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Anzeige- und AmtsKtatt für den Kreis Kielen.

Nr. 76. Donnerstag den 30. März 1871«

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Amtlicher T b ei L

Erichetut täglich, mtt ÄuS nähme Montags.

Lrpcdition : Canzletderg 8lt B Nr. 1.

Gießen, am 25. März 1871.

Betreffmd: Das Behüten der Wiesen. , 1 < «

Das Krotzhrrrogllchk Krrlsamt Kieyrn

an hir Großher)0ßtichkn Sih^crmnfirrrt. n des Kreises.

?öir machen Sie darauf aufmerksam, das; das Behüten der Wiesen nach der Wiesen-Polizei-Ordnung für den Kreis Gießen vom 1. April an untersagt ist. Sie wollen die Schäfer darauf aufmerksam machen und die Feldschütz.'N zur Anzeige jeder Nebertretung an- halten. Die Gendarmerie ist gleichfalls angewiesen, Zuwiderhandlungen gegen dieses Berbot zur Anze ge zu bringen.

v. Starck.

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P o t t t i scher T v e i i.

Paris hat uns seit dem Ausbruche des dkutlch'frarrzösischen KriegiS so wesentliche Dienste gcleistet, daß cS höchst undankbar von und wäre, wollten wir durch eine Inter­vention in ihre inneren Angel genheitcn die Pariser in ihrem häuslichen Zwiste stören. Die Stimmungen der Pariser Bevölkerung haben nicht bloö auf den Ags- bruch des Krieges, sondern auch auf die Kriegführung selbst einen Einfluß geäußert, der uns die Vernichtung der ehemaligen Napoleonischen Armee, sowie der mili- tärischen Kraft Frankreichs überhaupt bedeutend erleichterte.

Der abenteuerliche Feldzug ter Mac Mahon'fchiN Armee zum Entsatz deS Bazainc'schen Heeres in Metz war durch die Rücksicht auf die Stimmung der Pa- riser Bevölkerung geboten; der deutschen Heeresleitung wurde es dadurch sehr leicht gemacht, jen: Armee zu beseitigen und damit der Hauptstadt des Feindes die Vor- ausfltzung für eine erfolgreiche Bertheidigurrg zu nehmen. Trotz allerem war es wiederum Paris, welches die Stimme der Vernunff und der Mäßigung nicht zur Geltung kommen ließ, vielmehr die Fortsetzung d>S Krieges, auch nachdem Metz und Straßburg in deutsche Hände gefallen und Paris m t einem ehernen Gürte» umzogen war, bis zum Aeußersten verlangte und durchsetzte. Daß die gesammte französische Streitmacht in diesem Kriege zur Entw'.cklung gebracht und alsdann dem Sieger in die Hände geliefert wurde, ist vorzugsweise das Verdienst der Pariser Demagogen.

Doch nicht genug, daß Frankreichs Kraft zur völligen Erschöpfung gebracht ist, das unglückliche Land soll zum Uebrrfluß noch durch den Bürgerkrieg, der von dem Pariser Pöbel angefacht worcen, d»m völligen Rum entgegengesührt werden; die Hauptstadt des Landes, die nicht nur für ccn Kopf und das H«rz Frankreichs geltrn will, sondern sich eine c-vllisatoiische Mission für die ganze Dell zuschreibt, betritt den Weg der tollsten Anarchie. Und dieses Pans, in welchem

es einem anarchischen Pöbklhaufen gelingen kann, aus dem Sladihause die rotde Fahne «rufzusflanzen und die eben erst von tcc Nationalversammlung eingesetzte Regierung als gestürzt zu proclamiren, dieses Pans ',oll das Heiz fein, von dem o> S das politische Leben von ganz Frankreich pulfiit ?

Das Bdenkuche für die Zi kunft Frankreichs ist nicht, daß in einem so un­geheuren Brvölkerungscentruw, wie Paris, Elemente vorhanden sind, die turch keine auch noch so harte Schicksaleschläge und Züchtigungen zur Erkenntniß ge­bracht werden, scntcrn die Thatsache, daß die besseien Elemente ter Gesillschosi sich nichl energischer und wirksamer erweisen für den Schutz H. Freiheit und der Ordnung. Um aus feiner traurigen Ge^enuart sich miet er zu ein<r glücklichen Zukunft zu erbeben, bedarf Frankieich eines hohen Grates sittlicher Energie; aber trotz der Erfahrung, wie weit das deutsche Volk an inhtlecimtkr Geistesbildung und moralischer Kraft dem französischen überlegen ist, mag letzteres aus nationaler Eitelkeit und Selbstüb»rschätzung sich die Wahrh.it doch nicht eingestehen und schreibt seine Niederlagen lieber dem Verralh seiner eigenen Lmte zu.

Diese Erscheinung ist neben anderen Dingen ein sprechender Beweis, wie sehr das socio.e und politische Leben dergroßen Nation" einer soliden sittlichen Grundlage entbehrt.

Der König von Bayern hat dem Kaiser noch eine besondere Auszeichnung zugedacht. Wie dieAugsburger Abendzeitung" aus München wissen will, ist er im Begriffe, die deutsche Krone Ludwigs IV., des Bayers,jenes Kaisers, welcher der erste war, der deutscher und nicht römischer Kaiser sein und bleiben wollte", ihm anzubieten.

DerAllg. Ztg." zufolge beabsichtigen die deutschen Bischöfe, in Kurzem wieder eine Zusammenkunft in Fulda zu bähen,um (wie das Blatt sich aaS- druckt) ihren weiteren Operationeplan gegen die Conc»ls-Opprmnten zu bcrathen."

Dir badische Kri.gSm'.nist'r v. Biyer »st, nie aus Karlsruhe gemeldet wird, wohl wegen der Modalitäten des Vollzuges der M.litärconvention, nach Berlin berufen worden und bereite dahin abgereist.

Das ReichS'P»nsionsgel.ttz für O'siziere und Soldaten, welches in diesen Togen dem Reichetage zu^eh'N wird, lehn' sich in Betreff der O fizicre dem bereits bestehenden Beamtenpcnsionsgksetz für den No dteutschen Bund an, indem auch hier die Pensionen nach Maßgabe Der Gehälter wachsen. Jedes Dienstjahr berechtigt den Osstzier, eine Pension von einem Sechzigstel des Acuvgehaltes zu empfangen.

Diese Progression steigt bis zum 45. Dienstjahr, so daß der Höhepunct des Ruh- gehaltS bis 4560 des Diensteinkommens gefunden wird. Für die Soldaten sind Die Grundziige Der früheren Jnvaliden-PensionS-Gesetzgebung beibehalten won Den, doch schweben darüber noch die Vorarbeiten. Die unterste Pensionsstufe soll nach Dem Projekt auf l2/3 bis 2 Thahr monatlich gesteigert werden. Die drei anderen Eiaffen für invalide Mannschaften sind auch fernerhin beibehalten, so daß es nach rote vor verschiedene Pensionssätze für völlig erwerbunfähige, größtentheilS erwerbsunfähige und nur theilweise erwerbsunfähige Soldaten geben wird.

Für das künftige deutsche Militärbudget würden der auch auf die süddeut- schcn Sta.'t.n übertragene Normalbctrag von 225 Thaler per Zahr und Kopf und die festgesetzte Friedensstärke den Maßstab bieten und wurde sich das Ordrna- rium desselben auf bei tiner Friedensstärke von 370,000 Mann auf 83, bet der PC3 400,000 Mann auf etwa 90 Millionen Thaler berechnen.

Die Eommandeurs der vier in Eurhafen eingerroffencn rranzösischen Kriegs­schiffe sind, wie demB. B. E." aus Hamburg vom 24. März gemeldet wird, benachrichtigt wordcn, daß Die Einschiffung der Kriegsgefangenen noch unterbleiben maß, bis gesichertere Zustänce in Frankreich eingetreten sind. Die Schiffe werden daher vorläufig liegen bleiben.

Die Verfügung, betreffen) rie Entlassung der Ersa^reserv., ist derPos. Z." zufolge, durch eine neuere Bestimmung dahin ergänzt, nur Die Ersatzreservisten, welche bei Garnison- und LesatzungSdakaillonen eingestellt sind, entlassen werden, während die bei Ersatzbataillonen eingcstellhn Mannschaften dieser Kategorie bis aus Weiteres bei der Fahne verbleiben müssen.

DirSituation" äußert:Dank den letzten Ereignissen könnte Europa in einem Tage wilder Fassung erlangen. Dies hängt von jenen ab. Die es regieren. Endlich über die wahren Urrachen und über die wirklichen Gefahren, die es be­drohen, aufgeklärt, brauchen die Souveränetäten Napoleon UI. nur die moralische Mitwirkung anzubieten, die sie ihm schuldig sind. Wenn sie in diesem äußersten Momente zaudern, so werden sie sich morgen erinnern, daß wir ihnen heute das einzige Mittel angedeutet haben, die Feuersbrunst zu beschwören. Der Kaiser von Deutschland macht einen Fürsten aus dem Grasen von Bismarck. §in trauriger Fürst, ddr Mann, dir dos monarchische Europa gezwungen bat, mit'Herrn Jules Favre zu unterhandeln, und welcher, indem er sich mit diesem monströsen Vampyr auseinander setzt?, dem Soeial'swuö ter verderblichen Anstoß gegeben hat, de.n Napoleon 111. allein beschwören konnte. Haltit eure Kronen fest, o Könige, wenn ihr nicht bik.nnen wollt, daß es nach dein 4. September eure Pflicht war, mit unserem Kaiser zu sein!" So das Hauptorgan des BonapartiSmuS. Wenn wir Dbfer hochmüthigen Tiraden erwähnrn, so geschieht es nur, um zu zeigen, welche Wuth düse Menschen gegen den Grasen Bismarck ausstoßen: man sollte sich in Versailles und in Paris dies merken!

Das Kriegsgericht in Lyon har am 23. März pm 4 Uhr Morgens das Urihtil in dem Prozesse wegen ter Hinrichtung des Eommandanten ter dortigen Nationalgordi, Arnaud, gefällt. Der Angeklagte Deloche wurde zum Tode ver- urtheill; ibenso eisolgt'N Eontumazurtheile gegen BallaS, Bouvrct und SaS zum Tode, gegin Brack, Bruyas und Ehol zur Deportation. Paquet wurde zu fünf Jahren Geiangniß, Gadoux, Fournier und M>rel wurdni zu fünf Jahren Zwangs­arbeit, Gallot zu einem Monate Gesangniß und 15 Fr. Geldstrafe verurteilt.

Die Vertheidiger des Pariser Stadthauses verprovrantiren sich wie bei einer Belagerung. Aar 22. trieben sie eine ganze Heerde Schafe ins Stadthaus, auch ein Dutzend Fässer Wein wurde eingelegt. Natürlich lebt der Aufstand auf Un- kosten dir Hauptstadt, und wenn «s an Lebensmitieln und Geld fehlt, so weiden die Bewaffneten und Muth'gen es von den Undewaffneten und Feigen nehmen. Bis j tz: spielt mm aber den Ungläubigen, man thur, als glaube man nicht an Den E.nst ter Insurgenten, kurz, man lebt, wie immer, von Tag zu Tag in Sorge und Noih, und wortreich, doch ohne wirkliche Energie.

Der Ordonnanzoifizier des Obersten Nicciotti Garibaldi, E. Thiebault, richtet an tit Pariser Blätter folgendes Schreiben:

J^err Netacteur! Der Name des Generals Menotti Garibaldi wurde von einigen^ Journalen bli Grlegenheit der Ereignisse genannt, welche in diesem Augen- blide die Haupist dt in Unruhe versetzen; ich würde Ihnen dankbar sein, das Publikum durch Ihr Journal zu benachrichtigen, daß weder Der General Menotti,