durchweg bonapartistisch gesinnt sind, muh doch nach manchen Kundgebungen der-l selben zweifelhaft erscheinen. Ein veröffentlichtes Schreiben des Marschalls Can-I robert vom 19. Februar an Bazaine fordert beispielsweise diesen auf, vor der jetzt, von der Nation gewählten Versammlung feine Sache zu führen und ein compc- tentes Urthetl über die gegen ihn erhobenen Anschuldigungen hervorzurufen. Am Schlüsse des Schreibens sagt Marschall Canrobcrt, er ertrage seit drei Monaten die schmerzliche Gefangenschaft, welche die ältesten und erfahrensten Soldaten Frankreichs der Ehre beraube, an der Spitze ihrer tapferen Landsleute gegen die Feinde zu kämpfen, die Frankreich überschwemmen. Dieses Schreiben Canrober.'s beweist deutlich, wie es den Ma schallen gar nicht in den Sinn kam, sich als von den Deutschen gleichsam kaltgestellt und für eine bonapartistische Restauration in Reserve gehalten anzusehcn, wie eine landläufige Version ihnen das eine Zeit lang zugetraut hatte.
Thiers soll'so vollständig in Verzweiflung fein, dah er mit dem Gedanken umgeht, einen Exmarschall des Empire zum Generalissimus der Republik zu ernennen. Der Rücktritt des Kiirgsministers L-flo siebt damit in Verbindung. Ltflo ist beschränkt, aber ehrlich für die Republik gcst mmt. Das Siecle, welches jetzt die gerechte Mitte zwischen der reactionärcn Majorität der Nat.onalvkrsammlung und den Rothen bildet, schreib!: „Nein, wir wollen es noch nicht glauben, daß der Chef der Executive die unerhörte Schwachheit haben sollte, zur Rettung dec Re- publik einen Exma'rschall des Empire zu berufen. Wenn ein Decemberist die Ruhe in Paris herstellt, so ist Alles verloren, die Ehre eingerechnet.
Darmstadt, 25. März. Seine Königliche Hobcit der Grohherzog haben Allcrgnädigft geruht, im 2. Infanterie Regiment: den Vicefelbwebel Reinhard Hrssig zum L eutenant der Reserve zu ernennen/
Darmstadt, 25. März. Se. Majestät der deutsche Kaiser haben weiter nachstehenden Angehörigen der Großhcrzoglichcn (25.) Division das eiserne Kreuz zweiter Klasse am schwarzwcißc.. Bande Allerhöchst verliehen:
Vom 2. Infanterie - Regimt Nt.
Den Hauptleuten Friedrich Kröll und Heinrich Leiß, dem Lieutenant Heinrich Scharch, d m Gefreiten Ludwig Volk, dem Sergeant Christian Döring, dem Musketier Philipp Reichard, dem Eorporal Georg Lehr und Vice-Feldwebel Heinrich H.berer.
Darmstadt, 27. März. Seine Königliche Hoheit der Grvßherzog sind im besten Wohlbefinden am Samstag Aoend 9*/2 Uhr aus Berlin dahier wieder eingetroffen.
Darmstadt, 27. März. Das Verbot der Rückkehr der Kriegsgefangene.', ist, dem Vernehmen nach, seit zwei Tagen insofern wieder aufgehoben, als Ossi- cieren und den Mannschaften aus Elsaß unv Lothringen abzureisen gestattet ist.
Berlin, 25. Marz. Der „Präsident" des Allgemeinen deutschen Arbeiter. Vereins, Hr. Dr. v. Schweitzer, ist, was man so nennt, „tücksch geworden". Der glänzende Abfall in „seinem" Wahlkreise Elberfeld-Barmen, der allerdings das soc'allstische Schlagwort, mit dem allgemeinen Stimmrecht könne das Pcolc- tariat alles erreichen, gründlich zu Schanden macht, ist dem Herrn „Präsidenten" so sehr zu Gcmüthe gestiegen, daß er den heroischen Entschluß gefaßt hat, sich ganz von drr Arbeiterbewegung zurückzuziehen und vollständig in das Lager der Possendichter überzugehen, in welchem er bisher nur als Dilettant pfuschte. Als Dramatiker wird Hr. v. Schweitzer gewiß viel harmloser sein wie als Agitator, und die freie Entwickelung des Arbcitcrstandcs kann durch seinen Rücktritt nur gewinnen; mit demselben ist aber auch der Beweis erbracht, daß cs Hrn. v. Schweitzer niemals um die Sache, sondern nur um die Befriedigung kleinlichen Ehrgeizes zu thun war.
Dresden, 23. März. Se. Königl. Hoheit der Prinz Georg hat sich gestern Abend 6y2 Uhr mit dem leipziger Zuge zur Armee nach Frankreich (£aon) zurückbcgeben.
Hamburg, 25. Marz. Der heutige Hamb. Eorrefpondent wurde im Auftrage des Generals Grafen von Moltkc um meckere Veröffentlichung des Folgenden ersucht :
Herr Graf, Se hevt it wol mal lesen, Wat oll Hambörgcr Bruk iS wesen; En Tünn mit Haring, en Fat Beer Dem nigen Börger man verehr! Nu schickt dat D.cr oun hier fick flicht. Un ok de Häring paßt Se nicht, Doch stimmt to den Soldatensmack, Von jeher vk en Pip Tobak. — Drum lat ick't mi, Herr Graf, nich wchrn. Se dit lüt Kistel to vrrehrn. Hevt Se uns so vcel Leves dan, Will'n Se min Lev ok nich versman.
Dem ungenannten Verfasser statie ich meinen verbindlichsten Dank ab für eine Sendung Cigarren, die eben so trefflich sind, wie seine Verse!
Graf von Moltke.
Paris, 23. März. Folgende Proklamation der Deputirten und Maires von Paris ist heute angeschlagen:
Der Nationalgarde und allen Bürgern!
Das blutige und zernsicne Vaterland ist nahe daran, zu verscheiden und wir, wir seine Kinder, gaben ihm den letzten Stoß! Der Fremde sicht vor unfern Thoren, den Augenblick erspähend, durch dieselben als Herr einzu- ziehen unv wir kehren geg ncinander die Waffen, den Brudermord zu vollbringen !
Im Namen aller großen Erinn rungen unseres unglücklichen Frankreichs; im Namen unserer Kinder, deren Zukunft wir für immer zerstören, erlassen wir gebrochenen Herzens einen Aufruf an Euch; unsere Hände Niögcn sich noch einmal vereinig n, wie sie sich während der schmerzlichen und glorreichen Tage der Belagerung vereinigten. Verlieren wir nicht in einem Tage die Ehre, die wir während eines fünfmonatlichen beispiellosen MuthcS unbefleckt erhalten haben. Suchen wir, Burger, was uns vereinigt Und nicht was uns trennt.
W.r wollen die Ausrechthaltung, die feste Begründung der großen Institution ter Nationalgarde, deren Existenz von der Republik unzertrennlich ist.
Wir werden sie haben.
Eure Wünsche sind durch Eure Oeputirten der Nationalversammlung un- terbreitel worden, die Versammlung ist ihnen durch ein einstimmiges Votum gerecht geworden, welches in kurzer Frist für Paris und ganz Frankreich die Ge- mtindewahlen garantirt.
Diese Wahlen abwartend, die einzig gesetzlichen unv regelmäßigen, die allein den wahren Prineipien der republikanischen Institutionen gemäßen, ist die Pflicht der guten Bürger, nicht einem Rufe zu folgen, welcher ohne Amtstitel und Recht an sie erging. t
Mir, Eure municipalen Repräsentanten, wir, Eure Deputirten, wir erklären den für morgen angezeigten Wahlen vollkommen fremd zu bleiben und protestiren gegen dieselben als ungesetzlich.
Bürger/ vereinigen wir uns in der Achtung des Gesekes und das Vaterland, die Republik werden gerettet sein.
Es lebe Frankreich! Es lebe die Republik!
Paris, 22. März 1871.
(Folgen die Unterschriften der Maires, der Adjunkten und der Repräsentanten der Seine.)
Der Corresp. Havas geht die Nachricht zu, die angebliche Depesche des Generals von Schlotheim an den gegenwärtigen Commandirenden zu Paris fei falsch. _____
Telegraphische Depeschen.
△ Versailles, 26. März. Admiral Saissct ist verkleidet aus Paris entflohen, meldend, baß in Paris mit der Regierung von Thiers Alles vorbei sei. Oie Deputirten sprechen davon, die Versammlung nach Tours zu verlegen. Man sucht Thiers zu bewegen abzudanken. Die Ernennung des Herzogs von Aumale zum Chef der Executive ist in Vorschlag gebracht. Er ist Befehl gegeben, Garibaldi zu verhafte a, sobald derselbe den Boden Frankreichs betritt. — Die preußischen Vorposten sind bis an die Thorwälle von Paris, Vincennes, vorgeschoben. Das Central Comilo ließ die Kanonenboote am Quai von Grcnclles verankern. Loyale N^t-onalgarden, deren Hauptquartier in Passy ist, halten die Verbindung mit Versailles off n.
△ Versailles, 26. März. General Chanzy wurde freigegeben und wohnte der Nationalversami lung bei.
A Versailles, 26. März, Abends. Admiral Saiffet löste seinen Gelicral- stab auf, kehrte nach Versailles zurück und erklärte, daß er mindestens 300,000 Mann Soldaten bedürfe, um die Insurrektion zu unterdrücken.
+ Paris, 26. März, Mittags 1 Uhr. Vollkommene Rahe. Die Stadt nimmt wieder ihr altes Aussehen an. Die Barrikaden stehen noch und werden streng bewacht. Der Verkehr auf dem Venlümeplatz ist auch noch unterbrochen. Heute früh haben die Munrcipa Wahlen begonnen, es finden sich aber nicht viele Stimmberechtigte dazu ein.
4- Paris, 26. März, 6 Ubr Abends. Die Ruhe dauert fort. Das Een- tral-Cor..ite kündigt an, ferne Mission sei zu Ente, es mache den Neugewählten Platz Eine Versammlung der republikanischen Blätter hat beschloffen, die Regierung des Herrn Th.ere' so lange zu unterstützen, als sie auf republlkanischem Boden bleibe. Die National-Versammlung hat den Gesetzentwurf angenommen, welcher die Unkosten der Leichenferer für die rrmordcten Generale Lecomte und Thomas der Staatskasse zumeist und die Adoptirung der verwaisten Kinder der- selben durch den Staat verordnet.
4- Bordcauz', 26. März. Eine ossiciellc Depesche aus Versailles meldet: „In der «Situation ist fein» wesentliche Aenderung cingetreten. In Lyon ist Dank dem General und dem Präfecten un\r Beistand der Nationalgarde die Ordnung wieder hergest.llt. In Marseille unterstützten Fremde die anarchische Partei und riefen eine vorübergehende Bewegung hervor, die durch entsandte Streitkräfte unzweifelhaft bald unterdrückt sein wird. In Toulouse ist rin er- vlgloser Versuch gemacht worden, dies traurige Beispiel nachzuahmen. Im Ueb- rigen schaart sich Frankreich um die Negierung, um die Anarchie zu unterdrücken. Die Anarchie sucht Parts zu beherrschen. Zwischen den sogenannten Eommunen and den Maires ist ein Einoerständniß bezüglich ter Wahlen getroffen, dem die Regierung vollständig skemd geblieben ist. Die Wahlen sollen heute Voraussicht- iich ohne Freiheit und moralilche Autorität vollzogen weiden Möge das Land sich dadureö nicht beunruhigen lassen."
+ St. Etienne, 25. Marz. In vergangener Nacht wurde das hiesige Stadthaus von d^n Ausrührern gestürmt. Dieselben nahmen den Maire und den Obersten der Nat^onalqar e gefangen. Früh Morgens wurde Generalmarsch für die Nationalgaide geschlagen. Die Aufrührer räumten das Stadthaus, welches wieder von cer Nationalqarde bes tzt wurde.
+ Brüssel, 26. März, lieber Marseille wird aus Constantine vom 20. d. Mts. gemeldet: „Constantine und Setif sind bis jetzt von den Aufständischen noch nicht angegriffen wordcn. Dagegen ist Bordj seit dem 16. d. von Makroni umzingelt. Die Bevölkerung flüchtete sich dort in die Festung."
A Brüssel, 28. März. Ein Courier aus Pari« brachte folgende Nachricht: In Paris wurden 120,000 Stimmen für das Central-Eomite, 60,000 Stimmen für die ehemaligen Municipalüa'ts Mitglieder abgegeben. Paris selbst ist ruhig.
A London, 26. März. Die „Daily News" meldet: Fürst Bismarck hat Favre benachrichtigt, daß deutscherseits keine Einmischung antrete, so lange Vie Zahlung btr Kriegsentschädigung nach den Bistimmungen dc« Vertrags gesichert erscheine. Die „Times" berichtet aus Paris vom 26. d.: Ein von den Pariser Deputirten unterzeichneter Anschlag meldet das F.hlschlagen des VersöhnungSver- faches und tadelt die Opposition der Nationalversammlung. Die Thcilnahmc an den Wahlen >st stark und glaubt man, daß die Majorität dem Centralcomite günstig sei. — General Vinoy bot seine Demission an, falls kein ernsthaftes Einschreiten seitens der R'gieruug gegen oas Centralcomitc erfolge. Nach einer Unterredung Vinoy's mit Thiers wurde die Demission des Ersteren zurückgewiesen. Es sind demnach allem Vermuthen zufolge entscheidcnde Maßregln beschlossen.
-V London, 27. März. Napoleon besuchte heute die Königin in W'ndsol.
A Bucharcst, 26. März. Hochernste Situation. Militärrevolte kommt wahrscheinlich zum Ausbruch. Die Gemahlin des deutschen Consuls ist abgereist. Mehrere Excedenten gegen die deutsche Siegesfeier wurden verhaftet. Starke türkische Truppen-Eorps haben sich längs der Donau conccntrirt.
A Bucharcst, 27. März. Der Fürst droht mit feiner Abreise, sobald die Kammer die Bew.lligung der Dictatur zur Wiederherstellung der Ruhe verweigere. — Man befürchtet in hohem Grade, daß sich die Unruhen erneuern werden. — Die neuen Minister, gvößttnthtils Gegner des Fürsten, sind entschlossen, die dringliche und motivirte Forderung des deulfchen Genera'confulS, daß sich dik Regierung zur Deckung der Eifenbahnactiencoupons verpflichte, nicht anzucrkenne:i, utiD auf den Gerichtsweg zu verweisen.
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