Gewährung von bypotbekariswen Darlehen auf städtische und ländliche Liegenschaften oder Gebäude. 2) Die Gewährleistung von Darlehen an Provinzen, Kreise, Städte, landwirthschaftliche Verbände und Genossenschaften, auch ohne hypothekarische Sicher- beit. Als Sektionen der Gesellschaft sind vorerst Frankfurt a. M. und Straßburg in Aussicht genommen. Von dem Aktien - Capital gelangt ein Theil in Lieferscheinen der Bank für Handel und Industrie, ü Stück 1, 5 und 10 Actim mit 40 % Einzahlung mit Dividende 1871 seqq. und 4 % Usancezinsen vom 1. Juli 1871 ab zur Begebung; diese Lieferscheine au porteur werden nach Erscheinen gegen Jnterimsscheine der Gesellschaft, welche au parteur lauten und mit 40 °/0 Einzahlung versehen sind, an den bekannt zu gebenden Stellen umgetauscht.
A Wien, 27. Juni. Die Creditanstalt zeigt an, daß sie morgen Subskriptionen auf die französische Anleihe entgegennimmt. Nach der „N. fr. Pr." übernimmt Rothschild V3 Milliarde für feste Rechnung und event. die ganze zweite Milliarde, tn welchem Falle er 11/3 Proc. für seine Garantie erhalten wurde.
4- Paris, 28. Juni. Der Zudrang zur Unterzeichnung auf die Anleihe war gestern in Pari- so groß, daß viele Personkn nicht unterzeichnen konnten. Mehrere Journale berichten, daß die Unterzeichnung vier Milliarden erreicht habe; Frankreich allein hätte zwei Milliarden unterzeichnet.
Es wird soeben eine Anzeige des Finanzministers angeschlagen, welche be- stätigt, daß die Unterzeichnung auf die Anleihe geschlossen ist.
A Paris, 28. Juni. Die französische Academie hat in ihrer Sitzung vom 21. d. M. ihr Bureau für das dritte Quartal 1871 erneuert. Sacy w .rde zum Direktor und Claude Bcrnard zum Kanzler ernannt. Am 29. d. M. wird die Academie zum Ersatz des verstorbenen Villemans einen neuen beständigen Secretär wählen. Diese Stelle wurde indessen provisorisch Falin Übertrages.
A Paris, 28. Juni, 9 Uhr lO Min. Das „Journal osficikl" Dringt feine Mittheilung über den Schluß der Subskription auf die Anleihe. Die Morgenblätter behaupten, daß die Subscription dis 4 Milliarden betrage.
4- Versailles, 28. Juni. In der Nationalversammlung sagt Audiffret- Pusquier, indem er über die Lage Der Commission spricht, welche die im Kriege gemachten Ankäufe zu untersuchen hat, daß mehr als 84,000 Aktenhefte vorliegen. Man habe gesehen, wie ein hoher Beamter das Zutrauen des Landes getäuscht habe. In dem Berichte werden als besonders schlimme Beispiele die in Ncwyork von Dem französischen Consul gemachten Ankäufe Hervorgehoden.
+ London, 28. Juni. Die französische Anleihe wurde hier stark gezeichnct. — Nach Dem „Daily Telegraph" erwartet die Königin im nächsten -Monat den Besuch des kronprinzlichen Paares von Preußen.
Der Washingtoner Vertrag ist am 19. Juni ratificirt worden.
+ Florenz, 27. Juni. Der Senat hat den Gesetzentwurf, betreffend die Gotthardbahn, genehmigt.
bei
befördert
ausländische >
en, Lokalblätter
Innonccn - Expedition von Scklotte in Bremen.


