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KriegSnachricht en.

lieber die Wirkungen des Bombardements von Paris vernimmt man noch folgende Einzeldeitkn: Am 19. Januar, als der Professor Levasseur feine Vor­lesung in dem College de France abhielt, fiel eine Bombe auf die Treppe, die zu seinem Katheder führte. Der Professor bricht ab, und nachdem er sich vergewissert, daß die Bombensplitter Niemand verwundet, sagte er, ohne im mindesten seine Ruhe verloren zu haben, zu seinen Zuhörern:Wenn es Ihnen nicht unbequem ist, so werde ich die Vorlesung fortsetzen." Am 18. Januar fielen mehrere Bom­ben auf das Ackerbau- und Handelsministerium, ohne jedoch besonderen Schaden zu thun. Die Preußen schießen auch viel nach dem Haupttelegraphenamt, wo sich bekanntlich die Brieftauben befinden. Besonders stark gelitten haben die Viertel Jtalie, Jardin des Plante« und Pantheon. Viele Häuser wurden beschädigt und die Bewohner ziehen massenhaft fort. Auf den Orleaner Eisenbahnhof fielen auch viele Bomben. Am 17. fiel eine Bombe in die Ställe der Fiakre-Geselljchaft. ES befanden sich dort keine Pferde der Gesellschaft mehr, aber solche, welche der Stadt angehören. Acht wurden getödtet und fünf verwundet. Sehr barmherzig benabm sich eine Bombe, welche in ein Haus der Rue de Conde fiel. Sie schlug in das Dach ein und gelangte bis in den dritten Stock, wo sie am Kamin auf einen gut gepolsterten Sessel, der sich dem Bewohner des betreffenden Appartements gegenüber befand, Platz nahm, ohne zu zerspringen. Weiter als bis aus die Quais der Jsle St. Louis waren die Bomben bis zum 20. nicht gefallen. Eine neue Sammlung Tuilerienpapiere ist erschienen. Sie enthält eine Note des Generals Le Boeuf, des letzten kaiserlichen Kriegsministers, worin erklärt wird, daß die Kruppschen Kanonen ohne allen Werth sind. Eine Liste enthält die Namen derer, welche vom Kaiser Pensionen erhielten. Unter denselben befinden sich Belmontet, der bekannte kaiserliche Dichter und Deputicte, Castille, Schriftsteller, und Cesena, Redacteur verschiedener Blätter.

Nancy, 23. Jan. Die Absicht, oder richtiger gesagt, der Auftrag Gari­baldis, Nanry zu entsetzen, gehört durch unsere fortwährenden Siege der letzten vierzehn Tage in das Reich frommer Wünsche. Die früheren Alarmnachrichten mögen der renitenten Bevölkerung Nancy'S nicht wenig Selbstvertrauen eingkflößt Haven, ter einzige Erfolg aber, welcher bisher erzielt wurde, ist die gestern Mor­gen stattgehabte Sprengung eines Bogens der auf der Route Nancy-Frouard-Tout gelegenen Moselbrücke bei Fontenoy, der dirrcte Verkehr mit Paris ist dadurch für einige Tage gehemmt. Ich sage, nur für einige Tage, denn schon heute in aller Frühe ift eine Eisenbahnfeldabtbeilung mit dem nöthigen Material nach Fontenoy abgegangen, um die zerstörte Brücke wieder herzustellen. Auch die Telegraphen- leitungen, ebenfalls zwischen Frouard und Toul unterbrochen, werden noch heute wieder dem dienstlichen Verkehr übergeben werden können. Gestern Morgen zwi­schen 3 und 4 Uhr wurden die Besatzungen von Frouard und Pompey olarmirt, weil die Nachricht eingegangen, daß sich Franctireurbanden bei Fontenoy und VlllerS St. Etienne gezeigt haben. Zur Bewachung der Moselbrücke zwischen Liv rdun (7 Kilometer von Frouard entfernt) und Fontenoy, welche Brücke etwa 2 Kilometer von letzterem Orte entfernt ist, waren 50 Mann des Landwehr Bataillons Essen Nr. 57 commandirt. Diese wurden gestern Morgen zwischen 5 und 6 Ubr von einer regulär mit Chassepotgewehren ausgerüsteten Franctireur- Compagnie, 250 Mann stark, angegriffen. Trotz des großen Widerstandes haben sich unsere Landwehrleute brav geschlagen, leider nicht ohne Verlust; ein Feldwebel und circa 12 Mann sind vermißt und 3 Mann verwundet. Der Verlust der Räuberbande, wie unsere Leute die Franctireurhaufen gewöhnlich nennen, ist nicht bekannt, da letztere durch ihre Uebermacht Gelegenheit hatten, ihre Verwundeten und Todten mit fortzuschleppen. Von der Rohheit dieser französischen Räuber danden nur ein Beispiel: Einem erschossenen Landwehrmanne wurde nicht nur die Gurgel durch, sondern auch noch ein Ohr abgeschnirten. Die gestern früh von hier über Frouaid und Toul nach Paris abgehenvenden Post- und Militärzüge mußten wegen Zerstörung der vorgenannten Brücke wieder nach hier zurückkchren. Um die Zerstörung der Moselbrücke bet Frouard zu verhindern, war die Besatzung von Frouard-Pompey in vergangener Nacht in Alarmhäusern consignirt und wird dies auch für die Folge zu geschehen haben. Auch ist der Befehl eipgegangen, das Dorf Fontenoy niederzubrennen, und es ist dies allen Maires der Umgegend zur Nachachtung in vorkommenden Fällen telegraphisch bekannt gemacht worden.

Ranzig, 24. Jan. DerMoniteur du Gouvern. Gen. de Lorraine" ent­hält solg.noe Bekanntmachung: Se. Majestät der König von Preußen, deutscher Kaiser, verordnet aus Anlaß der Zerstörung der Brücke bei Fontenoy, im Osten von Toul: Das Territorium des Generalgouvernements Lothringen hat eine außer­ordentliche (Kontribution von zehn Millionen Franken als Geldstrafe zu bezahlen. Dies wird zur Kenntniß des Publikums gebracht, mit dem Anfugen, daß die Art der Repartition später bekannt gemacht und daß die Bezahlung der genannten Summe mit der größten Strenge durchgeführt werden wird. Das Dorf Fontenoy wurde sofort niedergebrannt mit Ausnahme einiger Gebäude, die für die Truppen e,halten wurden. Ranzig, 23. Jan. Der Generalgouver­neur ton Lothringen, G-ncral der Infanterie und Generaladjutant von Bon in.

Rach langer Pause wieder einmal ein Lebenszeichen von der Festung Bitsch. DemNiedeirhein. Cour." schreibt man von dort vom 20. Januar:

Rach drei Monaten Ruhe hat, wie es scheint, die französische Besatzung es langweilig gefunden, Zwe brücker Bier zu trinken, psälzer Ochsenfleisch zu essen und die von der druttchen Post bezogeneJndependance belge" zu les.n. Zur Abwechslung hat sie nun in der letzten Nacht einen durch lebhaftes Artilleriefeuer unterttützken Ausfall gemacht, wurde aber von dem bayerischen Observationscorps zurückaeitdlag'N. Verlust noch unbekannt."

Bordeaux 24. Jan. Die Preußen haben Tours wieder geräumt.

Verlustliste

des 2. Infanterie-Regiments in dem Gefecht bei Briare am 14. Januar 1871.

3. Compagnie.

Musk tier Jesaias Dinge aus Rendel, l. v., Schuß in die linke Seite, liegt in Ouzour für Loire.

m 2heocor Faatz aus Schotten, l. v., Schuß in das linke Oberbein, liegt in Briare.

n 3oh. Ph Klössen aus Mühlheim, beim Patrouillengang nach Ouzouer bei Ousson schwer verwundet, konnte derselbe nicht mitgenommen werden.

» Heinrich Carl Leuck aus Wallenhausen, vermißt.

4. Compagnie.

Sebast. Blöser aus Hartmannshain, l. verw., Schuß in den Fuß, liegt in Ouzouer.

5. Compagnie.

Lieutenant August Weimar aus Nidda, schwer verw., Schuß durch den rechte« Oberschenkel, liegt in Orleans.

Musketier Louis Seibert aus Hungen, l. v., Streifschuß am Hals, liegt i» Ouzouer.

6. Compagnie.

Georg Weber aus Lauterbach, vermißt.

7. Compagnie.

Corpora! Johann Baptist Krantz aus Bingen, vermißt. Musketier Heinrich Wahl aus Angersbach, vermißt.

Heinrich Jordan aus etorntüif, vermißt.

Johann Martin Salzmann aus Laubach, vermißt, (in Gien krank zurück­geblieben).

8. Compagnie.

Corpora! Carl Spieß aus Leusel, schwer verw., Schuß durch beide Beine, liegt in Briare.

Musketier Johs. Hubeler aus Londorf, schwer verw., Schuß durch die linke Hand, liegt in Orleans.

Friedrich Feuerbach aus Holzhaulen, schwer verw., Schuß durch den rechten Vorderarm, liegt in Orleans.

Georg Lotz aus Burgbracht, schw. verw.. Schaß durch den linken Ober­schenkel, liegt in Orleans.

Jacob Adolph aus Unterschwarz, I. verw., Prellschuß am linken Bein, liegt in Orleans.

Carl Faatz aus Butzbach, tobt, Schuß durch die Brast.

Ludwig Hofmann aus Schotten, tobt, Sch. in den Unterleib.

Heinrich Wei! aus Rockenberg, todt, Schuß durch den Kopf.

> Berlin, 23. Jan. Die in den letzten Wochen zahlreich vorgekommenen Desertionen kriegsgefangener französischer Offiziere, so wie die Wahrnehmung, daß vom Auslande her der Versuch gemacht wird, auch die in Gefangencndepors be­findlichen Mannschaften durch umherreisende Agenten zur Meuterei und Flucht zu veranlaffen, hatten Überall da, wo es erforderlich ist, eine verschärfte Fremden- controle bedingt. Die Polizeibehörden haben namentlich ohne Beengung des Ver­kehrs die Beaufsichtigung dec wichtigeren Eisenbahnpuncte, sowie der Gasthöfe in der Umgebung der Gefangenendepots zu bewirken. Maßregeln, durch welche harm­lose Reisende unnöthigen Belästigungen unterworfen werden würden, sind zu ver­meiden, wogegen wider Reisende, welche durch ausländische Sprache oder Erschei­nung auffallen, oder sich anderweit verdächtig machen, in Gemäßheit des § 3 deS Bundespaßgesetzes vom 12. October 1867 zu verfahren ist. Sollten dieselben über ihre Identität sich nicht genügend ausweisen können, so ist, bis dies gesche­hen, deren Festhaltung zu veranlassen. Entwichene französische Gefangene sollen energisch verfolgt und nach idrer Wiederherstellung an dos nächste Militärkommando abgel-ef<rt werden. Der in Lötzen rnternirte Major Prinz Bonaparte wird dort eingeschlossen gehalten und durch ewn Wachtposten bewacht, so daß er die Feste Boyen noch keinen Augenblick verlassen, also auch die in den Zeitungen gemeldete Schlittenpartie nicht gemacht hat. In Königsberg werden 15,000 neue Kriegs- I gefangene erwartet, welche ein noch anzulegendes Barackenlager beziehen. Dasselbe | wird nur aus Holz mit doppelten und wohlgeschützten Wänden, ohne alles Mauer­werk hergkstellt.

Berlin, 25. Jan. DieProv. - Corresp." schreibt: Nachdem auch die bayerische Landesvertretung den Vertrag wegen des Zutritts Bayerns zum deut« icben Bunde genehmigt hat und da mithin der erste deutsche Reichstag unter Be- theiligung aller deutschen Staaten zu berufen sein wird, so ist es unerläßlich, de« Termin für die Berufung des Ruchstages und zunächst den Wahltermin so fest- zusetzen, daß auch in Bayern die Vorbereitungen in Gemäßheit des Wahlgesetzes ordnungsmäßig stattfinden können. Demzufolge ist als Wahltermin der 3. März, als Termin für die Berufung des Reichstages der 9. März in Aussicht ge­nommen. Der BundeSrath wird voraussichtlich zum 20. Februar berufen werde«.

Berlin, 25. Jan. Die Nachsendungen an Mannschaften, Traincolonnen, Munition k. dauern ohne Unterbrechung fort. Wie groß die Zahl der (Som« batianten sein muß, welche Berlin allein gestellt hat, kann man daraus entnehmen, daß die Zahl der unterstüzzungsbedüifiigen Reservisten- und Landwehrsrauen bereits die Hohe von etwa 20,000 erreicht hat. V rhältnißmäßig hat auch Breslau dasselbe geleistet, indem von dort 234 Offiziere, 50 Aerzte, 84 Feldwebel und Unteroffiziere und ungefähr 8000 Mann zur Armee abgegangen sind. Am 21. rürfte von hier wieder ein GarnisonS-Botaillon zur Bewachung der Kriegsgefange­nen nach Mainz ab. Den Mannlchaften, mit sehr geringen Ausnahmen Familien­väter und in vorgerücktem Alter, wurde der Abschied von Berlin ungemein schwer. Dennoch hatten die meisten bald ihre Fassung wieder gewonnen, und von vielen hörte ich, daß, wenn sie auch mit zerr (Jenem Herzen einem ungewissen Schicksal entgegengingen, sie doch ihre Pflicht vollauf erfüllen und nothigen Falls, mit der­selben Ausdauer und derstlben Kaltblütigkeit kämpfen werden wie die Linien- und Landwehrtruppen. Eine bemerkenswetthe Erscheinung gewahrte ich noch, daß fa|l olle diese Leute, von denen die meisten vielleicht seit Jahr und Tag Lin Gottes- Haus besucht haben, gern die ihnen dargereichten Exemplare des Neuen TestameirtS entgegennabmen. (D. Z.)

München, 21. Jan. Wie bereits gemeldet, stimmten für die Verträge 102, also über zwei Drittel der Anwesenden; mitNein", d. i. gegen die Verträge, stimmten 48 Abgeordnete. Darauf richtete der erste Präsident Dr. v. Weis etwa folgende Worte an die Versammlung:

Durch diesen Beschluß ist das deutsche Einigungswerk vollendet, und Bayerr ist in das neugegründete Deutsche Reich eingetreten. Gcloben wir unS in dicsei ernsten Stunde, mit ernster, tiefer Hingebung im Geiste der Vaterlandsliebe an Allem mitzuarbeiten, was zu des gefammlen Vaterlandes Wohl gereicht, darr wird der Segen des Himmels nicht fehlen und der Baum, der jetzt gepflanzt i|l bald feste Wurzel fassen und reiche Früchte tragen. Zu diesen Früchten rechne itf einen ehrenvollen FOeden und die Herstellung der Eintracht nicht blos unter den deutschen Regierungen und Stämmen, sondern auch innerhalb der Stämme unter den bisher bestandenen Parteien. Heber dem großen Gesammtoaterlande vergeffen wir aber nicht unser engeres Vatuland Bayern; ihm bleiben große Aufgaben, und indem Sie innerhalb dieser Aufgaben fe'n Wohl fordern, fördern Sie aut des Gesammroaterlandes Wohl; denn nur wenn die Einzelstaaten blühen, können sie für die Gesammtheit leisten, was dieser nöthig ist. Um dieser Gesinnung Aut' druck zu geben, fordere ich Sie auf, im Gefühl der Zusammengehörigkeit unseres allergnädigsten König ein dreifaches Hoch zu bringen!"

Mit stürmischer Begeisterung stimmte die ganze Versammlung in dieses Hoch ein. ________

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